© Werner Nystrand, Visit Sweden

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Ribersborgs Kallbadhus: Malmös Sauna über dem Meer

Alles ist frisch und ruhig an diesem Morgen in Malmö. Die Wellen rollen sanft auf den Ribersborgsstrand, als hätten sie alle Zeit der Welt. Der Wind scheint noch zu schlafen. Und nur manchmal kreischt eine Möwe am Himmel, deren Tag schon viel früher begonnen zu haben scheint. Es ist Sommer in Malmö.

Vom Sandstrand aus führt ein Holzsteg aufs Meer. Der Moment ist so perfekt, dass man sich fast nicht traut, weiterzugehen. Das Haus am Ende des Stegs haben die Zimmerleute vor mehr als 100 Jahren errichtet. Ein flacher Bau auf dem Meer, in dem der ganze Charme der Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert steckt. Holzstelzen im Wasser bilden das Fundament der Konstruktion. Innen ist alles wie früher. Schlicht. Einfach. Und komplett aus Holz. Es gibt zwei Umkleideräume, links für Männer, rechts für Frauen. Davor, aufs Meer zu, zwei mit Holzwegen eingefasste Becken, die ein großes Stück tiefblaues Wasser einrahmen.

Insel für 7 Euro

Es ist kurz vor 8 Uhr und Jonas ist der einzige Mensch in dieser Oase am Öresund. Er legt Holzscheite in den Saunaofen. Das Feuer beginnt zu knistern, es duftet nach Buchenholz und Fichtennadeln. Jonas kümmert sich darum, dass die Sauna rechtzeitig auf Temperatur ist, wenn die ersten Gäste hier schwitzen wollen. Und das wird nicht mehr lange dauern. Wer die Sauna auf dem Meer fast für sich haben möchte, kommt früh. Das Kallbadhus hat viele Stammgäste, die meisten von ihnen nennen es liebevoll-vertraut "Kallis". Ein günstiges Vergnügen: der Eintritt kostet nur rund 7 Euro. Dafür kann man den ganzen Tag auf der hölzernen Saunainsel bleiben und ausspannen, wenn man möchte. Auch werzwischendurch Appetit spürt, muss keinen Fuß an Land setzen: das Restaurant des Kallbadhus bereitet Mittag- und Abendessen zu – die kulinarische Versorgung auf der Sauna-Insel ist komplett.

Weitere Infos zum Kallbadhus: www.ribersborgskallbadhus.se

Temperatursturz um 72 Grad

Teres und Petra gehören heute zu den ersten Gästen. Beide leben in Malmö und haben sich am Morgen vor der Arbeit eine Auszeit genommen. Im Kallbadhus treffen sie zwei Freunde, um gemeinsam die Hitze der Sauna und die Kühle des Meerwassers zu genießen. Und die Sonne, die inzwischen über dem Meer steht. Nach 10 Minuten bei 90 Grad Lufttemperatur ist das Optimum für die Vier erreicht. Teres öffnet die Saunatür. Es sind nur ein paar Meter bis zum Meer. Kopfsprung ins Wasser – 72 Grad Temperatursturz. Pure Erfrischung. "Es ist unglaublich. Im Körper rast alles. Die Endorphine spielen verrückt. Man fühlt sich so ungeheuer lebendig", sagt Freundin Kristin. "Im Winter spürt man das alles natürlich noch intensiver", ergänzt Teres. "Aber jetzt im Sommer ist es natürlich schöner, sich nach dem Bad auf im Steg in der Sonne zu entspannen. " Frauen können das Erlebnis unter Frauen genießen und auch Männer haben ihren eigenen Bereich – aber die hölzerne Insel bietet auch eine gemischte Sauna.

Beeindruckendes Panorama vor der Sonnenliege

Das Kallbadhus hat das ganze Jahr über geöffnet. Manche Gäste kommen jetzt im Sommer gar nicht zum Saunabesuch hierher, sondern weil es einer der schönsten Orte Schwedens ist, um zu baden und den Ausblick zu genießen. Denn vor dem Holzhaus liegt rundherum das glitzernde Meer. Auf der Sonnenliege wendet man den Kopf leicht nach links und erkennt in der Ferne die Umrisse der imposanten Öresundbrücke, die Kopenhagen mit Malmö verbindet. Von hier aus wirkt sie wie ein geschwungenes Kunstwerk, das als große, festgegossene Welle aus Stahl die Verbindung zwischen Dänemark und Schweden symbolisiert. Bewegt man die Augen nach rechts, erscheint der Turning Torso im Blickfeld. Ein markantes Hochhaus, das einem leicht eingedrehten menschlichen Körper nachempfunden ist und das Stadtbild von Malmö prägt. Für all das muss man sich keinen Zentimeter von der Sonnenliege am Kallbadhus wegbewegen. Ein heimeliger schwedischer Holzbau und moderne Architektur verbinden sich hier zu einem Gesamtkunstwerk.

Sprungbrett mit Ausblick

Seine Einweihung erlebte das Kallbadhus im Malmöer Stadtteil Ribersborg im Juni 1898. Schon vier Jahre später musste es komplett neu gebaut werden – der große Weihnachtssturm hatte das ursprüngliche Gebäude ins Meer gerissen. Der Architekt ließ bei dieser Gelegenheit gleich einige Verbesserungen umsetzen. Unter anderem wurde das Sprungbrett im Herrenbereich so positioniert, dass es sowohl Ausblick über den Öresund als auch Einblick in den Damenbereich bot. Eine Änderung, die sich wenig später als kurzsichtig erwies. Denn in den 30er-Jahren wurde das Nacktbaden immer populärer und der Ausblick musste durch einen Sichtschutz zwischen den Damen- und Herrenbereich wieder verengt werden.

Business-Deals in Badelatschen

Teres und Petra haben ihren dritten Saunagang beendet. Und sind natürlich auch noch zweimal ins Meer gesprungen. Auf der Veranda des kleinen Cafés im Kallbadhus sitzen die beiden in Badetücher gehüllt und lassen ihre Haut von der Sonne wärmen. "Ich komme oft mit Freunden hierher", sagt Teres. "Manchmal auch zum Arbeiten. Dann bringe ich einfach meinen Laptop mit. Aber ich habe hier auch schon die besten Business-Meetings gehabt. In der gemischten Sauna spricht es sich einfach leichter. Alle sind hier gleich, es gibt keine Unterschiede, denn alle sind ja nackt und Statussymbole hat niemand dabei."

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