Tiefe Wälder und Vulkane

NaturparkeTiefe Wälder und Vulkane

Wilde Flüsse, grüne Täler, bizarre Sandsteinformationen und eine artenreiche Flora und Fauna – im Südwesten Deutschlands lässt sich Natur intensiv erleben. Die Naturparke von Rheinland-Pfalz und des Saarlands zählen zu den über 100 Schutzzonen unserer Republik, die in einem großartigen DuMont Bildband präsentiert werden – in loser Folge stellen wir die grünen Paradiese in Text und Bildern aus dem Buch vor

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Christian Baeck

Naturpark Nassau

Im südwestlichen Westerwald und nordwestlichen Taunus in Rheinland-Pfalz liegt dieser schöne Naturpark, das Lahntal in Ost-West-Richtung bildet seine Hauptachse. Am Unterlauf der Lahn, im Naturschutzgebiet Hollerich, gibt es für Naturfreunde viel zu entdecken – so liegt hier einer von bundesweit nur noch drei Lebensräumen der stark bedrohten Würfelnatter. Die Lahn bildet auf ihrem Weg zum Rhein die Ost-West-Achse des Naturparks. An den Hängen von Obernhof wird Wein angebaut, in sonnigen Lagen wachsen Astlose Graslilie und Blutstorchschnabel. Schmetterlinge faltern vielerorts umher, Libellen findet man an sauberen Quellbächen. Oberhalb des Zusammenflusses von Rhein und Lahn steht die Burg Lahneck aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist auch ein literarischer Schauplatz und soll Goethe zu seinem Gedicht »Geistesgruß« inspiriert haben. Eine andere prächtige Burg im Naturpark ist die Marksburg. Sie gilt als besterhaltene, nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Rüstkammer, Webstube, Weinkeller, Kräutergarten, Kapelle, Kemenate und Abort-Erker an der Außenwand zeigen den Besuchern das authentische Bild einer mittelalterlichen Ritterburg. Die Marksburg und andere Kostbarkeiten erwandert man sich am besten über den Rheinsteig. Einer der schönsten Abschnitte dieses vielfach ausgezeichneten, insgesamt 320 Kilometer langen Wanderwegs führt durch den Naturpark. Nicht verpassen – Das Lahntal entdecken – Die mittelalterliche Marksburg erkunden – Auf dem Rheinsteig wandern www.naturparknassau.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Thomas Haltner

Naturpark Pfälzerwald

Ein besonderes Tier in diesem Naturparks ist eine nachtaktive Jägerin, die kaum ein Mensch in freier Wildbahn zu sehen bekommt: die Wildkatze. Sie liebt ihre Ruhe, und die findet sie in dichten Waldgebieten mit alten Bäumen und Totholz, mit kleinen, versteckten Lichtungen und geheimen Wasserstellen. Gut möglich, dass sie sich den Pfälzerwald bald mit einem Verwandten teilen muss: Dem Luchs wird es in den benachbarten Vogesen zu eng. Naturschutz kennt keine Grenzen – dieser Satz wird gerne und oft zitiert, hier stimmt er aber wirklich. Denn Wildkatze und Luchs sind Grenzgänger, die davon profitieren, dass der Pfälzerwald und die Nordvogesen 1998 von der UNESCO als grenzüberschreitendes Biosphärenreservat ausgezeichnet und unter Schutz gestellt wurden. Im Pfalzmuseum in Bad Dürkheim ist den Raubkatzen viel Raum gewidmet. Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. Die dichten Waldgebiete sind immer wieder durchzogen von tief eingeschnittenen Bachtälern und geheimnisvollen Mooren. Vor allem im Dahner Land und im Trifelsland prägt Buntsandstein das Gesicht des Naturparks. Die Namen von Felsen wie »Teufelskanzel«, »Hexenpils« und »Satansbrocken« sind oft ebenso bizarr wie ihre Gestalt. Auf einer Felsformation oberhalb von Annweiler liegt die Reichsfeste Trifels, einst bevorzugte Burg des Stauferkaisers Friedrich I. Hier schmorte der englische König Richard Löwenherz nach dem dritten Kreuzzug einige Jahre in der Gefangenschaft des deutschen Kaisers Heinrich IV. Das Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße, wo 1832 rund 30 000 Menschen für Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit demonstrierten, gilt als Ursprungsort der deutschen Demokratie. Nicht verpassen – Burg Trifels bei Annweiler besuchen – Das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim erkunden – Bizarre Felsen wie den »Hexenpils« bestaunen www.pfaelzerwald.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Christian Baeck

