Blog des Monats Geschichten von Nah und Fern: blickgewinkelt.de

Sie schreiben über das schönste Hobby der Welt und das fast täglich: die Reiseblogger. Diesmal trafen wir Inka Cee. Von Afrika bis nach Brandenburg – Inka liebt die Abwechslung. Welche Pläne sie für ihren 40. Geburtstag schmiedet, warum ihr betrunkene Usbeken Angst machen und weshalb ihr gerade die kleinen Geschichten des Lebens am Herzen liegen, verrät sie uns im Interview.

Mit ihrer Patchwork-Familie lebt Redakteurin Inka Cee in einem Häuschen in Berlin, begeht aber Stadtflucht, so oft es ihr möglich ist. | © privat

Stell Dich bitte einmal kurz vor!

Ich bin Inka Cee vom Blog blickgewinkelt.de, das ist ein Blog über die Morphologie der Kamele. Nein, Quatsch, ich würde jetzt gerne ein knackiges Blogthema präsentieren, kann ich nur leider nicht, weil ich über alles blogge, was mir unter die Finger kommt. Ein Schwerpunkt ist natürlich das Reisen, aber auch die kleinen Dinge meines Berliner Alltags verblogge ich gerne. Fotografieren ist außerdem ein Thema für sich. Über Kamele wollte ich viel mehr bloggen, irgendwie komme ich aber zwischen all den Themen nicht dazu. Ganz privat habe ich einen ganz normalen Job als Technische Redakteurin, einen Garten, in dem ich gerne buddele, zudem eine Patchworkfamilie, außerdem zelebriere ich derzeit mein letztes Jahr in den 30ern und rätsele immer noch, was ich an meinem vierzigsten Geburtstag ganz Besonderes machen könnte. Den berühmten Tandemsprung? Einen Kurztrip nach Rom? Auf einem Wisent reiten? Der Geburtstag ist im August an einem Sonntag. Wer Ideen hat, immer her damit!

Wie lange bloggst Du schon und wie bist Du dazu gekommen?

Die Geschichte ist genauso langweilig wie bei den meisten anderen Bloggern: Ich wollte wieder schreiben und meine Freunde und Familie während einer längeren Südamerikatour vor ca. eineinhalb Jahren auf dem Laufenden halten. Als ich von dort zurückkam, hatte ich ein funktionierendes Blog und eine Nominierung als „Newcomer” in der Rubrik Reiseblog. So bin ich irgendwie in dieser Schublade gelandet.

Was bedeutet der Name Deines Blogs und wie bist Du darauf gekommen?

Die Entstehung ist ein bisschen peinlich und ich muss mir dafür unbedingt einmal eine neue schicke Story ausdenken. Bis dahin bleibe ich bei der Wahrheit. Ich habe früher schwülstige Gedichte geschrieben. Davon hängen geblieben ist dieser Ausdruck „blickgewinkelt”, den es so noch gar nicht gab, das heißt, es war ein Suchmaschinen-0-Treffer-Wort, jep, sowas gab es damals noch. Den „Blick zu winkeln” erklärt sich vermutlich von selbst: Offen und neugierig an Dinge heranzutreten und aus neuer Perspektive zu betrachten. Weil ich Adjektive mag, wie man auch an meinem Wochenrückblick sehen kann, habe ich das Adjektiv „blickgewinkelt” erfunden, quasi als Programm für mich selbst, um mich zu ermahnen, nicht den Klischees zu sehr zu verfallen. Und ja, der Blogname wird kleingeschrieben.

Wie oft bist Du unterwegs?

