Weiter Himmel, tiefe Wälder

WandernWeiter Himmel, tiefe Wälder

Sanfte Hügel, gewaltige Baumriesen und die liebliche Werra: Der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal steckt voller Gegensätze. Am schönsten erlebt man sie auf dem fast 100 Kilometer langen Naturparkweg Leine-Werra – einem der schönsten Wanderwege Deutschlands.

Franziskanerkloster und Wallfahrtsstätte Hülfensberg© Foto: Joachim NegwerEine Stätte der Ruhe:Franziskanerkloster und Wallfahrtsstätte Hülfensberg

Es ist ein Ort der Ruhe und des Friedens. Vögel zwitschern und der Wind raschelt durch die Blätter. Hier oben auf dem Hülfensberg bei Geismar ist die Welt nicht nur schön, sondern auch besinnlich. Der Grund hierfür ist die alte gotische Wallfahrts- und Klosterkirche mit einem romanischen Jesuskreuz, die seit 1367 auf dem „Berg der heiligen Hülfe“ steht und sich zwischen den Laubbäumen versteckt. Seit 1860 ist sie Sitz der Franziskaner.

Leicht zu erkennen: Das rote Quadrat auf weißem Grund markiert den gesamten Naturparkweg

Doch auch für Nicht-Gläubige lohnt sich der Aufstieg auf den Hülfensberg, und zwar wegen der unvergleichlichen Aussicht auf die Täler und idyllischen Orte des Eichsfelds, das Teil des 87.000 Hektar großen Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal ist. Er erstreckt sich von Heilbad Heiligenstadt im Norden bis Creuzburg im Süden und vereint drei Landschaften: sanfte Hügel im Eichsfeld, Buchen-Urwälder im UNESCO-Weltnaturerbe Nationalpark Hainich und die Werra mit ihren hohen Kalkstein-Ufern.

Am schönsten geht es mittendurch auf dem Naturparkweg Leine-Werra. Auf fast 100 Kilometern verläuft er über idyllische Wald- und Feldwege durch den Naturpark, vorbei an netten Dörfern, kleinen Kirchen und eben auch am Hülfensberg vorbei.

Wanderer genießen unterwegs tolle Ausblicke von hohen Klippen
Während der zweiten Tagesetappe erreichen Wanderer den beschaulichen Ort Wilbich© Foto: Joachim NegwerHalbzeit:Während der zweiten Tagesetappe erreichen Wanderer den beschaulichen Ort Wilbich

Einer, der jeden Meter des Weges kennt, ist der Ranger, Natur- und Nationalparkführer Stefan Sander. „Jeden Tag bin ich hier in der Natur unterwegs, und die Vielfalt erstaunt mich immer wieder“, erzählt er. Für ihn ist der Naturparkweg Leine-Werra mit seinen fünf Tagesetappen ein echter Höhepunkt der Region. „Hier lernen Besucher unsere Natur, aber auch unsere Traditionen kennen. Und unterwegs gibt es immer wieder gute Einkehrmöglichkeiten“, sagt der Ranger. Am Start, in Heilbad Heiligenstadt lohnt ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren vielen historischen Fachwerkhäusern, bevor man zur Wanderung aufbricht. Highlights der ersten Tagesetappe sind die Maienwand und die Dieteröder Klippen. Von beiden Anhöhen aus bietet sich Wanderern ein weiter Ausblick über wogende Kornfelder, über Hügel und Hochebenen des Eichsfelds. Am Naturparkzentrum Fürstenhagen lässt sich gut eine Rast mit einem Imbiss einlegen, dann geht's weiter zum Ziel nach Martinsfeld.

© Foto: Anne Schüßler
Der Naturpark und der Nationalpark sind Heimat vieler Tierarten (Bild oben). Zuständig für die Parks ist Ranger Karsten Klaene (Bild unten).© Foto: Joachim NegwerGroße Vielfalt:Der Naturpark und der Nationalpark sind Heimat vieler Tierarten (Bild oben). Zuständig für die Parks ist Ranger Karsten Klaene (Bild unten).
Große Vielfalt: Der Naturpark und der Nationalpark sind Heimat vieler Tierarten (Bild oben). Zuständig für die Parks ist Ranger Karsten Klaene (Bild unten).
Historische Bauwerke, Wasserfälle und eine Draisine – der Naturpark-weg ist voller Vielfalt

Frisch und ausgeruht wandert man am zweiten Tag weiter in Richtung Großbartloff. Der Höhepunkt dieser Etappe ist die bekannte Wallfahrtskapelle Klüschen Hagis, die zur Männerwallfahrt an Christi Himmelfahrt Tausende Besucher anzieht. Heute ist es ruhig hier, Grillen zirpen und ein paar Schafe grasen zufrieden. Durch ein Waldstück gelangen Wanderer zum Luttergrund, in dem neun kleine Quellen, die „Neun Börner“ entspringen. Das klare Wasser sammelt sich plätschernd zum kleinen See. Ein perfekter Ort, um Staudämme zu bauen. Kurz vor Großbartloff stürzt das kalkhaltige Wasser des Lutterwasserfalls über eine zehn Meter hohe moosbärtige Klippe – ein erfrischendes Ende der zweiten Tagesetappe.

Tag drei steht ganz im Zeichen von Tradition und Kultur. Es geht von Großbartloff nach Lengfeld unterm Stein. Die Strecke führt durch das historische Städtchen Geismar, immer im Schatten des Hülfensberges mit seinem Franziskanerkloster. Am Etappenziel in Lengfeld erwartet die Besucher eine ganz besondere Attraktion, für die sie sich aber einen Tag extra Zeit nehmen sollten: die Draisinenstrecke. Die Schienen führen über das bis zu 24 Meter hohe Lengfelder Viadukt und durch fünf Tunnelanlagen.

Der vierte Tag ist den historischen Bauwerken im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal gewidmet. Den Anfang macht das Kloster Zella aus dem Jahr 1100, das heute ein Seniorenheim ist. Der imposante Innenhof ist auch für Besucher zugänglich. Weiter geht es zum Aussichtspunkt „Lindenhecke“. Von hier aus können Wanderer bis zum Nationalpark Hainich blicken. Die Burg Normannstein, oberhalb von Treffurt, bietet am Etappenende Gelegenheit für ein leckeres Essen in rustikalem Ambiente. Am fünften Tag lockt das Werratal. Das lauschige Flüsslein schlängelt sich unter bis zu 100 Meter hohen Kalksteinfelsen durch den Naturpark. Die Steilhänge sind Lebensraum für viele bedrohte Tiere und Pflanzen.

In Creuzburg am Ende der Tour empfängt einen wieder das bunte Mittelalter: mit einer historischen Burg und der steinernen Werrabrücke. Wir lassen am Fluss erst einmal die Füße ins Wasser baumeln und schauen eine Weile den Paddlern hinterher. Man könnte gut noch ein bisschen weitermachen, einmal die Perspektive wechseln. Ein Kanu mieten und die Aussicht von unten genießen.

Ich bin hier oben!

Auf dem Erlebnis-Baumhaus am Naturparkzentrum
Auf dem Erlebnis-Baumhaus am Naturparkzentrum© Foto: Anne SchüßlerIch bin hier oben!Auf dem Erlebnis-Baumhaus am Naturparkzentrum
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