Bunt & schön 10 Fakten zur Zeche Zollverein

Die einst „schönste Zeche der Welt” gilt heute als Zentrum der Kreativwirtschaft. Seit dem Dezember 2001 zählt das Areal zum UNESCO-Weltkulturerbe. In einigen Teilen der Anlage wurde der alte Charme erhalten, in andere zogen kreative Köpfe und machen den Ort zu einem außergewöhnlichen Treffpunkt für Design und Geschichte.

Zeche goes Hollywood - bunt & schillernd | © Jochen Tack

Zahlen, Daten, Fakten

Seit 2001 zählt der Industriekomplex Zeche Zollverein zum UNESCO-Welterbe. Dazu gehören die Bereiche von Schacht XII, Schacht 1/2/8 und der Kokerei mit einer Gesamtfläche von 100 ha, die Anlage zählt somit zu einem der größten Industriedenkmale Europas. Das Welterbe gilt nun als Standort für die Kreativwirtschaft der Region. Auf dem Areal haben sich 39 Unternehmen mit mehr als 950 Mitarbeitern angesiedelt. Jährlich besichtigen rund 1,5 Mio Besucher die Zeche Zollverein. Somit landet der Industriekomplex nach dem Kölner Dom auf Platz zwei unter den beliebtesten Ausflugszielen in Nordrhein-Westfalen. Im Sommer lädt hier ein Minifreibad in Containern im Schatten der Schornsteine zum Sprung ins kühle Nass ein. Im Winter wird das 600 Meter lange Wasserbecken unterhalb der Koksofenbatterie zu einer Schlittschuhbahn.

Kohle, Koks & Kumpel

Von 1847 bis 1986 wurde die Zeche Zollverein als aktives Steinkohlebergwerk in Essen genutzt und galt zu Betriebszeiten als eine der modernsten Steinkohlezechen der Welt. Als das 'schwarze Gold' noch als Energieträger der Zukunft galt und das Ruhrgebiet mit erheblichen Vorkommen glänzte, begann die Blütezeit der Industriekultur für Kohle und Stahl im Westen Deutschlands. Bis heute ist die Zeche ein einzigartiges Symbol für diese Geschichte. 1847 wurden 14 Felder im Norden Essens zu einem großen Grubenfeld unter dem Namen Zollverein konsolidiert. Darauf folgten der Bau von zwei Schächten und entsprechenden Zechengebäuden. Erst im Jahr 1851 nahm der Zollverein offiziell seinen Betrieb auf. Das Geschäft boomte und die Förderung stieg kontinuierlich an. Arbeiteten 1851 noch 256 Bergleute hier, verzehnfachte sich die Belegschaft bis 1890. Auch die Fördermenge stieg mit 1 Million Tonnen auf das 75-fache. In den folgenden Jahren wurden immer wieder Modernisierungsarbeiten durchgeführt und das Gelände kontinuierlich vergrößert. Das Ende der Kohle- und Stahlära machte aber auch vor dem Zollverein nicht halt, und so kam es, dass am 23. Dezember 1986 die letzte Schicht nach 135 Jahren Bergbaubetrieb einfuhr. Am 30. Juni 1993 schlossen sich auch die Tore der Kokerei.

Lichttraum in Rot und Blau

Auf der Kokerei Zollverein kann man heute jeden Abend in ein Farbenmeer eintauchen. Schon von weitem sieht man die bis zu 96 m hohen Schornsteine der riesigen Anlage. Die sechs Schornsteinspitzen sind umspielt von rot leuchtenden Lichtpunkten, die Kohlebunker sind hingegen in glutrotes Licht gehüllt. Am besten ist das ganze Schauspiel unter der kolossalen Ausdrückmaschine zu beobachten, wo im Sommer ein lauschiger Biergarten lockt. Die volle Länge der Lichtskulptur spiegelt sich in einer die Anlage begleitenden Wasserachse.

Palast der Utopien

Die Schnecke der Künstler Emilia und Ilya Kabakov auf der Kokerei Zollverein in Essen steckt voller Träume. Mit mehr als 60 Entwürfen für eine Verbesserung der Welt warten die beiden Künstler mit einer begehbaren, spiralförmigen Skulptur auf. Darin werden Träume und Ideen fiktiver Persönlichkeiten entfaltet. An Modellen und mit Hilfe von Texten werden die Utopien des 20. Jahrhunderts in das Bild der Betrachter gerückt. Der Palast der Projekte befindet sich im ehemaligen Salzlager der Kokerei Zollverein.