Naturpark Rhein-Westerwald

Urplötzlich bricht der Pfad ab, öffnet sich der Blick in die Tiefe auf den großen Strom. Kaum zu glauben, dass an den steilen Hängen zwischen den Basaltkegeln oberhalb des Rheins Wein angebaut wird – und zwar ein ganz hervorragender, wie die zahlreichen Auszeichnungen zeigen. Insbesondere der Riesling gedeiht auf den mineralreichen Schieferböden prächtig. Davon können sich durstige Wanderer in den Weinstuben der alten Städtchen Linz, Unkel oder Bad Hönningen überzeugen. Neben dem Rhein prägen viele kleinere Flüsse und Bäche den Naturpark. Im idyllischen Tal der Wied blühen Orchideenarten wie das Stattliche Knabenkraut oder die Bocks-Riemenzunge. Die weit verbreiteten Streuobstwiesen mit ihren bunten Teppichen aus Margerite, Akelei und Schlüsselblume sind der Lebensraum des imposanten Hirschkäfers. Das Kloster Marienhaus in Waldbreitbach an der Wied ist das Mutterhaus des Waldbreitbacher Ordens der »Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln«. Im Bibelgarten mit Olivenbaum und Weinreben haben einige Franziskanerinnen einen »Schöpfungspfad« eingerichtet: Der Rundweg verbindet Streuobstwiesen, Feuchtbiotope sowie den Pflanzen- und Kräutergarten. Im Fockenbachtal mit seinen dichten Buchenwäldern und zahlreichen historischen Mühlen zeugen Quarzitblöcke von der früher hier praktizierten Glasverhüttung. Im Unterlauf des Fockenbachs liegt die Ruine der Neuerburg, die Ludwig II von Thüringen – ein Schwager von Kaiser Barbarossa – um 1170 erbauen ließ. Von der markanten Felsformation des Hölderstein hat man einen schönen Blick über die offene, von Galloways und Heckrindern beweidete Wiesenlandschaft des Grenzbachtals. Auf dem nur mit entsprechender Ausrüstung begehbaren Klettersteig am Hölderstein sind auf einer Länge von 250 Metern diverse Schwierigkeitsgrade sowie ein Höhenunterschied von 80 Metern zu überwinden. Nicht verpassen – Den Lebensraum Weinberge erkunden – Im Bibelgarten von Kloster Marienhaus verweilen – Am Klettersteig am Hölderstein austoben www.naturpark-rhein-westerwald.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Arthur Selbach

Naturpark Saar-Hunsrück

"Schnäägen und genießen" (bedeutet etwa "naschen und genießen") lautet die Philosophie von Gastronomie-Betrieben im Naturpark Saar-Hunsrück. Die Wirte der Regionalinitiative »Ebbes von Hei« haben sich verpflichtet, mindestens ein Gericht aus regionalen Produkten anzubieten sowie regionale Weine und Getränke auf ihrer Speisekarte zu führen. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Veranstaltung zu regionalem Genuss einlädt. Ob Bärlauchtage, Hochwälder Kartoffeltage oder Wildwochen, immer stehen lokale Spezialitäten und ihre – auch historische – Bedeutung im Vordergrund. Eine Spezialität des Saargaus ist der Viez, ein Fruchtwein, der zumeist aus einer Mischung verschiedener alter Apfelsorten gekeltert wird. Auf der länderüberschreitenden Genussroute »Viezstraße« zwischen Wallerfangen und Konz können in einer wunderschönen, von Streuobstwiesen geprägten Landschaft, vor allem im Herbst kulinarische Entdeckungen rund um den Apfel gemacht werden – oder lokale Spezialitäten wie Krombierewurst (Kartoffelwurst) probiert werden. Nicht ohne Grund gilt der Naturpark Saar-Hunsrück als Premium-Wanderregion: Der Saar-Hunsrück-Steig ist mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent Naturwegen und vielfältigen Landschaften einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands. Auf 218 Kilometern zwischen Perl, Idar-Oberstein und Trier wird alles geboten: pittoreske Landschaften, bizarre Felsen, idyllische Bachläufe und Schluchten, interessante Edelsteine, geheimnisvolle Moorlandschaften oder der Ringwall von Otzenhausen, eine der eindrucksvollsten keltischen Befestigungsanlagen europaweit. Ergänzt wird der Saar-Hunsrück-Steig durch ein Netz von 85 »Traumschleifen«, Rundwanderwegen mit einer Länge zwischen acht und 18 Kilometern. Mehrere Traumschleifen wurden als schönste Wanderwege Deutschlands ausgezeichnet. Nicht verpassen – Kulinarische Leckerbissen genießen – Den Viez, einen guten Fruchtwein, verkosten – Auf dem Saar-Hunsrück-Steig wandern www.naturpark.org

