Applaus, Applaus …

KulinarikApplaus, Applaus …

Tobias Schmidt vom Sächsischen Hof ist einer der besten Köche Thüringens. Der 35-jährige Meininger agiert nicht nur angenehm bodenständig – er ist auch der Kultur seiner Stadt in besonderem Maße verbunden.

© Foto: Udo Bernhart

„Wir servieren erst die Hauptspeise und dann die Vorspeise“,

sagt Tobias Schmidt, Chef de Cuisine im Romantik Hotel Sächsischer Hof in Meiningen. „Und den Spielplan drüben im Theater, den kennen wir vermutlich besser als die Frau an der Abendkasse.“ Stimmt: Der Mann weiß, wann „Elektra“ startet und wie viele Minuten die Oper „Lucia di Lammermoor“ dauert. Was nicht daran liegt, dass Schmidt ein außergewöhnlich großer Kulturkenner wäre. Es ist vielmehr so, dass das Wohl und Wehe seiner Menüabende vom perfekten Timing abhängt. Denn ein Großteil der Gäste hat eines der hoteleigenen Theaterarrangements mit Aufführung im berühmten Meininger Theater und feinem Drei-Gang-Menü in der Posthalterei gebucht. Und weil vielen Theaterbesuchern die Hauptspeise nach dem Kulturgenuss zu spät käme, hat Schmidt die Sache einfach umgedreht. Hauptgang vor der Veranstaltung, Vorspeise und Dessert danach. So sind alle zufrieden. In diesem Hotel ist schon lange die Welt zu Hause. Der Sächsische Hof blickt auf eine große Tradition zurück. 1802 ließ Herzog Georg I. ihn erbauen, schon in den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde er an die Familie Thurn und Taxis verkauft, die eine Poststation einrichtete. Seit 1996 gehört das altehrwürdige Logierhaus nun dem Coburger Hotelier Peter Henzel, der es mit viel Sinn für die Historie renovieren ließ. In den beiden Gaststuben, der Kutscherstube mit seiner Thüringer Küche und dem Feinschmecker-Restaurant Posthalterei, hängen viele schöne und auch wunderliche Dokumente von damals. Man kann Stiche mit Kutschenmodellen bewundern und über die Trinkgeld-Gewohnheiten vergangener Zeiten schmunzeln. Richtig beeindruckend aber ist die Gästeliste: Neben vielen adligen Herrschaften stehen auf ihr Künstler wie Franz Liszt und Johannes Brahms. Theodor Fontane und Richard Wagner übernachteten hier, aber auch Helmut Kohl oder Vicco von Bülow alias Loriot. In diesem Restaurant ist Weltklasse das Maß. Und ganz viel Liebe zum Detail im Spiel: Eine hellblaue Borretsch-Blüte ziert einen Hauch von Püree aus lila Kartoffeln. Daneben schlummern in einem weiteren Kartoffelbreibett kleine Waldpilze. Den Fisch ziert etwas Pimpinelle aus dem eigenen Kräutergarten, den Tobias Schmidt hegt und pflegt. „Eismeer-Lachs mit violetten Kartoffeln, gebratenen Pfifferlingen und Spargelsalat“, nennt der Meister seine Vorspeise. Ist das nicht fast ein bisschen prosaisch für so ein Kunstwerk? „Ich mag diese Ans und Aufs nicht“, spricht’s und lächelt. Anspruchsvoll ist das, was Tobias Schmidt macht, auch ohne solche Schnörkel. 56 Plätze hat die Posthalterei, eines der fünf besten Restaurants in Thüringen. Untergebracht ist es in den historischen Gemäuern des ehemaligen Pferdestalls. Die große weite Welt hat er gesehen – aber „klassische Wanderjahre bei Gourmetköchen habe ich keine gemacht“, erzählt Tobias Schmidt selbstbewusst. Er fuhr lieber zur See, war Smutje bei der Marine. Noch heute experimentiert der Mann gern mit einfachen Zutaten. „Auf Wunsch meines kleines Sohnes haben wir neulich zu Hause Sauerkraut mit Schmand und Nudeln gekocht – war gar nicht so schlecht“, berichtet der Familienvater augenzwinkernd. Für seine Posthalterei-Kreationen erhielt der Meininger auch schon 13 bis 15 Punkten im Gault-Millau. In den Sächsischen Hof, wo er einst lernte, kehrte Tobias Schmidt schon 2003 zurück. 2007 machte Peter Henzel ihn zum Chef de Cuisine. „Weil für ihn nur Qualität zählt. Und weil er einer ist, der eine feine Antenne für seine Mitarbeiter hat“, erklärt der Hotelchef. „Das Team ist mir total wichtig“, ergänzt Tobias Schmidt. „Das muss geschlossen hinter einem stehen, sonst geht das hier nicht.“ Denn durch das Theater gibt es extreme Stoßzeiten, auch unabhängig von Arrangements. Klar, keiner möchte den ersten Akt verpassen, weil die Küche im Sächsischen Hof zu langsam war. Und nach dem großen Applaus darf schnell die Dreingabe kommen. Für die ist meist Tobias Schmidt zuständig. Wenn der Vorhang fällt, dann geht‘s bei ihm erst so richtig los.

© Foto: Udo Bernhart

Sächsischer Hof

Das Vier-Sterne-Hotel bietet mehrere Theater- und Kultur­arrangements. Preisbeispiel: Das 1-Tages-Angebot kostet ab 156 Euro/Person inkl. einer Übernachtung im DZ mit Frühstück, Willkommensgruß, Theatermenü mit Aperitif und Eintritt ins Meininger Theater. Das Feinschmecker-Restaurant Posthalterei ist Mi?–?So von 17.30?–?24 Uhr geöffnet. Das Drei-Gang-Menü kostet 40 Euro. Die Kutscherstube ist ab mittags täglich geöffnet. saechsischerhof.com

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