Bessere Bilder

Foto-AppsBessere Bilder

Zu düster, flaue Farben, rote Augen: Schnappschüsse mit dem Smartphone gehen zwar schnell, gelingen aber nicht immer perfekt. Zum Glück gibt es viele Apps, die die Bilder nachträglich auf Vordermann bringen, manche bieten dazu nette Spielereien. Die mobilen Aufhübscher gibt es in großer Zahl – wir haben zehn gute für Sie herausgesucht. Die gefetteten Begriffe iOS und Android führen direkt in den entsprechenden App-Store bei Apple und Google Text: Bettina Hensel

Snapseed

Ein gelungener Mini-Werkzeugkasten von Google, der im Vergleich zu ähnlichen Apps für iOS und Android auch noch kostenlos ist (die gefetteten Begriffe führen direkt in den entsprechenden App-Store bei Apple und Google), keine Werbungen einblendet und dem Anwender nicht bei jedem Klick In-Apps, also Zusatzleistungen, anbietet. Eine klassische Menüleiste gibt es hier nicht, doch die App führt mit Anweisungen durch die Handhabe: Wählt man als Erstes "Tune Image", so gelangt man auf Basis-Features wie Kontrast, Sättigung, Schatten oder Wärme, die man vertikal auf dem hochgeladenen Bild per Wischgeste aussucht und mit horizontalen Fingerbewegungen nach links oder rechts anwendet. Simpel gelöst ist auch ein hilfreicher Vergleich mit dem Originalbild während der Bearbeitung – man drückt einfach auf den Landschaftsbutton rechts oben in der Leiste. Die Bandbreite jenseits klassischer Bildbearbeitung ist groß: Mit dem Effekt "Tilt-Shift" etwa kann man Städte in Spielzeuglandschaften verwandeln, mit "Center Focus" mit Vignettierungen einen analogen Look geben. Plus: Ein Klassiker, der sich rundum lohnt – viele Funktionen, keine Werbung. Minus: Keine komplett intuitive Bedienung. Nach dem Start gelangt man nicht direkt zu den eigenen Aufnahmen im Handy.

Moldiv

Durchdacht, schnell und gratis. Mit ein paar Fingerbewegungen entsteht hier eine Collage, die aus der Seite eines Hochglanzmagazins stammen könnte. Geht ganz einfach: mit der Funktion "stitch" (zusammenfügen) bis zu neun Bilder hochladen, dann mit einer Vielzahl von Collage-Optiken spielen. Oder erst den Rahmen auswählen und dann die Bilder einsetzen. Ein Finetuning der Fotomotive ist auch möglich: Man kann sie verkleinern, drehen, spiegeln oder einen Farbfilter anwenden. Dazu gibt es noch die Möglichkeit, Aufkleber oder Schriftzüge einzubauen oder verschiedene Muster oder Farben als Hintergrund zu wählen. Perfekt auch für eine Glückwunschkarte, die man per Mail verschicken oder auf Instagram oder Facebook teilen kann. Ein grundlegendes Bearbeitungsprogramm für Fotos bietet diese App (für iOS und Android) nicht. Plus: Leichte Bedienung, die Spaß macht, wenig Werbung und viele Möglichkeiten – ein Allrounder für blitzschnelle, kreative Collagen. Minus: Kitschige Aufkleber zum Einarbeiten (Teddybären, Herzchen), schöne Zeitschriftenvorlagen (teils mit Extra-Kosten), deren Texte aber leider nicht verändert werden können.

ShakeItPhoto

Absolute Liebhaber-App die auf eine Handbewegung reduziert ist: Schütteln und dabei immer wieder gespannt schauen, wie sich langsam auf dem leeren Rahmen eine Polaroid-Optik des hochgeladenen oder gerade fotografierten Objekts abzeichnet. Natürlich kann man sich die Handbewegung auch schenken –genauso, wie die App es sich bei der heutigen Technik schenken könnte, den Entwicklungsprozess des Polaroids zu imitieren. Doch dann würde es nur halb so viel Spaß machen. Mit Hilfe dieser App (für iOS, 1,99 Euro) lassen sich leicht und schnell kleine Kunstwerke erstellen. Plus: Für Puristen – die App macht einen schönen Retrolook ohne viel zusätzliches Bearbeitungs-Klimbim. Minus:Es gibt auch andere Apps mit ähnlichen Ergebnissen, die im Paket sogar teilweise kostenlos mehr anbieten, wie etwa die FXCamera für Android.

