Unterwegs am Rand der Welt

Great Ocean RoadUnterwegs am Rand der Welt

Links geht es steil hinunter zum Ozean, rechts ragen die schroffen Klippen weiter hinauf ins Firmament. Die Straße führt in Serpentinen durch eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, man passiert bizarre Felsformationen im Meer, tiefgrünen Regenwald, macht Pause in kleinen Küstenorten voller Bars und Cafés für Surfer oder in schönen Weingütern. Keine Frage: Die Great Ocean Road zählt zu den absoluten Traumstraßen unserer Erde!

Im Video:Impressionen von einem Helicopter-Flug über die Küste bei den Twelve Apostles

Wie eine Schlange windet sich die Straße hoch über dem tosenden Ozean an den Klippen entlang. Weiß schäumend brechen sich die Wellen des türkis schimmernden Meeres an Sandbänken und atemberaubenden Felsformationen.

Die Great Ocean Road
südlich von Melbourne ist eine der schönsten Küstenstraßen der Welt: Auf einer Strecke von 345 Kilometern Länge verzaubert sie ihre Besucher mit atemberaubenden Ausblicken, kleinen urigen Orten und ganz viel frischer Natur. Hier gilt ein altes Klischee: Der Weg ist das Ziel!

Auf dieser Traum- straße gilt ein altes Klischee: Der Weg ist das Ziel!

Die Straße ist dabei stets bestens ausgebaut, und wer nicht schwindelfrei ist, kann hier trotzdem beruhigt fahren – solide Leitplanken trennen die Automobile vom Abgrund. Außerdem gibt es jede Menge Parkplätze und Ausweichbuchten an Aussichtspunkten. Da muss man sich schon zusammenreißen, um nicht alle paar Kilometer einen Fotostopp einzulegen.

Wer die herrliche Natur der Küste und die Geheimnisse des Hinterlands nicht nur kurz sehen, sondern richtig erleben möchte, sollte sich mindestens drei bis vier Tage Zeit nehmen. Die Great Ocean Road beginnt in der Hafenstadt Geelong (140.000 Einwohner), rund 70 Kilometer südwestlich von Melbourne gelegen. Schon hier lohnt sich ein erster Stopp.

Tourquay mit dem Bell's Beach ist ein Dorado für Surfer
türkisfarbenes Wasser und heller Strand in der Loch Ard Gorge© Foto: Tourism Australia/ Time Out AustraliaRomantische Schlucht:türkisfarbenes Wasser und heller Strand in der Loch Ard Gorge

Die Anlegestellen des ehemaligen Industriehafens beherbergen heute gute Restaurants, der lang gezogene Eastern Beach endet im alten botanischen Garten. Etwas Besonderes: der restaurierte Art-déco-Seewasserpool, in dem Schwimmer vor Haien absolut sicher sind.

Die Piste führt dann weiter nach Torquay (3500 Einwohner), dem Dorado für Surfer aus aller Welt – es gibt jede Menge tolle Surfgeschäfte, außerdem ist dort auch die Heimat der berühmten Marken Rip Curl und Quicksilver. Im weltweit einzigartigen Surfmuseum wird die Geschichte der Sportart liebevoll dargestellt. Am legendären Bell’s Beach südlich von Torquay kann man dann die Könner in Aktion bewundern – bis zu vier Meter hohe Wellen sind wahrlich nichts für Anfänger. Dort findet auch zu Ostern das internationale Bell’s Beach Surfing Classic der Profis statt.

© Foto: Thomas Zwicker
Ecolodge-Chef Shayne Neil macht mit seinen Gästen gern Exkursionen am Cape Otway, etwa zu den Riesenbeutelmardern© Foto: Thomas ZwickerSpannender Stopp:Ecolodge-Chef Shayne Neil macht mit seinen Gästen gern Exkursionen am Cape Otway, etwa zu den Riesenbeutelmardern
Spannender Stopp: Ecolodge-Chef Shayne Neil macht mit seinen Gästen gern Exkursionen am Cape Otway, etwa zu den Riesenbeutelmardern
Am Cape Otway widmet sich die Ecolodge dem Schutz heimischer Arten

Am kleinen Badeort Anglesea wird wieder Pause eingelegt, sein Split Point Lighthouse, ein 34 Meter hoher und noch aktiver Leuchtturm, kann besichtigt werden. Der wunderschöne Touristenort Lorne (1000?Einwohner) mit seinem herrlichen Sandstrand wurde jüngst leider von einem großen Feuer heimgesucht, etliche der schönen Häuser fielen ihm zum Opfer. Überhaupt gibt es während der Sommersaison immer wieder Waldbrände an der Küstenpiste – die versehrten Bäume stehen dann am Straßenrand und mahnen dazu, während der Zigarettenpause Vorsicht mit offenem Feuer walten zu lassen. Das gilt auch bei Abstechern ins Landesinnere wie auf der Grey River Road bei Kennett River, die ins Buschland hineinführt und wo man mit Glück Koalas bewundern kann.

Apollo Bay ist ein weiterer schöner Ferienort mit kleinem Hafen, hier kann man gut schwimmen, fischen und ausruhen. Oder den nahen, geheimnisvollen Otway National Park im Hinterland erwandern. Nur wenige ausländische Touristen verirren sich dorthin: Riesige Baumfarne und hoch aufragende Eukalyptusbäume überschatten schmale Wanderwege, man klettert über umgestürzte, moosbewachsene Urwaldgiganten, überquert klare Bäche, entdeckt sprudelnde Wasserfälle. Tagsüber lassen sich Kakadus und Raubvögel beobachten, nachts werden Possums, Eulen und die fliegenden Eichhörnchen ähnelnden Glider aktiv. Unter moosbewachsenen Überhängen leuchten Tausende Glühwürmchen, und die Wahrscheinlichkeit, Schnabeltiere zu sehen, ist groß.

