Das gute Leben

ToskanaDas gute Leben

Entdeckungen in der Region Chianti, Sonnenuntergang über Florenz, stille Momente in Siena, Badewonnen an der Küste – es gibt viele gute Gründe für einen Urlaub in der Toskana. Bericht aus einer gesegneten Region Text und Fotos: Joachim Negwer

Etruskische Küstenregion bei Bolgheri© Foto: Joachim NegwerToskana vom Feinsten:Etruskische Küstenregion bei Bolgheri

Einer dieser Tage, wie wir sie lieben in der Toskana: Es ist Spätsommer, doch am Nachmittag wird es noch ziemlich heiß. Wir sind unterwegs auf den kleinen Sträßchen, die sich oft eng und kurvig durch die verträumte Landschaft des Chianti winden.

Das Zentrum der Toskana ist Weinland. Auf den Hügeln verteilen sich Weinberge, Olivenhaine, Wälder aus knorrigen Steineichen – und immer wieder ziehen sich lange Zypressen-Reihen über die oft kahlen, erdfarbenen Bergrücken. Man könnte sich das stundenlang anschauen.

Weinberge und Olivenhaine prägen das Bild im Herzen der Toscana
Schinken- und Salamispezialitäten aus der traditionellen Antica Macelleria Falorni in Greve© Foto: Joachim NegwerGaumengenuss:Schinken- und Salamispezialitäten aus der traditionellen Antica Macelleria Falorni in Greve

Immer mal wieder an einem Aussichtspunkt anhalten auf dem Weg zum nächsten Quartier, die sommerliche Wärme genießen, und wenn es nur für eine Viertelstunde ist – einfach schauen. Die Orte, durch die wir kommen, tragen wohlbekannte Namen: Greve, Castellina, Montepulciano, Montalcino. Sie klingen irgendwie nach gutem Wein, mit dem man in großen Gläsern auf das schöne Leben anstößt.

Am Wegesrand bieten Weingüter Degustation und Verkauf an, und in jedem der kleinen Orte findet sich eine Enoteca, die den Gallo Nero, den Schwarzen Hahn, trägt, das Symbol der Weinproduzenten des Chianti. Und feinen Schinken & Co gibt es nahezu überall.

Richten Sie sich einfach nach der Empfehlung des Kochs
© Foto: Joachim Negwer
© Foto: Joachim Negwer
Für Leib und Seele: buntes Treiben auf der Piazza della Signoria in Florenz; gehaltvoller Vorspeisenteller für Zwei

Es lohnt sich eigentlich immer, viele kleine Tagestouren und Abstecher einzuplanen und durch die Orte zu bummeln – es gibt viel zu entdecken. In Greve zum Beispiel die Metzgerei „Macelleria Falorni“, die weit und breit die beste Salami macht – mindestens 20 verschiedene Sorten werden angeboten. Unter den Arkaden an der Piazza Matteotti stehen auch zwei Reihen gedeckter Tische, an denen man die verschiedenen Salamis probieren kann. Unser Favorit ist eindeutig die Salami Tartufato, die mit dem Duft von schwarzem Trüffel. Dazu ein Glas Chianti – es ist ein Traum.

An diesem schönen Spätsommertag landen wir abends in San Quirico im Val d’Orcia, in einem dieser mittelalterlichen Städtchen. Beim Bummeln finden wir einen fast verwunschenen Hinterhof-Garten mit kleinen Tischen in verschiedenen Nischen. Die Empfehlungen des Kochs sind heute hausgemachte Ravioli, mit Ricotta und Spinat gefüllt, und Rinder-Steaks, mit schwarzen Trüffel aus den Eichenwäldern der Umgebung – ein Gedicht. Übrigens: der Wein, der dort serviert wird, kommt direkt von den Weinbergen hinterm Haus. Gut also, wenn man etwas Platz im Auto für die eine oder andere Weinkiste einplant.

Und dann kommt ein weiteres Highlight – Florenz natürlich. Den besten Blick auf Stadt und Arno hat man oben von der Piazzale Michelangelo. Abends spielt dort manchmal ein italienischer Musiker Lieder von Gordon Lightfoot und Simon & Garfunkel. Die Treppe an der Piazzale ist dann voll besetzt, alle hören zu, singen mit und schauen dem romantischen Sonnenuntergang über der Stadt zu.

