Sieben Richtige für Outdoor-Fans

Baden-WürttembergSieben Richtige für Outdoor-Fans

Auf Luchspfaden wandeln, tiefe Tropfsteinhöhlen entdecken oder verwunschene Täler erforschen – die sieben Naturparke von Baden-Württemberg zählen zu den über 100 Schutzzonen unserer Republik, die in einem großartigen DuMont Bildband präsentiert werden. In loser Folge stellen wir die grünen Paradiese in Text und Bildern aus dem Buch vor

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Ernst Wrba

Neckartal-Odenwald

Der Neckar war stärker: Als er sich vor unzähligen Jahren seinen Lauf in den Odenwald gegraben hat, kamen viele seiner Zu?üsse nicht hinterher und nutzten eine Abkürzung. So entstanden zahlreiche Schluchten mit Wasserfällen, über die das Wasser der Bäche in den Neckar stürzt. Eine der schönsten ist sicher die Margaretenschlucht bei Neckargerach. Der Flursbach überwindet hier ein Gefälle von bis zu 40 Prozent und stürzt in mehreren Stufen durch die 130 Meter tiefe Schlucht. Der abschüssige Steig durch die Schlucht quert mehrfach das Bachbett, ist aber mit gutem Schuhwerk problemlos zu bewältigen. An insgesamt zehn Stationen entlang des Pfads informieren Tafeln über die Geologie sowie die Tier- und Pflanzenwelt in der Margaretenschlucht. Bei der Entdeckung der Eberstadter Tropfsteinhöhle führte der Zufall Regie. Bei routinemäßigen Sprengarbeiten im Steinbruch zeigte sich eine Öffnung im Fels, deren Dimensionen erst nach und nach erkannt wurden. Heute können Besucher die Formenvielfalt der Eberstadter Höhle bei einer Führung durch die unterirdische Muschelkalkformation bestaunen – und selbst entscheiden, ob Gebilde wie die »Weiße Frau von Eberstadt«, der »Elefantenrüssel« oder die »Hochzeitstorte« ihre Namen zu Recht tragen. Sehenswert sind auch das Fachwerkstädtchen Buchen, das erstmals im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnte Mosbach oder Walldürn mit seiner barocken Basilika und dem ältesten, heute noch für Amtsgeschäfte genutzten Rathaus in Deutschland. Nicht verpassen – Auf steilen Pfaden durch die Margaretenschlucht klettern – In die Wunderwelt der Eberstadter Tropfsteinhöhle eintauchen – Charmante Städtchen wie Buchen oder Walldürn entdecken www.naturpark-neckartal-odenwald.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Reinhard Schmid

Obere Donau

Nicht wenige Naturfreunde halten den Donaudurchbruch zwischen Tuttlingen und Sigmaringen für das schönste Teilstück, das der Fluss zu bieten hat. In mehreren Millionen Jahren hat sich die Donau hier tief in das Kalkgestein gefräst, manche Felsen ragen steil und bis zu 200 Meter aus dem Tal gen Himmel und bieten von ihrem Gipfel atemberaubende Ausblicke in eine ebenso schöne wie geschichtsträchtige Landschaft. Den »schwäbischen Grand Canyon« erobert man am besten über den rund 60 Kilometer langen Donauberglandweg zwischen dem Lemberg – mit 1015 Metern über NN die höchste Erhebung der Schwäbischen Alb – und der berühmten Erzabtei von Beuron. Trotz mancher Auf- und Abstiege ist der überwiegend auf naturnahen Pfaden verlaufende Weg auch für Kinder gut zu bewältigen. Trotzdem: Wandern und klettern strengt an – da ist es legitim, die Attraktionen an der Oberen Donau zwischen Mai und Oktober mit dem Naturpark-Express zu erobern. Der Zug mit über 140 Sitzplätzen fährt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen Gammertingen und Blumberg mehr als 30 Bahnhöfe an – ideal für Wanderausflüge oder einfach nur zum Schauen und Staunen. Die Bahn hat auch Platz für 100 Fahrräder. So gewaltig die Kraft der Donau sich bei ihrem Durchbruch zeigt, so verzagt gibt sie sich zwischen Immendingen und Möhringen. Hier versickert der Fluss in den wasserdurchlässigen Kalkschichten und verschwindet in einem weitgehend unerforschten Höhlensystem. Ein Großteil des Wassers kommt zwölf Kilometer weiter südlich im Aachtopf – einer Karstquelle – wieder zum Vorschein und landet über den Bodensee im Rhein. Nicht verpassen – Entlang des schwäbischen Grand Canyons wandern – Eine gemütliche Tour mit dem Naturpark-Express machen – Die Donauversickerung zwischen Immendingen und Möhringen besichtigen www.naturpark-obere-donau.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jörg Axel Fischer

