Coole Küstentouren

RadfahrenCoole Küstentouren

Flanderns Küste bietet mehr als nur Spiel, Sport, Spaß und Kultur am langen Sandstrand. Viele hundert Kilometer Radwege locken zu langen Touren, sowohl direkt am Meer entlang als auch weit hinein ins schöne Landesinnere. Eindrücke von einer Tour rund um die bunte Hafenstadt Ostende

© Foto: Carolin Thiersch

Das Dünengras wiegt sich im Wind hin und her,

als wolle es die weißen Sandkörner abschütteln, die wie Puderzucker an den schlanken Stängeln haften. Möwen gleiten durch die Lüfte und beäugen scheinbar misstrauisch die vielen bunten Drachen, die am Himmel umhersausen. Hoch oben strahlt die frühsommerliche Sonne und zeigt eindrucksvoll, was sie zu dieser Jahreszeit schon so drauf hat. Kinder buddeln und bauen fleißig in dieser riesigen Sandkiste namens Strand – ihre phantasievollen Burgen und Schlösser haben allerdings meist nur eine kurze Lebensdauer, bald wird sich die nächste Nordsee-Tide die Kunstwerke wieder einverleiben. Dabei sollte man die Küstenregion Flanderns im Nordwesten von Belgien aber nicht nur auf ihre Strände reduzieren. Besonders vom Fahrrad aus gibt es sowohl am Meer wie auch im Hinterland ganz viel zu entdecken. Das Radfahrnetz der Region ist viele hundert Kilometer lang, verschiedene Knotenpunkte verbinden dabei die einzelnen Touren. Eine neu aufgelegte Route über 30 Kilometer beginnt in der 70.000 Einwohner großen Hafenstadt Ostende. Beim Start auf diesem Rundkurs, der auch entlang der Küste führt, sollte man sich vorab genau überlegen, in welche Richtung man radelt – gegen den Wind kann das eine ganz schöne Quälerei sein. Wir fahren an der Königlichen Galerie mit ihren imposanten Säulengängen los – der angehängte Thermae Palace Hotel ist eine Unterkunft, die noch die Atmosphäre der Belle Époque versprüht, als Ostende den Beinamen "Königin der Seebäder" erhielt. Erster Stopp entlang der Küste ist dann bei Raversyde mit dem Atlantikwall, Freilichtmuseum und Gedenkstätte zugleich. Auf der einen Seite liegen der bis zu 110 Meter breite Strand, die raue Nordsee und die Trasse der Küstenstraßenbahn „Kusttram“, die über 68 Kilometer alle Orte der hiesigen Nordseeküste miteinander verbindet und somit die längste Straßenbahnlinie weltweit ist. Dahinter sind deutlich die Spuren des Krieges zu erkennen: Mehr als 60 Beobachtungsposten, Bunker und Geschützstellungen mit ihren unterirdischen Gängen fügen sich in die mit Gras bewachsenen Dünen ein. Im zugehörigen Museum kann man außerdem archäologische Funde und Sammlungen aus Kriegszeiten ansehen. Nach einem Abstecher zum Casino von Middelkerke geht es dann durch Blumenwiesen, kleine Wäldchen und über Brücken. Nächstes Ziel ist die Farm „De Lange Schuur“: Hier können Kinder bei einem Rundgang über den Hof die Tiere streicheln und füttern. Außerdem lernen sie, wie Brot, Käse und Honig hergestellt werden. Die Route führt dann über die Hafenbrücke auf die Ostseite der Stadt und vorbei am Puikom-See, einem Treffpunkt für Windsurfer und Segler, die die Brandung der Nordsee scheuen und lieber ruhige Gewässer vorziehen. Ein optimales Übungsgelände auch für Kinder. Inmitten der Dünen thront das Fort Napoleon, ein unter dem französischen General gebauter, gewaltiger Festungsbau. Bei Führungen wird auf zwei Jahrhunderte Geschichte zurückgeblickt. Wer noch eine extra Brise Meeresluft möchte, für den lohnt sich ein Spaziergang hinunter zum Strand. Unweit steht die „Lange Nelle“, der 65 Meter hohe Leuchtturm in seiner weiß-blau gestreiften Optik, der an einen großen Buntstift erinnert. Nun geht es per Fähre zurück Richtung Ostende. Nach fröhlicher Begrüßung durch Kapitän und Bootsmann wird mit einem lauten Quietschen die kleine metallene Rampe hochgezogen. Unsere Fahrräder genießen vorne am Bug die beste Aussicht, während wir vom Ostufer aus durch die Fahrrinne des Hafens rüber zur Stadt fahren. Die kleine kostenlose Fähre pendelt immer hin und her und wird von Geschäftsleuten, Touristen und Spaziergängern gleichermaßen genutzt. Anlegestelle ist zentral direkt beim Fischmarkt. Wir sind zurück an unserem Ausgangspunkt. Der Wind hat sich inzwischen langsam zur Ruhe begeben und die wilde Nordsee in einen großen, ruhigen See verwandelt. Unsere Haare sind verklebt vom Salz der Luft und die gewärmte Haut riecht nach Sonnencreme: Urlaubsfeeling pur. Was gibt es nach einem Tag auf dem Rad schöneres, als mit einem Getränk in der Hand am Meer zu sitzen und der Sonne zuzusehen, die die letzten Farbenspiele des Tages bietet? Mehr Infos zum Küstenradweg unter shop.westtoer.be

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