Comparta So sollte es immer sein

PortugalComparta So sollte es immer sein

Leise spielt die Musik, kleine Wellen rollen an samtweichen Strand, die Tage gehen so dahin – Urlaub in Portugals Comporta ist Entschleunigung pur. Bericht aus einer verzauberten Region am Meer in der Nähe von Lissabon Text und Fotos: Stefan Nink

Nink packt aus:Im Video erzählt unser Autor von seinen Erlebnissen in der portugiesischen Region Comporta

Man kann hier zusehen, wie die Zeit vorüber geht. Kann man ja nicht mehr an vielen Orten auf der Welt, ist alles so hektisch geworden, überall. Hier aber: funktioniert das noch. Die Hängematte schaukelt sanft, die Hände polstern den Kopf, weiter vorne führen die Zehen vor dem Horizont ein kleines Wackeltheater auf.

Die Wolken sehen aus wie die kleinen Wattebäusche aus dem Hotelbadezimmer, weich, flauschig, und im Licht der tiefstehenden Sonne auch ein bisschen rosa.

Es riecht nach Meer, nach Sonnenmilch, eben ganz einfach nach Urlaub

Die Welt macht angenehm schläfrig, aber die Hypophyse hat in den letzten Stunden auf dieser Insel so viel endorphine Glücksmacher durch die Synapsen gejagt, dass die Gedanken da oben hin und her schießen wie ein Schwarm Makrelen vor der Küste. Man ertappt sich dabei, wie man leise Sam Cooks „Wonderful World“ pfeift, den alten Gassenhauer von kleinem Glück und großer Liebe. Von irgendwoher kommt das Geräusch klackender Eiswürfel, und die Wellen knabbern so sanft an den Strand, als würde jemand weit da draußen Laken ausschütteln. Man denkt an dies, man denkt an das, man denkt an gar nichts. Betrachtet einfach die Zeit. Und schaut zu, wie sie vorbei geht, von links nach rechts, Richtung Horizont. Es riecht nach Meer und Urlaub und Sonnenmilch, die gerade in die Haut eingezogen ist.

Ab Lissabon kommt man mit dem Auto in sehr kurzer Zeit nach Comporta
Fünf Dinge, die Sie tun sollten:Im Video gibt Autor Stefan Nink Tipps für einen Urlaub vor Ort

Haben Sie es schon erraten? Nein, nicht die Karibik. Auch nicht Florida oder La Réunion oder Mauritius – sondern: Portugal. Und zwar nicht eine Gegend irgendwo am Ende des Kontinents, sondern eine, die sich ganz schnell erreichen lässt. Mit dem Flieger nach Lissabon, im Mietwagen über die elegant geschwungene Vasco-da-Gama-Brücke, bei Alcácer do Sal schon wieder runter von der Autobahn, und zwanzig Minuten später ist man schon in Comporta.

So heißt der kleine Ort, der in den vergangenen Jahren zu so etwas wie zum Dreh- und Angelpunkt von Portugals angesagtester Region geworden ist. Nicht, dass Comporta etwas dafür gekonnt oder getan hätte. Es ist ihm einfach so passiert.

© Foto: Stefan Nink
Man kann angeln, oder ins Reismuseum von Comporta gehen –und sonst am besten einfach ausruhen© Foto: Stefan NinkNicht viel zu tun:Man kann angeln, oder ins Reismuseum von Comporta gehen –und sonst am besten einfach ausruhen
Nicht viel zu tun: Man kann angeln, oder ins Reismuseum von Comporta gehen –und sonst am besten einfach ausruhen
Hier gibt es Strand, Pinien – und jede Menge Reisfelder

Schnell die Fakten, die kennt ja kaum jemand, also: Comporta (der Ort) hat 1400 Einwohner und liegt im Schutzgebiet Estuário do Sado. Zur Comporta (der Gegend) gehören außerdem kleine und kleinste Ort wie Pego, Carvalhal oder Torre, die inmitten von Reisfeldern hocken, als gehöre der Alentejo eigentlich zu Vietnam und nicht zu Portugal. Auf der einen Seite der Reisfelder erstrecken sich Wälder aus Pinien und Korkeichen. Auf der anderen Seite ist das Meer. Und an ihm, Kilometer um Kilometer: die Strände. Leere Strände, lange Strände, Strände mit feinem, hellem Sand. Vor allem wegen dieser Küste hat sich die Region Comporta innerhalb weniger Jahre vom Geheimtipp zur In-Destination gemausert. Was man gut nachvollziehen kann, wenn man an so einem Strand spazieren geht, immer weiter, immer länger, ohne dass ein Ende der Sandsichel auch nur irgendwie näher kommen würde.

Wie das alles angefangen hat,
weiß niemand so genau. Angeblich mit ein paar reichen Familien, die hier ihre Sommerwochenenden verbrachten. Vielleicht auch mit einer Handvoll Künstler, die das Licht der Comporta liebten und deswegen mehr Zeit hier verbrachten als in der Hauptstadt. Oder mit ein paar Ladenbesitzerinnen, die ihre Buddhas aus Thailand und die Halsketten irgendwelcher brasilianischer Kooperativen anbieten wollten, wo es keine geschäftliche Konkurrenz gab. Vielleicht aber musste es irgendwann einfach so kommen. Vielleicht werden solche Ecken früher oder später einfach entdeckt. Vielleicht kann es nicht geheim bleiben, wenn Designer, Marketingmenschen und Nightlifemacher jedes Sommerwochenende ihre Schnappschüsse auf Facebook und Instagram posten: „Blick aus unserer Ferienvilla!“, „Cocktails im Comporta Café!“ „Diese Sandalen gibt’s bei Loja Lavanda!“

Viel unternehmen kann man nicht
während seiner Zeit in Comporta. Muss man ja auch nicht, diese Weltenecke ist offensichtlich exakt dafür geschaffen worden. Es gibt ein Museum (zur Geschichte des Reis), etliche nette, rustikale Restaurants, ein paar Läden, einen uralten Hafen draußen in Carrasqueira und Bootsausflüge, bei denen man Delfine sehen kann, und das war’s dann fast auch schon. Die größte Sehenswürdigkeit der Comporta ist nichts, was man sich ansehen kann – die größte Attraktion ist der Zauber, den diese Landschaft birgt. Ihre Fähigkeit, besänftigend zu sein. Ihre Macht, einen ruhig werden zu lassen.

