Sonnige Zeiten

Spanien Sonnige Zeiten

Costa de la Luz, Küste des Lichts werden Andalusiens Gestade am Atlantik genannt – die Region reicht von der Surfer-Hochburg Tarifa bis zur portugiesischen Grenze. Rund ums Jahr gibt es hier viel Wind, aber auch reichlich Sonne, weite Strände und in der Nebensaison viel Platz und Ruhe – wir nennen fünf Gründe für eine Reise in Spaniens äußersten Süden Texte: Mara Zwicker, Fotos: Thomas Zwicker, Turespaña

Paradies (nicht nur) für SurferTarifa

Maurische Architektur: Mit endlosen Stränden  zählt Tarifa zu den Highlights der Küste© Foto: Thomas ZwickerMaurische Architektur: Mit endlosen Stränden zählt Tarifa zu den Highlights der Küste
© Foto: Thomas Zwicker
Maurische Architektur: Mit endlosen Stränden zählt Tarifa zu den Highlights der Küste

Von den Zinnen des Castillo de Guzmán, im 13. Jahrhundert Burg des Stadtkommandanten von Tarifa, wirkt die afrikanische Küste zum Greifen nah. Zu Füßen des Kastells liegt der Hafen, von wo aus Fähren in weniger als einer Stunde das marokkanische Tanger erreichen. Hier, an der Straße von Gibraltar am südlichsten Zipfel Europas, treffen Mittelmeer und Atlantischer Ozean zusammen. In der Altstadt, größtenteils umschlossen von einer mittelalterlichen Wehrmauer, reihen sich Cafés, Surfershops und Hippieläden aneinander.

Der Wind pfeift vor allem in den Wintermonaten beträchtlich, aber das ist den (meist jungen) Urlaubern nur recht: Tarifa zählt zu Europas Hotspots für Surfer und Kiter, die oft in ihrem Reisemobil am Strand übernachten – ein Ort mit lässigem Charme und einer ganz eigenen Magie.

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Willkommen in den Weißen DörfernVejer de la Frontera

Die Farbe Weiß: Vejer de la Frontera unweit der Küste zählt zu den schönsten Pueblos Blancos© Foto: Thomas ZwickerDie Farbe Weiß: Vejer de la Frontera unweit der Küste zählt zu den schönsten Pueblos Blancos

Die „Weißen Dörfer“, Pueblos Blancos, sind Ortschaften mit besonderem Flair in den Bergen Andalusiens. Wegen ihrer in leuchtendem Weiß gekalkten Häuser an verschachtelten Gassen erinnern sie an die maurische Zeit von Al-Andalus (etwa 8. bis 15. Jahrhundert).

Zu den schönsten der Pueblos Blancos zählt Vejer de la Frontera, auf einer Anhöhe unweit der Strände der Costa de la Luz gelegen. Es duftet nach Pinien, in engen Sträßchen rattern Autos über altes Kopfsteinpflaster, die Türen der liebevoll verputzten Häuser stehen oft offen und geben den Blick frei in verwinkelte Innenhöfe mit verwunschenen Gärten und Springbrunnen. In kleinen Bars und Bistros wird morgens der erste Wein getrunken.

Von den Dächern dieses denkmalgeschützten Städtchens geht der Blick weit über die Costa und das Meer bis Nordafrika. Nach einem kurzen Fußmarsch vom gemütlichen Hauptplatz Plaza de España bergauf ist das Castillo erreicht, eine Burg aus maurischer Zeit auf dem höchsten Punkt der Gemeinde. Ein Ort, der ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, zum Wohl seiner Besucher.

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Tapas essen, Sherry trinkenKulinarik

Schmeckt gut: Sherry aus Jerez, etwa trockener Fino, ausgeschenkt in schlanken Gläsern© Foto: Manny RoccaSchmeckt gut: Sherry aus Jerez, etwa trockener Fino, ausgeschenkt in schlanken Gläsern
© Foto: Juan Serrano
Schmeckt gut: Sherry aus Jerez, etwa trockener Fino, ausgeschenkt in schlanken Gläsern

Soviel ist sicher: Hier an der Küste im Südwesten Andalusiens kann man sehr anständig essen – und vor allem auch trinken. Jerez de la Frontera, ein paar Kilometer von Cádiz entfernt im Landesinneren gelegen, ist berühmt für seine Bodegas, wo hervorragender Sherry ausgeschenkt wird. Wie fast überall in Spanien nascht man dazu leckere Tapas, herzhafte kalte und warme Kleinigkeiten, die oft in Schüsseln am Tresen aufgereiht sind – die Palette reicht von den guten heimischen Oliven, Schinken und Fleischbällchen über Schnecken und Sardellen bis hin zu Muscheln und Meeresfrüchtesalat (in größeren Portionen als Raciones serviert).

