So reisen die Deutschen

Reise-Analyse So reisen die Deutschen

Das liebste Urlaubsziel der Deutschen bleibt Deutschland, und das Auto rangiert weiterhin auf Rang eins unter den begehrtesten Verkehrsmitteln für die Fahrt in die Ferien. Die diesjährige Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR)

Reisen hat Priorität:

Urlaub machen zählt hierzulande zu den Lieblingsbeschäftigungen. Eine Auszeit vom Alltag zu nehmen ist den Menschen sehr wichtig. Das spiegelt sich auch in den Prioritäten wider, nach denen die Deutschen ihr Geld ausgeben. An erster Stelle wird laut FUR die Investition in Lebensmittel genannt. Dicht darauf folgen Reisen, noch vor Investitionen in die Gesundheit, das Wohnen oder Hobbys. Fazit: Urlaub machen ist (nach wie vor) absolut in.

In Zahlen:

Insgesamt waren 2015 gut 75 Prozent aller Deutschen im Urlaub, sie gaben dafür knapp 66 Milliarden Euro aus (alle Werte beziehen sich auf Reisen ab 5 Tagen Dauer der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren). Das sind im Schnitt etwa 1000 Euro pro Person und Reise – für die Tourismusbranche ein sehr gutes Ergebnis, allen weltweiten Krisen zum Trotz. Eine weitere höchst imposante Zahl: 870.660.000 Tage haben die Deutschen 2015 in den Ferien verbracht.

Trotz Terror-Angst:

Länder wie die Türkei oder Ägypten halten sich tapfer. Die Buchungszahlen für diese Reiseziele brechen zwar ein, beide Destinationen kommen bei einem treuen Stammklientel aber weiterhin als Ziel in Frage. In Zahlen: Vor den Anschlägen in Istanbul im Januar 2016 lag das Interesse der Deutschen an einer Türkei-Reise bei 21,2 Prozent, danach war das Land immerhin noch für 15,7 Prozent als Urlaubsziel interessant.

Der Trend geht zum Mix:

Eine interessante Entwicklung beobachtet die FUR, was die Urlaubs-Vorlieben anbetrifft. Zwar nennen die meisten Deutschen als größte Urlaubswünsche Sonne (65 Prozent) und Abstand vom Alltag (64 Prozent), und auch die Bereiche Natur und Landurlaub sind stark vertreten (mehr als die Hälfte verreisen, um Natur zu erleben). Immer mehr Menschen wünschen sich, im Urlaub Strand, Familienaktivitäten und Sightseeing zu verbinden. Urlauber schätzen zunehmend die Abwechslung, den Mix zwischen den Urlaubsarten. Motto: Nach dem Sprung ins Meer gerne noch eine Stadtbesichtigung und am nächsten Tag dann ein bisschen Wandern im Umland.

Genuss ist wichtig:

Dem Bewegungsdrang sind dabei allerdings Grenzen gesetzt. Das sieht man schon an der Definition des Begriffs Wanderurlaub: Für 45 Prozent der Deutschen reicht es dabei aus, nicht täglich, sondern nur ab und zu auf Tour zu gehen. Genuss steht an vorderster Stelle.

Auch Migranten reisen gerne:

Mit einer Urlaubsreise-Intensität von 87 Prozent sind im Lande lebende deutschsprachige Ausländer noch reiselustiger als die Deutschen selbst. Es zieht sie natürlich vor allem verstärkt in ihre alten Heimatländer, etwa nach Polen oder in die Türkei. Doch fast die Hälfte von ihnen plant für 2016 auch einen anderweitigen Urlaub – dabei bleiben sie gerne in Deutschland, 20 Prozent wollen aber auch nach Spanien und 17 Prozent nach Italien.

Onlinebuchungen nehmen zu:

Das Internet bringt den Wandel. Noch ist das persönliche Gespräch, vor allem im Reisebüro, der wichtigste Buchungsweg für deutsche Urlauber. Doch die Onlinebuchungen haben in den vergangenen Jahren immer mehr zugelegt. Wurden 2005 gerade mal 11 Prozent der Ferienreisen im Internet gebucht, waren es zehn Jahre später schon 36 Prozent. Bis 2020 rechnen die Analysten damit, dass die Mehrheit der Urlaubsbuchungen online generiert wird.

Internet als Informations-Quelle:

Auch zur Inspiration und für Infos spielt das Internet eine immer größere Rolle. Vor allem glaubwürdige Websites von Reisedestinationen (21 Prozent) und Unterkünften (19 Prozent) werden gerne genutzt. Oft wird das Netz auch mit klassischen Informationsquellen kombiniert, zum Beispiel mit Flyern, Katalogen oder mit der Beratung im Reisebüro. Generell gilt: Nervigen Ansprachen durch Anbieter gehen die Kunden aus dem Weg.

Werte, die bleiben:

Neben aktuellen Trends manifestiert sich in der Analyse natürlich auch Bekanntes. Etwa ein Drittel der Urlauber verbringt die Ferien nach wie vor im Inland, ein weiteres Drittel reist ans Mittelmeer und das letzte Drittel in den Rest der Welt. Mit einem Marktanteil von 29 Prozent waren Destinationen in der Heimat auch 2015 wieder am beliebtesten bei der deutschsprachigen Bevölkerung. Innerhalb der Bundesrepublik gibt es stets einen Wettbewerb um Platz eins zwischen Bayern (5,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (5,2) – Platz drei und vier belegten Niedersachsen (4,2 Prozent) und Schleswig-Holstein (3,8 Prozent).

Klarer Spitzenreiter:

Bei den Auslandszielen lag Spanien 2015 unangefochten mit mehr als 13 Prozent Marktanteil auf dem ersten Platz, gefolgt von Italien, der (damals noch nicht so stark von Terroranschlägen getroffenen) Türkei sowie Österreich, Kroatien und Griechenland. Spanien soll in diesem Segment auch Spitzenreiter bleiben, 27 Prozent planen bis 2018 einen Urlaub auf der Iberischen Halbinsel. Ebenfalls unverändert ist das Ranking der genutzten Verkehrsmittel: Auto vor Flugzeug, Bus und Bahn. Allerdings haben Flugreisen seit den 1990er-Jahren stetig zugenommen: von damals 18 Prozent auf heute 40 Prozent.

Wie die Ergebnisse entstehen:

Seit 46 Jahren erstellt die IPSOS GmbH im Auftrag der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) die jährliche Reiseanalyse. Sie gilt als die detaillierteste Untersuchung zum Thema Reiseverhalten in Deutschland. Befragt wurden knapp über 7000 Menschen in persönlichen Interviews im Januar und Februar 2016. Diese Befragten stehen repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Außerdem befragten die Analysten von IPSOS etwa 5000 Menschen online in zwei Wellen im Mai und November 2015. Weitere Informationen zur Reiseanalyse gibt es unter: www.fur.de

ANZEIGE
Nach oben