Yasukuni-jinja

Als der Meiji-Kaiser 1879 dem "Schrein des friedlichen Landes" seinen Namen gab, ahnte er sicherlich nicht, welch unrühmliche Rolle das "friedliche Land" später einmal spielen würde. Friede und soziale Sicherheit verdanke das Kaiserreich all jenen, die im Dienste des Kaisers ihr Leben lassen. Ihre Seelen sollten im Yasukuni-jinja verehrt werden. Nur wenige Jahre vorher war der Shintoismus im Zuge einer politischen wie ideologischen Aufwertung des Kaiserhauses zur Staatsreligion erklärt worden. Der Staatskult, der den Tennō als direkten Nachkommen der Sonnengöttin Amaterasu zum Gott erhob, wurde nach dem Ersten Weltkrieg von den Expansionspolitikern und Militärs für ihre Zwecke verwendet: Die Japaner seien von den Göttern auserwählt, die Welt zu beherrschen. Der Staats-Shintoismus konzentrierte sich damals auf den südlich von Nagoya gelegenen Großen Schrein von Ise - Wohnsitz der Sonnengöttin -, auf den Meiji-Schrein und eben auf den Yasukuni-Schrein für die im Krieg Gefallenen. Alljährlich am 15. August, dem Kapitulationstag, bietet sich ein skurriles Schauspiel: Japanische Ultranationalisten, viele in alter Uniform, pilgern zum Schrein, um für die Kriegstoten zu beten. Auch Regierungsmitglieder sind darunter, obwohl die japanische Nachkriegsverfassung eine Trennung von Staat und Religion vorsieht. Der Schreinbesuch der Minister und Parlamentsabgeordneten wird durch eine Entscheidung vom Jahr 1978 immer wieder zur Weltnachricht, denn seither stehen auch die Namen der von den Alliierten als Hauptkriegsverbrecher Hingerichteten im Totenverzeichnis des Schreins, darunter Kriegspremier General Tōjō. Bei den ostasiatischen Nachbarländern Japans, die unter der Besatzungsmacht Nippon schrecklich zu leiden hatten, steigerte diese Entscheidung nicht nur die Angst vor einem Wiedererstarken des japanischen Militarismus. Vielmehr gelten die Schreinbesuche der Politiker weltweit als Indiz für die Unwilligkeit der Japaner, ihre Vergangenheit zu bewältigen.
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