Wer im Restaurant am eingedeckten Tisch speisen will, kann nach Spezialitäten der Region Ausschau halten: Seehecht-Eintopf zum Beispiel mit Zwiebeln und ganz viel Knoblauch, oder leckere Muscheln auf Nudeln, Garnelen-Fladen aus Kichererbsenmehl mit reichlich Zwiebeln, dann ein süßer Nachtisch wie Poleá mit Zimt und Honig oder Pan de Cádiz, eine Leckerei mit Marzipan und kandierten Früchten. Achtung: Tapas in den Bodegas und Cerveceriás gehen formlos beinah rund um die Uhr über den Tresen, im Restaurant dagegen wird stets relativ spät gegessen (abends ab etwa 21 Uhr) – außerdem wartet man dort, bis der Kellner einen Tisch zuweist.

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Ein Platz für TiereCoto de Doñana

Tolle Fauna: Mehr als 100 Vogel-Arten sind in Spaniens  größter Naturschutz-Zone daheimTolle Fauna: Mehr als 100 Vogel-Arten sind in Spaniens größter Naturschutz-Zone daheim
© Foto: Thomas Zwicker
Tolle Fauna: Mehr als 100 Vogel-Arten sind in Spaniens größter Naturschutz-Zone daheim

Millionen Vögel vom afrikanischen und vom europäischen Kontinent kreisen über der grünen Weite des Nationalparks Coto de Doñana. Graureiher, Ochsenpfeifer, Störche & Co legen hier auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika eine Rast ein, andere finden Schutz zum Nisten und Brüten. Neben der Vogelwelt haben weitere Tierarten im Park ihren Platz, etwa der Elch oder der vom Aussterben bedrohte iberische Luchs.

Mit seinen heute insgesamt 770 Quadratkilometern ist das mehrfach von Umweltkatastrophen geplagte Naturgebiet das größte seiner Art in Spanien und wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Für eine Besichtigung hat man diverse Möglichkeiten: In der Region zwischen dem Seebadeort Matalascañas und dem berühmten Wallfahrtsort El Rocío gibt es Besucherzentren, Naturlehrpfade und geführte Touren.

Vom nahe bei Cádiz gelegenen Ort Sanlúcar de Barrameda aus führt eine Bootstour auf dem Fluss Guadalquivir bequem in die Randbereiche des Parks. Egal wo und wie: Ein Besuch lohnt sich immer.

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Die älteste Stadt WesteuropasCádiz

Bedrohte Schönheit: Die Kathedrale von Cádiz leuchtet im Abendlicht, die Seeluft setzt ihrer Bausubstanz aber gehörig zu© Foto: Thomas ZwickerBedrohte Schönheit: Die Kathedrale von Cádiz leuchtet im Abendlicht, die Seeluft setzt ihrer Bausubstanz aber gehörig zu
© Foto: manuelafotografa.com
Bedrohte Schönheit: Die Kathedrale von Cádiz leuchtet im Abendlicht, die Seeluft setzt ihrer Bausubstanz aber gehörig zu

Der Geruch nach Hafen und Meer liegt über Cádiz, zieht durch schmale Gassen der ältesten Stadt Westeuropas, mischt sich mit dem verlockenden Duft leckerer Tapas aus Bars und Restaurants. An der Uferstraße Campo del Sur erhebt sich die mächtige Catedral Nueva aus dem 18. Jahrhundert mit ihrer großen Kuppel und dem Mauerwerk aus Sandstein, das im Abendlicht leuchtet.

Im Gassengewirr der Altstadt, auf einer Halbinsel gelegen und an drei Seiten von rauen Atlantikwellen umspült, kann man genüsslich die Orientierung verlieren (und dann einfach in einer von 1001 Bodegas oder Cerveceriás pausieren). Außerhalb des wuchtigen Stadttors Puerta de Tierra beginnt die endlos lange, schnurgerade Avenida Andalucía, die die Altstadt über einen schmalen Isthmus mit dem Festland verbindet und an der sich links und rechts große Wohnblocks am Strand aufreihen – die Bausünden der Moderne lassen schon mal vergessen, dass bereits vor 3000 Jahren erste Menschen hier siedelten.

Die Atmosphäre im Zentrum ist maritim und bis heute auch ein wenig martialisch. Wegen der strategisch wichtigen Lage wurde Cádiz über Jahrtausende immer wieder Opfer von Angriffen und Zerstörung. Die Altstadt ist von Mauern und wehrhaften Kastellen umgeben, und mehr als 120 Miradores, im 18. Jahrhundert erbaute Aussichtstürme, ragen aus dem Meer weißer Flachdachbauten und opulenter Paläste empor. Es gibt zudem sehenswerte Sammlungen und Museen. Wer den Mix aus bröckelndem Charme und maurischem Flair mag, kann sich rettungslos in diese eigenwillige 125?000-Einwohner-Hafenmetropole verlieben.

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