Von Sehnsüchten und Seefahrern 10 Highlights der Algarve

Feinsandige Traumstrände, unterbrochen von zerklüfteten Felsnadeln, kleine Fischerdörfer, dazu ein unverbrauchtes, bergiges Hinterland: Die Algarve hat sonnenhungrigen Urlaubern viel zu bieten. Zehn Highlights dieser zauberhaften portugiesischen Küstenregion aus dem aktuellen Marco Polo Reiseführer stellen wir Ihnen hier vor – vom schönen „St.-Tropez der Algarve” bis zum südwestlichsten Punkt Europas.

Wir präsentieren die Highlights der Algarve. © DUMONT Bildarchiv/Sabine Lubenow

Albufeira

Postkarten mit Strandidyll und buntem Boot im Vordergrund – das weckt falsche Vorstellungen von Albufeira. Ein Fischerort ist das nämlich nicht mehr. Eine Feriengroßstadt ist Albufeira geworden, eine, die den urlaubshungrigen Touristen so richtig ans Herz gewachsen ist! Im Winter leben hier und in der Umgebung an die 40.000 Menschen, im Sommer kommen rund 300.000 hinzu. Entsprechend turbulent geht es zu. Das schrillste Nachtleben im ganzen Land saust und braust hier. Selbst die In-Crowd aus Lissabon zieht im Sommer die hiesigen Clubs denen zu Hause vor und zeigt sich hochschick am „Strip” in Montechoro. Da wird verständlich, warum viele dieses Albufeira als „St.-Tropez der Algarve” bezeichnen.

Dank des steilen Ufergeländes gleicht der Stadtkern mit seinen weißen Häusern, die übereinander zu stehen scheinen, einem römischen Amphitheater. Durch das Gemenge aus Gebäuden winden sich Gassen, eingeengt von Verkaufsständen für Souvenirs. Läden, Cafés, Bars und Restaurants wollen einfach kein Ende nehmen, und Straßenkünstler müssen auch noch ein wenig Platz finden. Die Nähe zum Strand bestimmt diese Stadt. Mit einem neuen Lift am Westende und einer langen Rolltreppe am Ostende der Albufeira-Bucht geht es nun mühelos hinauf wie hinunter.

Je weiter Sie sich aber vom Cais Herculano auf der einen und der Gegend rund um den Platz Largo Engenheiro Duarte Pacheco und der Rua 5 de Outubro auf der anderen Seite entfernen, umso mehr kehren Sie dem Hochbetrieb den Rücken, und Albufeira nimmt nun abseits vom Rummel einen ruhigeren Charakter an. Vor allem oben im Altstadtviertel, in der Cerro da Vila. Einheimische grillen ihre Sardinen am Straßenrand, Nachbarn halten einen Plausch vor der niedrigen Haustür, und die Zeit verrinnt wieder richtig portugiesisch: wunderbar langsam. | www.algarve-portal.com

Ponta da Piedade

An der Goldküste von Lagos, bei der Praia Dona Ana, beginnt diese bis zu 40 m hohe, zerklüftete und verwitterte Felswand. Sie wartet auf mit bizarren Grotten und Höhlen, Domen und Türmen, aber auch mit einigen kleinen, versteckten Stränden, die über steile Treppen erreichbar sind. Bis zum Leuchtturm Ponta da Piedade zieht sich diese etwa 2 km lange skurrile Skulpturenlandschaft hin. Besonders eindrucksvoll zeigt sie sich bei einer Bootsfahrt von Lagos aus. Auch kann man neben dem Leuchtturm über 200 Stufen zum Wasser hinabsteigen und sich dann von Fischerbooten nach Lagos schippern lassen. www.algarve-portal.com

Armona & Culatra

Mit Fähren kann man auf diese Düneninseln bei Faro hinübergondeln. Der Anlegekai befindet sich gleich östlich von den Markthallen. Schon die 2 bzw. 5km lange Fahrt lohnt sich, weil sie schöne Blicke auf Küste und Ria Formosa erlaubt. Auf den Inseln herrscht ein Leben (ohne Autos) der ganz eigenen Art, urportugiesisch und sehr nachbarschaftlich geht es hier zu. Zur Insel Armona geht im Sommer jede Stunde eine Fähre, sonst dreimal täglich, nach Culatra alle zwei Stunde – preiswert. Unterkunft: Einige der 800 Häuschen auf Armona sind zu vermieten, von Senhora Ilse (Tel. 2 89 70 40 80, Mindestdauer 2 Wochen). Am Inselzeltplatz können Sie auch Minibungalows buchen (Tel. 2 89 71 41 73, www.orbitur.pt).

