TippsWelche Kreuzfahrt passt zu mir?

Eben funkelten noch die Lichter Barcelonas zum Abschied, nun kitzeln die Sonnenstrahlen in Palma de Mallorca die Passagiere wach. Kreuzfahrten boomen – Gleichgesinnte fahren auf Luxuslinern, Partyschiffen oder Familienkreuzern über die Ozeane.

1,5 Millionen Deutsche buchen jährlich eine Kreuzfahrt – Tendenz steigend

Es ist noch nicht lange her, da waren Seereisen elitäres Minderheitenprogramm. Nur eine überschaubare Zahl deutscher Urlauber fand Gefallen daran, auf hoher See Ferien zu machen, das Hotel immer dabei zu haben, jeden Morgen in einer anderen Stadt aufzuwachen. Heute buchen 1,5 Millionen Urlauber pro Jahr eine Kreuzfahrt, und längst hat sich diese Reiseform in jeder Hinsicht verjüngt. Das Image wurde entstaubt: durch neue Konzepte, neue moderne Schiffe in gänzlich anderem Look. Regeln an Bord? Alles locker …
Wo es früher eher steif und formell zuging, ist heute fast überall ganz normale Urlaubs-Lockerheit angesagt – ohne dass es verboten wäre, dennoch Stil zu zeigen. Inzwischen gibt es Schiffe mit maßgeschneiderten Konzepten und passendem Stil für Jüngere oder Ältere, für Leute mit Kindern und solche ohne, für Menschen, die an Land ein Drei-Sterne-Ferienhotel gebucht hätten und solche, die stets im ersten Haus am Platz absteigen und bereit sind, sich diesen Luxus viel Geld kosten zu lassen. Und für Urlauber, die von allem ein bisschen wollen.

Kreuzfahrten für alle Fälle

Die größten Reedereien haben Schiffe unter unterschiedlichen Markennamen auf Fahrt, um jede dieser Zielgruppen mit dem passenden Produkt zu umwerben. Die Kleineren überleben unterdessen in ihrer Nische mit genauer Festlegung auf ein Klientel – und oft mit Stammkunden, die genau auf diesen oder jenen Dampfer schwören.


Inzwischen ist für absolut jeden Geschmack das richtige Schiff unterwegs – man muss es nur finden. Und dazu das passende Fahrtgebiet. Während Kreuzfahrtschiffe früher auf ständig wechselnden Routen unterwegs waren und es in einem Jahr (halb) um die Welt schafften, fahren heute viele nach US-Vorbild auf Strecken, die sich im 7- oder 14-Tages-Rhythmus wiederholen und am Einsteigehafen auch wieder enden. Und das fast überall auf dem Globus, so lange das Wetter passt – Schwerpunkt Karibik, Mittelmeer, Nord- und Ostsee, neuerdings Persischer Golf und Rotes Meer.

Die Tarife steigen von innen nach außen

Wer sich erstmals für eine Kreuzfahrt entscheidet, hat die Qual der Wahl – und einzig den Preis entscheiden zu lassen, wäre die falsche Festlegung. Denn günstige Angebote hat jede Reederei, Schnäppchen gibt es in jeder Kategorie. Überhaupt ist bei den Preisen Vorsicht geboten. Die Lockvogel-Angebote wie „399 € pro Woche mit Verpflegung“ gelten meist für Innenkabinen oder andersherum ausgedrückt: Am günstigsten sind die fensterlosen Kabinen an den falschen Seiten der Flure gefolgt von Außenkabinen mit Sichtbehinderung, weil z. B. ein Rettungsboot vorm Fenster hängt oder aber die Scheibe zum Promenadendeck weist und jeder Decksspaziergänger hineinschauen könnte. Am teuersten sind Außenkabinen mit Balkon, wobei bei den zwei Wörtchen „French Balcony“ eine Warnlampe angehen sollte. Dahinter verbirgt sich meist ein raumhohes Fenster, das man wie eine Tür öffnen kann – aber statt eines wirklichen Balkons mit Liegestuhl gibt es dahinter bloß ein Geländer, und zwar knapp hinter der Scheibe. Darüber hinaus ist der Preis abhängig von der Kabinengröße und der Zahl der Betten dort. Manches Knüllerangebot gilt deshalb für Innenkabinen mit Vierer-Belegung – und ist signifikant teurer bei Nutzung bloß zu zweit.

Gut: Viele Reedereien bieten Frühbucherrabatte an, die im Vergleich mit herkömmlichen Pauschalreisen außergewöhnlich attraktiv sind. Oft gibt es weitere Zugaben wie Gutscheine für Landausflüge oder Bordguthaben für Drinks an der Bar und das Casino. Auf Kreuzfahrten gilt zudem üblicherweise Vollpension. Das bedeutet, dass alle Mahlzeiten bis hin zum Kuchen am Nachmittag und dem großen Mitternachtsbuffet bereits im Reisepreis eingeschlossen sind, während die Getränke extra kosten.


