Frisch verzapft

BiersüdenFrisch verzapft

Von einer Bier-Pipeline, einer Hopfenmassage und einem Museum nur für Bierkrüge – hier gibt’s Rekordverdächtiges und Skurriles rund ums Lieblingsgetränk der Deutschen

© Wikipedia/Armin Kübelbeck

Abscheuliche Zutaten

Der 23. April 1516 gilt ja unbestritten als Sternstunde des deutschen Biers. Aber wie war das eigentlich davor? Was mixte man denn so ins Bier, um es geschmacklich aufzupeppen und zu konservieren? Kaum vorstellbar, aber Zutaten wie Ruß oder Kreide, giftige Kräuter, Krötenlaich, Pech und Ochsengalle waren keine Seltenheit. Einige Städte listeten allerdings schon vor dem Reinheitsgebot verbotene Substanzen auf, um das Bier bekömmlicher zu machen. Wer sich nicht dran hielt, der wurde bestraft – manchmal angeblich auch damit, das eigene Gebräu auch selbst einmal trinken zu müssen.

Wo alles begann:

Die älteste Bierurkunde kommt aus Baden-Württemberg, genauer aus Geisingen an der Donau. Sie stammt schon aus dem Jahr 764, und es geht darin um eine Schenkung aus Geisingen an das Kloster St. Gallen.Darin wird „Biergetreide“ erwähnt – also wohl Gerste.

© Wikipedia/Michael Stern

Der Trick mit der Glasform

Das Weizenglas könnte schuld an so manchem Kater sein! Denn die Biergläser mit der geschwungenen Form werden bei gleicher Füllmenge mehr als doppelt so schnell geleert als herkömmliche Bierhumpen. Das ergab 2012 eine Studie der University of Bristol. Übrigens: Kristallweizen – die Antwort Baden-Württembergs auf das ursprünglich bayerische Hefeweizen, hieß am Anfang einmal Champagner-Weizen. Heute allerdings darf es nicht mehr so heißen.

Bier aus der Pipeline

Das gibt's in Alpirsbach im Nordschwarzwald. Die Pipeline ist immerhin 980 Meter lang. Sie verbindet die beiden Gebäude der Klosterbrauerei im Zentrum und im Gewerbegebiet. Bei der Erweiterung der Brauerei in den 1970er-Jahren wollte man den historischen Standort auf einem ehemaligen Klostergelände nicht aufgeben und fand die Pipeline als Lösung. Tipp für alle, die sich trauen: In der Alpirsbacher Brauwelt kann man heiraten und mit Gerstensaft die Ehe besiegeln. www.alpirsbacher.de

Das teuerste Bier

Zwischen 1920 und 1922 kostete eine Maß ganze 50 Reichsmark, die heute etwa 180 Euro entsprechen. Grund dafür war die damalige Hyperinflation.

© Foto: TMBW Düpper

Die höchste Brauerei Deutschlands

Das ist die Badische Staatsbrauerei Rothaus im Hochschwarzwald. Sie liegt auf 1000 Meter Höhe. Das Tannenzäpfle kommt also von ganz oben. www.rothaus.de

Es geht aber noch höher – und doch sehr deutsch

In der höchstgelegenen Stadt Brasiliens Campos do Jordão (auf 1628 Meter Höhe) im Bundesstaat São Paulo werden in einer Brauerei nach deutschem Reinheitsgebot elf Biersorten mit dem Namen "Baden-Baden" gebraut.

© Alfred Weiss

Alles Bierkrüge

Das einzige Bierkrugmuseum der Welt gibt es in Bad Schussenried. Die Sammlung mit ungefähr 1.200 Exponaten gibt Einblicke in die Bierkultur aus fünf Jahrhunderten. Eingerichtet wurde sie von der örtlichen Brauerei Schussenrieder. www.schussenrieder.de

Zum Abschluss noch in Bier baden?

Klar, auch das geht in Baden-Württemberg. Das Hotel Traube in Wurmlingen bietet ein Package dazu an. Es ist nach der örtlichen Brauerei benannt und heißt Wurmlinger Hirschbier-Wellness. Neben der Brauereibesichtigung gibt's Anwendungen vom Hopfenbad bis zur Biermassage.

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