Kleine Wildnis

SeenplatteKleine Wildnis

Ausflug ins tiefe Grün und Blau: eine Kanutour an der Kleinseenplatte bei Wesenberg oder die Entdeckung der Meditation auf dem Wasser

von Christiane Würtenberger

Alte Bootshäuser am Woblitzsee.Im Herbst ist die Stimmung auf demWasser oft besonders zauberhaft© Foto: Christiane WürtenbergerRuhig liegt der SeeAlte Bootshäuser am Woblitzsee. Im Herbst ist die Stimmung auf dem Wasser oft besonders zauberhaft

Rechts und links dichtes Schilf. Über uns wölbt sich ein luftiges Blätterdach, durch das die Sonne hindurch blinzelt.Wo ihre Lichtstrahlen auf die Schwaanhavel treffen, leuchtet der Grund bernsteinfarben. Wir gleiten in die Wildnis hinein, unter den Ästen knorriger alter Bäume hindurch. Ihre Arme scheinen nach dem kleinen Flüsschen zu greifen – über und unter Wasser.

Etwa 250 Kilometer Wasserwege für Kanufahrer bietet alleine die Kleinseenplatte

Denn die Schwaanhavel ist so klar, sie liegt so still an diesem letzten sommerwarmen Herbsttag, dass wir für ein paar Stunden alles doppelt sehen. Die Bäume, das Kanu unserer Freunde, die roten Paddel. Es ist Anfang Oktober, die beste Jahreszeit für eine Paddeltour an der Kleinseenplatte in Mecklenburg-Vorpommern.


Hier fließt alles ganz langsam – das Wasser und die Zeit
Floß trifft Kanu auf dem Ellbogensee© Foto: Christiane WürtenbergerAchtung GegenverkehrFloß trifft Kanu auf dem Ellbogensee

Anderswo wirbt man damit, dass es hier und da einen See gibt, wo ein Teil des Ufers naturbelassen ist – wo Bäume und Wiesen bis ans Wasser wachsen dürfen. Hier lächelt man darüber vermutlich nur, denn südöstlich der Müritz ist das einfach überall so: breite Schilfgürtel, tiefe Wälder, kleine Sandbuchten, verwitterte Holzstege, charmante Bootshäuser säumen die Ufer von Woblitzsee, Plätlinsee, Drewensee oder Ellbogensee. Über die Havel und kleine Flüsschen und Kanäle sind viele der Gewässer noch dazu miteinander verbunden.


© Foto: Christiane Würtenberger
Der schicke, neue Hafenin Neustrelitz und selbstgemachte Nasenfischean der Kanumühle inWesenberg© Foto: Christin DrühlWasserweltenDer schicke, neue Hafenin Neustrelitz und selbstgemachte Nasenfischean der Kanumühle inWesenberg
WASSERWELTEN Der schicke, neue Hafen in Neustrelitz und selbstgemachte Nasenfische an der Kanumühle in Wesenberg
Die Angeln sind eingepackt – ob die Fische heute anbeißen werden?

Dieses Land der 1000 Seen ist ein wildromantisches, jetzt im Herbst wunderbar farbenfrohes Paradies für Paddler. Aber auch als Radler oder Wanderer kann man die Region gut erkunden. Pensionen, Campingplätze, Ferienhäuser in kleinen Dörfern prägen das Naturparadies im südlichen Mecklenburg-Vorpommern. Ab und zu liegen eine Fischerkate mit Gastgarten oder ein Café direkt am Ufer. Es ist ein kleines, tiefgrünes Bullerbü mit Seen.

Gut zu erreichen ist die Region übrigens auch für Urlauber, die ohne Auto anreisen: Denn nach Neustrelitz, das einen Hafen mit netten Cafés hat, fahren viele Regionalzüge. Von dort geht’s mit der EGP (der Eisenbahngesellschaft Potsdam) weiter nach Wesenberg oder Mirow.

Wir haben die Nacht in der Kanumühle von Peggy Sarodnik in Wesenberg verbracht, draußen auf der Holzterrasse mit Blick aufs Wasser gemütlich gefrühstückt und uns noch ein paar Tipps für unseren Kanutag geben lassen. Mit Spritzwasserüberzügen für unsere Beine und einer eingeschweißten Wasserwanderkarte, die notfalls auch mal baden gehen kann, sind wir mit einem Kanu und einem Kanadier losgezogen. Unser Ziel: Noch ein paar Stunden die Sonne genießen. Also geht‘s hinaus auf die Havel und hinein in den Woblitzsee mit seinen alten Bootshäusern. Anschließend wollen wir über die Schleuse in Wesenberg und die Schwaanhavel bis zum Plätlinsee nach Wustrow gelangen. Hier fließt alles ganz langsam. Das Wasser und die Zeit.

Manchmal fühlt man sich ganz groß beim Paddeln: Bei einem kleinen Abstecher zu den Bootshäusern auf dem Woblitzsee erleben wir, wie die Herbstsonne Kraft sammelt und durch den Dunst bricht. Wir lassen die Paddel ins Wasser hängen und treiben ein Stück auf den stillen See hinaus. Hätten wir jetzt lieber ein Holzfloß mit Terrasse, Grill und kleinem Außenboarder? Heute nicht, so sind wir ganz nah dran – am See, der Entenfamilie, den Fischen, die wir bequem vom Boot aus beobachten können.

Manchmal fühlt man sich aber auch ganz klein beim Paddeln: Als der Schleusenwärter uns ins Staubecken fahren lässt und wir zu den Booten um uns aufblicken. Die Tender der dunkelblauen Yacht baumeln auf Augenhöhe. Aber da hier alle gut aufeinander aufpassen, winken wir fröhlich zur Crew hinauf. Und paddeln wenig später um viele Meter abgesenkt wieder auf die Havel hinaus.

Die Schwaanhavel mit ihrem moorigen Erlenbruchwald biegt wenig später rechts ab. Sie ist ein nur 3,5 Kilometer langes Flüsschen, das die Havel mit dem Plätlinsee verbindet. „Voll chillig“, ruft Jasper, der Sohn unserer Freunde, begeistert und vergisst vor lauter Staunen zu paddeln. Statt dessen lässt er die recht Hand durchs klare Wasser gleiten und hält nach Fischen Ausschau. Irgendwann fühlt sich die Fahrt durchs Grüne fast wie Meditation an – nicht nur für uns Große. Total tiefenentspannt kommen wir in Wustrow am Plätlinsee an, dem Wendepunkt unserer Tour. Hier, am Sandstrand, wollen wir picknicken und angeln gehen.

Rechts und links vom Steg raschelndes Schilf. Über uns wölbt sich der weite mecklenburgische Himmel. Das Wasser schlägt leise plätschernd gegen die Holzpfosten. Ob heute einer anbeißt? Noch wärmt die Sonne das Gesicht.

Ab in die Wildnis

Mit dem Kanadier geht‘s durch den Müritz-Nationalpark
Mit dem Kanadier geht‘s durch den Müritz-Nationalpark© Foto: Christiane WürtenbergerAb in die WildnisMit dem Kanadier geht‘s durch den Müritz-Nationalpark
ANZEIGE
Nach oben