Schönbuch

Das Kloster Bebenhausen liegt idyllisch im Wald auf einer Lichtung im Schönbuch. Die ehemalige Zisterzienserabtei wurde 1189 von Rudolf von Tübingen als Grablege gegründet und gehört heute zu den eindrucksvollsten und besterhaltenen Klosteranlagen im südwestdeutschen Raum. So steht heute der ganze Ort unter Ensembleschutz und ist mit dem angrenzenden Naturpark Schönbuch ein beliebtes Ausflugsziel. Im Kloster ist heute ein Museum eingerichtet, wo man sich über die wechselhafte Geschichte informieren und die einzigartige Architektur erleben kann. Das Infozentrum des Naturparks Schönbuch ist im Schreibturm des Klosters untergebracht. Nahezu die gesamte Waldfläche des Schönbuchs ist als Schutzgebiet ausgewiesen. Kein Wunder, dass sich sechs Specht- und 15 Fledermausarten sowie reichlich Rotwild inmitten der Eichen und Buchen wohlfühlen. Und nicht nur die: Der Schönbuch wurde in einer bundesweiten Wahl zum »Waldgebiet des Jahres 2014« gewählt. Von Bebenhausen führt ein Wanderweg durch das Goldersbachtal bis zur ehemaligen Königlichen Jagdhütte. Die Talauen wirken mancherorts wie aus der Zeit gefallen, und aufmerksame Wanderer werden die prächtigen alten Kastanien registrieren, die einst für die Hirschmast gepflanzt wurden. Historisch Interessierte zieht es zum Geschichtlichen Lehrpfad Einsiedel. Nach dem Start am Schloss Einsiedel geht es über 4,5 Kilometer vorbei an zwölf Stationen, die Auskunft geben über die Epochen der Kelten und Römer, über die Waldentwicklung oder die Bedeutung des Wassers im Naturpark. Der Schönbuch gilt als Freilichtmuseum früherer Siedlungsgeschichte. Mehr als 250 Kleindenkmale, etwa Gedenksteine, Brunnen oder Sühnekreuze, gibt es im Naturpark, oft überwuchert oder versteckt im dichten Wald. Nicht verpassen – Historischen Boden in Bebenhausen erforschen – Wandern durch das Goldersbachtal – Versteckte Kleindenkmale entdecken www.naturpark-schoenbuch.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jörg Axel Fischer

Schwäbisch-Fränkischer Wald

Der rund 37 Kilometer lange Mühlenwanderweg verbindet elf der schönsten alten Mühlen und führt den Wanderer zudem durch die faszinierende Natur rund um Alfdorf, Kaisersbach und Welzheim. Mühlen gehören zu den ältesten technischen Geräten der Menschheit und wurden im Gebiet des heutigen Naturparks nicht nur zum Mahlen von Getreide genutzt. In den Lohmühlen wurde Baumrinde zum Gerbmittel Lohe verarbeitet und in den Ölmühlen aus Bucheckern oder Raps wertvolles Öl gewonnen. Die Eisenschmiedemühlen dienten dem schweren Handwerk und in den Sägemühlen wurde das Holz aus den umliegenden Wäldern verwertet. Vermutlich haben die Römer die Mühlentechnik in den Schwäbisch-Fränkischen Wald gebracht. Ganz sicher haben sie andere Spuren in der Region hinterlassen. Der Limeswanderweg im Naturpark führt entlang alter Mauern, den Überresten von Kastellen und Meilensteinen sowie einigen rekonstruierten Wachtürmen, etwa bei Mainhardt-Gailsbach oder Großerlach-Grab. Viele weitere Funde warten in den Museen von Öhringen, Mainhardt, Welzheim oder im Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt auf die historisch interessierten Besucher, die sich dort auch mithilfe der »virtuellen Limeswelten« in 3D-Technik auf eine spannende Zeitreise begeben können. Von Murrhardt aus führt ein rund zehn Kilometer langer Wanderweg ins tief eingeschnittene Hörschbachtal. Die beiden Wasserfälle sind beliebte Ausflugsziele, vor allem der sogenannte »Hintere Wasserfall«, der den Bach als Kaskade zwölf Meter in die Tiefe stürzen lässt. Wandern macht hungrig, und da trifft es sich gut, dass über 70 Gastwirte den »Naturpark-Teller« im Angebot haben: leckere Speisen und ein Viertele Wein für einen fairen Preis mit Zutaten aus heimischer Erzeugung. Nicht verpassen – Den Mühlenwanderweg erkunden – Das Welterbe Limes entlang der Grenze erleben – Den Naturpark-Teller genießen www.naturpark-sfw.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Markus Kirchgessner