Das ist unterschiedlich: Letztes Jahr habe ich mir zwei Monate freigenommen, um nicht nur die 28 Tage plus Wochenenden reisen zu können, für meine Südamerikatour wollte ich viel Zeit haben. Das geht natürlich nicht immer, wenn man einen festen Job hat. Also habe ich anschließend auf eine 4-Tage-Woche verkürzt und Glück, dass mein Chef kulant ist. So habe ich jetzt nicht nur viele verlängerte Wochenenden, sondern kann durch Schieben der freien Tage ziemlich viel reisen. Ich bin aber auch mal sehr gerne ein Wochenende einfach mal nur zu Hause, was natürlich mit Mann und Kindern zu tun hat. Derzeit bauen wir ein bisschen um und auch mit dem Garten habe ich noch viel vor. Allerdings liebäugele ich schon wieder mit einer längeren Reise nach Südostasien.

Was ist Dir wichtig auf Reisen?

Leider sind mir Fotos sehr wichtig. Leider, weil mich das manchmal schon etwas verkrampfen lässt und ich nicht einfach nur wahrnehmen kann, ich habe ständig Angst, mit der Kamera etwas zu verpassen. Meine persönliche Neurose. Sonst ist mir nur wichtig, die Reise so nehmen zu können, wie sie ist.

Was war Dein erster Trip?

So ganz „alleine”? Das war Afrika, würde ich sagen, sechs Wochen Tanzania, vier davon an der Uni (ich habe Afrikawissenschaften studiert), zwei auf Zanzibar mit drei anderen Kommilitoninnen. Eine unglaublich tolle Reise mit wahnsinnigen Eindrücken und eigentlich allem, was man für die erste Abenteuerreise braucht.

Wo warst Du schon öfter und warum?

In Brandenburg. Traumgegend direkt vor der Haustür, mit toller Natur, viel Kultur und nachhaltigen Projekten ausgestattet.

Was magst Du am meisten am Reisen?

Die neuen Herausforderungen. Das hört sich total geschwollen an, ich kann es aber nicht anders ausdrücken. Die Idee, morgens aufzuwachen, neue Gerüche und Ansichten zu erleben, andere Luft zu atmen, mit anderem Habitus konfrontiert zu sein, herauszufinden, wo man das nächste Mittagessen herbekommt und nicht zu wissen, wie der Tag enden wird, da mache ich Luftsprünge.

Was nimmst Du für Dich persönlich mit von Deinen Reisen?

Bilder, Inspirationen und Gefühle. Die Vielfalt der Gefühle macht für mich einen wesentlichen Anreiz des Reisens aus.

Hast Du manchmal auch Angst?

Natürlich, immer wenn ich das Gefühl habe, dass die Chance recht hoch ist, nicht mehr körperlich unversehrt aus einer Situation herauszukommen. Als ich bei einer Überquerung des Grey-Gletschers im Torres del Paine Nationalpark in Chile von einem Sturm überrascht wurde, wusste ich, dass das eine ganz bescheuerte Idee war. Und als ich auf einer Kamelfarm in Kasachstan keine Tür zum Zuschließen hatte, während nebenan einige Usbeken immer besoffener wurden und anzügliche Witze machten, war mir klar, dass ich mich so einer Situation nie wieder alleine aussetzen würde, jedenfalls nicht freiwillig. Dennoch ist bisher immer alles gutgegangen.

Was würdest Du noch einmal bzw. nie wieder machen?

Nie wieder würde ich mich wohl den oben beschriebenen Situationen alleine aussetzen. Andererseits werde ich vermutlich immer wieder in solche Sachen geraten, denn ich werde ganz bestimmt immer wieder alleine auf Reisen gehen und Touren unternehmen, bei denen man nie ganz sicher sein kann, wo sie enden.

Gibt es etwas, was Du immer schon mal machen wolltest? Wenn ja, was?

In die Antarktis fahren, und das habe ich im letzten Jahr dann tatsächlich gemacht. Wahnsinn, oder? Noch unerfüllt: Polarlichter sehen. Die Superchance habe ich leider diesen Winter verpasst, jetzt heißt es circa zehn Jahre warten, bis die Aktivität wieder ihren Höhepunkt erreicht.

