Auf Luthers Spuren

Reformations-OrteAuf Luthers Spuren

Fast 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther mit seinen 95 Thesen die katholische Kirche erschütterte – und die Welt veränderte. 2017 feiert Deutschland großes Jubiläum. Auch in Baden-Württemberg haben viele Städte ihren Teil zur Reformation beigetragen

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Heidelberg

Die Reformation Baden-Württembergs startete am 26. April 1518 an der Heidelberger Universität (Bild links). Hier hielt Martin Luther, direkt nachdem er seine 95 Thesen veröffentlicht hatte, einen Vortrag. Die damaligen Professoren waren außer sich, während die Studenten den Mönch feierten. 1556 führte dann Kurfürst Ottheinrich den lutherischen Glauben in Heidelberg ein. Sein Nachfolger Friedrich III. gab jedoch der reformierten Schweizer Richtung den Vorzug. An der neuen Zusammenfassung der Lehre wirkte er persönlich mit: Sie sollte 1563 unter dem Namen „Heidelberger Katechismus“ in die Geschichte eingehen. www.heidelberg-marketing.de

© Foto: Konstanz Tourismus

Konstanz

Die Reformations-geschichte der Stadt begann eigentlich schon lange bevor Martin Luther berühmt wurde. Bereits vor 600 Jahren während des Konstanzer Konzils, das im Münster Unserer Lieben Frau tagte (Bild rechts), wetterte der Prager Theologe Jan Hus gegen Konkubinen für Priester, Reichtümer der Kirche und die Käuflichkeit von Bischofsämtern. Seine Glaubensüberzeugungen brachten den Vorreformator noch während des Konzils auf den Scheiterhaufen. Für Martin Luther aber war Hus ein Held des Glaubens und ein Vorbild. Nur wenige Monate nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg wurden seine Schriften in Konstanz mit Begeisterung aufgenommen. Zwei Kirchenmänner, Ambrosius Blarer und Johannes Zwick, trieben die Reformation in Konstanz mit ihren Predigten voran, doch 1548 zwangen die Habsburger die Stadt zurück zum katholischen Glauben. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es wieder eine evangelische Gemeinde in Konstanz. www.konstanz-tourismus.de

© Foto: Melanchthon Stadt Bretten

Bretten

Bretten im Kraichgau steht vor allem für einen Namen: Philipp Melanchthon. Hier wurde der wichtigste Wegbegleiter Luthers 1497 geboren. Um 1518 lernten sich die beiden in Wittenberg kennen, wo Luther den jungen Melanchthon zur reformatorischen Theologie brachte. Da Luther als Geächteter an Verhandlungen auf Reichsebene nicht teilnehmen konnte, war Melanchthon seit 1529 bei Reichstagen und Religionsgesprächen der offizielle Wortführer der Wittenberger Theologie. www.bretten.de

© Foto: Tourismus Wertheim/Peter Frischmuth

Wertheim

Auf dem Reichstag in Worms 1521, der Luther zum Widerruf bewegen sollte, lernte Georg von Wertheim den Reformator persönlich kennen. Die Begegnung schien den Grafen stark beeindruckt zu haben: Im Jahr darauf ließ er sich von Luther einen geeigneten Prediger für Wertheim empfehlen. Eine der kuriosesten Geschichten, die in Wertheim erzählt wird, ist die, dass Luther dort eine Bratwurst verspeist haben soll und sie nicht bezahlte, warum ist unbekannt. Das Gasthaus Goldener Adler gibt es noch heute: Es ist das älteste der Stadt und macht kräftig Werbung mit seiner Luther-Legende. Tatsächlich war Luther persönlich aber wohl nie in Wertheim. Eine kuriose Geschichte ist es trotzdem. www.tourismus-wertheim.de

© Foto: Kultur- und Tourismus GmbH Gengenbach/Dieter Wissing

Gengenbach

Die Stadt am Ende des Kinzigtals empfing die Reformation Luthers mit offenen Armen. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 bekannte sich Gengenbach zur Lehre Luthers und unterschrieb beim Augsburger Religionsgespräch 1541 als „protestantische Reichsstadt“. Doch es sollte ein kurzes Intermezzo mit der neuen Glaubensrichtung werden. 1548 wies Kaiser Karl V. seine kleine Reichsstadt an, zum alten Glauben zurückzukehren. Die Rekatholisierung nahm ihren Lauf. www.gengenbach.info

