Thüringens grüne Seite

NaturparkeThüringens grüne Seite

Die reiche Vogelwelt im Vessertal, ein Rundgang auf dem hohen Baumwipfelpfad des Hainich oder ein Abstieg in die Tiefe der mystischen Barbarossahöhle – an Naturschönheit herrscht in Thüringen kein Mangel.

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Kay Maeritz

Eichsfeld-Hainich-Werratal

Wer das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet in Deutschland richtig erleben will, der macht sich am besten auf den Weg zum Nationalparkzentrum Thiemsburg. Zwischen Ostern und Oktober verbindet der »Wunderbare Wanderbus« das UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg in Eisenach mit dem UNESCO-Weltnaturerbe Hainich. Das Werratal ist wie geschaffen für Radfahrer und Wasserwanderer. Der insgesamt 276 Kilometer lange Werratal-Radweg streift im Naturpark unter anderem die Städte Creuzburg, Frankenroda sowie Treffurt. Unbedingt zu empfehlen ist eine Kanutour auf der Werra auf dem malerischen Flussabschnitt zwischen Creuzburg und Treffurt. Die Waldlandschaft des Hainich ist immer faszinierend, ein Ausflug auf dem Baumkronenpfad an der Thiemsburg aber eröffnet ganz neue Blickwinkel. Auf einer Länge von 530 Metern gewährt der Pfad seinen Besuchern Begegnungen mit Flora und Fauna auf Agenhöhe. Neun Plattformen bieten spannende Informationen und der Blick vom 44 Meter hohen Baumturm über den Hainich und das gesamte Thüringer Becken ist grandios. In den Fachwerkdörfern des katholisch geprägten Eichsfeldes blieben alte Traditionen über Jahrhunderte erhalten. Das Naturparkzentrum in Fürstenhagen bietet einen idealen Überblick über die Angebote des Naturparks und auf Kinder wartet ein Erlebnisbaumhaus mit Dschungelbrücke – unbedingt besuchen! Nicht verpassen: – Den Wald von oben entdecken auf dem Baumkronenpfad – Paddeln auf der Werra – Das Naturparkzentrum in Fürstenhagen besuchen www.naturpark-ehw.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Sabine Lubenow

Kyffhäuser

Obwohl heute nur noch Ruinen zu besichtigen sind, zeugen der Barbarossa-Turm mit seinen drei Meter dicken Mauern und der mit 176 Metern tiefste Burgbrunnen der Welt von der einstigen Wehrhaftigkeit dieser alten Burg im Kyffhäuser-Gebirge. Auf den Resten der alten Festung steht das 81 Meter hohe Kyffhäuser-Denkmal mit seinem von drei Terrassen umgebenen Denkmalturm, erbaut zwischen 1890 und 1896 zu Ehren Kaiser Wilhelms I. Dessen steinernes Abbild reitet über dem ebenfalls in Stein gehauenen schlafenden Barbarossa. Am südlichen Rand des Kyffhäuser-Gebirges befindet sich die Barbarossa-Höhle, die größte erschlossene Gips-Anhydrit-Höhle Europas. Die Besichtigung ist nur mit einer Führung möglich, doch die lohnt sich unbedingt: Der rund 800 Meter lange Weg ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten wie klaren Höhlenseen und merkwürdigen, von der Decke herabhängenden Formationen. Auch die "Neptungrotte" und der gewaltige "Tanzsaal" wollen entdeckt werden. Nordwestlich des Kyffhäuser-Gebirges liegt die Goldene Aue mit dem Stausee Kelbra. Jeden Herbst stärken sich hier Tausende Kraniche auf ihrem Weg in den Süden. Über 300 Vogelarten lassen sich im Jahresverlauf von zwei Beobachtungstürmen oder der mobilen Beobachtungsstation aus bewundern. Der zertifizierte Kyffhäuser-Weg, eine auf 37 Kilometern bestens ausgeschilderte Wanderroute, lockt nicht nur mit der Barbarossa-Höhle und dem Kyffhäuser-Denkmal, sondern auch mit der großen Vielfalt von Flora und Fauna im Naturpark Kyffhäuser. Auch die Königspfalz in Tilleda und das 1722 Quadratmeter große Rundumgemälde im Panoramuseum von Werner Tübke – mit einer Fläche von 14 x 123 Meter Leinwand und mehr als 3000 Einzelfiguren das größte Monumental-Rundgemälde in Deutschland – sind Highlights am Wegesrand. Auf der Wanderung werden dem Besucher mit Hilfe von QR-Codes vielerlei Informationen und Unterhaltung geboten. Anschließend kann man gut in der Kyffhäusertherme in Bad Frankenhausen von der Tour ausruhen. Nicht verpassen: – Auf den Spuren von Kaiser Barbarossa wandeln – Zugvögel in der Goldenen Aue beobachten – Am Kyffhäuserweg die prachtvolle Natur entdecken www.naturpark-kyffhaeuser.de

