Große Landesausstellung

Die ErnestinerGroße Landesausstellung

Dieses Jahr erinnert eine große Landesausstellung in Weimar und Gotha an das Adelsgeschlecht, das Thüringen – und Europa –entscheidend geprägt hat.

© Foto: Udo Bernhart

Am 17. Juli 1917

ändert der englische König Georg V. seinen Familiennamen. Aus dem Hause „Saxe-Coburg and Gotha“ wird das Haus Windsor. Hätte Georg V. damals nicht so entschieden, so hieße die Queen heute Elizabeth Alexandra Mary von Sachsen-Coburg und Gotha. So klein ist die Welt. So groß war die Welt der Ernestiner, denen Thüringen in diesem Jahr eine große Landesausstellung widmet: „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa!“. Noch bis 28. August wird die aufwendige Schau in Gotha und Weimar an vier Orten zu erleben sein – und das überhaupt nicht verstaubt, sondern ganz modern, unterhaltsam und multimedial. Die beiden Städte haben sich die Themen aufgeteilt: Gotha widmet sich der „Familie“, dem „Land“ und den „Künsten“, Weimar den Bereichen „Reich und Nation“, „Glaube“ und „Wissenschaft“. Die Saga der Ernestiner lässt sich am unterhaltsamsten über einige ihrer herausragenden Persönlichkeiten erzählen. Deshalb wollen wir Ihnen die vier Testimonials der Landesausstellung hier vorstellen:

© Foto: Thomas Fuchs

Reformiert Euch! – Johann Friedrich der Großmütige (1503–1554)

Als Johann Friedrich 1503 zur Welt kommt, ist Martin Luther 20 Jahre alt. Der Junge wächst mit den Lehren des berühmten Mönchs auf. 1532 schließlich kommt Johann Friedrich I. von Sachsen selbst an die Macht. Er ist aus tiefstem Herzen Lutheraner, aber politisch leider nicht so geschickt wie sein Onkel und sein Vater. Johann Friedrich setzt sich mit Kraft und Willensstärke für die Sache der Reformation und eine friedliche Lösung mit dem Kaiser ein. Die Aussöhnung mit Habsburg misslingt. Der ernestinische Herzog zieht an der Spitze des Schmalkaldischen Bunds gegen die katholischen Heere Karls V. in den Kampf – und verliert. Schließlich wird er begnadigt und bekommt später ein stark verkleinertes Reich zurück. Die sächsischen Besitzungen sind fort, die Kurwürde an die Albertiner übergegangen. Ihren tapferen, glaubensstarken Fürsten begrüßen die Weimarer dennoch mit großem Beifall. Einige wichtige Dinge kann Johann Friedrich noch bewegen: So regt er die Gründung der Universität in Jena an. Außerdem gelingt es dem Herzog, den alten Hofmaler Lucas Cranach an die Ilm mitzubringen.

© Foto: Stiftung Schloss Friedenstein

Bildung für alle! – Ernst der Fromme (1601?–?1675)

Prägend ist für den späteren Herzog von Gotha, dass er als junger Mann in den Krieg zieht und an der Seite der Schweden kämpft. Als er durch Erbteilung 1640 Herzog von Gotha wird, ist Ernst I. knapp 40 Jahre alt und zum Pazifisten geworden. Weil in seiner Residenz keine adäquate Wohnstätte mehr steht, baut er sich eine und gibt ihr den Namen seiner Sehnsucht: Friedenstein. Ernst der Fromme wünscht sich und seinem Land Stabilität. Als erster Herrscher in Deutschland führt er 1642 die allgemeine Schulpflicht ein. Fortan lernen alle Kinder rechnen, lesen und schreiben. Ernst der Fromme verpflichtet Pädagogen und lässt Schulbücher drucken. Sein Ziel ist es, ein wohlhabendes Herzogtum mit einem erfolgreichen Schulsystem und einer funktionierenden Verwaltung zu schaffen. Zu Lebzeiten hat der Herzog wegen seiner Religiosität den Spitznamen Bet-Ernst. Aber als er 1675 stirbt, sollen die Gothaer vier Wochen lang an seinem offenen Sarg geweint haben. Fortan heißt er ganz pietätvoll: Ernst der Fromme.

