Sunny side up!

Western AustraliaSunny side up!

Biodynamische Weingüter und wilde Tiere, lässige Städtchen und einsame Traumstrände, dazu jede Menge kulinarische Genüsse: Die Region Margaret River in Western Australia hat so ziemlich alles, wovon wir Europäer träumen. Impressionen von einer Tour durch einen gesegneten Landstrich

Die Region Margaret River mit ihren schönen Stränden liegt rund 250 Kilometer südlich von Perth© Foto: Sabine BraunPlatz zum Atmen:Die Region Margaret River mit ihren schönen Stränden liegt rund 250 Kilometer südlich von Perth

Vermutlich lautet das inoffizielle Motto der gesamten Region um Margaret River: „Lebt gesund, habt Spaß, aber hetzt euch dabei nicht zu Tode!“ In Klammern dürfte allerdings auch noch dahinter stehen: „Und kauft euer Brot in Gotthard Bauers Bäckerei „Woodfire Bread Yallingup“.

Yallingup liegt ein paar Kilometer nördlich der Ortschaft Margaret River in der gleichnamigen Region, die Heimat ist von mehr als 120 Weingütern, grandiosen Trüffelfarmen, Schokoladenmachern und Öko-Ziegenfarmern.

In dieser Gegend gibt es viele Weingüter, Farmen und jede Menge unberührte Natur

Und eben von Gotthard Bauer, einem Brotmacher wie aus dem Bilderbuch. Die Erzeugnisse von „Woodfire Bread Yallingup“ sind in jedem besseren Laden in West-Australien zu finden. Im charmant „industrial“ inszenierten „Bread in Common“, einem populären Restaurant in Fremantle, ist Bauer nicht nur Zulieferer, sondern auch Teilhaber.

Gotthard Bauer ist ein freundlicher Schwabe mit Schalk im Blick. Er empfängt den Gast in einer Mischung aus Lagerhalle und Scheune auf einem abgelegenen Grundstück, das nur mit einem kleinen Schild darauf verweist, dass hier das berühmteste Brot der gesamten Region, ja ganz West-Australiens gebacken wird.

Hier ist der beste Ort, um ein gutes Leben zu führen
In Yallingup  gehen meist ökologisch erzeugte  Produkte über den Tresen© Foto: Sabine BraunGanz schön gesund:In Yallingup gehen meist ökologisch erzeugte Produkte über den Tresen

Dabei ist Bauer nicht mal ausgebildeter Bäcker, sondern hat die Lehre im heimischen Betrieb in der Nähe von Stuttgart hingeworfen, um lieber erst mal auf eine sehr ausgedehnte Reise zu gehen. Zusammen mit Gattin Marion und drei (noch recht jungen) Kindern brach er auf, um in Yallingup mit einer neu aufgebauten Bäckerei eine Art Hippie-Kommune zu unterstützen und ein entspanntes Leben in Meeresnähe zu führen.

Menschen wie Gotthard Bauer gibt viele in der Region um Margaret River. Menschen, für die ihr Job eine Glaubensfrage ist, die lieben, was sie tun und für die wirtschaftlicher Erfolg nur das Mittel zum Zweck ist. Und der Zweck heißt, mit den Worten Gotthard Bauers: „Ich wollte immer nur ein gutes Leben führen. Und das hier ist der beste Ort dafür!“

© Foto: Sabine Braun
Die Weine wie auch die Speisen im Restaurant der Cullen Winery stammen aus nachhaltigem Anbau© Foto: Sabine BraunHauptsache bio:Die Weine wie auch die Speisen im Restaurant der Cullen Winery stammen aus nachhaltigem Anbau
Hauptsache bio: Die Weine wie auch die Speisen im Restaurant der Cullen Winery stammen aus nachhaltigem Anbau
An jeder Ecke lockt ein Öko- Weingut zum Pause machen

Das gilt ganz sicher auch für den smarten Schokoladen-Macher Josh Bahen, der in einer Halle in der Nähe von Yallingup seine Kakaobohnen hegt und pflegt, während im Hintergrund zwei Damen jede einzelne Tafel Schokolade per Hand einpacken. Herzstück dort ist eine Art Betonmischer in leuchtendem Rot, der in Wirklichkeit allerdings ein Mahlwerk-Klassiker von 1910 ist – mit der guten alten Guitard Melangeur mahlen Joshua und seine Frau Jacqui Mahen nur erlesenste Kakaobohnen, die der ehemalige Weinbauer („Pinoir war meine Spezialität“) und studierte Önologe überall auf der Welt sucht.

Sein Erfolg ist kein Zufall, seine Schokolade gilt unter Kennern als Genuss. Und auch er hat ein Motto, das zu all dem passt, was man sonst so über Margaret River hört: „Keep it simple!“

Ein Besuch dieser Region wäre ohne Weinverkostung nicht denkbar: Seit einigen Jahren ist das rund 100 Kilometer lange Gebiet zwischen Augusta im Süden und Cape Naturaliste im Norden nicht nur zum Land der perfekten Wellen, sondern auch der feinen Weine gediehen, die hier in liebevoller Handarbeit produziert werden. Man kann sich nun aufs Fahrrad setzen und stundenlang an Wiesen und Wäldern entlang radeln, Kängurus am Wegesrand beobachten, hin und wieder an einem der einsamen Strände stoppen und anschließend in einer der vielen „Eco Winerys“ einkehren, die hier überall zu finden sind.

Neben dem „Tasting“
der jeweiligen Weine wird fast überall auch ein superber Lunch angeboten – in diesem Teil des Landes dürfte man es vermutlich schwer haben, irgendwo nicht gut zu essen. Man könnte aber auch gleich zu Vanya Cullen fahren, der ungekrönten Weinkönigin der Gegend. Man wird von ihr eine Menge über das biodynamische Weinmachen hören und auch den Gemüsegarten hinter dem Restaurant in Augenschein nehmen müssen, durch den Vanya Cullen mit leuchtenden Augen führt.

Und dann wird der „Kevin John“
verkostet, der berühmteste Tropfen des Hauses. Das ist ein Chardonnay, benannt nach dem Großvater von Vanya Cullen, und Kevin John bringt auf den Punkt, was Margaret River ausstrahlt: Einfachheit. Natur. Gesundheit. Echtes Gefühl. Nun ja: Eine Flasche davon kostet mehr als 100 Euro, und West-Australien ist 18 Flugstunden von Deutschland entfernt. Es gibt eben kein Licht ohne Schatten.

Heimat lässt grüßen:

Zuwanderer aus aller Welt haben natürlich ihre liebsten Rezepte mitgebracht
Zuwanderer aus aller Welt haben natürlich ihre liebsten Rezepte mitgebracht© Foto: Sabine BraunHeimat lässt grüßen:Zuwanderer aus aller Welt haben natürlich ihre liebsten Rezepte mitgebracht
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