Immer wieder anders

SüdtirolImmer wieder anders

Hier passt eigentlich alles: Die malerischen Berge und Täler, die prächtigen Burgen und Schlösser, die gemütlichen Orte und Städtchen. Und dann sind da in Südtirol noch die Menschen, deren Gastfreundschaft schon Majestäten beglückt hat – folgen Sie unserem Autor auf seiner Reise durch die verschiedenen Welten Südtirols

Text und Fotos: Stefan Nink

Nink packt ausUnser Chefreporter ist der Meinung, dass Südtirol "das Beste ist, was einem im Urlaub passieren kann." Im Video erklärt er warum

Ein hässlicher, dunkelbrauner Brocken, von dem ein Stück fehlt: Wenn der hier nicht unter Glas in einer Vitrine liegen würde, hätte ihn das Reinigungspersonal mit Sicherheit längst entsorgt. Dabei ist der Brocken eine kleine Sensation im Touriseum auf Schloss Trauttmansdorff bei Meran – der Brocken ist nämlich ein historischer Schokoladenkuchen.

Gebacken hat ihn die Sonnenwirtin von Nals anno 1897, als sie erfahren hatte, dass die Kaiserin alsbald bei ihr einzukehren geruhte. Ihre Majestät! Die Sissi!

Bereits früher sind die Menschen gerne hierher gereist, schon der Luft und der Wärme wegen

Also buk die Sonnenwirtin geschwind einen Schokokuchen und servierte ihn bebend vor Aufregung. Die Sissi verzehrte aber bloß ein winziges Stück (also das, was jetzt fehlt in dem Brocken), die Kaiserin war keine gute Esserin. Den Rest rührte niemand an, aus Ehrfurcht wahrscheinlich. Und nachdem der Kuchen seitdem offenbar von Generation zu Generation weiter vererbt wurde, steht er nun also schlussendlich im Museum.

Was lernt man daraus? Zum Beispiel, dass die Leute schon früher gerne hierher gereist sind, nach Meran, nach Südtirol, der Luft und Wärme wegen, seit weit über hundert Jahren geht das nun schon so. Auch damals hatte man zwischen Schluderns und Toblach ein Faible für Süßspeisen und ein stolzes Traditionsbewusstsein.

Manchmal kann man den Geist der alten Zeiten noch spüren
Genießen Sie die große Vielfalt:Im Video verrät Autor Stefan Nink fünf Dinge, die Sie in Südtirol nicht verpassen sollten

Und bereits in den Anfangsjahren des Tourismus scheuten die Südtiroler keine Mühe, wenn es darum ging, ihre Gäste zu bekochen und zu bebacken. Auch, wenn die am Ende nur mal reinbeißen und den Rest liegen lassen.

Meran, über dem besagtes Schloss Trauttmansdorff
kaum auffällt, weil da noch so viele andere Schlösser und Burgen und Villen stehen, Meran – das ist die Kurstadt. Ein paar Kilometer weiter, in Bozen, werden dann seit Jahrhunderten Geschäfte gemacht, nach Meran aber kamen und kommen die Leute, um sich zu erholen. Wie Sissi. In den Caféhäusern unten an der Passer, in den Parkanlagen und den beinahe verwunschenen Gärten von Hotels wie dem Irma. Manchmal, an Schlechtwettertagen, kann man den Geist der Vergangenheit tatsächlich noch spüren.

© Foto: Stefan Nink
In Südtirol gibt es natürlich auch Kultur zu entdecken, wie hier im Messner-Museum, Kronplatz© Foto: Stefan NinkNicht nur Natur:In Südtirol gibt es natürlich auch Kultur zu entdecken, wie hier im Messner-Museum, Kronplatz
In Südtirol gibt es natürlich auch Kultur zu entdecken, wie hier im Messner-Museum, Kronplatz
Dieses Land hat viele schöne, versteckt liegende Ecken

Dann hängen die Wolken so tief, dass die Berge links und rechts in ihnen verschwinden, und der feine Niesel legt ein leises, gleichmäßiges Rauschen über die Straßen. Wenn man dann auf die Hügel über der Stadt spaziert, auf der Tappeinerpromenade oder dem Sissiweg, und wenn man dann von dort zwischen Weinstöcken und Obstbäumen nach unten schaut: Dann kann man sich nicht recht vorstellen, dass es außerhalb dieser kleinen, abgeschotteten Welt noch eine andere geben mag.

Die gibt es aber natürlich, und was für eine ist das! Kaum scheint die Sonne, schmeißt sich dieses Südtirol mit einer Grandezza an seine Besucher heran, die kaum auszuhalten ist. Überall Berge! Überall Gipfel! Überall Burgen und Festen und Almwiesen mit kleinen Kapellen und großen Kühen! Und dann fährt man eine Ecke weiter, und plötzlich sind da keine Berge mehr, sondern nur noch Wald, und wenn man durch den durch ist, ausschließlich Apfelplantagen, und noch mal anschließend hat man Seen und Gletscher vor sich und eine Straße, die sich in unmöglichen Kehren und Schleifen Richtung Firmament windet. Doch, das ist schon so: Das Faszinierendste an Südtirol ist, dass es immer anders aussieht. Und gleichzeitig immer wie Südtirol.

Natürlich kann man jetzt damit beginnen,
eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abzuklappern: die Churburg und das Kloster Säben, die Seiser Alm und die Drei Zinnen, die Feste Siegmundskron und das Pustertal und das Geburtshaus von Andreas Hofer, der wohl noch immer der berühmteste Südtiroler wäre, wenn ein gewisser Reinhold Messner sich nicht schon als kleiner Bub für Gipfelstürme interessiert hätte und dann immer höher und höher hinaus wollte.

