Natur pur!

Bayerischer WaldNatur pur!

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist das Herzstück des schönen deutschen Mittelgebirges: Er bietet viel Raum für Flora und Fauna, hier können sich Fuchs und Hase noch in Ruhe gute Nacht sagen. Eine Reise durch das grüne Bergland ist wahrlich ein F

Gipfel-Glück: Von den Berghöhen bei Bodenmais geht der Blick weit über das Land© Foto: Carolin ThierschGipfel-Glück: Von den Berghöhen bei Bodenmais geht der Blick weit über das Land
Im Wildfreigehege des Parks haben Luchs & Co ihr Zuhause© Foto: Carolin ThierschPlatz für Tiere:Im Wildfreigehege des Parks haben Luchs & Co ihr Zuhause

Lautlos schleicht der Luchs durch das Unterholz. Ein Bär wetzt seine Krallen an einem Baum, während sich die Elchkuh um ihren Nachwuchs kümmert. In der Ferne traben ein paar Wisente durch den Wald, nur Wölfe sind nicht zu entdecken, bei denen ist gerade Siesta angesagt.

Wir haben Glück, so viele Bewohner des Wildfreigeheges im Nationalpark Bayerischer Wald direkt vor die Linse zu bekommen. Alles Tiere, die in der Region beheimatet sind oder waren, erklärt Siegfried Schreib, Ranger aus Leidenschaft.

Alle Tiere im Nationalpark sind oder waren heimisch in der Region

Bereits seit seinem 20. Lebensjahr arbeitet er hier, jetzt ist er 45. Ob frühmorgens die Sonnenaufgangstour auf den Gipfel vom Berg Lusen, Reparaturen an den Gehegen oder dienstags „Mit dem Ranger unterwegs“ – das Aufgabenspektrum eines Nationalparkwärters ist vielseitig.

Wir sind unterwegs im Bayerischen Wald,
jenem 100 Kilometer langen Mittelgebirge, das sich zwischen Donau, Böhmerwald und der österreichischen Landesgrenze ausbreitet. Herzstück davon ist Deutschlands einziger Urwald, der Nationalpark Bayerischer Wald mit einer Größe von 243 Quadratkilometern. Er wurde 1970 mit dem Ziel gegründet, der Natur eine Chance zu geben, wieder Urwald zu werden, getreu dem prägnanten Motto: „Natur Natur sein lassen“.

Besonders sportliche Urlauber kommen hier auf ihre Kosten
Regensburg lockt mit einem schönen Donau-Ufer und historischer Altstadt© Foto: Carolin ThierschTor zur Region:Regensburg lockt mit einem schönen Donau-Ufer und historischer Altstadt

Das Tor zur Region ist Regensburg. Wir genießen die gemütliche Atmosphäre der historischen Wurstkuchl, der ersten Imbissbude der Welt: Bratwurst, Sauerkraut und Brot – dazu ein Bier. Häufig sind es doch die ganz simplen Konzepte, die Jahrhunderte überstehen. Gestärkt gehen wir durch die mittelalterliche Altstadt zum Dom, dessen hohe Türme weit in den perfekt bayerisch blau-weißen Himmel ragen. Zum Spaziergang im Grünen lockt dann die Parkanlage vom Fürstlichen Schloss St. Emmeram, der größten noch bewohnten Schlossanlage Deutschlands.

Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, gemütlich, ambitioniert oder sportlich: Aktiv sind eigentlich alle, die im Bayerischen Wald Urlaub machen. Der höchste Berg ist der Große Arber mit 1456 Metern. Wer ihn bezwingen möchte, kann entweder gemütlich die Gondel nehmen oder auch schon etwas tiefer beim Großen Arbersee mit einer Wanderung starten.

© Foto: Carolin Thiersch
Die Restaurants servieren deftige Hausmannskost; dank eines Fördervereins wurde die Ilztalbahn mit ihrer schönen Trasse erhalten© Foto: Carolin ThierschFür Leib und Seele:Die Restaurants servieren deftige Hausmannskost; dank eines Fördervereins wurde die Ilztalbahn mit ihrer schönen Trasse erhalten
Für Leib und Seele: Die Restaurants servieren deftige Hausmannskost; dank eines Fördervereins wurde die Ilztalbahn mit ihrer schönen Trasse erhalten
Hier trifft schon mal Mini-Dirndl auf coolen Landhaus-Stil

