Brot für die Welt

Expo MailandBrot für die Welt

„Feeding the Planet, Energy for Life“ (den Planeten ernähren, Energie fürs Leben), so lautet das Motto der Expo 2015 in Mailand. Sie wird wohl als eine Show der Superlative in die Geschichte aller Weltausstellungen eingehen – trotz etlicher Ungereimtheiten schon im Vorfeld Text: Harald Braun

Thema Kaffee: Im gemeinsamen Pavillon präsentieren mittelamerikanische  und afrikanische Länder ihre Ideen© Foto: Expo MailandThema Kaffee: Im gemeinsamen Pavillon präsentieren mittelamerikanische und afrikanische Länder ihre Ideen
Inseln,  Meer und Nahrung nennt sich dieser futuristische Cluster© Foto: Expo MailandIslands, Sea and Food:Inseln, Meer und Nahrung nennt sich dieser futuristische Cluster

Vom 1. Mai bis 31. Oktober findet die Expo in Mailand statt. Sie wird versuchen, unter dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“ sechs Monate lang Antworten auf die großen Herausforderungen der Welternährung zu geben.

Ein Dialog zwischen internationalen Partnern soll Fragen beantworten wie: Ist es möglich, Wasser und Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung zu garantieren? Gibt es neue Lösungen, ohne die biologische Vielfalt der Erde zu beeinträchtigen? Über 140 Länder sind daran beteiligt.

Ist es möglich, Wasser und Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung zu garantieren?

Das 110 Hektar große Messegelände ist wie eine klassische römische Stadt angelegt, mit symmetrischen Straßen, Kanal und künstlichem See, der von Pavillons umgeben ist. An der Südseite des Sees befindet sich ein Freilufttheater mit 9000 Plätzen. Urlauber können die Ausstellungen in den Pavillons erkunden, bei Kochvorführungen zusehen oder an Weinverkostungen teilnehmen.

Um auch Länder einzubeziehen, die sich ein eigenes Pavillon auf der Expo nicht leisten wollen oder können, hat man für diese Weltausstellung ein gänzlich neues Format entwickelt: Die Cluster bilden eine Reihe von thematischen Pavillons für ein einzelnes Produkt, den Anbau oder die Landschaft, unter die sich verschiedene Nationen einordnen können.

Rund um die Expo entstanden neue schicke Cafés
Die Gastgeber prunken mit einem besonders aufwändigen Pavillon© Foto: Expo MailandPalazzo Italia:Die Gastgeber prunken mit einem besonders aufwändigen Pavillon

So zeigen sich Bangladesch und Sierra Leone im Cluster „Reis“, Usbekistan tritt bei den „Obst und Hülsenfrüchten“ an, Bolivien und Haiti sind für sechs Monate im „Getreide und Knollen“-Cluster zuhause.

Die norditalienische Metropole hat sich für die Expo fein herausgeputzt, rundum entstanden neue schicke Restaurants und Cafés. Dazu kommen wir später. Vorher aber reden wir von dem lauten Tamtam, das den Nachfolger der Weltausstellungen in Shanghai (2010) und Südkorea (2012) vom ersten Tag an begleitete. Die Expo in Mailand nämlich ist schon jetzt eine durch und durch italienische Affäre.

© Foto: Expo Mailand
Im Expo Gate im historischen Zentrum Mailands  gibt es Infos zur Veranstaltung; darunter ein Blick über das große Ausstellungsgelände© Foto: Expo MailandHerzlich willkommen:Im Expo Gate im historischen Zentrum Mailands gibt es Infos zur Veranstaltung; darunter ein Blick über das große Ausstellungsgelände
Herzlich willkommen:Im Expo Gate im historischen Zentrum Mailands gibt es Infos zur Veranstaltung; darunter ein Blick über das große Ausstellungsgelände
Vor der Eröffnung herrschte ein großes Chaos

Man könnte damit beginnen, dass wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung der Weltausstellung einige der ursprünglich einmal 145 angemeldeten Nationen mit ihren Pavillons noch lange nicht fertig waren – angefangen beim ambitionierten, fünfstöckigen Gebäude des Gastgeberlands. Hier, nordwestlich der Mailänder City in den Gemeinden Rho und Pero auf einer Gesamtgröße von 110 Hektar, herrschte kurz vorm Start noch dieses geschäftige Chaos, das man üblicherweise von italienischen Marktplätzen kennt.

Mehrfach stand die Arbeit
auf dem Areal der Expo in der Phase der Vorbereitung vollkommen still. Der Grund dafür, nicht allzu schwer zu erraten: Die kalabrische Mafia „Ndrangheta“ hatte sich in der Vergangenheit tief in die Strukturen der Expo eingegraben.

Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe, Korruption und Infiltration von Bauunternehmen wurden noch im Herbst 2014 sieben Personen verhaftet, unter ihnen Expo-Manager, Unternehmer und hiesige Politiker. Bei einem Expo-Auftragsvolumen von ungefähr 2,5 Milliarden Euro allerdings auch keine wirkliche Überraschung. Es wird noch Jahre dauern, bis klar ist, wie viel Geld in welche dunklen Kanäle geflossen ist.