Facetune

Wer oft Porträtfotos oder Selfies macht, für den ist diese App interessant. Facetune ist ein digitaler Schönheitschirug: Ob Fältchen, Augenschatten, Pickel oder eine schiefe Nase – hier lässt sich alles, was stört, mit ein paar Wischgesten wegwedeln oder gerade biegen. Beginnen kann man mit einem Demobild, an dem man sich ausprobieren kann. Dabei gibt die App (3,99 Euro für iOS und 1,99 Euro für Android) mit eingeblendeten Grafiken und Videos Hilfestellungen bei den jeweiligen Menüpunkten, ob beim Glätten, Aufhellen oder Umformen. Plus: Leichte Bedienung und modernes Design – mit der App kann man Porträts (fast) so gut nachbearbeiten wie ein Profi-Fotograf. Minus: Etwas teuer, die längeren Video-Tutorials sind leider bislang nur auf Englisch.

Hipstamatic

Für Fans von Retro-Optiken! Hipstamatic (1,99 Euro für iOS) simuliert mit austauschbaren Objektiven, Filmen und Blitzen die Ergebnisse von Kameras aus der Analogzeit. Die dabei verwendeten Namen entsprechen keinen wirklichen Markennamen, sind aber an Marken wie Kodak & Co angelehnt. Ähnlich wie bei ShakeItPhoto sieht man den Effekt beim Blick durch den simulierten Sucher nicht vorher – das Ergebnis ist wie ein Überraschungsei. Immer anders, aber selten langweilig, Farbstiche, alte Fotoränder, Alterungsflecken inklusive. Die fast unerschöpfliche Möglichkeit, Linse, Filme und Objektive zu kombinieren, hat der App viele Anhänger eingebracht, die eigene Fotoserien erstellen, wie auf der Seite www.hipstography.com. Mit einer 2013 gelaunchten App, die gleichzeitig auch Community ist, hat der Hersteller die Software modernisiert: Das kostenlose Oggl für iOS bietet im Gegensatz zur klassischen Variante eine Nachbearbeitung für Fotos an. Androiduser können die App Vignette für 1,21 Euro als Alternative in Betracht ziehen: Sie bietet einfach zu bedienende und technisch ausgereifte Filter im Retrostil an. Pro: Schöner Retrolook, einfach und schnell. Minus: Hipstamatic kann ins Geld gehen – etwa mit Zusatzeinkäufen oder einem Jahresabo bei Oggl von 8,99 Euro für alle Linsen und Filme.

Photoshop Touch

Wer schon ohne Photoshop auf seinem Laptop nicht auskommt, für den ist die Miniatur-Variante Kür – für einen stolzen Preis allerdings. 4,99 Euro zahlt man für iOS-Geräte, 7,99 Euro für die Android-App. Doch die Kosten lassen sich durch die vielen gewohnten und gelungenen Adobe-Funktionen verschmerzen. Es gibt verschiedene Auswahl- und Maskierungswerkzeuge, etwa Zauberstab und Lasso, Filter oder das Arbeiten mit verschiedenen Ebenen. Dazu gibt es, vor allem für diejenigen, die noch keine Photoshop-Erfahrung haben, zu jeder Funktion Video-Tutorials. Plus: Für alle, die gewillt sind, etwas Zeit zu investieren, ein außerordentliches Kaliber für die Fotobearbeitung unterwegs – man sollte jedoch nicht den gleichen Leistungsumfang erwarten wie bei der Computer-Software. Minus: In der Bedienung ist die App mehr auf Tablets als auf Smartphones ausgerichtet, bei zu vielen Ebenen kann sie an ihre Grenzen stoßen.