© Foto: flickr/Claudia Schillinger

Maulbronn

1556 wurde Maulbronn mit zwölf anderen Abteien in Württemberg in eine evangelische Klosterschule umgewandelt. Die junge evangelische Kirche musste schleunigst Pfarrernachwuchs ausbilden. Das Evangelische Seminar Maulbronn, wie die Schule heute heißt, hat den Wandel der Zeiten überlebt und ist neben der Klosterschule in Blaubeuren als einzige aus der Zeit der Reformation erhalten geblieben. Heute ist sie ein altsprachliches Gymnasium mit Internat, das vom Land und der Evangelischen Landeskirche getragen wird. Eines der Klassenzimmer befindet sich über dem Brunnenhaus in dem bekannten runden Türmchen (Bild rechts). Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten sind aus dem Evangelischen Seminar hervorgegangen: Der Astronom Johannes Kepler, aber auch Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike und Hermann Hesse. www.kloster-maulbronn.de

© Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Roland Schweizer

Heilbronn

Die Reformation in der Freien Reichsstadt Heilbronn verbindet sich vor allem mit zwei Namen: Johann Lachmann und Bürgermeister Hans Riesser. Lachmann war Priester, näherte sich aber bald dem Gedankengut der Reformation an. 1526 heiratete er in der Kilianskirche (Bild links) und führte seit 1529 Taufen und Eheschließungen in deutscher Sprache durch. Lachmann und Riesser konnten den Rat der Stadt schnell von der Richtigkeit der neuen Lehre überzeugen und bis ins 19. Jahrhundert blieb die Stadt auch fast ausschließlich evangelisch. www.heilbronn.de

© Foto: FLS Schwäbisch Hall/Jürgen Weller

Schwäbisch Hall

Weit sichtbar überragt die St.Michaels Kirche die Stadt. Sie ist das zentrale Bauwerk der Reformation Schwäbisch Halls (Bild rechts). 1522 zog der Prediger Johannes Brenz in die Kirche ein und feierte bereits an Weihnachten 1526 das Abendmahl erstmals in lutherischer Form mit der Gemeinde. Er war ein umsichtiger Reformator: Statt auf Gewalt setzte er bei der Einführung der Reformation auf die Kraft des Wortes und der Überzeugung. Die St. Michaelskirche bildet auch alljährlich die Kulisse für die bekannten Freilichtspiele. Das ist für die Schauspieler gar nicht so einfach, denn gespielt wird auf den 53 Stufen der Freitreppe, während das Publikum ebenerdig auf dem Marktplatz sitzt. www.schwaebischhall.de

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Bad Urach

1537, drei Jahre nach der Einführung der Reformation in Württemberg, kam es in Urach zu einem Gespräch über die mittelalterlichen Bilder in den nun evangelisch gewordenen Kirchen. Auch die Uracher Amanduskirche (Bild links) war voll mit Altären, Heiligenfiguren und Bildern. Doch die Lutheraner der Stadt konnten sich mit den strengen Anhängern der schweizerischen Reformation nicht einigen. Der Herzog verfügte schließlich die harte Linie: Alle Bilder mussten entfernt werden. Viele Altäre, Figuren und Gemälde sind dem zum Opfer gefallen. www.badurach-tourismus.de

© Foto: Stadt Ravensburg

Ravensburg

Hier regierte der Kompromiss: Im oberschwäbischen Ravensburg mussten sich Evangelische und Katholische Jahrhunderte lang die Kirchen und die Ämter teilen. Grund dafür war der Augsburger Religionsfrieden von 1555. Hier wurde festgelegt, dass vier freie Reichsstädte bikonfessionell regiert werden sollten: Augsburg, Dinkelsbühl, Biberach und Ravensburg. Das bedeutete nichts anderes, als dass Evangelische und Katholische hier gleichermaßen ihren Platz hatten. Ravensburg war quasi eine eigene Landeskirche, mit eigenem Katechismus und eigenem Gesangbuch. Auch die Ämter der Stadt mussten streng gleichberechtigt mit Evangelischen und Katholischen besetzt werden. www.ravensburg.de

Noch mehr zur Reformation in Baden-Württemberg

gibt es im Internet unter: www.tourismus-bw.de. Hier sind alle Reformationsorte des Landes und ihre Geschichte aufgeführt. Spannendes und auch Kurioses findet sich im neuen Buch "Auf Luthers Spuren: Orte der Reformation in Baden-Württemberg" von Andreas Steidel. Hier erfahren die Leser zum Beispiel, was an dem weltberühmten Schwarzwälder Bollenhut evangelisch und an der Schneckenzucht auf der Schwäbischen Alb katholisch ist und warum es in reformierten Kirchen überhaupt keine Bilder gibt.

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