Potsdam royal

HighlightsPotsdam royal

Während des Berlintrips schnell rüber nach Potsdam, um Schloss Sanssouci zu besichtigen? Das können wir wirklich nicht empfehlen! Denn dann haben Sie fast alles verpasst. Hier unsere UNESCO-Highlights für die Hauptstadt Brandenburgs

Das größte UNESCO-Ensemble Deutschlands erleben

Potsdam ist umgeben von wunderschönen weitläufigen Parks, in denen es nicht nur berühmte Schlösser, sondern auch viele kleinere Bauwerke zu entdecken gibt – insgesamt 150 aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Mit einigen Baudenkmälern im benachbarten Berlin gehören die "Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin" seit 1990 zum Welterbe der UNESCO. Auf einer Fläche von über 750 Hektar verteilt, bilden sie das größte Ensemble in Deutschland. Die zehn wichtigsten Highlights stellen wir hier vor. Tipp: Leihen Sie sich Räder aus – man darf zwar in den Parks nicht überall fahren, aber die wichtigsten Hauptachsen sind freigegeben. So kann man mehr sehen! An die Verbote sollte man sich aber unbedingt halten.

1 Schloss und Park Sanssouci

Das weltberühmte Schloss samt Park gilt vielen Besuchern als der Inbegriff Potsdamer Schlösserkunst. Vom Parkeingang am Grünen Gitter (1850) hält man sich nördlich. Ist die Große Fontäne erreicht, sieht man das weltbekannte Ziel leicht erhöht vor sich liegen: das auf dem Weinberg stehende Schloss Sanssouci. Doch der Park, Potsdams Hauptanziehungspunkt, birgt weit mehr als nur das Sommerdomizil von Friedrich II. Dutzende von Bauwerken, Fontänen und Skulpturen sind hier versammelt. Natur, Schlösser und kleinere Bauten vereinen sich zu einem einzigartigen Kunstwerk. Tipp: die benachbarte Bildergalerie. Friedrich II. hatte nämlich in Europa Bilder einkaufen lassen, doch als er sie in Schloss Sanssouci aufhängen wollte, stellte er fest, dass der Platz nicht reichte. So entstand das erste außerhalb eines Schlosses befindliche Museumsgebäude Europas zur Aufbewahrung einer Gemäldesammlung. Der Bau (1755–63) beherbergt einen der schönsten Museumsräume Deutschlands. Glanzpunkt ist „Der ungläubige Thomas“ des Italieners Caravaggio.

2 Neues Palais

Das größte Bauwerk des 18. Jahrhunderts im Park von Sanssouci besitzt mehr als 200 Räume. 428 Götter und Halbgötter zieren die Fassade. Hauptsaal des Schlosses war der Marmorsaal im Obergeschoss, gestaltet von Gontard. Die in Form und Gestalt französischen Spiegelgalerien ähnelnde Marmorgalerie im Erdgeschoss diente als Speisesaal. Im Südflügel ist die Wohnung von Friedrich II. zu besichtigen. Gewohnt hat der König jedoch kaum in dem Schloss, erst Kaiser Wilhelm I. wählte es wieder als einen bevorzugten Aufenthaltsort. Um das Neue Palais sollten Sie einmal herumgehen, weil sich der Blick auf die Communs (1766–69) lohnt. In den beiden gewaltig wirkenden Bauwerken gegenüber der Ehrenhofseite befanden sich früher Küchen, Wirtschaftsräume und Dienstwohnungen. Tipp: Die Schlössernacht ist ein einzigartiges Licht- und Kulturspektakel im Park Sanssouci. Noch gibt es Tickets unter www.schloessernacht-2010.de

