Die Welt des Geschmacks

Gent kulinarischDie Welt des Geschmacks

Egal ob erlesene Meeresfrüchte, traditionell flämische Speisen oder feinste vegetarische Kost – hier warten Leckerbissen aller Art auf Gourmets und Genießer. Ein Streifzug durch die Küchen von Gent, das sich gerne auch „Veggie-Hauptstadt Europas“ nennt.

Traumhaft schönEinige Gerichte scheinen zu schön zu sein, um sie zu essen.

Es zischt, es blubbert, es dampft. Der Raum ist erfüllt von den verschiedensten Gerüchen. Karotten, Gurken, Knoblauch und Kräuter werden verarbeitet, dazu brutzelt Fisch im Ofen und Fleisch in der Pfanne. In der ganzen Küche hängt ein Nebel aus Düften.

Die Köche wirbeln in ihren weißen Schürzen und mit hohen Kochmützen auf dem Kopf zwischen Töpfen, Schüsseln und Serviertellern umher – jeder hat eine genaue Aufgabe, das Ganze ist wie eine eingespielte Choreografie.

Eine Stadt sollte man nicht nur ansehen, man sollte sie auch schmecken

Ab und an ertönt der Ruf des Küchenchefs. Dann wird es hektisch. Jedes Gericht muss perfekt sein, wenn es an die Gäste rausgeht – geschmacklich genauso wie in punkto Aussehen.

Eine Szene, wie sie sich Abend für Abend in hunderten Restaurants in Gent abspielt – egal ob in einem feinen Sternelokal oder in einer gutbürgerlichen Kneipe, egal ob vegetarisch oder mit Fleisch gekocht wird. Eine Stadt sollte man sich nicht nur ansehen, man sollte sie auch schmecken. Und das gilt für Gent ganz besonders.


Rund zwei Prozent der Genter Einwohner leben fleischlos
Im "Volta" werden besonders erlesene Speisen kriertKeine Köche, sondern Künstler:Im "Volta" werden besonders erlesene Speisen kriert

Mit mehr als einem Dutzend vegetarischen Restaurants ist Gent die „Veggie-Hauptstadt“ Europas. Nirgends in Belgien werden mehr vegetarische Gerichte serviert, nirgends gibt es eine höhere Dichte an solchen Lokalen. Das liegt vor allem an den vielen Studenten, die hier leben. Sie sind offen für Trends und prägen die Stadt mit ihrer Kreativität und dem Wunsch nach Neuem.

Im Mai 2009 erregte Gent international Aufsehen: Die Stadt rief den Donnerstag zum „Veggietag“ aus. In Kindergärten und Kantinen kam kein Fleisch und kein Fisch auf den Teller, was Klima, Gesundheit und Geldbeutel zu Gute kommen soll. Hasselt, Mechelen und Sint-Niklaas, aber auch Bremen oder Washington D.C. sind dem Beispiel gefolgt. Aber: Wer nichts vegetarisches essen möchte, der findet in Gent genug Alternativen – vom Sternerestaurant bis zur Studentenkneipe. Eine besonders beliebte Adresse ist das Restaurant von Tine Tomme, das Avalon. Hier trifft nostalgisches Flair auf moderne vegetarische und vegane Küche. Im Sommer kann man im Hinterhof auf der kleinen Terrasse sitzen.

Typisch Gent: 1001 Senf -Sorten gibt es bei Tierenteyn. In der alten Fleischerhalle reift der Ganda-Schinken (darunter)Typisch Gent: 1001 Senf -Sorten gibt es bei Tierenteyn. In der alten Fleischerhalle reift der Ganda-Schinken (darunter)
Typisch Gent: 1001 Senf -Sorten gibt es bei Tierenteyn. In der alten Fleischerhalle reift der Ganda-Schinken (darunter)
Die Genter Nasen sind die wohl bekannteste Spezialität der Stadt

Hier ist alles in großer Auswahl zu haben. Ein Tisch für zwei in einem romantischen Restaurant etwa oder eine Gruppenmahlzeit bei einem lockeren Ambiente. Das ausgiebige Dinner oder ein schneller Snack. Frühstück oder Brunch, Tagesmenü oder à la carte. In Gent muss kein Magen knurren.

Neben der klassisch flämischen Küche bietet die Stadt auch eine Reihe an eigenen Spezialitäten. Hierzu zählt vor allem der Ganda-Schinken. Er wird zum Reifen ausschließlich in der alten Fleischerhalle aufgehängt. Je nach Größe dauert die Herstellungsphase zwischen neun und 14 Monaten. Die Große Fleischerhalle stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die sogenannten Fleischhäuser waren überdachte Marktplätze, auf denen der Fleischhandel zum Zweck der Frische und Qualitätskontrolle zentralisiert war. Hier befindet sich auch das Werbe- und Verkostungszentrum für ostflämische regionale Produkte – ein idealer Startort, um die heimische Küche zu erkunden.

