Auf den Spuren des Meisters

Rubens in AntwerpenAuf den Spuren des Meisters

Diese Stadt geizt nicht mit ihren Reizen: Neben dem Hafen, einer tollen Gastronomie, 1001 schönen Geschäften und Galerien ist Antwerpen bekannt als City of Art, als Kulturstadt. Der berühmte Maler Peter Paul Rubens hat ihr nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt – ein wahres Fest (nicht nur) für Kunstfreunde

Video-Bummel durch Antwerpen:Eine kleine Führung in bewegten Bildern auf den Spuren von Peter Paul Rubens

Die Schritte hallen auf ausgetretenem Kopfsteinpflaster, aus Restaurants und Bars dringt warmes Licht, nahebei schlägt eine mächtige Glocke. Blaue Stunde in Antwerpen, Flanderns Hafenstadt an der Schelde macht sich bereit für eine lange lauschige Nacht.

Multikulti ist hier Programm, die knapp 500.000 Einwohner stammen aus 168 Nationen. Entsprechend groß ist das Angebot an guter Küche aller Ethnien – zwölf Restaurants haben sogar mindestens einen Michelin-Stern.

In Antwerpen werden Kultur und Genuss groß geschrieben

Einheimische, Besucher und die 35.000 Studenten der Stadt haben zudem die Wahl zwischen zahllosen Kneipen und Bars. Tausende Shops und Geschäfte locken Shopping-Fans aus aller Welt, Antwerpen gilt als Hotspot für avantgardistische Fashion, an der Modeakademie arbeiten junge Designer aus 34 Nationen. Große Diamantbörsen machen die Stadt zudem zu einem Zentrum des Umschlags der edlen Steine, mehr als die Hälfte aller Diamanten und Brillanten der Welt werden hier gehandelt.

Vor allem aber nennt sich Antwerpen City of Art, Kulturstadt, und das zu Recht. Nicht weniger als 1163 Denkmäler und Sehenswürdigkeiten gibt es, dazu jede Menge Antiquitäten- und Kunsthandlungen, viele Galerien, Museen und drei UNESCO-Welterbestätten – Kulturreisende finden hier ihre Traum-Destination.

Rubens arbeitete die meiste Zeit seines Lebens in dieser Stadt
Abendstimmung  am historischen Rubens-HausBlaue Stunde:Abendstimmung am historischen Rubens-Haus

Ein großer Künstler hat der Stadt dabei ganz besonders seinen Stempel aufgedrückt: Die Spuren des berühmten Barockmalers Peter Paul Rubens (1577–1640) sind allgegenwärtig. Mehr als 50 Gemälde des Meisters zieren die Wände von Kirchen und Museen und locken Jahr für Jahr Bewunderer seiner Kunst aus aller Welt in ihre Hallen.

Rubens lebte und arbeitete die meiste Zeit seines Lebens in der flämischen Kunstmetropole. Anno 1577 im deutschen Siegen geboren, zeigte er früh sein Talent, und bald nahm ihn die Malergilde von Antwerpen auf.

Haus von Mäzen Nicolaas Rockox (unten), Eingang zum Rubens-Haus (darunter)Zwei Kulturstätten von Format:Haus von Mäzen Nicolaas Rockox (unten), Eingang zum Rubens-Haus (darunter)
Zwei Kulturstätten von Format:Haus von Mäzen Nicolaas Rockox (unten), Eingang zum Rubens-Haus (darunter)
Rubens war nicht nur Maler, sondern auch ein Sammler und Diplomat

Dass Rubens bereits zu Lebzeiten berühmt und reich wurde und nicht wie viele Künstler erst nach seinem Tod, verdankte er vor allem der Stadt Antwerpen: Sie lieferte ihm nicht nur fantastische Motive, sondern unterstützte ihn auch mit Aufträgen. So bezog der Maler mit seiner wachsenden Familie bald ein palastartiges Heim mitten im Zentrum.

Peter Paul Rubens war dabei nicht nur ein herausragender Maler, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler und ein geschickter Diplomat. Das üppige Renaissancepalais, das er sich bauen ließ – samt Pantheon fu?r seine Kostbarkeiten, Atelier und Lustgarten –, spiegelt seinen Status wider. Heute sind hier im Rubenshuis viele seiner Werke zu bestaunen. Vom 28. März bis 28. Juni 2015 präsentiert zudem eine große Ausstellung unter dem Titel "Rubens privat" eine wenig bekannte Facette des Meisters als Porträtist. Besonders faszinierend sind dabei neben Selbstporträts die Bilder seiner Familie. So hat der Maler, dem fälschlicherweise nachgesagt wurde, er würde die Porträtkunst überhaupt nicht mögen, u.a. seine zwei Frauen Isabella und Helena, seine Kinder, seine Schwestern und Brüder in stimmungsvollen Porträts auf die Leinwand gebannt.

Es gibt viele weitere Stätten in Antwerpen, an denen Rubens-Gemälde öffentlich zugänglich sind. Etwa in der gotischen Liebfrauenkathedrale mit ihrem unvollendeten Turm. Hier hängen beru?hmte Rubens-Bilder: im Querschiff die „Kreuzaufrichtung” (1610) und die „Kreuzabnahme” (1624), in der Mitte des barocken Hochaltars „Mariä Himmelfahrt” (1626, die rot gewandete Frau am Grab stellt Rubens’ erste Frau Isabella Brant dar, die an der Pest starb) und in einer Seitenkapelle die „Auferstehung Christi” (1612). Es gibt regelmäßig Orgelkonzerte, und vom Turm hat man eine wundervolle Aussicht.

Einen Besuch wert ist auch das Plantin-Moretus-Museum – in den prunkvollen Salons im Erdgeschoss stehen kostbare Möbel, an den Wänden hängen Rubens-Porträts. Für seinen Zeitgenossen Nicolaas Rockox, der einst das Amt des Bürgermeisters innehatte und gleichzeitig Rubens‘ Gönner war, malte er unter anderem „Die Anbetung der Weisen“. Einige der Auftragsgemälde sind heute im ehemaligen Wohnhaus des Mäzen, dem Rockoxhaus, zu betrachten. Weniger bekannt, aber nicht minder sehenswert sind die Zeichnungen und Malereien in der Sankt-Paulus- und der Borromäus-Kirche sowie an Rubens´ Grabkapelle in der Sankt-Jakobs-Kirche.

Besonders lohnenswert ist ein Bummel über den Rubensmarkt, der jedes Jahr am 15. August in Antwerpen stattfindet. Zu diesem Anlass kleidet man sich barock, kauft Antiquitäten und genießt so manche Leckerei. Ein feiner Event auch für Menschen, die für gewöhnlich wenig mit Kunst zu schaffen haben. Übrigens: Wer mag, kann sich am schönen Groenplaats vor dem großen Maler verneigen – dort blickt der Meister als Denkmal stolz auf seine schöne Stadt.


Für Kunstfreunde & Co:

Bilder großer Meister findet man in vielen Sammlung in der Stadt
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