Das nächste Highlight für Naturfreunde wartet bald darauf am Cape Otway, wo die Piste einen weiten Bogen durchs Landesinnere schlägt und sich durch schattigen Regenwald windet. Auf einer schmalen Stichstraße Richtung Cape Otway Lighthouse (ein alter Leuchtturm 100?Meter über der See, 1848 von Sträflingen gebaut) erreicht man die Great Ocean Road Ecolodge, die einsam mitten in der Natur liegt und sich als privates Non-profit-Projekt ganz dem heimischen Artenschutz widmet. Wissenschaftler, Inhaber und Ranger Shayne Neil führt neu ankommende Gäste gerne durch das angrenzende, gut 180 ha große Buschland zu großen Känguru-Familien, die im Schatten ausruhen, zeigt Koalas beim Vernaschen von Eukalyptusblättern im Baum und auch schon mal eine giftige Schlange am Wegesrand (dann tritt die Gruppe geordnet den Rückzug an). Abends gibt es in der stilvollen Lodge ein Dinner bei Kerzenschein, die Gästezimmer sind rustikal und gemütlich.

Weiter geht es in Richtung Port Campbell, vorbei an kleinen und versteckt liegenden Farmen. Ab Princetown folgt die Straße der Steilküste des Port Campbell National Park. Atemberaubende, in der Sonne gleißende Felsformationen tauchen im tiefblauen Wasser auf: Die Twelve Apostles, die Zwölf Apostel. Einen ersten guten Eindruck der vom Meer geformten, natürlichen Kalksteinstatuen (es sind heute nur noch sieben, die anderen fielen Erosion und dem Zahn der Zeit zum Opfer) bekommt man am Gibson Step Lookout, von dort aus führen steile Stufen bis zum Strand unterhalb der zerklüfteten Küste. Bei gutem Wetter kann man am Strand bis zu den ersten Aposteln laufen, und nachts suchen sich hier oft Pinguine ihre Schlafplätze. Nur ein kurzes Stück weiter liegt rechts der Parkplatz des Twelve Apostles Lookout, von dort aus gibt es einen spektakulären Blick auf die Türme, Brücken und Bögen im Meer. Noch spektakulärer ist natürlich der Rundflug mit einem Hubschrauber der 12 Apostles Helicopters, der rund 15 Minuten dauert.

Die Naturwunder folgen nun
Schlag auf Schlag, die berühmte Schlucht Loch Ard Gorge etwa mit ihrem kleinen Strand zwischen hoch aufragendem Gestein oder die Felsformation London Bridge. Richtung Warrnambool (22.500 Einwohner) wird die Landschaft dann weniger spektakulär, dafür ist die ehemalige Walfängersiedlung heute ein Ziel für Walbeobachter: Im australischen Winter (also von Juni bis September) kommen Southern Right Whales hierher, um in der Bucht zu kalben. Unterkühlte Walbeobachter können sich später im Tearoom des Flagstaff Hill Maritime Museums aufwärmen – das Museum ist die Nachbildung einer Hafenstadt aus dem 19. Jahrhundert mit Schiffbauern, Schmiede, Schule, Kirchlein, Pub und Bank. Abends ruft die Sound and Laser Show „Shipwrecked“ die Geschichte der Küste mit ihren vielen Schiffsunglücken in Erinnerung.

Von Warrnambool lohnt sich ein Abstecher zum Tower Hill Wildlife Reserve, 12 Kilometer westlich gelegen. Tower Hill heißt der tiefe Krater eines erloschenen Vulkans, innerhalb seiner Wände ist eine faszinierende Wildnis entstanden, in der Kängurus, Koalas und Tausende von Vögeln zu Hause sind. Auf der schmalen Rundstraße sollte man langsam fahren, besonders am späten Nachmittag und abends begegnet man überall Tieren. Im Besucherzentrum gibt es jede Menge Infos, Snacks und Kaffee und schöne Souvenirs aus der Produktion der Aboriginals.

Unterwegs locken noch Stopps bei lokalen Anbietern leiblicher Genüsse wie Basalt Wines, wo kleine Häppchen zur Weinprobe geboten werden. Im historischen, denkmalgeschützten Hafenstädtchen Port Fairy (4000 Einwohner) am Ende der Great Ocean Road kann man sich dann herrlich von der Fahrt ausruhen. Bequem wohnt der Autofahrer etwa in den Victoria Apartments im Zentrum, der Leihwagen parkt in einer eigenen Garage direkt unterm Schlafzimmer. Der gemütliche Ort bietet zudem eine überraschende Vielzahl guter Restaurants, im The Stag etwa verzaubert Chef Ryan Sessions mit echten kulinarischen Genüssen. Solchermaßen gestärkt, mag mancher die großartige Küstenstraße vielleicht gleich noch einmal in entgegengesetzter Richtung befahren.

Bretter, die die Welt bedeuten:

In Torquay zeigt ein schönes Museum die Geschichte des Surfsports
In Torquay zeigt ein schönes Museum die Geschichte des Surfsports© Foto: Thomas ZwickerBretter, die die Welt bedeuten:In Torquay zeigt ein schönes Museum die Geschichte des Surfsports
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