Schwarzwald Mitte/Nord

Ein Sterne-Koch in jedem Dorf: Etwas übertrieben, gewiss, aber es ist schon längst kein Geheimnis mehr, dass man im Südwesten Deutschlands besser isst und trinkt als vielerorts im Rest der Republik. Die abwechslungsreiche Kulturlandschaft und vor allem die Vielfalt der regionalen Produkte sorgen dafür, dass es vor allem die Genießer unter den Naturfreunden immer wieder in den Schwarzwald zieht. Damit das so bleibt, hat der Naturpark die Regionalmarke »echt Schwarzwald« ins Leben gerufen. Lamm- oder Rindfleischprodukte, Honig, Käse oder Edelbrände werden nach strengen Richtlinien von Bauern erzeugt und von handwerklichen Betrieben sorgfältig und schonend verarbeitet. Wie gut das schmeckt, davon kann man sich beim Naturparkbrunch auf zahlreichen Bauernhöfen, auf den vielen Naturparkmärkten oder bei einem der rund 50 Naturparkwirte überzeugen. Ein weiteres Highlight: Der Luchs kehrt auf leisen Pfoten nach Baden-Württemberg zurück. Deshalb wurde im Stadtwald von Baden-Baden der erste Luchspfad in Deutschland eröffnet. Auf einer rund vier Kilometer langen Strecke können die Besucher an 24 Stationen nachempfinden, was es heißt, ein Luchs zu sein. Kulturinteressierte zieht es ins Kloster Hirsau bei Calw, eine ehemalige Benediktinerabtei, die als das wichtigste Reformkloster nördlich der Alpen galt. Von seiner einstigen Bedeutung zeugen die imposanten Ruinen der romanischen Basilika und der spätgotischen Marienkapelle. Auch für Literaturfreunde ist Calw eine Reise wert: Hier wurde Hermann Hesse geboren und das Hermann-Hesse-Museum vermittelt Einblicke in Leben und Werk des weltweit meistgelesenen deutschen Schriftstellers. Nicht verpassen – Regionale Produkte genießen – Dem Luchs auf die Spur kommen – auf dem ersten Luchspfad in Deutschland – Geschichte und Kultur in Calw erleben www.naturparkschwarzwald.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Markus Kirchgessner