3 Russische Kolonie Alexandrowka

Am 10. April 1826 unterzeichnete Friedrich Wilhelm III. eine „Allerhöchste Cabinets-Ordre“, dass für zwölf russische Sänger eine Kolonie zu errichten sei. Ein Jahr später zogen die Russen in hübsche, komplett eingerichtete Holzhäuschen. Die Russen waren 1812 als Kriegsgefangene nach Preußen gekommen. Nach dem preußisch-russischen Militärbündnis dienten sie dem König als „Russischer Sängerkorps“. Weil dieser sich so an die melancholischen Lieder gewöhnt hatte, schenkte ihm Zar Alexander den gesamten Chor. Die Häuser sind nicht, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, aus kräftigen Holzbohlen erbaut. Sie bestehen aus gemauertem Fachwerk, das außen mit gewölbten Dielenbrettern verkleidet wurde. In Haus 2 ist ein kleines Museum untergebracht. www. alexandrowka.de Tipp: Besuchen Sie das Russische Restaurant und Teestube in Haus 1. Dort gibt's Borschtsch und Soljanka und Russlandflair. alexandrowka-haus1.de

4 Park und Schloss Babelsberg

Der zweitgrößte Park Potsdams wurde gleich von zwei großen Gartenkünstlern gestaltet – vielleicht ist er deshalb zu jeder Jahreszeit traumschön: Prinz Wilhelm beauftragte Peter Joseph Lenné mit der Gestaltung des hügeligen Geländes am Tiefen See und der Glienicker Lake. Nach Meinungsverschiedenheiten der beiden setzte Hermann Fürst von Pückler-Muskau 1842 die Arbeiten fort. Der Park im Stil englischer Landschaftsparks bietet tolle Joggingstrecken am Wasser und durchs hügelige Gelände, das Strandbad Babelsberg und mehrere freie Badestellen. Das Schloss Glienicke wird derzeit saniert. Tipp: Pause im Kleinen Schloss – das Café ist überaus stilvoll, bietet leckeren Kuchen – und First-Class-Wasserblick. Achtung, die Öffnungszeiten sind begrenzt: www.kleinesschloss.de

5 Belvedere auf dem Pfingstberg

Friedrich Wilhelm IV. schwebte Großes vor: Eine gewaltige Terrassenanlage mit einem prachtvollen Lustschloss sollte vom Pfingstberg bis zum Neuen Garten reichen. Entstanden sind jedoch nur starke Umfassungsmauern mit Säulengängen sowie eine 25 Meter hohe Doppelturmfront mit einem „römischen“ und einem„maurischen“ Kabinett. Die romantische Anlage verkleidet das Wasserbecken für die Fontänen des Neuen Gartens. Tipp: Lohnenswert ist ein Aufstieg auf einen der beiden 25 Meter hohen Türme, von dem aus einem Potsdam zu Füßen liegt.

6 Neuer Garten mit Marmorpalais

König Friedrich Wilhelm II. wollte etwas Eigenes, er wollte nicht dort spazieren gehen und wohnen, wo sich sein Onkel Friedrich II. wohl fühlte. Deshalb ließ er das Gelände am Westufer des Heiligen Sees in einen „sentimentalen Landschaftsgarten“ verwandeln – mit dem Marmorpalais als Wohnsitz. Ab 1817 gestaltete Peter Joseph Lenné die Anlage, die sich im Wesentlichen noch heute so darbietet – mit weiten Rasenflächen, Baumgruppen und Durchblicken zum Heiligen See und zum Jungfernsee. Der Park ist ein schönes Beispiel früher englischer Gartenkunst auf dem europäischen Festland. Da er jünger ist als der von Sanssouci, bekam er den Namen Neuer Garten. Tipp: Villen gucken! Das Marmorpalais blickt direkt aufs Wasser des Heiligen Sees – am anderen Ufer haben u. a. Günther Jauch und Wolfgang Joop ihre Villenanwesen.

7 Schloss Cecilienhof

Das letzte und modernste Hohenzollernschloss besitzt 176 Räume, die sich um insgesamt fünf Innenhöfe gruppieren. Heute dient ein Teil des Schlosses als Hotel, der andere als Gedenkstätte. Schloss Cecilienhof (1913–17) ging durch die Potsdamer Konferenz in die Weltgeschichte ein. Am 2. August 1945, eine halbe Stunden nach Mitternacht, unterzeichneten an einem runden Tisch die Vertreter der drei Siegermächte Harry S. Truman, Clement Attlee und Joseph W. Stalin das „Potsdamer Abkommen“. Der fünfzackige rote Sowjetstern aus Blumen im Großen Hof ist kein Relikt aus der DDR-Zeit. Auf diesen Stern hatten sich die drei Regierungschefs in der Vorbereitungsphase der Konferenz geeinigt, vermutlich, weil die Sowjetunion die Hauptlast des Kriegs zu tragen hatte. Der Konferenzsaal von 1945 und die Arbeitszimmer der Delegationen sind in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Tipp: Es gibt spannende thematische Gruppen- und Einzelführungen zu den meisten der Potsdamer Schlösser – für Erwachsene, Schüler und kleine Kinder. www.spsg.de

