Côte d’Azur mal anders

FrankreichCôte d’Azur mal anders

Nizza, Cannes, Saint-Tropez: Die Côte d’Azur, Frankreichs berühmte Mittelmeerküste, bietet glanzvolle Locations ohne Ende. Alternativ zu prächtigen Boulevards, schicken Restaurants und Clubs mit Promi-Faktor gibt es aber auch kleine, feine und manchmal versteckte Highlights – fünf Tipps für einen anderen Urlaub in Südfrankreich

Villefranche- sur-MerKleinode am Meer

Hafen und mehr: In Villefranche-sur-Mer geht es ruhiger zu als in den berühmten Nachbarorten© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen WackenhutHafen und mehr: In Villefranche-sur-Mer geht es ruhiger zu als in den berühmten Nachbarorten
© Foto: Thomas Zwicker
Hafen und mehr: In Villefranche-sur-Mer geht es ruhiger zu als in den berühmten Nachbarorten

Die Badeorte der Côte d'Azur sind weltberühmt, in Saint-Tropez, Cannes und Nizza residieren die Schönen und Reichen der Welt, fließt der teure Champagner. Wesentlich ruhiger, meist preisgünstiger und trotzdem charmant wohnt man in kleinen Küstenorten, die oft gerade mal eine Bucht weiter liegen. Villefranche-sur-Mer zum Beispiel ist nur ein paar Kilometer vom glitzernden Nizza entfernt und gut per Bus angebunden, hat aber seinen ganz eigenen Charme.

Der 6600-Einwohner-Ort lockt mit einer schönen, verwinkelten Altstadt samt kleinem Hafen am Meer unterhalb der Zitadelle, die der Herzog von Savoyen im 16.?Jahrhundert bauen ließ – die Festung ist heute ein Museum mit Skulpturen und einer kostbaren Bildersammlung. Die kleine Petrus-Kapelle am Kai wurde anno 1957 vom Künstler Jean Cocteau ausgemalt, im benachbarten Hotel Welcome wohnten schon zur Belle Époque Literaten und Freigeister. Heute steht an den Hängen über dem Ort manch verschwiegene Villa von Prominenten. Am Hafen, vor dem oft Kreuzfahrschiffe festmachen und Regatten laufen, kann man gut (und meist nicht ganz billig) essen – trotzdem ist der Ort eine entspannte Alternative zu den "Big Playern" an der Côte d'Azur. www.villefranche-sur-mer.com

Mimosenfest und HirtenweihnachtUrige Events

Tradition in Saint-Tropez: das Bravade-Festival  zu Ehren des Stadtheiligen© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen WackenhutTradition in Saint-Tropez: das Bravade-Festival zu Ehren des Stadtheiligen

Den Festival-Kalender der Côte d’Azur zeichnet vor allem eins aus: die kuriose Mischung aus Kirchweih, Karneval und Formel 1. Filmfestspiele in Cannes, Großer Preis von Monaco, die Region kennt große, rauschende Events von Weltruf. Im Sommer jagt eine Festlichkeit die andere. Es gibt aber auch stillere, traditionelle Veranstaltungen, die genauso einen Besuch lohnen. Und besonders im Herbst und Winter stehen die Volksfeste in den Dörfern des Hinterlands im Zeichen von Gastronomie und Natur – und zeigen eine ganz andere Côte d'Azur.

Einige Beispiele: Die Fête de St-Marcel in Barjols: Ein altes provenzalisches Volksfest zu Ehren des hl. Marcellus im Hinterland des Haut-Var mit Musik, Umzug und Gottesdienst. Am Wochenende um den 15. Januar wird seit dem 14. Jahrhundert ein Ochse geopfert. Das Mimosenfest in Bormes-les-Mimosas: Seit 1920 feiert das Dorf am dritten Sonntag im Februar die gelbe Blütenpracht der Mimosen und den Frühlingsanfang mit Blumenkorso und Volksfest. Das Fest Bravade in Saint-Tropez: Sehenswerte Prozession und Volksfest zu Ehren des Stadtheiligen, des hl. Torpes, findet alljährlich Mitte Mai statt. Das Jasminfest in Grasse: Anfang August dreht sich eine Woche lang alles um die duftende Pflanze. Die Hirtenweihnacht in Lucéram: Weihnachten feiern nach alter Tradition mit den Hirten im Hinterland von Nizza

Zeit für EntschleunigungStille Bergdörfer

Zwei Berg-Schönheiten im Hinterland der Côte d'Azur: Ramatuelle (ganz oben) nahe der Küste und Tende (oben) als Ausgangspunkt für weite Wanderungen© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen WackenhutZwei Berg-Schönheiten im Hinterland der Côte d'Azur: Ramatuelle (ganz oben) nahe der Küste und Tende (oben) als Ausgangspunkt für weite Wanderungen
© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen Wackenhut
Zwei Berg-Schönheiten im Hinterland der Côte d'Azur: Ramatuelle (ganz oben) nahe der Küste und Tende (oben) als Ausgangspunkt für weite Wanderungen

