Törn durch die Lagune

UsedomTörn durch die Lagune

Doch, das gibt es auch an der Ostsee: Mit dem Zweimaster„Weisse Düne“ und Kapitänin Jane Bothe geht’s raus aufs Achterwasser, das die Insel vom Festland trennt. Eine Tour auf die sanfte Segelart

von Joachim Negwer

Seit mehr als 100 Jahren geht die „Weisse Düne“ auf Tour© Foto: Joachim NegwerMaritimer TraumSeit mehr als 100 Jahren geht die „Weisse Düne“ auf Tour

Jetzt kommt der Augenblick, auf den alle gewartet haben: „Segel setzen“, sagt Jane Bothe, die Kapitänin. Und die Mannschaft packt an. Ziehen, ziehen, ziehen – Stück für Stück steigen die Segel in den Himmel und füllen sich langsam mit dem milden Wind, der übers Wasser weht.

„Segel setzen“, sagt Jane Bothe, die Kapitänin. Und die Mannschaft packt an

Wir sind unterwegs mit der „Weissen Düne“, einem wunderschönen Zweimaster, der seit mehr als 100 Jahren durch die Welt schippert. 45 Meter lang ist das Schiff, 6,60 Meter breit, mit zwei gewaltigen Masten, die 29 Meter hoch sind. Die eigentlichen Attraktionen dieser Tour aber sind die Landschaft und die Kapitänin. Sie führt Schiff und Mannschaft souverän und erklärt den Passagieren kompetent und witzig, was wichtig an Bord und was interessant am Ufer ist. „Uns ist es ein Herzensanliegen, den Gästen die alte Seemannschaft ein bisschen nahezubringen – und das in einer magenfreundlichen Atmosphäre“, sagt sie und lacht.

Von Neppermin aus starten im Sommer viele Fahrten mit der „Weissen Düne“
Unter Deck der  "Weissen Düne" leben alte Seemannszeiten wieder auf© Foto: Joachim NegwerRustikales AmbienteUnter Deck der "Weissen Düne" leben alte Seemannszeiten wieder auf

„Wir sind den ganzen Sommer über auf dem Achterwasseroder auf dem Peenestrom unterwegs“, schwärmt sie. Der Topsegelschoner ist wie geschaffen für diese Gegend. Denn er hat nur 1,60 Meter Tiefgang. „Im Achterwasser und Krumminer Wiek gibt’s meist nur kleine Wellen, selbst bei stürmischer Wetterlage. So schmeckt allen Mitseglern auch bei Sturm unser maritimer Imbiss“, erzählt Jane Bothe.

Usedom ist ja berühmt für seine Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, für die Seebrücken, für feinsten Sandstrand auf 40 Kilometer Länge und natürlich für die beeindruckende Bäderarchitektur – alles Gründe, einmal herzukommen. Aber auch das Achterwasser ist etwas ganz Besonderes. Es ist die Lagune des in die Ostsee mündenden Peenestroms. „Achter“ kommt nämlich aus dem Niederdeutschen und bedeutet so viel wie „hinteres“ Wasser, das Meer also auf der Rückseite der Insel Usedom.

Salzwasser oder Süßwasser?„Salzwasser“, sagt Jane Bothe. Und was noch wichtiger ist: Das Achterwasser ist viel sanfter und ruhiger als die Ostsee, die mancherorts ganz nah ist. An der engsten Landstelle bei Zempin, zwischen Zinnowitz und Ückeritz, sind es nur etwa 100 Meter, die Ostsee und Achterwasser trennen.

© Foto: Joachim Negwer
der Hafen von Neppermin (oben) und der Naturhafen Krummin (unten)© Foto: Joachim NegwerDIE SCHÖNE WELT am Achterwasser:der Hafen von Neppermin (oben) und der Naturhafen Krummin (unten)
DIE SCHÖNE WELT am Achterwasser: der Hafen von Neppermin (oben) und der Naturhafen Krummin (unten)
Ein Land für Naturgenießer und Landschafts-Entdecker, bestens geeignet für eine Schiffsausfahrt

Im Hochsommer herrscht am Ostseestrand ausgelassene Urlaubsstimmung.Am Achterwasser aber ist alles ganz anders. Dort ist es ruhig, ländlich, idyllisch. Ein Land für Naturgenießer und Landschafts-Entdecker, bestens geeignet für eine Schiffsausfahrt wie diese, aber auch für ausgedehnte Radtouren und jede Menge romantischer Augenblicke.

Es gibt weite Schilfflächen und eine ganze Reihe schöner Häfen, jeder ganz anders und jeder interessant. Der Naturhafen Krummin zum Beispiel, nicht weit von Zinnowitz entfernt, ist ein richtiges Idyll. Dort kann man einfach nur einen Kaffee auf der Terrasse des Hafenrestaurants trinken, man kann aber auch Kanutouren unternehmen, Segeln lernen oder Yachten chartern.

Hier, 2.000 Meter unter der Halbinsel Gnitz, liegen die größten Ölvorkommen Ostdeutschlands.Bis Anfang der 90er-Jahre wurden hier pro Tag 1.000 Tonnen Erdöl gefördert. Der ehemalige Verladehafen ist heute eine eigenwillige Marina und ein schöner Stellplatz für Wohnmobile.

„Mein absoluter Lieblingsfleck ist Neppermin“, sagt Kapitänin Jane Bothe. „Das ist eine ganz wunderschöne, naturbelassene Bucht am südlichen Zipfel des Achterwassers. Die hab‘ ich für mich erobert“, meint sie. Dort kann man also die ganze Saison über nach Jane Bothe und ihrer „Weissen Düne“ Ausschau halten: Von April bis Oktober startet das Schiff mehrmals pro Woche von Neppermin, aber auch von Wolgast und Karlshagen aus Fahrten durchs Achterwasser.


Majestätisch

Auch ohne gesetzte Segel macht die "Weisse Düne" was her
Auch ohne gesetzte Segel macht die "Weisse Düne" was her© Foto: Joachim NegwerMajestätischAuch ohne gesetzte Segel macht die "Weisse Düne" was her
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