Wir bleiben wach …

Weimarer SommerWir bleiben wach …

…?bis der Sommer nicht mehr weitergeht. Wie Weimar zwischen Juni und September die Kultur hochleben lässt.

– Sommertheater Tiefurt© Foto: Jessica MintelowskyDie Fischerin– Sommertheater Tiefurt

Es ist der 28. August. Drüben auf der großen Wiese tritt ein Tanzensemble auf. In der Parkhöhle werden Kurzfilme von Studenten gezeigt. Und hier, auf der unteren Terrasse, kann man mit Johann Wolfgang von Goethe auf dem west-östlichen Divan Platz nehmen – wenn auch nur im Rahmen eines Theaterstücks. Die Wolken malen heute Abend ab und an eine dramatische Stimmung in den Himmel, aber die Spätsommernacht bleibt lau und trocken. Rund ums Römische Haus feiern die Weimarer mit vielen Gästen bei Wein, Würstchen, Suppe und jeder Menge Kultur.

Die Kultur geht raus in Parks, erobert Plätze und schaut in Cafés vorbei.

Hätte dem Dichter bestimmt gefallen, wie im Park an der Ilm jedes Jahr sein Geburtstag begangen wird: sehr kurz­weilig und ohne Eintrittstickets. Nach der Open-Air-Party im Grünen wird die Staatskapelle Weimar im Nationaltheater noch ein Nachtkonzert zu Ehren Goethes geben.

Spielzeitpause in Weimar? Da legt die Stadt erst richtig los. Unter dem
Motto „Weimarer Sommer“ bündelt sie Festivals, Ausstellungen, Sommertheater und wiederkehrende Events. Die Kultur geht raus, spielt in den Parks und Gassen, erobert die Plätze und schaut in den Cafés vorbei.

Beim Weimarer Sommer probiert man das eine oder andere Häppchen Kultur – und weiß nicht immer, was einen erwartet.
Fassaden­projektionen  an der Bauhaus-Universität© Foto: Maik SchuckGenius LociFassaden­projektionen an der Bauhaus-Universität

Das Erfolgsrezept ist so einfach wie gut. Alles passt: Fassadenprojektionen ebenso wie Meisterkurse junger Künstler, jüdische Musik wie Pop, Kunst- und Weinfest, Sommertheater und Open Air. Von schwer anspruchsvoll bis unbekümmert locker.

So wie jetzt gerade, im Park von Schloss Tiefurt. Dort wird die junge Fischerin vermisst. Vater und Schwiegersohn in spe haben ein paar Nachbarn zusammengetrommelt, denn es dämmert schon. Gemeinsam durchkämmen sie mit Fackeln die Flussaue, auf der bis vor ein paar Minuten noch ein Schäfer mit seinen Heidschnucken entlangzog. Sorgen muss man sich keine machen, das Ganze ist Theater. Man darf sich also am Lindenrondell entspannt zurücklehnen und dies wildromantisch anzuschauende Sommerspektakel ge­nießen. Schön ist das, Goethes Singspiel „Die Fischerin“ dort zu erleben, wo es einst im Kreise der Herzogin Anna Amalia aufgeführt wurde – im Park von Schloss Tiefurt.

© Foto: HfM
Der Yiddish Summer Bild oben und die Weimarer Meisterkurse (unten)© Foto: Maik SchuckSpannende ProgrammpunkteDer Yiddish Summer Bild oben und die Weimarer Meisterkurse (unten)
Spannende ProgrammpunkteDer Yiddish Summer Bild oben und die Weimarer Meisterkurse (unten)
Zu Goethes Geburtstag herrscht Party-Stimmung in der Stadt

Man kneift die Augen zusammen und versucht sich vorzustellen, wie das war, damals – lange bevor Kino, Fernsehen und Livestream unsere Abende zu bestimmen begannen. Heute gehört das Stück zum festen Repertoire des Sommertheaters.

Wenn sich, wie jetzt zu Goethes Geburtstag, die Veranstaltungen dicht drängen, dann werden selbst in einer Stadt wie Weimar die Hotelzimmer knapp. Dann herrscht in der Altstadt Partystimmung. Dann probieren die Weimarer und Gäste aus aller Welt beim Fest auf dem Marktplatz nicht nur Wein – sie genießen dazu auch das eine oder andere Häppchen Kultur. Nicht immer wissen sie, was sie erwartet. Spannend!

Zum Beispiel, wenn der Schweizer Künstler Hans Peter Litscher im Rahmen des Kunstfests ein Goethe-Zitat über die Eleganz von Zebras zum Anlass einer Ausstellung nimmt, die nur eins beweisen will: eine alles umspannende Zebra-Manie. Beim Rundgang „Goethes Zebra“ werden Künstlervortrag und Installationen zum skurrilen Gesamtkunstwerk. Der Weimarer Sommer ist bunt genug! Da kann man die Welt auch mal für einen Moment schwarz-weiß-gestreift sehen. Oder?

Goethes Zebra

Ansichts­exemplar bei der Weimarer Litscher-Ausstellung
Ansichts­exemplar bei der Weimarer Litscher-Ausstellung© Foto: Christiane WürtenbergerGoethes ZebraAnsichts­exemplar bei der Weimarer Litscher-Ausstellung
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