© Foto: Dumont Bildarchiv/Ralf Freyer

Südharz

Die Karstlandschaft im Südharz neigt dazu, ihre Besucher zu foppen: Urplötzlich verschwinden hier Bäche und Flüsse im Boden und tauchen überraschend anderswo wieder auf. Wasserschwinden nennt man diese Erscheinungen, bei der oberirdisch fließendes Wasser abrupt in einen unterirdischen Hohlraum strömt und an anderer Stelle wieder ans Tageslicht tritt. Ein weiteres Phänomen des Südharzes sind die Dolinen oder Erdfälle, schüsselförmige Geländevertiefungen mit einem Durchmesser von stellenweise über 100 Meter, die durch Gesteinsauflösungen an der Erdoberfläche oder durch den Einsturz unterirdischer Hohlräume entstehen. Wo sich diese Erdfälle mit Regenwasser füllen, entstehen Erdfallseen. Gleich sechs dieser einzigartigen Gewässer lassen sich bei Liebenrode bewundern. Sämtliche Geheimnisse der durchlässigen und wasserlöslichen Gesteinsformen, der Gipsbuckellandschaften, Höhlen und Quellen werden auf dem Karstwanderweg gelüftet, der den Naturpark auf einer Länge von mehr als 50 Kilometern durchquert. Hinab in die Unterwelt locken zwei Besucherbergwerke: der "Rabensteiner Stollen" und das Kupferschieferbergwerk "Lange Wand". Geheimnisvoll sind die vielen Höhlen und Spalten, in denen Fledermäuse ihre Quartiere haben. Besonders schön ist eine Wanderung durch die Karstbuchenwälder im Frühjahr, wenn die Leberblümchen blühen und der Bärlauch schon von Weitem zu riechen ist. Der stimmungsvollste Einstieg in das Naturerlebnis Südharz ist eine Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn: Die Dampflok schleppt den nostalgischen Zug von Nordhausen bis nach Sophienhof im Norden des Naturparks durch dichten Wald, entlang beeindruckender Schluchten. An der früheren innerdeutschen Grenze konnte sich die Natur über Jahrzehnte ungestört entfalten. Selbst Wildkatze und Luchs kommen hier in stabilen Populationen vor. Heute gilt das "Grüne Band" als der längste Biotopverbund in Europa. Kürzer, aber kaum weniger interessant ist der "Harzer Sagen-Pfad" entlang der Langen Wand bei Ilfeld: Hier verweisen große, aus Wolle von Schafen aus der Region gefilzte und pflanzlich gefärbte Figuren in der Landschaft auf die vielen Sagen und Mythen, die man sich im Südharz bis heute erzählt. Nicht verpassen: – Die Eigenheiten des Karsts entdecken – Wandern entlang des "Grünen Bandes" – Mit der Schmalspurbahn fahren www.naturpark-suedharz.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Kay Maeritz

Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale

Die in der heutigen Region Plothen lebenden Mönche begannen mit der Fischzucht, um eine leckere Alternative zum für sie verbotenen Fleisch auf dem Teller zu haben. Von den einst rund 2000 Teichen existieren heute noch rund 550. Sie sind durch Gräben und Kanäle verbunden und werden ausschließlich von Regenwasser gespeist, das in dem lehmigen Boden kaum versickert – daher die Bezeichnung "Himmelsteiche". Sie werden auch heute noch bewirtschaftet und im Oktober abgefischt. Zahlreiche Wanderwege durchziehen das Gebiet. Von hier aus lassen sich mit etwas Geduld Vogelarten wie Kiebitz, Schwarzstorch oder Fischadler beobachten. Im Hausteich, dem größten der Himmelsteiche, steht das vor rund 300 Jahren auf Lärchenstämmen erbaute Pfahlhaus, Wahrzeichen von Plothen. Früher diente es als Jagdhaus, heute beherbergt es ein kleines Museum. An diversen Stellen wurde der Fluss Saale als Maßnahme gegen Hochwasser künstlich aufgestaut. So entstand das »Thüringer Meer«, eine beinahe fjordähnliche Landschaft – ein Freizeitparadies mit vielen Wanderwegen, Aussichtspunkten und Bademöglichkeiten. Ein weiteres Highlight ist der Schieferpark Lehesten. Rund um die Stadt Lehesten wurde seit dem 13. Jahrhundert Schiefer abgebaut, heute entführt der Park seine Besucher in die Welt des "Blauen Goldes". Im technischen Denkmal "Historischer Schieferbergbau Lehesten" kann man sich an einer echten Schachtanlage über die Förderung des Schiefers in den vergangenen Jahrhunderten informieren. Bei einer Wanderung durch die Saaleberge sind herrliche Ausblicke garantiert. Ein lohnendes Ziel unterwegs ist Schloss Burgk. Das gut erhaltene Sommerschloss verfügt über eine nahezu komplette mittelalterliche Wehranlage und vereint in seinem Inneren die Baustile mehrerer Epochen. Heute beherbergt Schloss Burgk ein Museum mit wechselnden Ausstellungen sowie einer Sammlung wertvoller alter Bücher. Nicht verpassen: – Fischadler beobachten an den Himmelsteichen – Baden im Thüringer Meer – Besuch des Schieferparks Lehesten www.thueringer-schiefergebirge-obere-saale.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Kay Maeritz

Thüringer Wald

Olitäten sind Öldestillate, die früher als Naturheilmittel sehr beliebt waren – gerade bei armen Leuten, die sich andere Medikamente nicht leisten konnten. Der Thüringer Wald gilt seit dem späten Mittelalter als Olitätenhochburg. Aus den hier wachsenden Kräutern wie Arnika oder Bärwurz, aber auch aus Fichten- und Tannennadeln wurden populäre Heil- und Hausmittel wie das Thüringer Lebensöl, ein Wacholderextrakt, oder Hingfong, eine Essenz zur Einnahme bei starker nervlicher Belastung, hergestellt. Im Thüringer Olitätenland rund um das Schwarzatal werden diese traditionellen Öle und Essenzen heute noch produziert. Der knapp 180 Kilometer lange Olitätenrundwanderweg bietet unzählige Möglichkeiten, die Kräuter der Region sowie die daraus hergestellten Produkte kennenzulernen. Zu den Höhepunkten einer Wanderung auf den Spuren der Olitäten gehören sicherlich die Bewältigung der angeblich steilsten Dorfstraße Deutschlands in Deesbach, eine Fahrt mit der Oberweißbacher Bergbahn hinauf zur Bergstation mit ihrem sehenswerten Fachwerkportal oder der Blick vom Trompetenhügel. Inmitten des Naturparks liegt das Vessertal, das schon 1979 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt wurde. Knapp 140 Vogelarten wurden bis heute im Vessertal nachgewiesen, darunter so stark bedrohte wie das Birkhuhn, die Bekassine oder der Große Brachvogel. In einigen abgeschiedenen Hochmoorbereichen des Vessertals haben seltene Libellenarten wie die Nordische Moosjungfer und die Alpen-Smaragdlibelle einen Rückzugsraum gefunden. Nicht verpassen: – Naturheilmittel im Olitätenland probieren – Die steilste Dorfstraße Deutschlands testen – Durch das Vessertal wandern www.naturpark-thueringer-wald.eu

Alles über Thüringen erfahren Sie

unter www.thueringen-entdecken.de

Deutschlands Naturparke – das Buch

Paradiese vor der Haustür – unter diesem Motto werden die 104 Naturparke in Deutschland in einem opulenten DuMont Bildband ausführlich vorgestellt. Er bietet rund 300 brillante Farbbilder, eine große Übersichtskarte sowie Hinweise zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Hintergrundtexte zu verschiedenen Themen, wie z. B. kindliche Naturerfahrungen oder tierische Einwanderer, runden das 256 Seiten starke Werk ab. "Paradiese vor der Haustür" ist das offizielle Nachschlagewerk des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) und kostet 29,99 Euro. www.mairdumont.com

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