Lied der Wälder

RügenLied der Wälder

Die uralten Buchenwälder im Nationalpark Jasmund sind die letzten ihrer Art auf der ganzen Welt – und sie sind Arbeitsplatz von Ranger Karsten Klaene. Bei geführten Wandertouren zeigt er den Besuchern die Besonderheiten dieser einzigartigen Landschaft auf Rügen

von Anne Schüßler

Durchs sommerliche Blätterdach dringen hier und da warme Sonnenstrahlen© Foto: Anne SchüßlerBuchenwälderDurchs sommerliche Blätterdach dringen hier und da warme Sonnenstrahlen

Die Wellen der Ostsee rauschen an den Strand. In stetem Rhythmus rollen sie über den Kies. Wir sehen sie nicht, wir hören sie – und das mitten im Buchenwald des Nationalparks Jasmund. Eigentlich hätten wir erwartet, das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume zu hören, doch stattdessen lauschen wir nun stumm und andächtig dem Meer. „Das ist, neben der Kreide, definitiv eine Besonderheit in diesem Nationalpark“, erklärt uns Ranger Karsten Klaene.

Der Natur auf der Spur: Bei einer Wanderung mit einem Ranger sieht man die Natur mit anderen Augen

„Etwa 500 Hektar des Waldesim Nationalpark gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“, erzählt uns der Wanderführer, während wir über den Höhenweg von Lohme zum Königsstuhl wandern. Staunend betrachten wir die hohen Buchen um uns herum. Ihre dicken Äste wiegen sich knarzend im Wind. „Viele dieser Bäume sind über 200 Jahre alt“, sagt Karsten Klaene.

Die meisten, die sich heute zur Tour angemeldet haben,machen in dem kleinen ehemaligen Fischerdorf Lohme Ferien. Heute lernen sie die Region einmal ganz anders kennen.

Nicht eingreifen, heißt die Devise im Nationalpark
Segelboote im ehemaligen Fischerhafen von Lohme© Foto: Anne SchüßlerBeschaulichSegelboote im ehemaligen Fischerhafen von Lohme

Alle paar Meter bleibt Karsten Klaene stehenund weist die Gruppe auf ein Detail in der Natur hin, das wir mit großer Sicherheit übersehen hätten: eine besondere Moosart, die am Stamm einer alten Buche hinaufwächst, oder auf einen Dachsbau in einem Erdwall, an dem wir achtlos vorbeimarschiert wären. Sein Wissen scheint unerschöpflich zu sein und mit seiner lockeren, heiteren Art öffnet er uns die Augen für die wunderbaren Details dieser Landschaft.

Nach der Hälfte der Streckestehen die Buchen nicht mehr so dicht, am Boden wachsen grüne Farne und Gräser. Auch die Geräusche haben sich verändert: Nun hören wir doch noch den Wind in den Blättern rauschen. Ein paar Vögel zwitschern dazu.

„Alte Buchenwälder zählen weltweit zu den stark bedrohten Lebensräumen“, erzählt uns der Ranger. „Anders als in vielen Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes, wo es darum geht, konservierend einzugreifen, lautet das Prinzip zum Schutz der Buchenwälder: nichts machen! Hier im Nationalpark darf, kurz gesagt, nicht einmal eine Kettensäge benutzt werden.“

© Foto: Archiv NZK
und von weitem sichtbar ragt der Königsstuhl an der Küste aus dem Wald heraus.  Im Nationalpark-Zentrum Königsstuhl erfährt man Spannendes über die Region© Foto: Anne SchüßlerMajestätischund von weitem sichtbar ragt derKönigsstuhl an der Küste aus dem Wald heraus Im Nationalpark-Zentrum Königsstuhl erfährt man Spannendes über die Region
MAJESTÄTSCH und von weitem sichtbar ragt der Königsstuhl an der Küste aus dem Wald heraus. Im Nationalpark-Zentrum erfährt man Spannendes über die Region
Im Zentrum des Nationalparks gibt es eine interaktive Ausstellung

Etwa zwei Stunden dauert unsere Wanderung durch den Buchenwald. Mehrmals wöchentlich bieten die Ranger während der Sommermonate im Nationalpark Führungen mit unterschiedlichen Routen an. Unser Ziel heute: der größte Kreidefelsen Rügens, der 118 Meter hohe Königsstuhl. Mit seinem blendend weißen Gestein hebt er sich deutlich vom dunklen Grün der Bäume und vom Blau der Ostsee ab.

Einen fantastischen Blick auf den Königsstuhlhaben wir von der Victoria-Sicht aus, dem zweiten weltberühmten Aussichtspunkt hier und dem Lieblingsplatz von Karsten Klaene. Er liegt ein paar Hundert Meter südlich vom Königsstuhl. Eine Aussichtsplattform ragt hier über den Rand des Felsens hinaus und ermöglicht einen unverstellten Blick auf den prominenten Felsnachbarn.

Mehr als eine Million Touristenbesuchen jährlich den Nationalpark. Sein Mittelpunkt ist das Nationalpark-Zentrum mit Erlebnisausstellung und Multivisionskino. Die interaktive Ausstellung vermittelt den Besuchern die Einzigartigkeit der Alten Buchenwälder und erzählt die Geschichte der Kreideküste. Zusätzlich finden saisonale Veranstaltungen, Wanderungen, Kurzführungen und Schulklassenprogramme statt.

Das Highlight aber ist auch hier die unvergleichliche Aussichtauf die Ostsee vom Königsstuhl aus. Blaues Wasser, so weit das Auge reicht. Mittendrin ein paar Boote mit leuchtenden Segeln – Romantik pur. Hier oben hören wir die Wellen wieder und sehen, wie sie auf den Strand rollen. Dahinter, wo das Wasser flach ist, leuchtet die See knallig türkis. Ein wahrer Ort zum Träumen und Verweilen.

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Im Video erzählt Susann Flade, was man im Nationalpark-Zentrum alles erleben kann
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