Historisches Ensemble

Brügge Historisches Ensemble

Jos van Immerseel, Gründer des erfolgreichen Barock-Ensembles Anima Eterna, im Interview

© Foto: Carolin Thiersch

Der aus Antwerpen stammende Jos van Immerseel (70) ist ein weltweit bekannter Cembalist, Pianist, Dirigent und Dozent. 1987 gründete er das Projekt-Orchester Anima Eterna.

Wie kam es zur Gründung von Anima Eterna und wie sieht das Ensemble heute aus?

Während meiner Zeit als Orchester-Dirigent wurde ich von einem Produzenten gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein historisches Ensemble zu formen. Und so begann ich 1985 mit einer kleinen Gruppe von sechs Leuten mit Barockmusik. 1987 wurde es mit 17 Leuten ein richtiges Orchester: Anima Eterna. Anders als klassische Orchester sind wir ein projektbezogenes und kein festes Orchester und greifen auf eine große Anzahl von Musikern aus ganz Europa zurück, die immer wieder in verschiedenen Konstellationen zusammenkommen. Bis zu 35 Nationalitäten sind es inzwischen. Fünf- bis achtmal pro Jahr treffen wir uns für eine kurze, intensive Zeit zum Proben. Dazu kommen Konzerte, Tourneen und Live-Aufnahmen. Etwa 40 Konzerte geben wir pro Jahr, größtenteils in Europa. Aber wir sind auch auf Tourneen in der ganzen Welt unterwegs. Inzwischen gibt es fünf feste Mitarbeiter, die nur mit der Organisation beschäftig sind.

Worin besteht die größte Herausforderung für Anima Eterna?

Ich bin auf der Suche nach ständiger Erneuerung. Vor allem, was die Musiker betrifft. Denn es gibt viele neue und vor allem junge Leute, die phantastische Sachen machen. Die Musiker werden dabei immer projektbezogen gebucht – so ist nur noch ein Musiker aus der Anfangsformation mit dabei. Diese Flexibilität im Ensemble ist aber auch essentiell, um die Qualität so hoch zu halten und um immer kreativ zu bleiben. Inzwischen habe ich auch zwei Assistenten eingestellt, die zukünftig auch mal für mich dirigieren wollen. Des weiteren brauchen wir jede Saison viel Abwechslung im Repertoire, damit es für uns und die Besucher spannend bleibt. Ziel ist es, die Leute zu überraschen. Denn obwohl sie die Stücke kennen, hören sie diese auf ganz neue Art und Weise. Im letzten Jahr spielten wir Carmina Burana mit den Original-Instrumenten von Carl Orffs Werk. Die Leute waren geschockt, weil sie nicht das Gewohnte hörten, und begeistert zugleich.Bei unserer Art von Musik nimmt die historische Recherche stets viel Zeit in Anspruch. Ebenso das Finden des richtigen Instrumentariums und der guten und kollegial arbeitenden Musiker, die diese spielen können. Bei diesen Spezialinstrumenten kommt man automatisch auf Spezialisten. Wenn man japanisch essen will, tut man das ja auch nicht mit italienischen Zutaten.

Warum haben Sie Brügge als Hauptsitz für Anima Eterna gewählt?

Wir starteten mit Anima Eterna in Brüssel. Aber mit dem Bau des neuen Konzertgebäudes (Concertgebouw) im Kulturjahr 2002 gingen wir nach Brügge. Einerseits passt unsere Musik in diese historische Stadt, andererseits setzt sich die Direktion des Concertgebouw auch sehr für historische Musik ein. Außerdem sind Infrastruktur und Akkustik optimal. Die Direktion macht aber auch generell erstklassige Arbeit, indem sie die weltweit besten Ensembles nach Brügge holt. Entsprechend werden hier nicht nur Standards gespielt, sondern auch experimentelle Musik, die man woanders nicht zu hören bekommt. Brügge ist aber generell auch eine sehr musikalisch Stadt, in der ich gerne lebe. So gibt es neben zahlreichen Kirchenkonzerten und Festivals auch einen sehr guten Jazz Club. www.animaeterna.be

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