8 Park und Schloss Sacrow mit Heilandskirche

Wie ein im Hafen liegendes Schiff sollte die Heilandskirche wirken, die Ludwig Persius 1841–44 zu zwei Dritteln ins Havelwasser gebaut hat. Der im mittelalterlich-italienischen Stil errichtete Bau gilt als Vorstudie für die Friedenskirche in Sanssouci. Friedrich Wilhelm IV. kam im Sommer gern sonntags von Potsdam aus mit einem Boot zum Gottesdienst auf die Sacrower Halbinsel. Da die Kirche im deutsch-deutschen Todesstreifen lag, durfte sie nach dem Bau der Berliner Mauer von den Gemeindemitgliedern nicht mehr betreten werden. Nach umfangreicher Restaurierung zeigt sie sich nun wieder in ihrer Pracht. Auch finden hier ganzjährig erneut Gottesdienste statt. Das nahe Schloss Sacrow (1773) hatte viele Besitzer, einer war König Friedrich Wilhelm IV., der es 1840 erwarb. 1938 wählte der preußische Generalforstmeister das klassizistische Bauwerk zum Wohnsitz und ließ im Inneren erhebliche Umbauten vornehmen. Zu DDR-Zeiten wurde das Schloss Ausbildungsstätte der Zollverwaltung. In den Sommermonaten sind gelegentlich Ausstellungen zu sehen. Der Park ist ein Werk von Peter Joseph Lenné. Tipp: Ein Konzert in der Heilandskirche erleben, das nächste erklingt am 29. März. www.heilandskirche-sacrow.de

9 Friedenskirche

Friedrich Wilhelm IV. besaß eine Vorliebe für italienische Architektur. Da verwundert es nicht, dass die Friedenskirche(1844–54) nach dem Vorbild der römischen Basilika San Clemente erbaut wurde. Für den Glockenturm daneben stand der Campanile von Santa Maria di Cosmedin in Rom Pate. Da sich die Kirche im Wasser spiegeln sollte, ließ der König vor ihr den Friedensteich anlegen. Das schöne, 900 Jahre alte Mosaik in der Apsis stammt von der Insel Murano bei Venedig. Es ist neben dem ravennatischen Mosaik auf der Berliner Museumsinsel das einzige originale italienisch-byzantinische Mosaik nördlich der Alpen. In der zugänglichen Gruft unter dem Altar ruhen der 1861 verstorbene Bauherr und seine 1873 verstorbene Gemahlin Elisabeth Luise. Tipp: Jeden Dienstag,15 Uhr, kostenlose Orgelmusik, anschließend Orgelführung.

10 Noch mehr Highlights

So viele beeindruckende UNESCO-Stätten die brandenburgische Landeshauptstadt auch hat, man hat viel verpasst, wenn man nur durch Schlösser und Parks wandelt: das einzigartige Holländische Viertel mit seinen vielen kleinen Läden, Cafés und Restaurants. Die schöne Altstadt rund um die Einkaufsmeile in der Brandenburgischen Straße. Die berühmte Glienicker Brücke, auf der zu DDR-Zeiten hin und wieder Spione ausgetauscht wurden. Sehenswert ist auch der Stadtteil Babelsberg mit seinen alten Weberhäusern, den Villen am Griebnitzsee und mit den berühmten Filmstudios. Tipp: Potsdam vom Wasser aus entdecken – man kann gut mit dem Kanu oder mit dem Floß über die Seen schippern.

Mehr Infos?

Potsdam Tourismus Service, www.potsdamtourismus.de Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, www.spsg.de

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