Am Wasser gebaut

AntwerpenAm Wasser gebaut

Das maritime Element prägt die schöne Stadt Antwerpen. Sie liegt am Ufer der Schelde, rund 80 Kilometer von deren Mündung in die Nordsee entfernt, und hat den zweitgrößten Hafen Europas. Auch touristisch ist rund ums Wasser richtig viel los – vom boomenden Hafenviertel ‚t Eilandje mit seinen Lofts, Bars und Theatern bis hin zum Wahrzeichen MAS, dem markanten Museum am Strom

Bilder von gestern: Im Red Star Line Museum kann man auf  Spuren der alten Aussiedler wandeln© Foto: VisitFlandersBilder von gestern: Im Red Star Line Museum kann man auf Spuren der alten Aussiedler wandeln
Im Video:Willkommen zu einem Besuch des Museum aan de Stroom (MAS)!

Aufgeregt drängen sich die Passagiere des Flusskreuzfahrtschiffs am Bug, um erste Blicke auf Antwerpen zu erhaschen. Mit jedem zurückgelegten Meter auf der Schelde schärft sich die Sicht auf die Silhouette der 500.000-Einwohner-Stadt. Die 123 Meter hohe Turmspitze der Liebfrauenkathedrale sticht besonders ins Auge.

Genauso muss es den Menschen im 16. Jahrhundert ergangen sein, als die Stadt einen Boom erlebte – auch damals kam die Welt über die Schelde hierher. Und später war dieser Hafen Fluchtpunkt für Auswanderer aller Couleur.

Der Hafen von Antwerpen war seit je her ein Brennpunkt für Ein- und Auswanderer

Dort, wo früher der Handelshafen war, thront heute eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der flämischen Metropole: das „Museum aan de Stroom“, kurz MAS genannt, das in diesem Jahr sein 5-jähriges Bestehen feiert. Auf den historischen Hafendocks gebaut, an denen einst Napoleons Schiffe vertäut waren, erinnert der rote Sandstein des Gebäudes an die Speicher des 19. Jahrhunderts, die das Viertel auch heute noch prägen. Die wellenförmigen Fenster stellen den Bezug zum Wasser dar. Jedes boxenförmige Stockwerk ist mit seinen Fensterfronten um 90 Grad zum vorherigen gedreht, und so hat man nach dem Aufstieg mit der Rolltreppe auf jeder Etage eine neue Perspektive auf die Stadt, den Hafen und die Schelde. Ganz oben auf der Dachterrasse in 60 Metern Höhe vollendet sich dann mit einem 360°-Rundumblick das Panorama.

Das Viertel 't Eilantje hat sich zu einem coolen In-Quartier entwickelt
Vom MAS aus hat man eine tolle Sicht auf Hafen und Stadt© Foto: VisitFlanders/Filip DujardinGroßartiger Weitblick:Vom MAS aus hat man eine tolle Sicht auf Hafen und Stadt

Im Inneren wird die Verbundenheit Antwerpens mit dem Rest der Welt erzählt. Zahlreiche Schätze der Stadt wurden hier zusammengeführt und können bestaunt werden. Gebaut wurde das MAS auf einer Insel, „Eilandje“, die auch als Namensgeber des ältesten Hafengebiets Antwerpens fungiert.

Ausgefallene Restaurantkonzepte, individuelle Cafés, hippe Bars, Galerien und Shops haben sich in den alten Speichergebäuden angesiedelt. Und urige Hafenbars, die den Charme alter Zeiten vermitteln, sorgen dafür, dass ´t Eilandje gemeinsam mit dem angrenzenden Schipperskwartier, dem Schifferquartier, zum absoluten Trendviertel Antwerpens geworden ist.

© Foto: Carolin Thiersch
Ein Rundweg mit Rolltreppen führt durch das Museum  am Strom, der alte Hafen liegt ganz praktisch direkt vor der Tür© Foto: Carolin ThierschBequem zu Fuß:Ein Rundweg mit Rolltreppen führt durch das Museum am Strom, der alte Hafen liegt ganz praktisch direkt vor der Tür
Bequem zu Fuß: Ein Rundweg mit Rolltreppen führt durch das Museum am Strom, der alte Hafen liegt ganz praktisch direkt vor der Tür
Im Sommer öffnen hier viele angesagte Bars und Clubs

Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Frühling einläuten, findet das Leben hier vor allem draußen statt. Die Anleger füllen sich dann mehr und mehr mit Segelbooten und Motoryachten, Restaurants und Cafés öffnen ihre Terrassen und „Pop-up-Sommerbars“ wie das am Dock in einem alten Hafenlagerhaus ansässige „Paniek“ oder der direkt an der Schelde gelegene Beach Club „Bocadero“ öffnen dann wieder ihre Pforten.

Auch Barista Jens Oris, dessen Café Norma zwischen Altstadt und Schifferquartier liegt, spürt die Aufbruchsstimmung in den boomenden Vierteln, die früher vor allem als Rotlichtbezirk lockten. In der Nachbarschaft entstehen neue Läden, und Wohnhäuser werden aufwendig renoviert. Ist er nach der Eröffnung seines Cafés noch täglich selber mit dem Fahrrad zum Hafen gefahren, um seinen Sack frischer Kaffeebohnen zu holen, werden ihm heute die Kaffeesorten aus der ganzen Welt per Transporter angeliefert. Nur so kann er den Durst der vielen Besucher stillen und dem Bedarf an Kaffeebohnen und Pulver für die heimischen Maschinen nachkommen.

Die Nachfrage ist riesig, hat sein selbst gerösteter Kaffee doch den Ruf, der Beste in ganz Antwerpen zu sein. Reisende nutzen die gemütlichen Sofas und sein WLAN gerne als „Workspace“, und Antwerpener treffen sich auf einen kurzen Espressoplausch. So spiegelt sich dann auch im Publikum des Cafés der Eindruck der Stadt wider – alteingesessen vermischt sich fabelhaft mit neu.

Ein ganz neues Juwel der Stadt – im wahrsten Sinne des Wortes – ist auch das neue Hafenamt, „Havenhuis“, das zwischen Handelshafen und Stadt etwas nördlich vom MAS am Kattendijk-Dock gebaut wird und im September bezugsfertig ist. Auf das unter Denkmalschutz stehende alte Feuerwehrhaus wurde ein riesiger Glasbau gesetzt, der in seiner Form an ein Schiff erinnert. Die aus gläsernen Dreiecken zusammengesetzte Konstruktion erzeugt ständige Lichtreflexionen und führt einem immer wieder vor Augen, dass Antwerpen auch die wichtigste Metropole des Diamantenhandels ist. Und dass der Hafen nach wie vor ein großes Tor zur weiten Welt darstellt.


Kleine Pause:

Rund um den Alten Hafen sind viele nette Cafés, Bars und Bistros entstanden
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