Auf das Leben!

SchwarzwaldAuf das Leben!

Das Essen ist gut, die Landschaft einfach bezaubernd und das Wetter meist sonnig – der Schwarzwald bleibt ein Reise-Klassiker. In den vergangenen Jahren ist die Region noch dazu spannender und jünger geworden, als ihr Heimatfilm-Image vermuten lässt

Natur in ihrer besten Form: die mehr als 150 Meter hohen Triberger Wasserfälle© Foto: DUMONT Bildarchiv/Martin KirchnerNatur in ihrer besten Form: die mehr als 150 Meter hohen Triberger Wasserfälle
tierisch gute Erfahrungen im Vogelpark Wiesental  bei Steinen-Hofen© Foto: DUMONT Bildarchiv/Rainer FieselmannAuf Augenhöhe:tierisch gute Erfahrungen im Vogelpark Wiesental bei Steinen-Hofen

Alpine Gipfel im Süden, Schluchten und verwinkelte Täler in der Mitte, anmutige Hügelkämme im Norden: All das ist der Schwarzwald, Deutschlands prominentestes und meistbesuchtes Mittelgebirge. Wie eine Burg, ein allerdings freundlicher Brocken aus Granit und Buntsandstein, bewacht es den südwestlichsten Winkel des Landes, zwingt den jungen Rhein zu einem umständlichen Bogen bis Basel und ins Elsass hinein, ragt stolz und steil aus der sonnenüberfluteten Rheinebene auf und verläuft sich im Osten in sanften Wellen in Richtung Schwabenland.

Im Schwarzwald wächst eine junge, selbstbewusste Generation heran

Diese prachtvolle Landschaft, eine gute Luft und wunderbare Küche lieben Gäste an der Region. Doch darüber hinaus haben die Themen Gesundheit, Sport, Erlebnisparks, Landleben und Kultur ganz stark an Gewicht gewonnen.

Aus dem heilklimatischen Kurwesen – lange mit dem Charme der Wadenwickel umgeben – ist die Wellness- und Beautybewegung entstanden, mit Schwerpunkten im Nordschwarzwald und seinen Ausläufern Richtung Oberrhein. Derweil erlebt die Region in diesen Jahren eine interessante Entwicklung. Eine junge, selbst- und naturbewusste Generation wächst nach, die stolz ist auf ihre Heimat – und auf ihre Sprache.

Das alte, verstaubte Image dieser Region gilt nicht mehr
Blick auf die malerische Altstadt von Schiltach© Foto: DUMONT Bildarchiv/Martin KirchnerHauptsache Fachwerk:Blick auf die malerische Altstadt von Schiltach

Besonders durch den Süd- und den Hochschwarzwald sehen Sie junge Frauen mit T-Shirts spazieren, auf denen in leuchtenden Buchstaben „Schwarzwaldmädel“ oder „Guzzischnitte“ steht. Letzteres bedeutet aus dem Alemannischen übersetzt Marmeladenbrot, bezeichnet im übertragenen Sinne aber auch allerlei anderes Verführerische zum Anbeißen.

Dieses Selbstbewusstsein hatten die Schwarzwälder nicht immer: „Der Schwarzwald war vor allen Dingen immer das, was man in ihm sehen wollte“, schreibt der Schriftsteller Jens Schäfer in seiner Gebrauchsanweisung für die Region. Die „Black-Forest-Big-Five“ lauteten in den letzten Jahrzehnten daher Kuckucksuhr, Bollenhut, Schinken, Kirschtorte und -wasser. Mittlerweile schämt man sich nicht mehr für dieses Heimatfilm-Image, sondern sagt vielmehr: Verdammt, ist das schön hier!

© Foto: DUMONT Bildarchiv/Markus Kirchgessner
Kloster St. Trudpert bei Münstertal (oben). Durbach im Norden – am Fuß schöner Weinberge© Foto: DUMONT Bildarchiv/Martin KirchnerFür Leib und Seele:Kloster St. Trudpert bei Münstertal (oben). Durbach im Norden – am Fuß schöner Weinberge
Für Leib und Seele: Kloster St. Trudpert bei Münstertal (oben). Durbach im Norden – am Fuß schöner Weinberge
Statt Ferien auf dem Bauernhof gibt's heute Öko-Urlaub

Die Kirschtorte schmeckt prima,das Wässerle eh, kochen können wir granatenmäßig und jeden Abend ist es beim Wetterbericht nirgendwo so warm wie links unten. Selbst der Kuckuck zieht zuweilen um: Puristische Formen in knalligen Farben hängen an der Wand neben dem altbewährten Piepmatz-Domizil. Originale sind es dennoch, das Geschäft mit der modernen Tradition läuft prächtig. Und sogar aus den schlichten Ferien auf dem Bauernhof ist inzwischen eine neue Form geworden, die wohl „Öko-Urlaub“ heißen könnte. Es scheint, als gelinge es dem Schwarzwald gerade, seine Klischees in Stärken zu verwandeln.