Man könnte zum Beispiel auch nach Pisa fahren, nach San Gimignano oder in die Maremma, den Naturpark ganz im Süden der Toskana in der Nähe von Grosetto. Man könnte sich die Etruskergräber anschauen, die Archäologen in den letzten Jahren am Rande des Örtchens Baratti freigelegt haben. Man könnte sich aber auch einfach an den Strand legen und baden – zum Beispiel an der schönen Bucht von Baratti unter Schirmpinien oder am Strand von San Vincenzo.

Ach, und wieder Siena – für uns die schönste Stadt in der Toskana. Der Dom wacht groß und mächtig über dem Ort und leuchtet im schönsten Nachmittagslicht. Das Highlight des Tages aber sind die zwei Stunden der Dämmerung auf der Piazza del Campo, dem leicht abfallenden Hauptplatz. Dann beginnt das alltägliche Sommerschauspiel: Die Menschen flanieren, essen Eis, setzen sich auf den Boden, unterhalten sich oder schauen einfach nur zu, wie es sich die anderen gut gehen lassen. Die Piazza del Campo ist dann Bühne und Zuschauerraum zugleich – die großartige Kulisse für einen italienischen Sommernachtstraum.

Drei Highlights in der Toskana

Eine Stadt mit markanten Wahrzeichen, die Bedeutung der ältesten "Büros" von Florenz und ein Wein von ganz besonderer Güte

Was sind eigentlich die Uffizien?

© Foto: Joachim Negwer

Die eigentliche Bestimmung der berühmten Florentiner Uffizien lässt sich aus ihrem Namen lesen. „Uffici“ bedeutet auf italienisch „Büros“. Heute sind die Uffizien jedoch weltweit als Museum bekannt, das unter anderem die berühmtesten Werke der Renaissance ausstellt. Wie kommt es zu dieser Wandlung? Mitte des 16. Jahrhunderts beschloss Cosimo I. de Medici, ein Gebäude in Florenz zu errichten, in dem alle wichtigen Ämter des Großherzogtums Toskana vereint sein sollten. Hinter einer einheitlichen Fassade wurden zum Teil ältere Bauteile integriert, die schlussendlich einen lang gestreckten Platz einrahmen, der die Piazza della Signoria und das Ufer des Arno verbindet. Seine Nachfolger errichteten im Obergeschoss eine Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Waffen, die stetig vergrößert wurde – besonders das Kunsterbe des Hauses Medici ist hier zu bestaunen. www.uffizi.org

Chianti: eine Klasse für sich

© Foto: Joachim Negwer

Rot wie Rubin und samtiger Geschmack mit leicht herber Note – es gibt aus gutem Grund Menschen, die nur für den Chianti in die Toskana reisen. Der einstige Bauernwein ist dank umfassender Qualitätsregularien vielfach in die erste Weingenuss-Klasse aufgestiegen. Wer sich in den Enoteca ein bisschen durchprobiert, merkt schnell: Chianti ist nicht gleich Chianti. Das liegt unter anderem an den vielen Terroirs, deren natürliche Bedingungen Weine mit jeweils einzigartiger Note prägen – ein neuer Lieblingswein ist bestimmt darunter.

Markant: San Gimignano

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Anzenberger

Schon aus der Ferne sieht man die markanten Wahrzeichen der Stadt, die Geschlechtertürme: unterschiedlich hohe Wohnbauten mit quadratischem Grundriss, die einst der Verteidigung dienten. Ihnen verdankt San Gimignano den Beinamen „Mittelalterliches Manhattan“. 15 dieser bis zu 54 Meter hohen Bauwerke sind bis heute erhalten. Aber auch im mittelalterlichen Stadtkern, der seit 1990 Teil des Weltkulturerbes ist, gibt es viel zu sehen und zu erleben. An der Piazza Domu finden sich die Stiftskirche Santa Maria Assunta, die vollkommen mit Fresken ausgemalt wurde, und der wappengeschmückte Palazzo del Popolo, in dem das Stadtmuseum beheimatet ist. www.toskanalive.de

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