Manchmal sind auch Kaffee, Tee und Wasser inklusive, in anderen Fällen alle nicht-alkoholischen Getränke, in wieder anderen Fällen auch Tischgetränke wie ausgewählte Weine und Bier. Auch all-inclusive-Angebote auf See gibt es reichlich. Hier gilt es, beim Preisevergleichen genau hinzuschauen. Gerade die amerikanischen Reedereien aber haben sich von den Fluggesellschaften den Kniff abgeschaut, Leistungen aus dem ursprünglichen Paket aus Beförderung und Verpflegung quasi auszuflaggen und gegen Gebühr extra zu verkaufen. So kann man mancherorts z. B. vorab spezielle Getränke-Packages zum Reisepreis hinzubuchen. Gleichwohl sind solche Pakete günstiger als jedes Getränk an Bord einzeln zu bezahlen.

Was darf eine seriöse Kreuzfahrt kosten?

Und noch eine unschöne Idee hat ihren Ursprung in der Luftfahrt. So gibt es Reedereien, die zusätzlich zum Reisepreis einen Kerosinzuschlag berechnen. Faustregel bei der Suche nach dem richtigen Schiff – und einem seriösen Preis: Kalkulieren Sie den Übernachtungspreis eines Hotels, das ihnen an Land zusagt und wo Sie gerne absteigen würden. Addieren Sie zweimal am Tag die über den Daumen gepeilten Kosten eines Restaurantbesuches wiederum in gewünschter Qualität mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch plus gegebenenfalls Tischgetränke. Berechnen Sie nichts für die Benutzung des Schwimmbades, null Eintritt für die Abendshow, gar nichts fürs Kino – und was herauskommt, ist der faire durchschnittliche Tagespreis für eine Kreuzfahrt auf einem Schiff Ihrer Kategorie. Der kann angesicht des Leistungsumfangs kaum je unter 100 Euro liegen – und leicht ein Mehrfaches davon betragen.


Kuriosum am Rande: Kabinen die ungefähr mitschiffs liegen, also gleich weit vom Bug wie vom Heck entfernt sind, gehören häufig zu einer höheren Kategorie. Sie sind teurer, weil sie gerade unter erfahreneren Kreuzfahrern begehrt sind, denn in der Schiffsmitte ist vom Seegang am wenigsten zu spüren.


Nächste Frage an einen selbst: Bin ich jemand, der gerne Trubel mag, Animation schätzt und eher extrovertiert ist? Dann passt gut ein Schiff nach dem Prinzip so genannter amerikanischer „Fun Ships“ mit Riesen-Wasserrutsche und großem Casino – wie z.B. bei Carnival Cruises. Fahren Kinder mit oder war es schon immer Ihr Traum, Donald Duck oder Mickey Maus auf Seereise die Hand zu schütteln, fällt die Wahl auf einen der Ozeanliner von Disney Cruise Line. Sollte es doch lieber eine Nuance ruhiger zugehen, könnte Royal Caribbean passen. Ist es eher gediegen besser? Mit mehr Stille und mehr Stil? Dann könnte die Wahl auf ein Cunard-Schiff fallen – in allen vier Fällen vorausgesetzt, dass die Bordsprache Englisch kein Problem ist. Und dass es nicht schlimm ist, zusammen mit 2000 anderen (und mehr) auf demselben Schiff unterwegs zu sein.


Dass Firmen wie Royal Caribbean unter ihrem Dach neben der Hauptmarke für den Massenmarkt noch andere Marken und Konzepte vereinen, macht die Sache nicht übersichtlicher. Celebrity Cruises steht z.B. für die exklusivere Variante, die Tochter Azamara Club Cruises für das Top-Segment und den Dreh, länger in den Häfen zu liegen und weniger Zeit auf See zu verbringen. Costa-Kreuzfahrten wiederum gehört zur Carnival-Gruppe und soll mit großen Schiffen und italienischem Ambiete ähnlich wie Konkurrent MSC eher europäische Gäste ansprechen. Die Aida-Schiffe wiederum sind Carnivals Produkt für den deutschen Markt – mit vertrauter Bordsprache, gutem, aber nicht zudringlichem Entertainment und gewisser Klasse und eher jüngerer Altersstruktur. Tui Cruises mit „Mein Schiff 1“, dem Schwesterschiff „Mein Schiff 2“ und der in Bau befindlichen Nummer 3 setzt altersmäßig wie von der Klasse her knapp oberhalb an. Und Schiffe wie das TV-Traumschiff „MS Deutschland“ und die Hapag-Lloyd-Kreuzer „MS Europa“ und „MS Europa 2“ stehen wiederum für ganz eigene Produkte – die erstere für ein anspruchsvolles älteres Publikum, die anderen beiden für das Top-Segment, was Stil, aber auch Leistung und Preisniveau auf dem deutschen Markt angeht.


Und damit ist die Bandbreite des Angebots noch nicht mal erschöpfend abgehandelt. Zwei Nischen haben noch ihre Eigenarten und sind zugleich Minderheitenprogramm. Zum einen sind das die Expeditionsschiffe wie die „MS Hanseatic“ oder die „MS Bremen“. Sie sind klein und wendig, können auch extreme Fahrtgebiete anlaufen wie Arktis und Antarktis und sind mit Zodiaks genannten Schlauchbooten mit Außenborder für Exkursionen in entlegensten Gegenden ausgestattet. Der Reisepreis ist eher hoch, das Bordleben eher bodenständig.