Stromberg-Heuchelberg

Um Heilbronn und den gesamten Neckarraum besser zu schützen, ließ Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, wegen seiner Erfolge als Feldherr gegen die Türken auch »Türkenlouis« genannt, einen 86 Kilometer langen Verteidigungswall, die Eppinger Linie, bauen. Die Reste dieses einst bis zu 30 Meter breiten Grabensystems mit Palisaden aus Bäumen und Ästen können noch heute auf dem rund 31 Kilometer langen Eppinger Linienweg zwischen Eppingen und Mühlacker bewundert werden. Dazu gehören eine nachgebaute Palisadenreihe bei Maulbronn sowie die Sternenschanz bei Ötisheim, ein Verteidigungswall aus aufgehäufter Erde. Der Weg ist mit einer stilisierten Chartaque gekennzeichnet, einem hölzernen Wachturm, der früher an vielen Stellen der Eppinger Linie stand und dessen Nachbildungen südlich von Eppingen und auf der Waldschanze über dem Enztal heute als Aussichtstürme dienen. Nachdem der Wanderer auf dem Eppinger Linienweg den Scheuelberg erklommen hat, wird er Kloster Maulbronn kaum übersehen können. Der Weg führt zwischen Weinreben zu der ehemaligen Zisterzienserabtei, die 1993 als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt wurde. Das 1147 gegründete Kloster gilt heute als die besterhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen. Wer wissen möchte, was der Naturpark Stromberg-Heuchelberg zu bieten hat, bekommt in der Dauerausstellung des Naturparkzentrums einen hervorragenden Überblick. Mit einer Kletterwand, einem Geräuschetunnel, verschiedenen Hörstationen, einer Multivisionsschau und vielem mehr können sich Jung und Alt auf das Leitmotiv der Region einstimmen: Wein. Wald. Wohlfühlen. Noch mehr Spaß macht eine Wanderung durch die Wälder und entlang der alten Weinberge. Der Stromberg ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und vor allem wegen seltener Vogelarten wie Mittelspecht, Wendehals oder Kolkrabe bemerkenswert. Selbst Wildkatzen streifen wieder durch die Wälder des Naturparks. Nicht verpassen – Entlang der Eppinger Linie wandern – Mittelalter erleben im Kloster Maulbronn – Alte Weinberge durchstreifen www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Martin Kirchner

Südschwarzwald

»Nütze den Schwung des Mittelgebirges«: Dieses Motto mag auch weniger trainierte Radler angesichts des nicht gerade ebenen Südschwarzwaldes neugierig machen. Unser Rat: einfach ausprobieren und staunen. Zugegeben, das steile Stück von Kirchzarten bis hinauf nach Hinterzarten darf man auch im bequemen Sitz der Höllentalbahn genießen. Aus einer Höhe von 885 Metern geht es dann ohne nennenswerte Steigungen einmal rund um den Naturpark, vorbei an Hochmooren, kleinen Seen und traditionellen Schwarzwaldhöfen – und dann hinab an den Rhein. Dort macht der Weg einen Abstecher nach Frankreich und in die Schweiz. In Basel gönnen sich kulturell ambitionierte Radler ein, zwei Tage Pause, bevor die Route durch das mediterrane Markgräflerland und das schöne Freiburg wieder zurück nach Kirchzarten führt. Der Südschwarzwald-Radweg ist über weite Strecken familientauglich, von Mai bis Oktober spielt in der Regel auch das Wetter mit. Zu den besonderen Attraktionen der Region gehört sicher auch die Wutachschlucht. Der Fluss hat sich tief ins Gestein gefressen und vom Buntsandstein über Granit und Gips bis zum Muschelkalk mehrere geologische Epochen der Erdgeschichte freigelegt. Bereits der Einstieg bei Gündelwangen über schmale Stege in die Lotenbachklamm ist ein beeindruckendes Erlebnis. Die Wutachschlucht ist auch eine Attraktion des Schluchtensteigs, der auf 118 Kilometern quer durch den Naturpark Südschwarzwald führt. Selbst das stark gefährdete Auerhuhn hat in den lichten Wäldern des Hochschwarzwalds einen Rückzugsort gefunden. Zwischen Tannen und Fichten profitieren rund 600 Tierarten von einer mancherorts dichten Bodenvegetation mit Heidelbeersträuchern, die sowohl Schutz als auch Nahrung bietet. Auf dem Wichtelpfad beim Haus der Natur am Feldberg lernen Kinder und Erwachsene alles über das Leben dieses scheuen Vogels. Nicht verpassen – Gemütlich über den Südschwarzwald-Radweg radeln – Durch die Wutachschlucht auf dem Schluchtensteig wandern – Nach Spuren des Auerhuhns am Feldberg suchen www.naturpark-suedschwarzwald.de

Deutschlands Naturparke – das Buch

Paradiese vor der Haustür – unter diesem Motto werden die über 100 Naturparke in Deutschland in einem opulenten DuMont Bildband ausführlich vorgestellt. Er bietet rund 300 brillante Farbbilder, eine große Übersichtskarte sowie Hinweise zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Hintergrundtexte zu verschiedenen Themen, wie z. B. kindliche Naturerfahrungen oder tierische Einwanderer, runden das 256 Seiten starke Werk ab. "Paradiese vor der Haustür" ist das offizielle Nachschlagewerk des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) und kostet 29,99 Euro. www.mairdumont.com

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