Unterwegs zu Luther

LutherlandUnterwegs zu Luther

In Erfurt ist Martin Luther ins Kloster eingetreten, auf der Wartburg hat er das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. Im Lutherhaus in Eisenach wird das Thema nun multimedial präsentiert. Auch in anderen Thüringer Städten hat der Mann viele Spuren hinterlassen. Ausflug ins Herz der Reformation.

die Wartburg bei Eisenach. Martin Luther ist oft durch dieses Tor gegangen© Foto: Anna-Lena ThammNationaler Reformations-Gedenkort:die Wartburg bei Eisenach. Martin Luther ist oft durch dieses Tor gegangen

Am 17. Juli 1505 tritt er in das Augustinerkloster in Erfurt ein. Ob es ein schöner Sommertag ist? Die Eingangspforte jedenfalls sieht damals noch anders aus, deutlich bescheidener. Erst im 19. Jahrhundert lässt man das Tor abreißen und von dem berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel neu gestalten. Ein so wichtiger Ort der Reformation braucht einen würdigeren Rahmen, findet man damals.

Fast alle wichtigen Lutherorte liegen in Thüringen

Doch auch wenn das Tor nicht mehr ganz das alte ist – die Landeshauptstadt bietet so viele authentische Lutherorte wie keine andere Stadt in Thüringen. In den mittelalterlichen Gassen der Altstadt muss man nur die Augen ein wenig zusammenkneifen und schon kann man sich vorstellen, dass Martin Luther um die Ecke biegt.

Der junge Mann kommt nach der Eisenacher Schulzeit nach Erfurt, studiert dort ab 1501 die Septem Artes liberales – was eine Art Studium generale ist. Anschließend schreibt er sich auf Wunsch des Vaters für die Rechtswissenschaften ein.

Thüringen geht mit großen Schritten auf das wichtige Jubiläum 2017 zu
Pforte zum Augustinerkloster in Erfurt. Als Reisender kann man in dem ehemaligen Kloster wieder übernachten© Foto: Christiane Würtenberger"Heute seht Ihr mich und nimmermehr":Pforte zum Augustinerkloster in Erfurt. Als Reisender kann man in dem ehemaligen Kloster wieder übernachten

Doch Jurist wird Martin Luther nie: Denn kurz darauf überlebt der Student ein Gewitter in der Nähe von Erfurt und schwört, aus Dankbarkeit Mönch zu werden. Er bleibt zunächst in Erfurt, wird Priester und predigt in mehreren, noch heute erhaltenen Kirchen der Stadt. Erfurt ist also ein guter Ausgangspunkt für eine Thüringenreise auf den Spuren des Reformators.

Man merkt es überall im Land: Thüringen geht mit großen Schritten auf das wichtige Jubiläum 2017 zu. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther in Wittenberg seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt haben. Pech für Thüringen, dass das in Sachsen-Anhalt geschah. Aber auch nicht weiter schlimm, denn fast alle anderen wichtigen Lutherorte liegen in Thüringen.

© Foto: Christiane Würtenberger
die Lutherstube auf der Wartburg (o.); der Markt in Eisenach (u.)© Foto: Andreas Weise/factumOriginalschauplatz Eisenach:die Lutherstube auf der Wartburg (o.); der Markt in Eisenach (u.)
Originalschauplatz Eisenach: die Lutherstube auf der Wartburg (o.); der Markt in Eisenach (u.)
Aus dem einsamen Mönchs-leben wird nichts. Luther wird welt-berühmt

Deshalb wird auch in Erfurt, Eisenach, Weimar und Jena groß gefeiert. Schon seit 2008 widmet sich das Land im Rahmen der Lutherdekade jedes Jahr einem reformatorischen Thema, 2016 heißt es „Luther und die Eine Welt“. In den kommenden Monaten soll aber nicht nur die globale Dimension der Reformation ins Blickfeld gerückt werden. 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers ist sein Handeln im Angesicht von Armut und Unterdrückung auch immer noch sehr aktuell.

Zudem ist die Zeit, in die Martin Luther hineingeboren wird, von großen Umbrüchen geprägt. Als Martin Luther 1483 auf die Welt kommt, ist die Technik des Buchdrucks erst 30 Jahre alt. Der kleine Martin ist neun, da „entdeckt“ Christoph Kolumbus Amerika. Auch die Erschließung des Seewegs nach Indien fällt in diese Zeit. Die Welt wird zum ersten Mal global. Gleichzeitig ist das Leben der Menschen noch von Pestepidemien bedroht. Die Verschwendungslust des Klerus verunsichert die Gläubigen. Die Türken haben 1453 Konstantinopel erobert – die Zeit scheint reif für das Weltende – oder eine Rückbesinnung auf alte Werte. Martin Luther gehört zu den nüchternen Bewahrern: Er will die Bibel beim Wort nehmen.

Getarnt als Junker Jörg verbringt Martin Luther, der von der katholischen Kirche und dem Kaiser verfolgt wird, über den Dächern von Eisenach 1520 und 1521 zehn Monate – in denen er, unter anderem, das Neue Testament aus dem Lateinischen und Griechischen übersetzt. Es ist nicht die erste Bibelübersetzung, aber es ist mit Abstand die beste. Unterhaltsam erzählt Martin Luther die biblischen Geschichten. Und schenkt dabei der deutschen Schriftsprache, die er beim Übersetzen erst schafft, viele starke, neue Wörter. Deshalb ist die Lutherbibel nicht nur ein Glaubenszeugnis, sondern auch Weltliteratur.

Kein Wunder also, dass die Wartburg zum nationalen Reformations-Gedenkort geworden ist. Herzstück der Lutherverehrung ist dort ein bescheidenes Zimmer mit Schreibtisch und Bretterwand: die Lutherstube. Im Jubiläumsjahr wird auf der Wartburg die große Nationale Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ zu sehen sein.

Mit zunehmendem Voranschreiten der Reformation muss Martin Luther aufgelöste Klöster umorganisieren und am Aufbau einer evangelischen Kirche mitwirken. In Jena predigt der Reformator oft und übernachtet im Hotel Schwarzer Bär, das es noch gibt. Weimar, Gotha, Orlamünde, Kahla, Altenburg oder Neustadt an der Orla – der Mann ist landauf, landab unterwegs und hinterlässt seine Spuren. Der Lutherweg, ein mehr als 1.000 Kilometer langer Wanderweg, verbindet die Schauplätze der Reformation.

Während seiner Reisen wirbt der Reformator auch für seine wichtigste Idee: Nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben (sola fide) und die daraus resultierende Gnade Gottes (sola gratia) erlangt der Mensch seinen Seelenfrieden, seine Erlösung. Die Bibel erkennt Luther dabei als einzige Quelle der Erkenntnis an (sola scriptura).

„Heute seht ihr mich und nimmermehr.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich der junge Martin Luther an der Klosterpforte in Erfurt von seinen Freunden, so wird berichtet. Was der Mann noch nicht weiß: Aus dem einsamen Mönchsleben wird nichts. Luther kehrt bald als Theologe zurück ans Licht der Öffentlichkeit. Sein Wunsch nach einer Rückbesinnung auf die Bibel wird ihn berühmt machen – und die Welt radikal verändern.

Luther – das Fest:

ein Mittelalterspektakel in Eisenach
ein Mittelalterspektakel in Eisenach© Foto: Andreas Weise/factumLuther – das Fest:ein Mittelalterspektakel in Eisenach
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