Passend zum Schinken und direkt gegenüber der Fleischerhalle befindet sich das Feinkostgeschäft Tierenteyn. Das Familienunternehmen produziert seit dem 19. Jahrhundert die ungewöhnlichsten Senfsorten, zudem gibt es feinsten Essig, diverse Saucen und eigelegtes Gemüse in dem historischen Verkaufsraum. Wer kein Glas oder Töpfchen für den Senf dabei hat, kann dort ein Tongefäß kaufen und nach seinem Geschmack füllen lassen. Wer keinen Senf oder Essig mag, sollte trotzdem einen Blick in den Laden werfen. Es lohnt sich.

Für Süßmäulchen und Naschkatzen hat Gent ebenfalls einiges zu bieten. Bei Temmermann etwa bleibt kein Wunsch offen. Hier reihen sich Bonbongläser aneinander, gefüllt mit den buntesten Zuckerkreationen. Der Laden ist verspielt eingerichtet und erinnert an ein Puppenhaus. Wer sich nicht entscheiden kann, nimmt einfach ein bisschen von allem.

In der Nähe der Fleischerhalle finden Sie fast jeden Tag fahrende Händler mit ihren Wagen voller Süßigkeiten. Sie verkaufen die Cuberdons, auch "Genter Nasen" genannt – kleine Leckereien aus Himbeergelee. Ab und an gibt es auch Varianten mit Lakritz oder Apfelgelee.

An diesen Ständen sind auch die "Genter Schneebälle" zu haben. Schon seit 100 Jahren sorgt die Confiserie Larmuseau für diese Spezialität – eine Füllung aus Vanille, mit Zartbitterschokolade überzogen und in reichlich Puderzucker gewendet. Der perfekte Schneeball knirscht beim ersten Biss und zergeht dann auf der Zunge wie Schnee. Die Leckerei wird heute immer noch traditionell vom Foodie Tanguy Serraes gefertigt, ganz nach dem alten Rezept.

Zu jedem guten Essen gehört natürlich auch ein Getränk – in Gent sollte das ein Bier sein. Die Brauerei Gruut ist eine der wenigen Einrichtungen ihrer Art, wo man statt des üblichen Hopfens eine Kräutermischung (gruut) nimmt. Wer lieber etwas mehr Auswahl hat, der muss ins Bierhuis – hier stehen rund 250 verschiedenen Sorten auf der Karte.

Wenn man nun die Nase voll hat von flämischem Essen, dann sollte man etwa dem Balls & Glory einen Besuch abstatten. Allerdings muss man früh dort sein, denn das Restaurant, in dem sich alles um Hackfleischbällchen dreht, ist jeden Mittag gut besucht – und das Prinzip ist denkbar einfach. Jeden Tag gibt es zwei verschiedene Sorten Hackfleischbällchen und eine vegetarische Variante zur Auswahl. Die Bällchen sind unterschiedlich gewürzt und haben verschiedene Füllungen. Dazu kann man Salat oder Kartoffelbrei mit Gemüse wählen. Zu jedem Bällchen wird eine Sauce serviert. Für Durstige gibt es dazu stets Wasser umsonst oder hausgemachte Limonade. Wer nach dem Essen immer noch nicht genug hat, kann die Bällchen auch mit nach Hause nehmen und dort selbst erhitzen. Zur Mittagszeit trifft man hier Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht – Hackfleischbällchen mögen eben alle gerne.

Aber auch Feinschmecker kommen in Gent nicht zu kurz. Drei Sterneköche, sogenannte Flemish Foodies, kreieren hier die außergewöhnlichsten Gerichte. Im J.E.F. zaubert Chefkoch Jason Blanckaert aus den einfachsten Zutaten Meisterwerke. Dem zweiten Flemish Foodie, Kobe Desramault, reichte ein Restaurant in Gent (die Bakkerij De Superette) nicht, und so eröffnete er gleich ein weiteres – im De Vitrine gibt es zwanglose Bistro-Küche zu erschwinglichen Preisen. Der dritte im Bunde, Olly Ceulenaere, ist ehemaliger Koch des Volta und eröffnete 2013 sein eigenes Gourmet-Restaurant, das Publiek.

Im Volta findet man zwar keinen Stern, aber dennoch Küche der Spitzenklasse. Zudem besticht das Restaurant durch den Charme des Gebäudes, einer ehemaligen Fabrik für Energiegewinnung. Highlight des Restaurants ist die Glasfront zur Küche – so können Besucher den Köchen beim Anrichten ihres Menüs zusehen. Zudem gehört noch eine weithin bekannte und beliebte Bar zum Restaurant, in der es exquisite Cocktails, Weine und Whiskys gibt.


Egal ob Burger, Hackfleischbällchen oder Pizza: Heute gibt es von fast allem eine vegetarische Variante

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