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen Wackenhut

Naturpark Soonwald-Nahe

Das Motto dieses Naturparks – Wald, Wein, Wohlfühlen – leuchtet ein, denn davon gibt es mehr als genug für jeden, der sich auf den 98 Kilometer langen Weinwanderweg Rhein-Nahe begibt. Auf einer Rebfläche von gut 4000 Hektar wachsen vor allem hochkarätige Weißweine, und die besten Lagen an der Nahe und ihren Seitentälern müssen sich vor Mosel- oder Rheingau-Kreszenzen keineswegs verstecken. Mild ist es an der Nahe, und das mögen nicht nur Rebsorten wie Riesling oder Weißburgunder. Auch die Tierwelt freut sich: Das sehr seltene Schwarzkehlchen tummelt sich hier, in den Uferabbrüchen des Flusses brüten die Uferschwalbe und der hübsche Eisvogel. Neben der Nahe prägen viele sprudelnde Bäche den Naturpark. Seltene Fischarten wie Bachneunauge und Groppe sind hoch zufrieden mit der Wasserqualität, der Schwarzstorch nutzt die Abgeschiedenheit sauberer Bachläufe für seine Brut. Johannes Bückler hat diese Abgeschiedenheit vor 240 Jahren auch genutzt, jener berühmte Räuber, der damals unter dem Namen »Schinderhannes« zwischen Hunsrück und Nahe sein Unwesen trieb. Der Hunsrück bildet die Kulisse für die vier »Heimat«-Filme von Edgar Reitz. Die Geschichte des fiktiven Hunsrück-Dorfes »Schabbach« und seiner Bewohner hat der abgelegenen Region einen Platz im Herzen vieler Cineasten gesichert. Große Teile des hochgelobten vierten Teils der Chronik, »Die andere Heimat«, in dem Reitz die Zuschauer ins 19. Jahrhundert entführt, wurden in dem Soonwald-Örtchen Gehlweiler gedreht. Nicht verpassen – Den Weinwanderweg Rhein-Nahe begehen – Die Tierwelt an der Nahe bestaunen – Auf den Spuren des "Schinderhannes" wandeln www.soonwald-nahe.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Peter Hirth

Naturpark Südeifel

Das Naturschutz-Gebiet »Mittleres Ourtal« in der Eifel ist eine unberührte Mittelgebirgs-Landschaft. Eisvogel, Wasseramsel und Schwarzstorch brüten hier, seltene Libellenarten gehen am Wasser auf die Jagd. In den Eichen- und Buchenwäldern findet sogar das anspruchsvolle Haselhuhn einen Lebensraum. Im Tal der Irsen, eines Nebenlaufs des Flusses Our, bieten Wiesen, Heideflächen, Felsensteppen und lichtdurchflutete Wälder im »Tal der 1000 Schmetterlinge« seltenen Faltern einen Rückzugsort. Wanderer können auf dem Irsenpfad beinahe meditative Momente der Ruhe erleben. Mit der Ruhe vorbei ist es nur am Dienstag nach Pfingsten im luxemburgischen Echternach am südlichen Rand des Naturparks. Dann findet zu Ehren des angelsächsischen Missionars Wilibrord, der 698 in Echternach eine Benediktinerabtei gründete, die berühmte Echternacher Springprozession statt. Grenzenloses Wandervergnügen bieten die 23 neuen Rundwege des NaturWanderParks delux, die aufgrund ihrer hohen Qualität und besonderen Vielfalt mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichnet sind. Magischen Felsen und mystischen Sagen begegnet man im Felsenland Südeifel. Spannende und erlebnisreiche Führungen mit den sympathischen Naturpark-Rangern Südeifel bietet das Naturparkzentrum Teufelsschluch ganz in der Nähe der gleichnamigen spektakulären Felsenkulisse. Wer es ruhiger mag, besucht das Imkerhaus (von April bis Oktober) oder den Erdzeitenpark mit Wildkräutergarten oder stärkt sich im Bistro »Teufelsküche«. Nicht verpassen – Unterwegs sein im NaturWanderPark delux – Die Echternacher Springprozession erleben – Das Naturparkzentrum Teufelsschlucht erkunden www.naturpark-suedeifel.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Peter Hirth