Das Wasser des Arbersees glitzert im Sonnenschein, als hätte Prinzessin Lillifee ihren Feenstaub darüber verstreut. Immer wieder kommen uns andere Wanderer entgegen, und wir staunen nicht schlecht über die Utensilien, die einige dabei haben. Man könnte meinen, sie würden zu einem mehrtägigen Survivaltraining in den Wald aufbrechen: Modernste GPS-Geräte und Taschenlampen, die einen ganzen Dorfplatz ausleuchten könnten, baumeln an den vollgestopften Rucksäcken der Tagesausflügler, deren Funktionskleidung sie auch bei einem Orkan nicht im Regen stehen ließe. Und es wird auch schon mal ein Bärentöter ausgepackt, um den Kindern eine Stulle zu schmieren. Gut, dass es mit dem Further Drachen zur Rechtfertigung ein wirkliches Ungeheuer in der Nähe gibt: ein Hightech-Drachen voller Elektronik, der größte vierbeinige Schreit-Roboter der Welt. Wir besuchen ihn in seiner Höhle. Noch lieber wären wir Anfang August hier gewesen, während der jährlich stattfindenden Drachenstich-Festspiele.

Ein weiterer Besuch lohnt unbedingt
in dieser Region: bei Josef Schätzl. Der hätte nach Jahrzehnten als Bürgermeister von Ruderting im Landkreis Passau eigentlich seinen Ruhestand genießen können. Stattdessen steht Schätzl täglich in seiner Brennerei und tüftelt an neuen Schnäpsen, Bränden und Likören. Fast jede seiner Kreationen wurde mit einer Medaille prämiert. Himbeere, Birne, Quitte und Marille – ein ganzes Obstregal edelster Tropfen. Selbstverständlich nur mit bestem Quellwasser und ohne zusätzliche Aromen. Die Grundlage für die Schnapsverkostung ist deftig: Braten aus dem hauseigenen Rotwildgehege mit Knödeln und Soße. Nach dem üppigen Mahl samt Hochprozentigen können einige Schritte zur Verdauung sicher nicht schaden.

Reinhard Fildhuth hat heute Schrankendienst:
Im strömenden Regen steht er am Bahnübergang und kurbelt die Schranke runter, damit die Ilztalbahn in Ruhe passieren kann. 50 Kilometer lang ist die idyllische Strecke, von Passau über Waldkirchen bis nach Freyung, ins höchstgelegene Städtchen des Bayerwaldes direkt am Nationalpark gelegen. Die Trasse zählt zu den schönsten Eisenbahnrouten Deutschlands – und wurde trotzdem vor einigen Jahren aus Kostengründen vorübergehend stillgelegt. Nur zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Förderern ist es zu verdanken, dass die Ilztalbahn nun zur schönen Jahreszeit an Wochenenden und Feiertagen wieder fährt.

Die Sonne beleuchtet wie bestellt
die Spitzwaldkanzel, das Ziel unserer heutigen Wanderung. Gleich im Ort drückt uns ein Gabelstaplerfahrer der lokalen Brauerei beim Vorbeigehen zwei „Radler“ als Wegzehrung in die Hand. Die Kirchenglocke läutet, Gänse schnattern aufgeregt, Schritt für Schritt tauchen wir in den Wald ein. Kein Mensch weit und breit, mit jedem Atemzug genießt man die reine Bergluft. Nach einem anstrengenden Anstieg oben angekommen, werden wir mit einem tollen Ausblick belohnt – und kräftigen Schlucken aus den Radler-Flaschen.

Übrigens: Wir waren nicht ganz frei von Vorurteilen in Richtung Bayerischer Wald aufgebrochen. Dabei hat es die Region längst erfolgreich geschafft, ihr verstaubtes Image abzuschütteln. In beeindruckender Weise trifft gelebte Tradition hier auf Moderne. Selbst durch die Trachtenstuben der entlegensten Dörfer weht inzwischen frischer Wind. Hier trifft das schrille Mini-Dirndl Kosima auf das coole Landhauskleid Corina. Und dann steht man wieder oben auf einem Gipfel und blickt über endlose Wälder, über Bergrücken, über kleine Bergseen und Wiesen, auf denen zarte Nebelstreifen schweben – der Bayerische Wald ist wahrlich eine Region voller Kontraste.

Schnapsbrenner aus Passion:

Josef Schätzl tüftelt stets an neuen Bränden und Likören
Josef Schätzl tüftelt stets an neuen Bränden und Likören© Foto: Carolin ThierschSchnapsbrenner aus Passion:Josef Schätzl tüftelt stets an neuen Bränden und Likören
ANZEIGE
Nach oben