Nördliche Costa Brava Das Erbe des Magiers

Einer der exzentrischsten Künstler aller Zeiten hat dieser Region seinen Stempel aufgedrückt. Salvador Dalí, Hauptvertreter des Surrealismus, liebte das besondere Licht an der nördlichen Costa Brava – die Magie seines Erbes zählt heute zu den Highlights für Urlauber. Außerdem locken hier kleine verwunschene Buchten, weite Sandstrände und jede Menge Genuss für Leib und Seele.

Großes Theater - Das skurrile Dalí-Museum in Figueres diente einst als Theater – 1974 wurde es erstmals als Museum des Künstlers eröffnet und seither stets weiter ausgebaut. | © Silke Tokarski

Die Ausläufer der Pyrenäen gehen hier direkt bis ans Mittelmeer

Früh morgens um sieben, über der weiten Bucht von Roses hängt noch ein hauchfeiner Nebel. Erst drei, dann fünf, zuletzt ein Dutzend Fischerboote ziehen mit wummernden Schiffsdieseln im Konvoi an schroffen Felsinseln vorbei und nehmen Kurs aufs offene Mittelmeer. Abends werden sie, von Möwen umkreist, mit ihrer Beute zurückkehren, Meerbarben, Seezungen und Tintenfische zum Beispiel, die sofort in Eisboxen gepackt und in den flachen Auktionshallen am Kai versteigert werden. Frittierte Fischstäbchen kommen hier so schnell nicht in die Pfanne.

Die nördliche Costa Brava ist völlig anders als der Ruf, unter dem der ganze Küstenstrich bisweilen leidet. Sie umfasst die Region Alt Empordà und gibt sich an vielen Orten noch so urtümlich und rau, wie ihr Name schon sagt (brava heißt wild, ungezähmt).

Wie eine  Pranke liegen die Ausläufer der Pyrenäen mit der felsigen Halbinsel Cap de Creus im türkis leuchtenden Meer, der Sage nach hat Orpheus, griechischer Gott der Musik, das Gebirge mit einem Lied ins Wasser gelockt. Schneebedeckte Felsgipfel am Horizont, nach Lavendel und Thymian duftendes Bergland, kleine stille Fjorde und riesige Strände an der weiten Bucht von Roses, die Landschaft ist unglaublich abwechslungsreich.

In Figueres liegt das Erbe des genialsten Anarchisten der Kunstgeschichte

Über all das stülpt sich ein beinahe mystisches Licht, das seit je her Dichter und Maler angelockt hat. "Die Vormittage sind hier von einer wilden Fröhlichkeit, die Abende oft von einer morbiden Melancholie", hat der wichtigste Künstler der Region einst gesagt: Salvador Dalí.

In Figueres, Hauptort der Region Alt Empordà, liegt das Erbe des genialsten Anarchisten der Kunstgeschichte. Wer in dieser Region Urlaub macht, wird dem (nach Madrids Prado und Bilbaos Guggenheim) meistbesuchten Museum Spaniens mit Sicherheit einen Besuch abstatten. Das Teatre-Museu Dalí, Wahrzeichen der gemütlichen 40.000-Einwohner-Gemeinde Figueres im Landesinneren, grüßt als Kathedrale des Surrealismus mit XL-Betoneiern und schlanken goldenen Figuren auf dem Dach und einem Feuerwerk von skurrilen Skulpturen, Gemälden und Installationen in den weiten Räumen, vom

„Mae West-Saal“ bis hin zum „Verregneten Cadillac“-Oldtimer mit Sprinkleranlage zwischen den Sitzen. „Der Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin“, hat der 1989 verstorbene Exzentriker und Hauptvertreter des Surrealismus einst gesagt. Seine Überreste liegen unter einer schlichten Platte in der Halle seines Museums begraben. Wer Dalís Zauber nun verfallen ist und zugleich einen der schönsten Orte der Region besuchen will, fährt weiter Richtung Meer über mutig gewundene Serpentinen nach Cadaqués, das sich in eine Bucht am äußersten Zipfel des Cap de Creus schmiegt. Geparkt wird direkt am Orts-eingang, das 3000-Seelen-Künstlerdorf mit schmalen, weißgetünchten Häusern und Galerien ist am besten zu Fuß zu erkunden. In der nahegelegenen Bucht von Portlligat steht dann das Anwesen, in dem Dalí mit seiner Muse Gala lange lebte und arbeitete – der verwinkelte Fuchsbau voll bizarrer Kunst ist ebenfalls zu besichtigen, am Eingang grüßt ein ausgestopfter Eisbär.

Text: Thomas Zwicker


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