So richtig grün

GolfspielenSo richtig grün

Von wegen umweltschädlich: Golfplätze können durchaus Oasen mit intakter Flora und Fauna sein. Vier von 17 Golfanlagen in Mecklenburg-Vorpommern sind mit dem Golf & Natur-Siegel ausgezeichnet – zwei haben sogar das Prädikat Gold

© Foto: Stefan von Stengel

TOLLER PLATZ: der Golf & Country Club Fleesensee

Schnell noch mal bücken und ein Grasbüschel abzupfen. Selbst wenn Henryk Gloger fürs Foto in die Landschaft schauen soll, kann er den Blick nur schwer von seinem geliebten Rasen abwenden. Gloger ist Headgreenkeeper, der oberste Gärtner auf dem Ostsee Golf Resort Wittenbeck, verantwortlich für ein Zwölf-Mann-Team auf dem 18-Loch-Meisterschafts- und 9-Loch-Kurzplatz. Gloger hat große Hände, tiefe Falten im braun gebrannten Gesicht und einen Ring im linken Ohr. Er kommt aus der Region und macht nicht gern viele Worte. „Es gibt ja das Vorurteil, dass Golfplätze überdüngt seien, so herrlich grün wie sie sind“, sagt Gloger. Und dann erzählt er von einer Untersuchung der Universität Hohenheim, nach der solche Anlagen zwei Drittel weniger Dünger brauchen, als wenn auf der Fläche konventionelle Landwirtschaft betrieben würde. „Wir werden ständig untersucht, der Boden, das Wasser, wir arbeiten hier absolut sauber“, sagt Henryk Gloger mit Nachdruck und schaut stolz über den Platz: „Das war alles monotone Ackerfläche, bis wir 2006 die neue Anlage gebaut haben. Jetzt gibt es hier Bäume und Büsche, Bäche und Seen, wilde Tiere und seltene Pflanzen. Die Natur explodiert förmlich.“ Beim Umweltprogramm „Golf & Natur“ des Deutschen Golf Verbands (DGV), das unter anderem praxisnahe Anleitungen zum Naturschutz beinhaltet, hat Glogers Anlage im Frühjahr 2015 zum wiederholten Male das Güte-Siegel Gold (siehe unten) erhalten. Ebenfalls in Gold glänzt der Golf & Country Club Fleesensee mit seinen fünf Plätzen – diese Anlage hatte im Oktober 2015 schon ihr zweites Re-Audit für Gold. Im Golf Resort Wittenbeck ist der Platz wichtiger als das Clubhaus, und auch für die Natur wird mehr getan, als der DGV für das Güte-Siegel verlangt. Für Schwebfliegen, Marien­käfer und Grabwespen zum Beispiel gibt es Insektenhotels auf der Anlage. Und auf dem Grün neben Bahn 15 sind ganz besondere Landschaftsgärtner aktiv: Fünf tiefschwarze und sehr neugierige Rinder weiden hier – dem seltenen Seggengras kommt ihre Pflege sichtlich zugute. Golfplatzmanager und Präsident Werner Gallas erzählt begeistert von sieben Greifvogelarten auf dem Platz, von Bachkrebsen, dem Kammmolch, Rehen, Füchsen, Mardern und Waschbären. Nur gegen die Wildschweine schützt ein Zaun, auf der Suche nach Maden würden sie sonst in Rekordzeit die Grüns umgraben. Seit 2015 gibt es sogar einen zwei Kilometer langen Naturpfad für alle Interessierte auf der Anlage, außerdem Bio-Saiblinge und mehr in den drei größten Seen, die das Wasser auf natürliche Art und Weise sauberhalten sollen. Genau wie auf der Anlage Fleesensee können die Spieler hier zweierlei Dinge tun: ihr Können auf einem Weltklasse-Golfplatz erproben und zugleich die atemberaubende Natur genießen.

© Foto: Mirko Runge

Güte-Siegel vom Golfverband

Der Golfverband Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Umweltprogramm „Golf & Natur“des Deutschen Golfverbands (DGV). Es umfasst die Bereiche Naturschutz, Pflege der Golfanlage sowie Arbeitssicherheit. Nach mehrjährigen genauenPrüfungen werden Güte-Siegel in Bronze, Silberund Gold vergeben. www.golfverband-mv.de

Natur-Oasen auf dem Golfplatz

Weitere Infos: www.golf-resort-wittenbeck.de, www.fleesensee.de

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