www.industriedenkmal-stiftung.de

Museumspfad Zollverein

Auf dem Denkmalpfad werden die Geschichte und die Produktionsabläufe der Zeche und der Kokerei erläutert. Mit Hilfe einer europaweit einmaligen Medientechnik kann der Besucher die damalige Zeit noch einmal fast real erleben. Nur ein einziger Abschnitt der Zeche ist so gut wie unverändert geblieben: der Wagenumlauf unter dem Förderturm. Hier liegt noch Kohle in der Luft, und besser als in Begleitung eines echten alten Bergmanns lässt sich die Kohle-Vergangenheit kaum wieder zum Leben erwecken. Durch eine im Originalzustand belassene Übertageanlage führt der Pfad, ferner durch die Gebäude der ehemaligen Sieberei, der Kohlenwäsche und vorbei an gigantischen Maschinen und Förderbändern.

Erfahrungsfeld der Sinne

Hugo Kükelhaus hat unserer Zeit ein wichtiges Erbe hinterlassen. Der Pädagoge und Anthroposoph hat mit seinem Erfahrungsfeld der Sinne einen Parcours entwickelt, der die Fernseh- und Computergeneration zurückführt auf das, was sie verkümmern lässt: riechen, schmecken, tasten, lauschen, fühlen. Dieser Parcours ist in einer sehr schönen kleinen Maschinenhalle untergebracht, auf Zollverein Schacht 3/7/10. Auf einem schwingenden Stein sitzen, die Augen schließen, erleben, was für verrückte Muster die Schwingungen eines Schlagzeugbeckens erzeugen, oder sich an dem Farbenspiel durch Lichtbrechung im Prisma freuen – das sind ungewöhnliche Erfahrungen.

Öffnungszeiten: Montag – Freitag 9 – 18, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 – 18 Uhr. Eintrittspreise: Kinder (3–5 Jahre) 3 Euro, Schüler (bis 18 Jahre) 5 Euro, Studenten 6 Euro, Erwachsene 7 Euro www.erfahrungsfeld.de

Route der Industriekultur

Sie macht es Individualreisenden leicht, die Highlights des Ruhrgebiets zu finden! 1999 wurde die Route der Industriekultur eingeweiht und war das erste touristische Produkt der Region. Sie verbindet auf einem 400 km langen Rundkurs Sehenswürdigkeiten aus 150 Jahren Industriegeschichte. Die Route besteht aus einem Kernnetz von 25 Ankerpunkten, die deutlich markiert und mit Informationstafeln versehen sind. In diesem System sind 25 Themenrouten ausgearbeitet, z.B. die Route der Industrienatur, die Route der Großchemie und Energie, die Route der Landmarkenkunst und die Route der Gärten und Parkanlagen.

An den einzelnen Ankerpunkten ist immer etwas los, das Veranstaltungsprogramm können Sie beim Besucherzentrum bestellen. Hier erklären außerdem Präsentations- und Informationsmedien das Routensystem. Auch kann man sich auf virtuelle Reise begeben; eine CD-Rom und eine Übersichtskarte sind ebenfalls erhältlich.

www.route-industriekultur.de

Red Dot Design Museum

Dieses Museum bildet die gesamte Bandbreite aktuellen Produktdesigns ab, vom einfallsreichen USB-Stick bis zum multifunktionalen Herd. Das Kesselhaus wurde Mitte der 1990er-Jahre zu diesem Zweck umgebaut. Besucher können in der ehemaligen Schürerhalle über Stege und Treppen inmitten von ehemaligen, gemauerten Kesseln mehr als 2000 Exponate aus aller Welt entdecken. Mit Hilfe von Alltagsgegenständen und Accessoires gelingt es, die Alltags- und Popkultur widerzuspiegeln. Öffnungszeiten: Freitag, Samstag, Sonntag 10 – 18 Uhr, Eintritt: ab 6 Euro www. red-dot.org

Sanaa-Gebäude

Als erster Neubau seit über 50 Jahren vor Ort wurde das Sanaa-Gebäude im Jahr 2006 von den beiden japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa realisiert. Heute wird das Gebäude von der Folkwang Universität der Künste für den Fachbereich Gestaltung genutzt. Mit seinem eigenen Charakter wirkt der helle Würfel gleichzeitig leicht und mächtig. Besonders bemerkenswert sind die fünf inneren Ebenen – vier Geschosse zuzüglich Dachgarten – mit unterschiedlichen Raumhöhen. Die Architekten legten wert auf Reduktion, wenige Elemente betonen die Konzentration auf das Wesentliche.

www.zollverein.de/saana-gebaeude

Allgemeine Informationen

Welterbe Zollverein, Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen

Visitorcenter Essen: Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr, www.zollverein.de

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