Oft fährt man nur ein paar Kilometer von der Küste ins Landesinnere, und schon befindet sich der Reisende in einer anderen Welt. Urige Dörfer verwöhnen hier mit Ruhe und einem ganz ursprünglichen südfranzösischen Charme. Der Ort Ramatuelle zum Beispiel, mit seinen 2300 Einwohnern im grünen Hügelland unweit von Saint-Tropez gelegen, ist ein typisches provenzalisches Festungsdorf. Als Erinnerung an den Schauspieler Gérard Philipe (1922–1959) wird hier jeden Sommer ein Theaterfestival organisiert – sonst herrscht in den engen Gassen des mittelalterlichen Dorfkerns mit seinen kleinen Bars und Restaurants meist eine entspannte Ruhe.

Einige Kilometer weiter entfernt von der Küste, unmittelbar an der italienischen Grenze, liegt das bildschöne Bergdorf Tende auf 820 Meter Höhe am Rand des Mercantour-Nationalparks. Diese Region bietet tolle Möglichkeiten für Wanderer und Kletterer, die Via Ferrata des Comtes Lascaris etwa führt zu den historischen Wurzeln der Ortschaft an der Grenze zu Italien. Tende bietet dazu auch zwei kleine feine Museen und allerlei Kunsthandwerk – und jede Menge Stille und Abgeschiedenheit vom Alltag.

Zum Beispiel auf der Halbinsel GiensNatur pur

Gut gelegen: Die Zitadelle auf einer Felsspitze bietet tolle Ausblicke. Viele Vögel haben auf der Halbinsel ihr Refugium© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen WackenhutGut gelegen: Die Zitadelle auf einer Felsspitze bietet tolle Ausblicke. Viele Vögel haben auf der Halbinsel ihr Refugium
© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen Wackenhut
Gut gelegen: Die Zitadelle auf einer Felsspitze bietet tolle Ausblicke. Viele Vögel haben auf der Halbinsel ihr Refugium

Es gibt sie auch direkt an der mondänen Côte d'Azur, die kleinen versteckten Naturparadiese. Zwei rund vier?Kilometer lange, schmale Sandstreifen verbinden etwa die Halbinsel Giens, zwischen Toulon und Saint-Tropez gelegen, mit dem Festland. Die Lagune war bis 1996 ein Salzgarten, heute ist das Areal geschützter Lebensraum vor allem für Vögel. Das Küstenschutzamt kämpft für den Erhalt des empfindlichen ökologischen Gleichgewichts, das von der Ero­sion des westlichen Sandstreifens bedroht ist.

Auf der Halbinsel liegt das Dorf Giens mit einem kleinen Hafen. Von der Burgruine gibt es eine schöne Aussicht auf die vorgelagerte Inselwelt und das Festland. Tipp: Einer der schönsten Abschnitte des Küstenwanderwegs im Département Var führt vom kleinen Hafen La Ma­drague im Westen der Halbinsel zur Plage de l’Arbousière – die 6,5?Kilometer bewältigen geübte Wanderer in gut zwei Stunden.

Stille Stunden auf Port-CrosEinsame Inseln

Beschaulich: Der Ort Port-Cros-Village liegt an der Nordwestküste der kleinen Insel und ist der Ausgangspunkt für Wanderungen© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen WackenhutBeschaulich: Der Ort Port-Cros-Village liegt an der Nordwestküste der kleinen Insel und ist der Ausgangspunkt für Wanderungen
© Foto: DUMONT Bildarchiv/Jürgen Wackenhut
Beschaulich: Der Ort Port-Cros-Village liegt an der Nordwestküste der kleinen Insel und ist der Ausgangspunkt für Wanderungen

Als einer der ersten Nationalparks in Frankreich wurde 1963 die kaum besiedelte Insel Port-Cros benannt, vor dem westlichen Abschnitt der Côte d'Azur gelegen. Der Naturschutz hat die Schönheit der vier Kilometer langen und 2,5?Kilometer breiten Insel bis heute bewahrt. Wunderbare Wanderwege ins "Tal der Einsamkeit", ein Pflanzenlehrpfad und der erste Unterwasserweg für Schnorchler an der Plage de la Palud bieten Kurzweil für Urlauber, ansonsten locken (speziell in der Nebensaison) Stille und die unberührte Natur.

Port-Cros gehört mit den Eilanden Porquerolles und Levant zu den drei Iles d'Or, den Goldinseln, die ihren Namen zu Recht tragen und die geologisch zum Massif des Maures zählen. Sie wurden bereits in der Antike besiedelt, zuerst von Ligurern, dann von Griechen und Römern. Schiffsverbindungen nach Port-Cros und zu den anderen Inseln gibt es u.a. vom Hafen von Hyères. Mehr Infos zu den Inseln auch unter www.hyeres-tourismus.de

ANZEIGE
Nach oben