Zeitreise im Mittelmeer

MaltaZeitreise im Mittelmeer

Ein Urlaub auf Malta kann zu einer echten Zeitreise werden. Von staubigen Relikten aus den Tagen der Steinzeit über unterirdische Labyrinthe der Eisenzeit bis hin zu kunstvollen Bauwerken der Renaissance und des Barock hat die eigenwillige Mittelmeerins

© Foto: Markus Kirchgessner

Grand Master’s Palace

Mitten in Valletta steht der größte Profanbau der Hauptstadt, der Palast der Großmeister des Ordens. Seine zweigeschossige Fassade repräsentiert mit ihrer Strenge den Stil des 16. Jahrhunderts Die hölzernen Eckerker sind jünger, die Barockportale wurden erst im 18. Jahrhundert angefügt. Überraschend lieblich wirken die beiden großen Innenhöfe, um die sich die Palastteile gruppieren: der Neptunshof mit einer Statue des antiken Meeresgotts und einem Brunnen, der früher als Pferdetränke diente, und der Prinz-Alfred-Hof mit einer schlanken Palme und einer schönen Andentanne. An der Turmuhr dieses Hofs schlagen seit 1745 bronzene, dunkelhäutige Gestalten in türkischen Uniformen jede volle Stunde. Der Palast, während der britischen Herrschaft Sitz der Gouverneure, dient heute als offizieller Amtssitz des maltesischen Staatspräsidenten. Trotzdem können Teile des Anwesens besichtigt werden. www.maltacultureguide.com

© Foto: Markus Kirchgessner

St. John’s Co-Cathedral

Der wohl eindrucksvollste Sakralbau Vallettas ist die Hauptkirche des Johanniter-Ordens, geweiht Johannes dem Täufer. Nach dem Abzug der Ritter fiel sie an das Erzbistum Malta und wurde 1816 von Papst Pius VII. in den Rang einer Bischofskirche erhoben, den bis dahin allein die Kathedrale von Mdina hatte – daher der eigenartige Name Co-Cathedral. Sie wurde 1573–77 nach den Plänen von Girolamo Cassar erbaut, der eigentlich gelernter Militärarchitekt war. Entsprechend streng, schlicht, aber auch stabil ist das Äußere der Kirche. Ganz anders das Innere, das Mattia Preti Mitte des 17. Jahrhunderts im Stil des Barock auf eigene Kosten umgestaltete! Am außergewöhnlichsten ist der Boden: Er ist über und über mit 375 Grabplatten aus Einlegearbeiten in verschiedenfarbigem Marmor bedeckt, unter denen Ordensritter beigesetzt sind. Das 1608 entstandene Altarbild – Maltas bedeutendstes Gemälde überhaupt – stammt von dem italienischen Maler Michelangelo da Caravaggio. stjohnscocathedral.com

© Foto: Markus Kirchgessner

Tarxien

Inmitten moderner Bebauung liegen im Städtchen Tarxien (7600?Einwohner) die eindrucksvollen Überreste der größten maltesischen Tempelanlage. Sie bestehen aus vier Einzeltempeln, die zwischen 3800 und 2500 v.?Chr. entstanden sind. Drei davon sind gut erhalten und teilweise sogar rekonstruiert. Klar zu erkennen sind hier einige wie Kanonenkugeln wirkende Steine, die den Menschen der Jungsteinzeit als Transportwalzen für das Herbeischaffen der schweren Steinblöcke dienten. heritagemalta.org

© Foto: Tom Schulze

St. Paul’s Catacombs & St. Agatha’s Catacombs

Diese großen Katakomben dienten einst als Begräbnisstätten von Christen, aber ebenso von Heiden und Juden. Die hier gelagerten Schätze fielen schon früh in die Hände von Grabräubern. Der erste Großmeister des Ordens auf Malta, Philippe Villiers de L’Isle Adam, gestattete sogar offiziell die Plünderung der Katakomben – unter der Bedingung, dass ein Drittel aller gefundenen Schätze an den Orden abgeliefert werde. St. Paul’s Catacombs, Maltas größte Katakomben, stammen aus dem 4.?und 5. Jahrhundert und wiesen früher rund 1400 Grabstätten auf, von denen sich etwa 900 erhalten haben. Ihre Gänge sind zusammen rund 900?Meter lang. Die St. Agatha’s Catacombs sind vor allem wegen ihren Wandmalereien aus spätrömischer und mittelalterlicher Zeit berühmt. www.maltacultureguide.com