Kann man alles machen.
Man kann aber auch einfach seinen Hotelwirt fragen, den Michil Costa vom La Perla in Corvara zum Beispiel: Bei so einem blauen Himmel und diesen Wetteraussichten – was unternimmt man denn da am besten? Zwanzig Minuten später sitzt man in Colfosco in einer Seilbahn. Nochmals zehn Minuten später kraxelt man auf einem Zickzackpfad einen Bergrücken hinauf. Weitere vierzig Minuten später läuft man zwischen zwei steilen, schroffen Felsdreiecken hindurch und kommt in einer anderen Welt heraus.

Es gibt ein Südtirol hinter jenem Südtirol, das man sieht, wenn man mit dem Auto (oder dem Bus oder dem Rad) in Südtirol unterwegs ist. Eines, das sich vor neugierigen Blicken versteckt, das verborgen liegt hinter den sieben Bergen und ebenso vielen Anstiegen, auf denen man bereits den Muskelkater des nächsten Morgens erahnt – ein Südtirol, das sich nur demjenigen offenbart, der bereit ist, loszugehen und es zu suchen.

Die Landschaft hinter dem Sas Ciampac ist so eine Wunderwelt: Plötzlich steht man über einer verkarsteten Hochebene, die bis in alle Ewigkeit zu reichen scheint. Der Himmel scheint ein wenig näher gekommen zu sein und ist so blau, dass es beinahe schmerzt. Die winzigen Punkte da unten sind andere Wanderer, die heute morgen ihren Hotelwirt befragt haben. Und der aquamarinfarbene Kreis? Ist ein See. Zum Baden. Wenn man nichts gegen eine Wassertemperatur hat, die einen selbst an einem heißen Hochsommertag nach Luft schnappen lässt.

Es heißt ja oft, dass Südtirol an seiner eigenen Popularität leide und längst viel zu viele seine Schönheit entdeckt hätten, und wenn man an einem lauen Sommerabend durch St.Ulrich im Grödnertal bummelt oder an einem verregneten Augusttag die Schlange vor dem Ötzi-Museum in Bozen betrachtet, dann kann man diese Argumente durchaus nachvollziehen. Dieses Land aber, dessen Berge und Täler von oben aussehen, als habe die Schöpfung es zu einem gigantischen geologischen Akkordeon zusammengefaltet – dieses Land hat so viele versteckt liegende Ecken und Orte, dass ein Leben voller Urlaube nicht ausreichen würde, sie alle zu entdecken.

Ach ja. Und wo fängt man dann an? Wo man möchte. Nur nicht hetzen. Nicht nur auf den Reiseführer hören. Bloß nicht diesen Best-of-Listen hinterherreisen. Für viele ist die Region um Bozen und Meran der praktischste Einstieg, weil sie kurz hinter dem Brenner liegt. Wer will, kann auch schon vorher links abbiegen und ins Pustertal hineinfahren, wo Südtirol an eine Filmkulisse erinnert.

Am beeindruckendsten aber ist dieses Land vielleicht, wenn man über den Reschen kommt und am Kloster Marienberg aus der Höhe hinab ins Vinschgau blickt. Von hier oben sieht Südtirol aus wie eine Modelleisenbahn-Landschaft, auf die man ewig schauen kann und doch immer noch Neues entdeckt. Es ist ein Panorama, das eine Ahnung von der Vielfältigkeit dieses Landes vermittelt und davon, wie viel es hier zu entdecken gibt.

Ein paar Serpentinen weiter den Berg hinauf servieren sie im Hotel Wattles den passenden Schokoladenkuchen zum Ausblick. Natürlich bleibt bis auf ein paar Krümel nichts übrig.

Und hier ein paar Hotel-Empfehlungen:

Meisters Hotel Irma

Ein Hotel in Meran, wie herausgefallen aus einer anderen Zeit. Frühstück im Wintergarten, Hallen- und Freibad, und abends manchmal Livejazz in der Bar. www.hotel-irma.com

Alpiana Resort
Beeindruckende Architektur am Rande von Völlans Apfelplantagen. Und mit dem Nutris das einzige vegetarisch-vegane Gourmetrestaurant Südtirols. Propst Wieser Weg 30, Völlan/Lana bei Meran, T: +39 0473/56 80 33, www.alpiana.com

Adler Dolomiti Spa & Sport Resort
Weitläufige Anlage in der Ortsmitte von St.Ulrich. Großes Spa- und Freizeitangebot. www.adler-dolomiti.com

Hotel La Perla
Ein kleines Juwel in der Strada Col Alt in Corvara, einer der schönsten Ecken Südtirols, geführt von einer wunderbar sympathischen Besitzerfamilie. www.hotel-laperla.it/de

Hotel Quelle
Der beste Grund für einen Abstecher – oder einen Urlaub! – ins abgelegene Gsiesertal. Schöne Anlage mit bezauberndem Innen-/Außen-Spa. www.hotel-quelle.com

Hotel Watles
Sitzt wie ein Adlerhorst in Mals hoch über dem Vinschgau. Stilsicher designte Zimmer, sehr gutes Restaurant. www.watles.com

Schöner wohnen:

Etliche Hotels in Südtirol locken mit dem Charme der Vergangenheit
Etliche Hotels in Südtirol locken mit dem Charme der Vergangenheit© Foto: Stefan NinkSchöner wohnen:Etliche Hotels in Südtirol locken mit dem Charme der Vergangenheit
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