Tavira

Der Rio Gilão teilt den ursprünglich phönizischen Hafenort in zwei Hälften, eine römische Brücke verbindet sie auf höchst malerische Weise. Pagodenartig gedeckte Patrizierhäuser säumen die Ufer des Flusses, Zeugnisse eines Wohlstands, den der Handel mit Thunfisch, Wein und Salz einst erbrachte. Im 16. Jh. wurde die Stadt so bedeutend, dass der König sie offiziell zur Metropole des Königreichs Algarve bestimmte. Doch im 19. Jh. zog langsam der Verfall ein. Unhörbar leise rieselte der Putz, und das Abgebröckelte, Abgedankte hüllte den hübschen Ort immer mehr in ein wehmütiges Kleid, das an längst vergangene Ballnächte erinnert.

In jüngsten Jahren aber hat der Tourismus das Hafenstädtchen (12.500 Ew.) aus dem Dornröschenschlaf erweckt und ihm neuen Glanz verliehen. Erkunden Sie Tavira in aller Ruhe – und zwar zu beiden Seiten des Rio. Dann erst können Sie seinen stillen Charme erleben und beginnen zu verstehen, warum viele Besucher wie auch die Bewohner dieses Städtchen als reizvollstes der Algarve bezeichnen. Am schönsten ist wohl die kurze Travessa de D. Brites. Sie zweigt bei der hübschen Uferpromenade ab, führt zur Rua D. Marcelino Franco und endet vor der Kirche Nossa Senhora das Ondas („Unsere Liebe Frau der Wellen“) aus dem 17. Jh. Die Praça da República ist Taviras Dreh- und Angelpunkt. Der Platz ist vom Fluss und der römischen Brücke begrenzt sowie vom Jardim Público, in dem Palmen und Büsche Schatten spenden. Sein Mittelpunkt ist ein alter Musikpavillon, den ein Wassergraben mit üppiger Vegetation und jeder Menge Schildkröten und Kois zur Insel macht. Abgeschlossen wird der Platz vom Mercado da Ribeira, einer schönen alten Eisenkonstruktion.

Ein Res­taurant reiht sich ans andere, alle sind recht gut und nicht teuer, und man sitzt sehr schön – unmittelbar am Rio. Auch Strandgänger kommen hier auf ihre Kosten: Die 10 km lange Düne Ilha de Tavira ist von rarer Schönheit. Eine Bimmelbahn fährt stündlich von der Praça da República an der römischen Brücke zur Fähre in Quatro Águas (verbunden mit einer Fahrt durch die Stadt, dabei diverse Stationen zur kurzen Besichtigung, 2 Euro), von dort setzen Sie dann zur Insel über. Im Sommer fahren Fähren auch am Fischerhafen ab, hinter der alten Markthalle. www.algarve-portal.com

Loulé

Von ihrer urtypischen Seite zeigt sich diese Stadt (25.000 Ew.) bei der markanten Markthalle mit ihren orientalisch wirkenden, rosafarbenen Zwiebeltürmen und Fenstern. 2010 wurde die gesamte Anlage restauriert und gewann den ersten Preis im nationalen Wettbewerb um die Verschönerung der Städte Portugals. Fast wie ein arabischer Basar wirkt dieser Magnet für Einheimische und Besucher. Jeden Samstag sorgt ein Wochenmarkt mit seinen vielen Ständen für zusätzlichen Betrieb. Nette Cafés befinden sich an der Markthalle, wo man sich in aller Ruhe von der vergnügten und entspannten Geschäftigkeit der Menschen anregen lassen kann.

