Majestätisch!

Von Rittern, Kurfürsten und Königen der LüfteMajestätisch!

Von Burg zu Burg, von Stadt zu Stadt durch die Geschichte: Die Burgenstraße entführt Reisende über rund 1200 Kilometer in die Zeit der Ritter und Kurfürsten, der Herolde und Salzsieder. Wir waren zwischen Mannheim und Kirchberg an der Jagst unterwegs Text: Carolin Thiersch

Burg Guttenberg thront in bester Lage über dem Neckartal – und ist übrigens seit fast 800 Jahren stets bewohnt© Foto: Burg GuttenbergMitten im Grünen:Burg Guttenberg thront in bester Lage über dem Neckartal – und ist übrigens seit fast 800 Jahren stets bewohnt

Es herrscht gebannte Stille. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Aber das scheint ihn wenig zu berühren, er wendet nicht einmal den Kopf. Zwei raumgreifende Flügelschläge, und dann gleitet der Weißkopfseeadler majestätisch auf das Publikum zu, das ihm erst freudig die Kameras entgegenstreckt, um sich gleich darauf eingeschüchtert zu ducken. Es hat den Anschein, als würde der Adler jeden Moment die Köpfe der Zuschauer streifen – mit respekteinflößenden Krallen und zwei Meter Spannweite; der begleitende Luftzug wirbelt einige Frisuren durcheinander.

Burgen und Schlösser in reizvoller Natur – die Mächtigen von einst wussten, wo's am schönsten ist

Beeindruckend ist sie, die Flugshow der Deutschen Greifenwarte auf Burg Guttenberg, der Stauferburg aus dem 12. Jahrhundert. In den mittelalterlichen Wehranlagen der Burg können die großen und kleinen Zuschauer zahlreiche Adler, Geier und Eulen erleben.

Wir reisen entlang des baden-württembergischen Teils der Burgenstraße, jener Ferienstraße, die es nun schon seit 60 Jahren gibt. Ursprünglich führte sie nur von Mannheim bis Nürnberg, inzwischen schlängelt sich die beliebte Route auf rund 1.200 Kilometern bis nach Prag. Und sie geizt dabei keineswegs mit ihren Reizen: Sagenumwobene Burgen, prunkvolle Schlösser und verlassene Ruinen, mittelalterliche Städte und herrliche Landschaften liegen hier dicht an dicht.

Der Unistadt Heidelberg sind die Dichter und Denker gleich reihenweise verfallen
Im Reich der Staufer:Freiherr Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg lädt im Video links zu einem Rundgang durch seine geschichtsträchtigen Burggemächer

Die einstige Residenzstadt Mannheim ist mit dem zweitgrößten Barockschloss Europas das Tor zur Burgenstraße. 2007 wurde das Schloss aufwändig renoviert, seitdem strahlt es wieder in vollem Glanz.

Klarer Besuchermagnet in Baden-Württemberg ist Heidelberg, die älteste Universitätsstadt Deutschlands. Es überrascht nicht, dass die Dichter und Denker des 19. Jahrhunderts ihr gleich reihenweise verfallen waren und die Stadt in Dichtung, Malerei und Musik verewigten. Auf dem wuseligen Rathausplatz lässt es sich wunderbar verweilen, dabei hat man das Schloss hoch oben auf dem bewaldeten Königstuhl stets fest im Blick. Klares Highlight für Kinder ist der Heidelberger Zoo, in dem nicht nur mehr als 170 Tierarten zu bestaunen sind. Es gibt hier auch eine eigene Zooschule, die jede Menge spannende Events veranstaltet.

© Foto: Carolin Thiersch
Blick vom Aussichtspunkt Lemppruhe bei Heilbronn, Schwäbisch Hall mit der Holzbrücke Roter Steg© Foto: Heilbronn Marketing GmbHImpressionen unterwegs:Blick vom Aussichtspunkt Lemppruhe bei Heilbronn, Schwäbisch Hall mit der Holzbrücke Roter Steg
Impressionen unterwegs: Blick vom Aussichtspunkt Lemppruhe bei Heilbronn, Schwäbisch Hall mit der Holzbrücke Roter Steg
Zurück ins Mittelalter?Das geht recht amüsant in Schwäbisch Hall

Für alle Technikbegeisterten lohnt sich der Besuch des Auto- & Technik-Museums im 35 Kilometer entfernten Sinsheim. Im Angesicht von 300 Oldtimern aller Epochen und einer großen Luftfahrtausstellung werden ausgewachsene Männer gerne wieder zu kleinen Jungs. Bei Heidelberg biegt die Burgenstraße in das Neckartal ein und folgt den Windungen des Flusses bis nach Heilbronn, das sich als größtes deutsches Rotweinanbaugebiet einen Namen gemacht hat. Trollinger und Lemberger sind die Stars dieser Region. In den Besenwirtschaften der Umgebung lässt sich wunderbar zu lokaler Küche das ein oder andere Tröpfchen verkosten.

Eine Reise entlang der Burgenstraße ist zugleich eine Zeitreise durch verschiedene Epochen. In Schwäbisch Hall wird einem dies besonders gut vor Augen geführt. Stadtführerin Renate Herterich hat sich nicht nur in das Gewand einer alten Siedersmagd begeben, sie entführt ihre Gäste auch wahrhaftig in die Vergangenheit der Salzsiederstadt am Kocher. Das alte Gefängnis, heute „Haus der Bildung“, wird dank zahlreicher Anekdoten wieder lebendig, wie auch der einstige Alltag in den Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz. Für Amüsement ist so oder so gesorgt, denn die Siedersmagd hält auch den einen oder anderen erstaunten Passanten an. Ein nichtsahnender Fahrradfahrer wird ermahnt, besser auf den mitgeführten Gaul aufzupassen, da dieser doch sehr drahtig und abgemagert aussehe.

In Kirchberg an der Jagst mit seiner fürstlichen Residenz verabschiedet sich die Burgenstraße aus Baden-Württemberg und führt weiter durch Bayern. In der barocken Gartenanlage der Stadt findet man die passenden Ruheplätzchen, um das Erlebte der letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Ob bei Wanderungen, auf dem Fahrrad, mit dem Wohnmobil oder dem Pkw – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Burgenstraße mit ihrer großen Vielfalt an Sehenswürdigkeiten zu erleben. In den Städten und kleinen Ortschaften wird die reiche Geschichte der Region wieder zum Leben erweckt. Und besonders im Sommer wird den Gästen bei zahlreichen Konzerten, Freilichtspielen und Festen extra viel Abwechslung geboten.

Vogel frei:

Dieser prachtvolle Weißkopfseeadler gehört zur Greifenwarte auf Burg Guttenberg
Dieser prachtvolle Weißkopfseeadler gehört zur Greifenwarte auf Burg Guttenberg© Foto: Burg GuttenbergVogel frei:Dieser prachtvolle Weißkopfseeadler gehört zur Greifenwarte auf Burg Guttenberg
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