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Bohuslän: Die Welt der Tausend Inseln

Die ersten zarten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Meer, Wellen peitschen gegen die Felsen. Wie gemalt wirken die Eiskristalle, die sich in der kalten Nacht auf den Steinen gebildet haben. Eingepackt in einen Überlebensanzug, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einer Brise Wind um die Nase, sitzt Annika vor ihrem Inselhaus an der Westküste Schwedens. So beginnt ihr ganz normaler Wintertag. Tiefe Frische einatmend macht sie sich auf den Weg in ihr Büro am Hafen, mit Blick auf die Nordsee. Zu Fuß, denn Dyrön, Annikas kleine Heimatinsel im Bohuslän, ist autofrei. Es gibt keine breiten Straßen, keine Ampeln, keine wuselnden Geschäftsleute. Hier draußen ticken die Uhren ein wenig langsamer als anderswo – im Winter sowieso, aber auch im Sommer.

Eine Frau am Ruder

Das Telefon klingelt. Annika macht sich Notizen am Computer. Janne, ihr Mann, belädt das Boot mit einer Einkaufstüte und einer Handvoll Briefen. Man hört nun den böigen Wind. Die ganze Insel scheint noch zu schlafen. Annika steuert das Boot langsam aus dem Hafen. Nur ein paar Minuten entfernt, auf der Nachbarinsel Åstol, steht Anna-Greta winkend am Anleger. Die zierliche, 86-jährige Inselbewohnerin strahlt über das ganze Gesicht und umarmt die Kapitänin, die sie mit der Welt da draußen verbindet. "Es ist einfach schön, etwas zu tun, das für die Menschen hier wichtig ist. Besonders für die, die schon lange hier wohnen", sagt Annika. Die Seniorin muss zum Arzt aufs Festland und Annika fährt sie dort hin, wie jeden Mittwochmorgen. Auf dem Rückweg liefert sie die am Vortag bestellten Lebensmittel für Familie Holgersson auf der Insel Risön aus. Sie stellt die Tüte einfach in einer Holzbox auf dem Steg ab – hier kommt nichts weg. Die Post legt sie gleich daneben. Annika ist eine Frau mit einem Männerjob, die einzige Kapitänin am Bohuslän. Ihre blauen Augen strahlen vollkommene Zufriedenheit aus. Sie lächelt und sagt: "Allen hier auf den Inseln ist klar, dass wir uns gegenseitig brauchen. Das war immer so und wird auch immer so sein." Nicht nur ältere Damen wissen Annika und ihre Kollegen zu schätzen. Annikas Schiff ist auch ein schwimmender Schulbus. Ohne diesen Service würde das Schulsystem auf den Inseln zusammenbrechen.

Fünf Inseln an einem Tag

Am Nachmittag bereitet Annika ihr Boot für andere Fahrgäste vor, Touristen. "Island Hopping gibt es an vielen Orten dieser Erde. Aber im Archipel des Bohuslän ist es anders, besonders, einzigartig", schwärmt sie voller Überzeugung. Im kleinen Hafen auf der anderen Seite von Dyrön wartet eine kleine Gruppe von Inselhüpfern auf das Boot. Die Robben, die sich auf den Felsen sonnen, teilen ganz offenbar die gute Laune der Passagiere. Die Meereslandschaft mit ihren über 1000 Inseln scheint unendlich. "Båtluffa" nennen die Schweden das Island Hopping. Bis zu fünf Inseln schafft man an einem Tag. "Bei einer Båtluffa kann man sich spontan entscheiden. Hier ist es schön, hier bleibe ich eine Stunde, einen Tag. Oder fahre weiter mit dem nächsten Boot", erklärt Annika. Ihre persönliche Lieblingsroute startet in Marstrand. Vorbei an Åstol und Mollösund bis zur Insel Käringön: "Käringön ist für mich die Perle unter unseren Inseln. Dort gibt es eine wilde Landschaft aber auch einen idyllischen Ortskern mit schmalen Gassen und einem lebendigem Hafen. Und von dort aus kommt man überall hin." Annikas Familie besitzt drei Boote in verschiedenen Größen. Meistens fährt sie, wie heute, mit der M/S Lövö. Es ist das kleinste Boot und bietet Platz für 12 Passagiere. Annika ist glücklich mit dem was sie tut. Und das überträgt sich auf jeden Gast, der zu ihr an Bord kommt.

Weitere Infos zum Island Hopping in Bohuslän gibt es unter www.vastsverige.com.

Überraschungen nach Art des Meeres

Kein Tag im Bohuslän gleicht dem anderen. Und verrückte Naturerlebnisse gibt es hier immer wieder. Eines davon hat Annika mit ihrem Smartphone als Video festgehalten: Das Boot verringert die Geschwindigkeit. Mitten zwischen den Inseln Dyrön und Älgön kommt es zum Stillstand. Der leichte Wellengang lässt es sachte hin und her schaukeln. Überraschte Gesichter blicken Richtung Kapitänskabine. Im Wasser schwimmt etwas. Groß und mit eigenartiger Form. Ein Elch. Schwimmend, als wäre es hier in Westschweden das normalste der Welt.

Es gibt viele besondere Momente, an die sich Annika gerne erinnert: "Ich fahre ab und zu eine Schulklasse aus Göteborg zu einem Schulcamp auf eine der Inseln. Meistens sind ein paar Schüler aus weit entfernten Ländern dabei. Wir hatten ziemlichen Wellangang und die Jugendlichen wurden nass. Ein Junge probierte das Wasser auf seinem Arm, schaute mich fassungslos an und schrie: 'Das schmeckt ja nach Salz!'" Annika lächelt glücklich. "Es hat wirklich mein Herz erwärmt zu sehen wie fasziniert dieser Junge war."

Jenseits des Feiglingslochs

Der Schärengarten von Bohuslän mit unzähligen glattgeschliffenen Granitfelsen und kleinen Fischerdörfern hat im Sommer etwas ganz besonderes. Die Luft duftet dann nach Meer und Blumen. Pittoreske kleine rote Holzhäuschen und Badebuchten laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. "Der Sommer bei uns ist herrlich, aber der Winter gefällt mir noch besser", behauptet Annika. Nach einem abwechslungsreichen Arbeitstag genießt sie gerne ein gemütliches Essen mit guten Freunden. Oder geht in die Sauna. In die wohl am schönsten gelegene Sauna Schwedens, eine kleine, einsam gelegene Holzhütte mit Blick aufs Meer. Wenn draußen der Sturm wütet und die Regentropfen gegen die Glasscheibe peitschen, gibt es für Annika nichts Schöneres als in der Bastu zu entspannen. Sie lächelt: "Die Mutigen springen nach einem Saunagang in die offene See, für die anderen gibt es das Feiglingsloch. Ein von der Natur eingerahmtes Bassin im Fels, in das Meerwasser fließt. Das ist etwas für alle, die Angst vor der Strömung im offenen Meer haben." Annika wird wohl den Rest ihres Lebens auf ihrer Insel verbringen. "Ich gehe nicht mehr weg, denn hier gehöre ich hin", sagt sie und schaut auf ihr Meer.

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