Naturpark Vulkaneifel

Tiefe Sprengtrichter, in denen einst wasserführende Erdschichten das aufsteigende glühende Magma zur Explosion brachten – das sind Maare. Man kann darin schwimmen, etwa im Gemündener Maar, im Pulvermaar in Gillenfeld oder im Schalkenmehrener Maar. Obwohl nur zehn der 75 Maare mit Wasser gefüllt sind, gelten die »Augen der Eifel« als Wahrzeichen der Region. Im Naturschutzgebiet Dauner Maare sind drei Maare nur durch einen wasserundurchlässigen Gebirgsrücken voneinander getrennt. Unter der Oberfläche des Natur- und Geoparks Vulkaneifel ist die Erde auch heute noch ständig in Bewegung. Davon zeugen vor allem die rund 180 Mineralwasserquellen. Alle Fragen rund um das berühmte Eifeler Mineralwasser werden auf dem Geo-Rundweg »Wunderbare Welt des Wassers in Gerolstein« beantwortet, inklusive Verköstigung an der Helenenquelle. Aber die Vulkaneifel hat noch viel mehr zu bieten – etwa die einzige Glaubersalzquelle Deutschlands in Bad Bertrich oder den »Wallenden Born«, einen regelmäßig in die Höhe schießenden Kaltwassergeysir mit dem passenden Spitznamen »Brubbel«. An den Talhängen der Kalkmulden leben viele wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten. In der Gerolsteiner Kalkmulde, wo vor rund 390 Millionen Jahren die »Blaue Lagune von Gerolstein-Gees« lag, befindet sich heute Deutschlands ältestes Riff, das Schwammriff der Munterley. Ein Muss für Geologen ist die Region um Manderscheid. Hier, wo das enge Liesertal früher die Herrschaftsbereiche der Kurfürsten von Trier und der Grafen von Manderscheid trennte, lassen sich auf der rund 140 Kilometer langen Geo-Route spektakuläre Funde wie das »Eckfelder Urpferdchen« oder die älteste bekannte Honigbiene der Welt bewundern. Im Maarmuseum Manderscheid wird die Geschichte der Maare mithilfe von Simulationen oder dem begehbaren Großmodell eines Maares lebendig. Die 14 Vulkaneifel-Pfade lassen Herzen von Wanderern höher schlagen. Angebunden an den erfolgreichen Premium-Wanderweg Eifelsteig, führen die Vulkaneifel-Pfade mit insgesamt 372 Kilometern Länge quer durch den Natur- und Geopark Vulkaneifel. Nicht verpassen – Staunen im Maarmuseum Manderscheid – Entspannen in der Vulkaneifel-Therme Bad Bertrich – Wandern über den Eifelsteig www.geopark-vulkaneifel.de

Deutschlands Naturparke – das Buch

Paradiese vor der Haustür – unter diesem Motto werden die über 100 Naturparke in Deutschland in einem opulenten DuMont Bildband ausführlich vorgestellt. Er bietet rund 300 brillante Farbbilder, eine große Übersichtskarte sowie Hinweise zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Hintergrundtexte zu verschiedenen Themen, wie z. B. kindliche Naturerfahrungen oder tierische Einwanderer, runden das 256 Seiten starke Werk ab. "Paradiese vor der Haustür" ist das offizielle Nachschlagewerk des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) und kostet 29,99 Euro. www.mairdumont.com

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