© Foto: Markus Kirchgessner

Ggantija

Der Tempelkomplex von Ggantija ist eine sehr gut erhaltene und eindrucksvolle überirdische Kultanlage aus der Jungsteinzeit. Zusammen mit den Tempeln Maltas steht er auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Noch im letzten Jahrhundert konnten sich die Einheimischen diese Bauten nur als Werke von Giganten vorstellen, daher auch der Name. Eine örtliche Legende erzählt, eine Riesin habe die Tempel in einer einzigen Nacht erbaut – und dabei noch ihr Kind auf einem Arm getragen. Die beiden auf einen Vorplatz ausgerichteten, früher wohl mindestens 10?Meter hohen Tempelfassaden waren konkav geformt und trafen in der Mitte in stumpfem Winkel aufeinander. Vor den Fassaden verlief eine Steinbank zur Ablage von Opfergaben. Lohnend ist ein Blick auf die Umfassungsmauer des Doppeltempels, die ihn auf drei Seiten umgibt – die Menschen der Jungsteinzeit haben dafür riesige Steine abwechselnd senkrecht und waagerecht aufgeschichtet. heritagemalta.org

© Foto: Tom Schulze

Vittoriosa (Birgu)

Bevor die Ordensritter die heutige Hauptstadt Valletta gründeten, residierten sie hier in Vittoriosa (3000 Einwohner), einst Birgu genannt. Hauptstädtisch gibt sich Vittoriosa heute überhaupt nicht mehr, die Bewohner sind überwiegend als Schauerleute und Dockarbeiter im Hafen tätig. Vittoriosa ist eine oft süditalienisch anmutende Wohnstadt, in der einige historische Denkmäler aus der Ritterzeit verstreut liegen. Der Ort erstreckt sich auf einer Halbinsel, an seiner äußersten Spitze steht das Fort St. Angelo. Am Kai der Vittoriosa Waterfront ankern 50-Meter-Yachten, einige Cafés und Restaurants bieten hier besonders abends eine schöne Gelegenheit, fast direkt am Wasser zu sitzen. Die exklusive Grand Harbour Marina der alten Ritterstadt weihte 2005 die Queen persönlich ein. www.visitmalta.com

© Foto: Markus Kirchgessner

Hagar Qim & Mnajdra

Schön zwischen Feldern und dem Meer liegen die Tempelkomplexe Hagar Qim und Mnajdra. Aus denkmalpflegerischen Gründen mussten beide überdacht werden, sodass ihre Einbettung in die Landschaft nicht mehr ganz so idyllisch ist wie vorher; dafür hat am Parkplatz vor der Gesamtanlage ein Besucherzentrum seine Pforten geöffnet, in dem Tempelbau und -architektur anschaulich erklärt werden. Hagar Qim besitzt nahezu alle Merkmale, die die maltesischen Tempel der Jungsteinzeit auszeichnen. heritagemalta.org

© Foto: Markus Kirchgessner

National Museum of Archeology & Auberge de Provence

In der 1574 erbauten ehemaligen Auberge de Provencee lebten einst provenzalische Ordensritter. Heute wird dort zur Schau gestellt, was Maltas Boden an archäologischen Schätzen freigab. Im Erdgeschoss sind die Funde aus dem Neolithikum ausgestellt; Tempelmodelle erleichtern das Verständnis neolithischer Architektur. Zu den schönsten Kunstwerken der Jungsteinzeit gehört die nur 7?Zentimeter hohe und 12?Zentimeter lange Terrakottafigur einer liegenden Frau, die auch als Sleeping Lady bezeichnet wird. heritagemalta.org

© Foto: Markus Kirchgessner

Hypogäum

Das Hypogäum in Paola ist wohl das erstaunlichste Bauwerk Maltas. Es ist die einzige vollständig erhaltene Kultstätte aus der Jungsteinzeit, also aus einer rund 5000 Jahre zurückliegenden Periode. Anders als die überirdischen Tempel und Gräber hat es die Zeiten weitgehend unversehrt überdauert, denn das Hypogäum ist in die Erde hineingebaut. Auf einer Grundfläche von 500?m2 sind drei Geschosse bis zu 14?Meger tief aus dem Fels herausgearbeitet worden. Man findet hier Gänge und Hallen, Kammern, Nischen und Stufen sowie Reste von Wandmalereien, die überwiegend dekorative Motive wie Ranken und Spiralen aufweisen. Viele Gestaltungsformen erinnern an Elemente oberirdischer neolithischer Tempel. Täglich werden maximal 70 Besucher in Gruppen von jeweils zehn Personen eingelassen. Sie sehen zunächst eine kurze Videoeinführung und werden dann auf festgelegten Wegen etwa 20 Minuten lang durch die faszinierende Unterwelt geführt. Es ist am besten, sich frühzeitig um Eintrittskarten zu bemühen. www.heritagemalta.org

© Foto: Markus Kirchgessner

Gnejna Bay

An dieser weiten Bucht stehen Bootsschuppen von Gelegenheitsfischern aus dem nahen Dorf Mgarr. Ein kleiner, aber feiner Sandstrand lädt zum Baden und Sonnen ein. Die Wassersportangebote sind etwas preiswerter als sonst auf Malta üblich, für Snacks und kühle Getränke sorgt ein einfacher Imbissstand. Schön ist eine Wanderung von hier hinüber zur Golden Bay. Von Mgarr aus führt eine beschilderte Asphaltstraße hinunter zur Bucht. www.airmalta.com

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