Brücke über die Zeit

AboriginesBrücke über die Zeit

Die Aborigines, Ureinwohner des australischen Kontinents, haben schon seit Jahrtausenden ein unsichtbares Netzwerk über das Land gelegt. Ihre „Songlines“ beschreiben noch heute die Entstehung und Bedeutung der traumschönen Landschaften. Urlauber können hier vieles lernen – Marco Polo gibt Infos zu einer der ältesten Kulturen der Welt

faszinierende Station bei Davidsons Arnhemland  Safaris am Mt. Borradaile© Foto: Tourism Australia/ James FisherBilder an der Wand:faszinierende Station bei Davidsons Arnhemland Safaris am Mt. Borradaile

Sie sollen, so neueste Studien, vor 64.000 bis 75.000 Jahren den afrikanischen Kontinent verlassen und den Weg über Asien nach Australien gefunden haben. Somit sind die Aborigines die älteste Kultur außerhalb Afrikas. Sie blieben isoliert, bis die ersten Einwanderer Anfang des 17.?Jahrhunderts den Kontinent betraten.

Lange Zeit erfuhren die Ureinwohner Missachtung und Diskriminierung durch die weiße Bevölkerung. Heute genießen sie die gleichen Rechte wie die Australier anderer Abstammung – und werden von Kultur-Reisenden aus aller Welt besucht.

Viele Reisende kommen heute her, um eine der traditionsreichsten Kulturen der Welt kennenzulernen

Für die Aborigines war und ist Australien ein spiritueller Kontinent. Ihre Geschichte ist vor allem durch eine tiefe Verbundenheit mit dem Land und der Natur gekennzeichnet. Durch mündliche Überlieferungen sind Geschichten aus der „Dreamtime“, der Entstehungszeit des Kontinents, bis heute erhalten geblieben. Die sogenannten „Songlines“ ziehen sich wie eine unsichtbare mythische Landkarte über den Kontinent und beschreiben seine Entstehung und die Bedeutung der faszinierenden Landschaften. Der Begriff Walkabout beschreibt eine Wanderung junger Aborigines auf diesen Songlines, bei der sie den Erwachsenenstatus erlangen. Viele Touristen, aber auch Einheimische verwenden den Begriff heute als ein Synonym für eine Reise, auf der sie versuchen, zurück zu sich selbst zu finden.

Heute werden von den Aborigines gut 700 Dialekte verwendet
Tanzvorführung im Tjapukai Dance Theatre im Tjapukai Aboriginal Cultural Park, Cairns© Foto: DUMONTBildarchiv/Holger LeueNach alter Tradition:Tanzvorführung im Tjapukai Dance Theatre im Tjapukai Aboriginal Cultural Park, Cairns

Das Australien der Aborigines ist ein Netzwerk verschiedener, unabhängiger „Völker“. Hunderte verschiedene Sprachen und über 700 gesprochene Dialekte machen das Land zu einem der linguistisch vielfältigsten Orte der Erde. Die Ureinwohner haben verschiedene ethnische und kulturelle Wurzeln, und wie bei den vielen Sprachen variiert auch ihre Kunst von Volk zu Volk.

Den berühmten Kreuzschraffierungsstil auf Rinde etwa findet man vor allem in Arnhemland im Northern Territory. Die Punktmalerei auf Leinwand hingegen, die sogenannten Dot Paintings, sieht man häufiger in den westlichen Wüstenregionen. Einige der ältesten Felsritzungen der Welt, sogenannte Petroglyphen, können Besucher im Bezirk Olary in South Australia bestaunen. Sie sind etwa um 43.000 v. Chr. entstanden.

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Clemens Emmler
Didgeridoos und Bilder werden in Sydneys Gavala Aboriginal Art Centre verkauft; unten ein junger Mann in traditionellem Outfit© Foto: DUMONT Bildarchiv/Holger LeueNach alter Art:Didgeridoos und Bilder werden in Sydneys Gavala Aboriginal Art Centre verkauft; unten ein junger Mann in traditionellem Outfit
Nach alter Art: Didgeridoos und Bilder werden in Sydneys Gavala Aboriginal Art Centre verkauft; unten ein junger Mann in traditionellem Outfit
Auf vielen Festivals können Besucher die Kultur hautnah erleben

Die geheimnisvollen „Bradshaw“-Gemälde in der Kimberley-Region in Western Australia faszinieren nach wie vor die Wissenschaftler. Laut der Geschichten der Aborigines entstanden die Felsmalereien durch Vögel, die so lange mit ihren Schnäbeln auf den Felsen herumhackten, bis diese zu bluten begannen. Mit einer ihrer Schwanzfedern malten die Vögel dann die Zeichnungen. 1891 wurden diese von Joseph Bradshaw entdeckt und bekamen so ihren Namen.


Auf diversen Festivals, wie zum Beispiel dem Garma Festival im Northern Territory, haben Besucher die Möglichkeit, Jahrtausende alte Zeremonien, Tänze und Lieder zu erleben. Moderne Darstellende Kunst der Aborigines findet man vielerorts, etwa im Bangarra Dance Theatre in Sydney. Hier werden alte Tänze, die die Geschichte und die Kultur der Aborigines ausdrücken, neu interpretiert. Das Ensemble begeistert mittlerweile auf seinen Touren Menschen auf der ganzen Welt. Sehenswürdigkeiten und wichtige spirituelle Zentren können Besuchern durch einen Aborigine-Guide näher gebracht werden. Er erzählt die Mythen, die sich um die Landschaften gewoben haben, und berichtet, wie das Leben vor vielen Generationen an diesen Orten ablief.

Die traditionelle Nahrung der australischen Ureinwohner wird als „Bush Tucker“ bezeichnet. Dazu gehören Buschtomaten, Illawarra-Pflaumen, die Früchte Quandongs, Lilli Pillies, Muntari-Beeren, Akaziensamen, Kakadu-Pflaumen und Bunya-Nüsse. Australiens Spitzenköche experimentieren immer häufiger mit den ungewöhnlichen und delikaten Aromen. Einer der bekanntesten indigenen Köche, Mark Olive, versucht, Hobbygourmets die außergewöhnlichen Gerichte näher zu bringen. Auf Wochenmärkten können Australienbesucher Bush Tucker-Zutaten einkaufen und selbst versuchen, ein Aborigine-Mahl zuzubereiten. Wer es einfacher mag, kann die Gerichte der Ureinwohner natürlich in Restaurants probieren.

Kunst aus der Wüste:

Besucher bei der Desert MOB, Alice Springs Cultural Precinct
Besucher bei der Desert MOB, Alice Springs Cultural Precinct© Foto: Tourism Australia/ Tourism NT/ Steve StrikeKunst aus der Wüste:Besucher bei der Desert MOB, Alice Springs Cultural Precinct
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