Ähnlich groß, jedoch enorm luxuriös sind die so genannten Mega-Yachten – besonders elegant gestylt, ausgelegt für relativ wenige Passagiere in besonders großen Kabinen, mit hervorragender Verpflegung – und Tagessätzen, die je nach Unterbringung bei 1000 Euro liegen können. Für diese Kategorie stehen z.B. die Silver Sea und die Seabourn-Schiffe.
Gänzlich aus der Reihe fällt die Frachtschiff-Touristik – ein vergleichsweise kleiner Markt mit eingeschworener Fan-Gemeinde innerhalb des Wachstumfeldes Kreuzfahrten. Wer auf allen Funship-Rummel verzichten mag, fährt zusammen mit nur wenigen anderen Passagieren und der Crew auf Handelsschiffen mit. Die Qualität der Quartiere entspricht meist durchschnittlichem Kreuzfahrtschiff-Niveau, die Verpflegung ist gut. Landgänge sind weit seltener, das Erlebnis der Weite der Ozeane rückt in den Vordergrund. Vertrieben werden die Plätze an Bord seltener von den Reedereien selbst als über spezialisierte Agenturen (z. B. Frachtschifftouristik Peter Zylmann, aber auch über die entsprechende Abteilung der Großreederei Hamburg-Süd. 
Was alle diese Schiffe, alle ihre Kabinen und selbst manche Route gemein haben? Dass das Geschäft brummt. Und dass die Passagiere wiederkehren. Kreuzfahren bringen es auf eine hohe Wiederholer-Quote. Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, geht wieder auf große Fahrt. Der Haken dabei: Falls es diesmal ein anderes Schiff werden soll, stellen sich all die vielen Fragen vor der Buchung erneut.   

Schnell-Check: 5 Fragen, 5 Antworten für Kreuzfahrt-Einsteiger  

 

> Warum sind Kreuzfahrten so billig?
Das ist nur auf den ersten Blick so. Die Werbepreise sind zwar attraktiv, dahinter verbergen sich aber häufig Innenkabinen an wenigen ausgewählten Terminen. 2012 hatten viele Reedereien Auslastungsprobleme nach dem Unglück der Costa Concordia. Inzwischen hat sich der Markt erholt, die Nachfrage hat wieder angezogen – und im selben Maß sinkt der Bedarf, Schnäppchen-Angebote aufzulegen.  


> Wie viele Kabinenkategorien gibt es?
Das ist von Reederei zu Reederei und von Schiff zu Schiff unterschiedlich. Oft sind es zwischen acht und zwölf verschiedene Kategorien – farbig voneinander abgehoben auf den Decksgrundrissen der einzelnen Schiffe in den Katalogen bzw. auf den Websites zu erkennen. Am günstigsten sind Mehrbett-Innenkabinen, am teuersten Außenkabinen mit Balkon bzw. –sofern vorhanden – Suiten, die manchmal sogar über zwei Etagen reichen.


  > Wie kann es angehen, dass ich Vollpension habe und trotzdem fürs Essen extra bezahlen muss?
Grundsätzlich sind die Mahlzeiten inklusive. Auf fast allen Schiffen stehen dafür mehrere Restaurants zur Auswahl. Auf neueren und besonders großen Schiffen gibt es inzwischen ein, manchmal auch mehrere besonders edle Restaurants. Wer dort essen möchte, muss einen Aufpreis zahlen. Das heißt: Die Vollpension wird angerechnet, reicht aber nicht aus.  


> Wofür muss ich extra zahlen?

Das ist von Schiff zun Schiff, von Konzept zu Konzept unterschiedlich. Generell kann man davon ausgehen, dass Massagen und Anwendungen im Bord-Spa extra kosten – aber auch Internet-Nutzung und Landausflüge.   


> Wie verhält es sich mit Trinkgeld auf Schiffen?

Manche Reedereien belasten jedem Passagier einen festen Satz pro Tag als quasi-obligatorisches Trinkgeld und ziehen die Summe daraus via  Kreditkarte ein. Nur wer kurz vor Ende der Reise ausdrücklich darauf besteht, das nicht zahlen zu wollen, wird davon befreit. Auf den fraglichen (US-)Schiffen ist das Trinkgeld jedoch ein fest einkalkulierter Bestandteil des Gehalts der Besatzungsmitglieder aus dem Service. Andere Reedereien lassen am vorletzten Abend vorbereitete Umschläge in den Kabinen auslegen, in die man Trinkgeld nach Wahl hineinlegt. Und wieder andere betonen, das alle Trinkgelder im Reisepreis eingeschlossen seien. Das heißt so viel wie: Unser Personal wird besser bezahlt als anderswo. Wer besonders zufrieden ist, gibt dennoch ein Trinkgeld.

Von Helge Sobik

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