© Roger Borgelid, westschweden.com

Seite teilen

Anzeige

Der Mann, sein wundersamer Garten und das Schloss Läckö am großen Wasser

Ihr kennt das bestimmt: irgendwann erzählt euch jemand, der ganz woanders zuhause ist, wie klasse er eine bestimmte herausragende Sehenswürdigkeit in eurem Heimatland findet. Ihr schaut betreten zu Boden und denkt: Das kann doch nicht wahr sein – da war ich noch nie! So ging es mir bis heute mit einem legendären Schloss in Westschweden, das von drei Seiten von Wasser umgeben ist, und zwar von so viel Wasser, dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Sein Name: Läckö slott. (Alle Infos rund um das Schloss gibt es unter www.lackoslott.se)

Herrscher über 5000 grüne Köpfe

Jetzt bin ich auf dem Weg dorthin – mit dem wahrscheinlich einzigen Auto, das Bischof Brynolf Algotsson, der Bauherr des Barockschlosses, für diese Fahrt zugelassen hätte – wenn der PKW im 13. Jahrhundert schon erfunden gewesen wäre. Ich rolle in einen knallroten Volvo Amazon, Baujahr 1967, durch eine tiefgrüne, sonnenbeschienenen Landschaft auf die Halbinsel Kållandsö am Vänernsee zu, die der Bischof als Platz für das Läckö slott ausgewählt hat. Auf einem Zipfel direkt am Ufer ragt das Schloss in den westschwedischen Himmel. Ganz in weiß, mit runden Türmen, die rote Hüte aufhaben. Es hat alles, was ein Schloss braucht. Eine wehrhafte Mauer drumherum, ein ordentliches Schlosstor, ein herrschaftliche Zufahrt mit knirschendem Kies. Heute, nach mehr als 800 Jahren mit Königen, Kirchenfürsten und weltlichen Adeligen, hat hier ein ganz außergewöhnlicher Mann das Sagen. Er ist jedenfalls der Herrscher über einen wichtigen Teil der Schlossanlage und Fürsprecher von 5.000 Salatköpfen. Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass der Koch in mir hauptsächlich seinetwegen hierhergekommen ist. Er ist ein Magier, der sich auf grünen Zauber versteht.

Willkommen im Reich, wo Zeit keine Rolle spielt

Der Mann mit Strohhut, weißem Vollbart und rundbeglaster Sonnenbrille spaziert mir auf dem Schlossweg entgegen. "Hej, herzlich willkommen", sagt er und schüttelt mir die Hand. "Ich bin Simon, der Gärtner." Er spricht leise und in aller Ruhe, so als würden diese Mauern auch alle Hektik der Welt aussperren. Vor 27 Jahren hat er hier am Läckö slott als Gärtner begonnen. Wer einen Garten gestalten will, braucht vor allem zwei Dinge: Zeit und Geduld. Über beides scheint Simon zu verfügen. Und noch dazu hat er hier einen wunderbaren Platz gefunden, um seine Ideen in die Tat umzusetzen. Wir gehen eine alte Steintreppe hinab. Den Garten, der sich seitlich an die Schlossgebäude schmiegt, schützen mächtige Mauern. Genau so hoch, dass die Pflanzen nicht unter schlechtem Wetter leiden, man aber noch drüber schauen kann auf den Vänernsee, der sich wie ein Meer vor dem Garten ausbreitet. Das Mikroklima ist ideal für Salat.

Kunst neben dem Bau

In den Beeten, die ich kenne, wachsen die Pflanzen in geraden Reihen. Aber Simon geht es nicht nur um den Nutzen, sondern auch um die Ästhetik des Natürlichen. Und in der Natur ist nun mal das Schnurgerade eher die Ausnahme. Also hat er seine Salatpflanzen in langen, geschwungenen Bögen gesetzt. Jede Sorte bekommt einen. Von oben betrachtet wirkt der Garten wie ein Kunstwerk aus gezackten, runden, hochwachsenden, niedrigen, leuchtend grünen, matt schimmernden, von roten Adern durchzogenen und sattgrünen Blättern.

Aroma im Blatt

"Mein Lieblingssalat? Hhmm…", Simon zögert und möchte die Frage eigentlich gar nicht recht beantworten. "Alle haben ihren eigenen Charakter. Aber wenn ich mich unbedingt entscheiden müsste, würde ich wohl den 'Reine de Glaces' nehmen." Jetzt bin ich wirklich gespannt. Der Meister des Salats zieht ein kleines Erntemesser aus der Hosentasche und klappt es aus. Wir stehen vor einer Reihe mit Salatpflanzen, die aussehen, als hätten sie sich nie entscheiden können, wohin sie eigentlich ihre hellgrünen Blätter wachsen lassen sollen. Sie sehen ziemlich wirr aus. Simon schneidet eine Pflanze ab und pflückt ein Blatt für mich. Wenn ihr jemals die Chance habt, frisch am Feld in ein Stück von Simons "Reine de Glaces" zu beißen – tut es! Es knackt vor Frische, und dann kommt dieser unglaublich intensive Geschmack. Der hat alles, was man an Aroma braucht, im Blatt. Da muss man nichts mehr ergänzen. Wer dieses Erlebnis hatte, wird garantiert nie wieder faden Supermarktsalat essen. Pflanzenschutzmittel und andere Gifte kommen bei Simon natürlich nicht aufs Beet. Kunstdünger auch nicht. "Wir bauen den Salat sogar vegan an", behauptet er und grinst übers ganze Gesicht. Er sieht wohl das große Fragezeichen in meinen Augen. Vegan? Ist Salat nicht immer vegan? "Na ja – wenn man mit Mist von Tieren düngt, ist Salat ja ganz streng genommen nicht mehr vegan. Wir verwenden hier nur Kompost von Pflanzenabfällen."

27 Jahre für eine Laube

Simon hat den Garten vor 27 Jahren entworfen und betreut ihn seitdem als Gartenchef mit einem kleinen Team. Der Laubengang, durch den wir jetzt gehen, gehört zu seinen ersten Pflanzungen. Das braucht alles, bis es wird. Und man merkt Simon am, wie stolz er darauf ist, dass alles so gut geworden ist. "Ich kann nicht wirklich sagen, dass es Spaß macht, wenn man hier im März in Wind, Regen und Kälte steht und mit der Gartenarbeit anfängt. Aber dann, im Frühsommer – wenn alles grünt und die ersten Besucher begeistert sind – YES!" Simon reckt beide Fäuste nach oben. Eine Geste, die ich von diesem Mann überhaupt nicht erwartet habe. Und ich verstehe: Gartenarbeit kann etwas sehr, sehr Emotionales sein, wenn man das ruhige Feuer hat, das in Simon dafür brennt.

Weitere Infos zu Westschweden findet ihr auf www.westschweden.com

-- °C--:--Mehr +
Quick Facts Reiseführer Schweden
Ortszeit:--:-- Uhr
Zeitverschiebung:-
Wetter:-- °C
Weniger -

Unterwegs mit Küchenchef Tareq Taylor:
"Söderåsen - Erholung pur und fantastische Ausblicke"

Smaklig Måltid - Schweden kulinarisch
In vier Episoden zeigt der schwedische Starkoch Tareq Taylor, wie lecker seine Heimat ist.
Ausstrahlungstermine: 25.02., 04.03., 11.03. und 18.03.2018, jeweils um 18.15 Uhr auf MARCO POLO TV.

Nach oben