Und die Strände, natürlich die Strände. Lange Holzstege führen einen hinaus auf den Sand. An den meisten Praias standen früher kleine Fischbuden, die von ihren Besitzern mittlerweile zu Strandcafés und Beach Bars umgebaut worden sind. Mit Hängematten. Mit Bastkörben. Mit großen Lounge-Sofas und Sitzsäcken, in die man hinein sinken kann, den Cocktail in der Hand. Ist das erst einmal passiert, fällt es einem dann allerdings sehr, sehr schwer, sich zu irgendetwas aufzuraffen. Stattdessen macht die Erdanziehungskraft, was sie eben so macht mit träger Materie, die lieber sitzen oder liegen bleibt. Und das Meer beobachtet, wie es damit beschäftigt ist, ein bisschen mit dem Licht der tiefstehenden Sonne herumzuspielen.

Schön, oder? Doch wer weiß,
wie lange das noch gut geht! Denn wer kann denn schon mit Sicherheit sagen, dieses wunderbare Fleckchen Portugal sei gefeit gegen die hässlichen Folgen des Erfolgs? Wie die aussehen, kann man heute schon in Troia sehen, ganz am Ende einer dünnen Landzunge, an der Mündung des Sado. Dort hat sich das Vorzeigeresort der Region breit gemacht, ein steriles Konglomerat aus Hotel- und Appartement-Gebäuden, deren Architektur an Bausünden aus den Siebzigern erinnert. Wer hier Urlaub macht, spürt nichts vom Zauber der Region. Wer hier urlaubt, findet auch zwei Wochen all-inclusive in Dubai toll.

Alle anderen mieten sich in einem Hotel außerhalb ein oder gleich ein Appartement. Spielt keine Rolle, denn anschließend folgen dann sowieso alle Urlauber den gleichen Comporta-Ritualen: lange schlafen, später zum Strand, zwischendrin einen Snack oder Kaffee und am Nachmittag dann in den Ort, um – weiterhin nicht wirklich viel zu tun. Das heißt: Man kann hier wunderbar Störche beobachten, das muss man sagen. Die haben ihre Nester auf Schornsteinen, Masten und Dächern gebaut und brechen von dort zur Froschjagd in die Reisfelder auf. Sind sie im Nest, werfen sie in regelmäßigen Abständen den Kopf in den Nacken und fabrizieren knatternde Geräusche. Bevor sie erneut losfliegen. An manchen Nachmittagen könnte man tatsächlich denken, die Störche seien die aktivsten Lebewesen der Region.

Abends sitzt man auf der Veranda
des Comporta Cafés und trinkt ein einheimisches Bier aus der Flasche, das sehr leicht ist und angenehm bitter. Die Bedienung bringt gegrillte Sardinen, ganz frisch, die Fischer haben sie erst am Nachmittag gefangen. Aus den Boxen tröpfelt sirupartiger Dub, eine Musik, die immer genau so klingt, wie sich ein Abend am Meer anfühlt. Keine zehn Meter entfernt knabbern die Wellen am Strand, ein weißes Segelboot silhouettiert vor einem beinahe schon künstlich makellosen Himmel, und man stellt sich vor, wie das wäre, wenn... ein kleines würde ja schon reichen. Ach ja.

Später kommt eine Abendbrise auf, und das Meer wandelt seine Farbe von Silber zu Stahl. Am Wasserrand stakst ein Vogel mit langem Schnabel einem Krebs hinterher, weiter draußen macht sich ein Storch offenbar einen Spaß daraus, haarscharf über einen Schwarm Möwen zu fliegen, die dabei aufgeregt kreischen. Es ist warm, es ist Urlaub, es ist Glück, es ist genauso, wie es sein muss, wenn man sich nur noch zurücklehnen und dabei zusehen möchte, wie die Zeit vorüber geht. Ganz langsam, von links nach rechts, Richtung Horizont.

INFORMATIONEN

HINKOMMEN
TAP Portugal (www.flytap.com) fliegt von Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Berlin und Zürich nach Lissabon. Von dort sind es mit dem Auto 70-90 Minuten nach Comporta.

ÜBERNACHTEN
Das Sublime ist ein neues, sehr schönes Hotel im Wald bei Carvalhal: Spa, Bar und Restaurant sind in einem zentralen Gebäude untergebracht; die 14 zweistöckigen Zimmer in einem anderen. Klare, lichtdurchflutete Architektur; helle Farben, reduziertes Design. Toll. www.sublimecomporta.pt

Mehr Infos zu Comporta und den umliegenden Orten gibt es bei Turismo do Alentejo unter www.visitalentejo.com

Die Farbe Rosa:

eine gemütliche Ecke in Alcácer do Sal auf dem Weg nach Comporta
eine gemütliche Ecke in Alcácer do Sal auf dem Weg nach Comporta© Foto: Stefan NinkDie Farbe Rosa:eine gemütliche Ecke in Alcácer do Sal auf dem Weg nach Comporta
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