© Foto: Udo Bernhart

Fördert Talente – Großherzogin Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar-Eisenach (1786–1859)

Die Stadt steht Kopf, als die russische Zarentochter am 9. November 1804 mit ihrem Ehemann in Weimar ankommt. Ein Vierteljahr zuvor hat die 18-jährige Prinzessin in St. Petersburg Carl Friedrich geheiratet, den Erbprinzen von Sachsen-Weimar-Eisenach. Auf 79 Wagen ist der prunkvolle Brautschatz verstaut (unser Foto zeigt ihr Schlafzimmer). Maria Pawlowna, die anmutige Tochter des Zaren, muss den Menschen wie eine Lichtgestalt aus einer anderen Welt vorgekommen sein. Die kluge Heiratspolitik der Ernestiner führt dazu, dass das Herzogtum einen gewissen Schutz vor den Folgen der napoleonischen Politik genießt. 1828 wird Maria Pawlowna Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Sie entwickelt sich vor allem zur Förderin von Kunst und Wissenschaft. Die Großherzogin unterstützt die Universität in Jena, finanziert Expeditionen und Studien. Künstler, die in anderen Staaten verfolgt werden, genießen Asyl. Ihr wichtigster Coup: Sie holt Anfang der 40er-Jahre Franz Liszt nach Weimar, der das Musikleben der Stadt entscheidend prägt.

© Foto: Stiftung Schloss Friedenstein

Go for Europe! – Königin Victoria von England (1819–1901)

Die Frau, die nicht nur Königin von England, sondern ab 1877 auch Kaiserin von Indien ist, hat ebenfalls ernestinische Wurzeln: Als sie mit 18 Königin wird, arbeitet sie sich mithilfe des Premierministers Lord Melbourne schnell ein. Drei Themen haben Victorias Leben besonders geprägt: Die Liebe: 1840 heiratet Victoria ihren Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha – einen Ernestiner. Es ist eine wirkliche Liebesheirat. Albert wird ihr engster politischer Berater. Der junge Deutsche denkt liberal, schiebt Reformen an und nimmt Victoria vieles ab. Als der Prinzgemahl 1861 unerwartet stirbt, bricht für Victoria eine Welt zusammen. Sie trägt bis an ihr Lebensende Schwarz und lässt sich kaum noch in der Öffentlichkeit blicken. Das Empire: Was das zivilisatorische Sendungsbewusstsein Europas anbetrifft, ist Victoria von England ganz Kind des 19. Jahrhunderts. Unter ihrer langen Regentschaft hat Großbritannien die größte koloniale Ausdehnung seiner Geschichte. In gesellschaftlichen Dingen ist sie sogar Trendsetterin: Als junge Frau wird die Britin zur Stilikone, weil sie bei ihrer Hochzeit Weiß trägt. Die Familie: Neun Kinder hat Victoria, 40 Enkel und 88 Urenkel. Viele Nachkommen heiraten in andere Dynastien ein, die Queen ist mit halb Europa verwandt. Auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. ist Victorias Enkel. Wie auch jener Georg V., der aus den Ernestinern Großbritanniens von einem Tag auf den andern die Windsors macht. P.S.: Erst im September 2015 hat Queen Elizabeth Königin Victoria eingeholt. Seitdem regiert sie länger als ihre Ur-Ur-Großmutter.

2016: Die Ernestiner in Thüringen

Noch bis?28. August Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa. Thüringer Landesausstellung in Weimar und Gotha, auf insgesamt 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Stadtschloss Weimar Burgplatz 4, 99423 WeimarEintritt 7,50 €, ermäßigt 6 €, Schüler ab 16 Jahre 2,50 €. Neues Museum Weimar Weimarplatz 5, 99423 Weimar, Eintritt 5,50 €, ermäßigt 3,50 €, Schüler ab 16 J. 1,50 €. Schloss Friedenstein Gotha Parkallee 15, 99867 Gotha Eintritt 10 €, ermäßigt 4 €. Herzogliches Museum Gotha Parkallee 15, 99867 Gotha,Eintritt 5 €, ermäßigt 2,50 €.Kombiticket für alle Ausstellungen in Weimar und Gotha kosten 16 €, ermäßigt 12 €, Schüler ab 16 Jahre 5 €. Inhaber der ThüringenCard haben freien Eintritt. Öffnungszeiten der Thüringer Landesausstellung Di?–?So, 10?–?18 Uhr. Führungen, Audioguide-Touren, ein Film sowie hochkarätige Veranstaltungen und zahlreiche museumspädagogische Angebote für die ganze Familie ergänzen die Landesausstellung. Mehr Infos unter ernestiner2016.de

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