Sicher ist indes, dass einige der ehemals angekündigten infrastrukturellen Projekte entweder ganz abgeblasen werden mussten oder nun nur verzögert beendet werden können. Die neue U-Bahn-Linie zum Expo-Gelände etwa kommt zwar, niemand aber weiß genau, wann. Der Bau geplanter Autobahnzufahrten wurde hingegen ganz aufgegeben. Doch es gibt (wenn auch umstrittene) städtebauliche Großprojekte im Rahmen der Expo, die tatsächlich umgesetzt wurden. Die «Isola» im Stadtteil Porta Nuova zum Beispiel. Das war jahrelang ein sozialer Brennpunkt mit Drogenhandel und Prostitution, nun sind nach einer Generalsanierung schicke Cafés und Restaurants entstanden, das neue Viertel ist nun ein Hot Spot der Mailänder Schickeria. 230 Meter hoch ragt hier nun auch die «Torre Unicredit» in den Himmel, der höchste Bankenturm Italiens – und der Wohnkomplex «Bosco Verticale» wurde im vergangenen Jahr mit dem Internationalen Hochhauspreis ausgezeichnet.

Auch auf der Expo selbst sind einige Pavillons zu sehen, die einen gewissen architektonischen Anspruch ihrer Erbauer erahnen lassen. Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind etwa, der u.a. das Jüdische Museum in Berlin gestaltete, entwarf für Chinas Pavillon eine gerollte schuppige Echse: Die Fassade aus roten, leicht schimmernden Metallpaneelen, die sich um eine Serpentine wickelt, orientiert sich an der "Philosophie des Flüssigen“ von Konfuzius und steht durchaus in der Tradition von vielen Weltausstellungen, eine etwas kühnere Architektur zu wagen. 1929 entstand ja unter dieser Flagge auch der Eiffelturm in Paris, nur zur Erinnerung ...

Ganz so verwegen kann der deutsche Pavillon unter dem Motto „Fields of Ideas“ nicht auftrumpfen. Mit seiner offenen und frei begehbaren Landschaftsebene will das Architekturbüro Schmidhuber aus München aber auch gar keine schicke Repräsentationsarchitektur vorzeigen, sondern einen Ort für Begegnung und Austausch schaffen. Inhaltlich konsequent am Thema entlang gedacht ist auch der Schweizer Bau. Unter dem Titel «Confooderatio» stellte man einen Pavillon mit vier Türmen auf, die die vier Eckpfeiler der Schweizer Nahrung präsentieren: Kaffee, Salz, Wasser und Apfelringli – in Kleinstportionen zum Mitnehmen für Besucher der Expo. Interessant: Wenn der Vorrat in den Türmen aufgebraucht ist, wird nicht aufgefüllt – damit soll darauf hingewiesen werden, dass auch die Ressourcen der Erde endlich sind und ein Bezug zum Gesamtthema der Expo hergestellt werden.

Für Besucher, die auf der Expo nicht satt werden sollten – was allerdings eher unwahrscheinlich erscheint, bei dem kulinarischen Angebot, das allein in den so genannten Food-Clustern und einem Supermarkt der Zukunft angeboten wird –, haben viele Mailänder Restaurants vorgesorgt. Vier Wochen vor dem Start der Expo waren schon acht Millionen Eintrittskarten verkauft. Expo-Boss Giuseppe Sala ist zufrieden und verweist auf das große gastronomische und kulturelle Angebot, das die Weltausstellung in Mailand flankiert.

Mit Carlo Cracco und Davide Oldano gehören zwei Starköche zu den offiziellen Botschaftern des Events, sie bieten in ihren Restaurants Cracco und Cucina POP extra Expo-Menüs an. Auch die Mailänder Scala stellt sich mit der Oper „CO2“ inhaltlich auf die Expo ein, zu den weiteren Höhepunkten gehört die große Leonardo da Vinci-Ausstellung im Palazzo Reale. Das immerhin ist zu spüren, ungeachtet der ganzen Skandale und Unwägbarkeiten um die Expo 2015: In der Stadt Mailand herrscht fast überall heitere Vorfreude, wenn auch zuweilen in der italienisch unperfekten Variante. So steht auf den offiziellen Plakaten der Expo, die überall in der Stadt hängen: „But your ticket at Fiero Milano!“ Ein Druckfehler, klar, aber dann doch irgendwie ... typisch.

Große Bühne:

Der runde See ist Schauplatz für Konzerte, Lichter-Shows und vieles mehr
Der runde See ist Schauplatz für Konzerte, Lichter-Shows und vieles mehr© Foto: Expo MailandGroße Bühne:Der runde See ist Schauplatz für Konzerte, Lichter-Shows und vieles mehr
ANZEIGE
Nach oben