Abseits in den vielen Gassen können Sie in aller Ruhe umherschlendern und Loulé von seiner typischen Seite kennenlernen. Über die Rua da Barbaca oder die Rua da Bica Velha geht es zum Castelo und zur Igreja Matriz. Unterwegs erleben Sie Loulé akustisch und visuell im perfekten Einklang. Da wird gehämmert und gesägt, gebohnert und gepfiffen, geschraubt und gedreht. Eine Handwerkerstätte reiht sich an die andere. Fadogesänge klingen aus der Tiefe der Werkstätten, Gepfeife, Geplauder – man bekommt Lust, überall hineinzuspähen. Und niemand hat hier etwas dagegen, keiner lässt sich stören, weder in seiner Arbeit noch in seiner Daseinsfreude. Besonders fröhlich geht es beim Karneval zu. Da verschmelzen heidnische und christlich-religiöse Traditionen perfekt, verbunden mit so viel guter Laune, dass Loulé zur Hochburg der Narren aus ganz Portugal wurde. www.algarve-portal.com

Monchique & die Serra

Die Römer nannten den zentralen Ort im höchsten Küstengebirge der Algarve „Blumenberg“. Zu jeder Jahreszeit blühen unzählige Pflanzen im „Garten der Algarve“, darunter auch viele subtropische. Über 1000 Arten kommen vor, denn die Serra ist mit einzigartigen klimatischen Bedingungen gesegnet. Wilde Orchideen und Rhododendren, Pfingstrosen, Mimosen, alles blüht in Massen. Das Farbenmeer ist spektakulär. Ebenso die Aussichten von den beiden höchsten Gipfeln Südportugals, Fóia (902 m) und Picota (773 m). Besonders schön ist das Hineinfahren in die saftig grüne Bergwelt auf der Straße entlang der Ribeira de Odelouca hoch nach Alferce und weiter nach Monchique. Medronho-Bäume, Mimosen, Korkeichen und Kastanien spenden überall in der Serra Schatten, aus zahllosen Quellen und in Bächen sprudelt Wasser. Singvögel zwitschern, Raubvögel ziehen ihre Kreise über Wäldern mit tief eingekerbten Tälern, über Terrassenfeldern, die viele Hänge mit kurvigen Mustern versehen. Am Fuß des Fóia liegt Monchique, ein Berg- und Landarbeiterstädtchen. Die Erde hier ist besonders fruchtbar dank des schier unbegreiflichen Wasserreichtums. Und so geht es sehr dörflich in diesem Städtchen zu, auch wenn der Fóia nach dem Cabo São Vicente das meistbesuchte Ausflugsziel für Algarvetouristen ist. Viele verlieben sich in die üppige Bergnatur und siedeln sich hier an. Von den 6000 Einwohnern sind über 1000 Ausländer, womit Monchique den höchsten Ausländeranteil in ganz Portugal haben dürfte. www.algarve-portal.com

Silves

Während der Herrschaft der Mauren war Xelb – daraus wurde später Silves – eine prachtvolle Metropole mit Palästen und Basaren. Mit Granada wurde sie verglichen, wichtiger als Lissabon war sie. Vorstellungen von dieser Blütezeit ruft die mächtige Burganlage wach, die Sie von Weitem schon erblicken – glutrot leuchtet im Sonnenlicht der zinnenbewehrte Mauerkranz auf. Die Einheimischen sagen, Silves habe das „heißeste Licht“ des Landes. Maurisches Erbe sind auch die Orangenhaine und die Ruinen alter Schöpfbrunnen (noras). Seinerzeit war der Rio Arade für große Schiffe bis Silves befahrbar. Die Fahrrinne ist längst versandet, soll aber nun freigebaggert werden. Heute ist Silves ein beschauliches, höchst angenehmes Landstädtchen mit 11.000 Einwohnern und viel Charme. Gegenüber der römischen Brücke, die im Mittelalter erneuert wurde, ist der mercado municipal die Schalt- und Waltstelle, davor reihen sich gemütliche Lokale und Bars aneinander, von denen aus man auf den Fluss blicken und den Anglern zuschauen kann. Auch in der und um die Markthalle geht es friedlich zu. Diese angenehme Stimmung begleitet jeden Besucher, wenn er sich auf den Weg an rührend altmodischen Läden vorbei hinauf zum castelo macht. www.algarve-portal.com