EyeEm

Die bekannte Foto-Sharing-App "Instagram" von Facebook hat ernstzunehmende Konkurrenz bekommen: Das kostenlose Berliner Start-up EyeEm (kostenlos für iOS und Android) ist in der Beliebtheitsskala mit über 10 Millionen Nutzern 2014 stark nach oben geschossen, zudem kooperiert es seit letztem Jahr auch mit der US-Bildagentur Getty Images. Mit schönen Schnappschüssen kann man auch über den EyeEm Market, der langfristig ausgeweitet werden soll, Geld verdienen. Auf den ersten Blick erinnert die App an Instagram: Foto schießen, Filter für jeden Stil anwenden (bunt, urban, S/W, Vintage), Feinabstimmung der Details wie Schärfe oder Farbtemperatur, Rahmen bestimmen und hochladen. Andere Nutzer können das Bild bewerten und folgen. Anders als bei Instagram sind die meisten Fotos mit aussagekräftigen Stichworten versehen. So entwickelt sich eine Foto-Datenbank mit sehr genauen Kategorien, die man in Alben anschauen kann. Schön sind die "weekly missions", Fotowettbewerbe, bei denen man manchmal auch etwas gewinnen kann. Mit dem Menüpunkt "live near you" kann man sehen, welche Bilder in der Nähe aufgenommen worden sind – dafür braucht die Kamera aber Zugriff auf die GPS-Position. Plus: Newcomer mit modernem Design, Kamerafunktionen und einer lebhaften Community. Minus: Neu hochgeladene Fotos von Followern werden nicht angezeigt, man kann den Mitgliedern nur folgen, ihnen aber keine Mails schreiben.

Kameras: Camera+ und ProCamera

Wer mehr Funktionen haben will, als die integrierte kostenlose Smartphone-Kamera hergibt, kann mit Camera+ (1,99 für iOS ), ProCamera (3,99 Euro für iOS) oder der Camera360 Ultimate (kostenlos für iOS und Android) nachbessern. Sie bieten ein großes Repertoire: von einstellbaren Belichtungszeiten und Fokus, Filtern, HDR-Funktion, Weißabgleich oder Bildstabilisatoren. Im Gegensatz zu Camera+ gibt es bei ProCamera weniger Nachbearbeitung, dafür bietet die App mehr praktische Hilfen direkt bei der Aufnahme. Auch die Camera 360 Ultimate bietet ein anspruchsvolles Gesamtpaket. Pro: ProCamera kann sogar Fotos im verlustfreien Tiff-Format speichern, Camera+ punktet durch die gute Nachbearbeitung im "Lab". Contra: ProCamera und Camera+ bieten viele InApp-Käufe an.

© Foto: Bettina Hensel

Enlight

Ob Seifenblasen über die Bilder legen oder ihnen mit "urbanen" Filtern einen künstlerischen Look geben – Enlight (Einstiegspreis derzeit bei iOS 3,99 Euro) ist eine schön designte und leicht anwendbare Bearbeitungsapp mit überraschend vielfältigen Funktionen und moderner, übersichtlicher Oberfläche. Es gibt coole Effekte, gute Werkzeuge und eine Vielfalt an Spielereien, die Spaß machen. Diese App, von den Machern von Facetune 2015 auf den Markt gebracht, kombiniert mit einer guten Kamera-App ist eigentlich alles, was man auf seinem Smartphone an Basis-Werkzeug braucht. PRO: Intuitiv in der Bedienung, komplex in der gestalterischen Bandbreite und schön aufbereitet. MINUS: Keine Version fürs iPad.

Comic Book!

Aus Fotos Comics machen, das funktioniert ganz einfach mit der App Comic Book! (2,99 Euro für iOS). Bearbeitungsoptionen für die Fotos selbst sollte man allerdings hier nicht erwarten, es geht allein darum, aus den Fotos unterhaltsame Comic-Streifen mit Sprechblasen zu gestalten. Layouts für richtige Comic-Seiten gibt es genug! Für Android-User gibt es die kostenlose Cartoon Camera, bei der man allerdings in der Gratis-Version mit Werbebannern rechnen muss. PRO: Kurzweilig, intuitive Bedienung, hoher Spaßfaktor. CONTRA: Extra-Sticker kosten Aufpreis.

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