Wenn Du Dich jetzt einfach irgendwo hinbeamen könntest – wohin wäre das?

Uh, schwierig. Neuseeland vielleicht. Dort muss es wirklich wunderschön sein und bisher war das leider in meinem Budget noch nicht drin.

Drei Sachen, die man auf Reisen nicht vergessen sollte.

1. Ein Notfall-Kit, mit dem man alle Schwierigkeiten auf Reisen meistern, seinen Körper reparieren und im Alltag zaubern kann.
2. Ein Notizbuch und Stift: Der Taxifahrer ist so nett und schreibt Dir in derfremden Sprache eine gute Adresse zum Übernachten auf. Du musst eine Busnummer behalten. Im Dorf brauchst Du eine Zeichnung, wie Du Dein Haus findest. Du hast eine tolle Idee ... Und nein, auf einen Smartphone-Akku würde ich mich nie verlassen.

3. Sich nach Gepflogenheiten erkundigen. Mit einem bauchfreien T-Shirt in muslimische Länder zu fahren ist keine gute Idee; das ist sinnvoll zu wissen, kann Gepäck sparen und fördert die Allgemeinbildung.

Gibt es etwas, was Du immer mit nimmst?

Meine Kamera Emma. Jaja, die hat einen eigenen Namen. Ohne Emma fühle ich mich schrecklich nackt. Und natürlich das oben erwähnte Notfall-Kit und ein Notizbuch.

Das Unglaublichste/Beste/Schrägste, was Dir auf Reisen passiert ist, bitte!

Ich saß als Teenie in Nordrhein-Westfalen auf einem Pony, das ich gerade zum Vorwärtsbewegen überreden wollte (ich konnte null reiten und hatte auch nicht sonderlich Spaß daran), da kam ein kleines Mädchen, schaute lange und ernst erst mein Pony und dann mich an und sagte: „Dein Pferd weint.” In dem Moment wusste ich, dass sie Recht hat. Ich bin hinuntergestiegen und nie wieder auf ein Pferd rauf. Was ich damit sagen will: Die unglaublichsten Sachen passieren manchmal direkt vor der Haustür, und sind die, die uns berühren. Hätte ich zum Beispiel spontan Ende Februar einen Wochenendtrip nach Brandenburg gemacht, hätte ich Nordlichter sehen können, ist das zu fassen. Es müssen nicht die großartigen Geschichten über eine Gletscherüberquerung oder eine 200-Kilometer-Wanderung oder die Mönchsbegegnung in Myanmar sein, sondern häufig sind es kleine Geschichten, die ganz großartig sind.

Wie finanzierst Du Deine Reisen?

Ich glaube, die korrekte Reihenfolge ist: durch meinen Job, durch ein glückliches Händchen (ich gewinne tatsächlich ständig irgendwas), durch gute Freunde, die überall in der Welt leben und arbeiten und durch Kooperationen für mein Blog, das heißt, ich bekomme zum Beispiel eine Unterkunft gratis und schreibe dann über die Gegend. Oder ein Transportmittel wird mir gesponsert. Dass ich in diesen Fällen ganz offen das Sponsoring im Artikel kennzeichne, nur das wiedergebe, was ich gesehen habe und Empfehlungen nur dann ausspreche, wenn ich auch wirklich begeistert bin, versteht sich von selbst.

Was würdest Du einem Freund empfehlen, wenn er/sie auf Weltreise geht?

Da ich keine Weltreise gemacht habe, bin ich wohl nicht in der Position für Ratschläge, aber eines habe ich tatsächlich gelernt: Reise wie eine Schnecke, nicht wie ein Leopard. Zu schnell reisen ist stressig, man lernt Land und Leute so gut wie kaum kennen, ist immer gehetzt und hat superschnell einen Reiseburnout. Zu langsam reisen geht eigentlich kaum, nicht umsonst gibt es die Bewegung „Slow Travel”.

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Inka!


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