Arrifana

1 km südlich von Aljezur zweigt die Straße zum Fischerdorf Monte Clérigo ab mit seinen bunten Holzhäuschen und einem weitflächigen Strand. Und auch fürs leibliche Wohl ist gesorgt: Das kleine Restaurant O Zé liegt direkt am Strand und offeriert hervorragende Fischgerichte (Tel. 2 82 99 86 21). Einen Steinwurf weiter lockt das Restaurant O Sargo mit ebenfalls ausgezeichneten Fischgerichten und (auf Vorbestellung) Couscous (Tel. 9 63 44 03 97). Fahren Sie anschließend die Straße an den Dünen hoch nach Vale da Telha und gleich weiter nach Arrifana (15 km von Aljezur). Über einer halbkreisförmigen Bucht klebt dieser Ort, der sich immer mehr zur Hochburg der Surfer aus ganz Europa mausert. Der Blick auf die Steilküste von der Burgruine auf der Klippe Ponta da Arrifana (ausgeschildert: „Castelo“) begeistert. Genau hier sollten Sie ein Picknick machen: Der Panoramablick auf die Halbmondbucht von Arrifana im Süden und die gigantischen Klippenwände bis zur Ponta de Atalaia im Norden ist besonders beim Sonnenuntergang traumhaft schön. | www.algarve-4you.de

Cabo São Vicente

Ab Sagres rollen Sie auf einer Landzunge durch eine vom starken Wind gebürstete Natur zu Europas südwestlichstem Punkt. Alleine dieser Superlativ ist die Anreise wert. Das Kap ist das meistbesuchte Ausflugsziel der gesamten Algarve. Hautnah erleben Sie hier die Naturgewalten Wind und Wasser. An manchen Tagen steigt die Gischt der an den Felsen zerschellenden Wellen weit über die bis zu 75 m hohen Klippen hinaus! Ein 150 Jahre alter, 24 m hoher Leuchtturm mit knallroter Kappe trotzt der öden Einsamkeit. Mit 90 km Sichtweite ist das Leuchtfeuer aus seinen 3000-Watt-Lampen den anderen am Atlantik weit überlegen. Täglich dient es mehr als 200 vorbeischippernden Öltankern als sichere Orientierung. Sie können den Turm besteigen, feste Öffnungszeiten gibt es aber nicht. Die Anlage klebt am Felsen, unten wütet das Meer. Die Aussicht in Richtung Norden ist überwältigend.Auf der Rückfahrt können Sie der Einsiedelei Beliche einen Besuch abstatten. Dramatisch schön über einer Bucht liegt diese kleine burgähnliche Anlage. Einst hatte hier Prinz Heinrich der Seefahrer seinen Wohnsitz, vermuten Historiker, die in der runden Kapelle Santa Catarina den letzten Rest der „Prinzenstadt“ (Vila do Infante) zu erkennen glauben. www.algarve-portal.com

Estói & Milreu

Der gemütliche Ort Estói (3500 Ew.) liegt 9 km nördlich von Faro. Er birgt einen wunderbaren Bau, den Palácio de Estoí, den Rokokopalast des Visconde de Estói, der nach aufwändigsten Restaurierungsarbeiten in neuer Pracht erstrahlt: als Edelherberge (Pousada, 63 Zi., Tel. 2 89 99 0150, www.pousadas.pt). Der bildschöne Park ist auch für Nicht-Gäste zugänglich, ebenso der Salão de Châ und andere Räume der Pousada. Die römischen Funde von Milreu liegen ganz in der Nähe, der Weg ist ausgeschildert (Mai–Sept. Di–So 10.30–13 u. 14–18.30 Uhr, Okt.–April Di–So 9.30–13 u. 14–17 Uhr, Eintritt 2 Euro). Dort kann man die Ruinen einer Villa besichtigen. Gut erhaltene Mosaiken zeigen springende Delphine, ein früherer kleiner Tempel wurde von Westgoten im 6.Jh. zu einem frühchristlichen Tabernakel umgebaut. Sehr gediegen ist die Unterkunft in der Privatherberge Monte do Casal: 18 Zimmer, blumenumrankter Pool, Restaurant (Tel. 2 89 99 15 03, www.montedocasal.net).

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