Insgesamt erstreckt sich diese starke Regionauf rund 160?Kilometer Länge. Richtung Rheinebene wird der Wald regelmäßig durchbrochen von aufsässigen kleinen Flüssen und ihren malerischen, teils wildromantischen Tälern. Erdgeschichtlich gesehen ist der Schwarzwald das Ergebnis eines tektonischen Rülpsers, im Tertiär emporgehoben und später, in der Eiszeit, teilweise wieder abgeschmirgelt und gerundet. Von West nach Ost erreicht der Schwarzwald im Süden eine Breite von fast 60?Kilometer, im Norden verjüngt er sich zu einer schmalen Gebirgszunge von gerade noch 20?Kilometern Breite.

Kelten in der vorrömischen Zeit und Alemannen in der nachrömischen Zeit gelten als die frühesten Eroberer des Schwarzwalds. Archäologisch greifbare Spuren haben sie nur in der Vorbergzone hinterlassen. Die mühsame Besiedlung einzelner Täler durch Mönchsorden im frühen Mittelalter hat in teilweise grandioser Lage imposante Klosterbauten hervorgebracht. Den Mönchen folgten bäuerliche Kleinsiedler, ab dem 12.?Jahrhundert gründeten süddeutsche Adelsfamilien zur Festigung ihrer Gebietsansprüche systematisch Städte. Im Spätmittelalter bildeten sich eigenständige Handwerkszweige aus. Am bekanntesten, und noch heute von Bedeutung, sind die Uhrmacher, die Glasbläser, die Geigenbauer, die Köhler und die Flößer.

Durch den Schwarzwaldkönnen Sie sich nicht bewegen, ohne überall auf Spuren dieser Besiedlungs- und Kulturgeschichte zu stoßen. Das sind nicht nur die berühmten Klöster, das sind auch die mächtigen Schwarzwaldhöfe, die unter ihren weit heruntergezogenen Walmdächern ruhen. Und das sind genauso das klappernde Mühlrad und all die traditionellen Handwerkskünste, die bis heute bewahrt blieben.

In der Landwirtschaft heißen die großen Themen regionale Vermarktung, naturnahe Produktion von Lebensmitteln, Nutzung regenerativer Energien, Landschaftsschutz, artgerechte Tierhaltung. Wochenmärkte mit geradezu mediterranem Charakter, gut sortierte Bauernläden mit Produkten aus der Region, Höfe mit Sonnenkollektoren auf den Hausdächern, von Landwirten betriebene Windräder auf den Höhen und immer mehr kleine, dezentrale Wasserkraftwerke an allen Schwarzwaldbächen zeugen von einer Region, die sich modern, innovativ und doch traditionsbewusst der Zukunft zugewandt hat.

Auch jugendliche Trendsportarten wie Drachenfliegen, Inlineskaten und Klettern haben Einzug gehalten. Längst gilt der Schwarzwald europaweit als Dorado für Mountainbiker. Für neuere Trends stehen weiterhin der Europapark in Rust, sportliche Großereignisse wie das Skispringen, Jazz- und Theaterfestivals sowie Openairkonzerte. Großereignisse ganz anderer Art bietet die alemannische Fasnet – ein fröhlicher Ausnahmezustand, von uralten Narrenzünften organisiert, der auf viele historische Wurzeln zurückgeht und sich in skurrilen, bisweilen schaurigen, immer aber ausgelassenen Bräuchen äußert. Sie variieren stark von Region zu Region.

Nicht nur in der Fasnetzeit werden die Schwarzwälder den Gästen etwas eigenwillig und kompliziert erscheinen. Vordergründig sind sie verstockt und eigenbrötlerisch. Hinter dieser Schutzmaske verbirgt sich aber ein lebenslustiger, menschenfreundlicher und neugieriger Menschenschlag, der gern feiert, gern isst und trinkt und der stolz an seiner Heimat hängt. Auch das werden Sie bei einer Reise in den Schwarzwald entdecken.

Schmeckt prima:

der Vesperteller ist eine gute, deftige Mahlzeit
der Vesperteller ist eine gute, deftige Mahlzeit© Foto: DUMONT Bildarchiv/Martin KirchnerSchmeckt prima:der Vesperteller ist eine gute, deftige Mahlzeit
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