© Marco Polo TV

Seite teilen

Anzeige

Der Muschelmanager von Bohuslän

Lyckorna, der kleine Küstenort eine knappe Autostunde nördlich von Göteborg, glänzt in der Mittagssonne. Zehn Minuten vom Hafen entfernt beginnt der Schiffsdiesel langsamer zu tuckern. Der rote Fischkutter gleitet gemächlich auf ein Feld mit weißen, futuristisch anmutenden Kunststoffbojen zu, die im Kontrast zum Grün der Ufer und dem Blau des Meeres wie ein von Menschen geschaffenes Kunstwerk auf dem Wasser wirken. Ganz vorsichtig steuert der Kapitän des kleinen Schiffs das Bojenfeld an. Der Motor verstummt – jetzt ist nur noch das sanfte Plätschern der Wellen zu hören. Durch das Wasser schimmern Seilgerüste, die unter Bojen befestigt sind. Janne schwenkt den Arm des Schiffskrahns aus und hebt einen der Schwimmkörper an. Der Kutter neigt sich unter dem Gewicht bedenklich zur Seite. 1,5 Tonnen zieht der Krahn aus dem Wasser: an den Seilen und Nylonstreifen haben sich Kolonien aus Hunderten von Muscheln mit dunkelblau-schwarzen Schalen gebildet. Janne hat seine Muschelfarm vor 9 Jahren aufgebaut. "Ich habe einen Job fürs Herz und einen für den Kopf", sagt er. Eigentlich verdient er sein Geld mit einer Firma, die erfolgreich Bauausrüstungen herstellt. Aber das hier, seine Farm im Meer, das Kultivieren von Muscheln, das ist seine Berufung.

Wer isst, tut Gutes.

Mit dicken Handschuhen geschützt pflückt er die Schalentiere vom Gerüst und legt sie in das Spülbecken, das an Bord angebracht wurde. Jede Muschel befreit er mit einem Spezialmesser von den anderen Meerestieren und Pflanzen, die sich auf den Schalen angesiedelt haben. Dann werden sie mit Wasser abgeduscht. Muschelfarmer sind Handwerker und, wenn sie so arbeiten wie Janne, auch Naturschützer: "Muscheln sind gut für das Meer, sie sind die Lunge der Ozeane, weil sie das Wasser filtern. Wer Muscheln aus gut geführten Farmen isst, tut also im Grunde etwas für die Erhaltung der Meere." Und natürlich auch für den eigenen Genuss. Die Blaumuscheln aus dem Gewässer in der Bucht von Lyckorna haben eine exzellente Qualität. Sie wachsen in klarem, sauberem Wasser. Das macht ihren Geschmack so intensiv. Lange Zeit haben die Schweden selbst nicht beachtet, welche Delikatesse da in ihren Gewässern zu Hause ist. Mehr und mehr Menschen schätzen aber inzwischen das lokale Seafood von der Küste, das ganz frisch auf die Teller kommt.

Miesmuscheln sind die vermutlich beliebtesten und bekanntesten Muscheln. Dank der perfekten Lebensbedingungen im kalten Wasser von Bohuslän wachsen sie extrem langsam und werden ausgesprochen zart. Die Region wird auch als das schwedische El Dorado für Schalentiere bezeichnet.

Schwedischer Sommertagstraum.

Die Ernte ist inzwischen gesäubert und Janne lässt den Motor seines Kutters an. Die Wolkendecke hat erste Risse bekommen. Die kühle Luft dieses schwedischen Sommertages lässt die Wärme der Sonnenstrahlen überdeutlich erscheinen. Das Gefühl, was Sommer wirklich sein kann, bekommt man wohl nur hier. Als wolle die Sonne zeigen, was sie alleine schafft, an frischer, sauberer Luft und ohne jede Schwüle. Der kleine Steg des Hafens von Lyckorna kommt näher. Segeljollen dahinter, rechts ein altes weißes Holzhaus im historischen Stil der Westküste. Mit Glockenturm und hellgrünen Dächern. Janne macht den Fischkutter fest und trägt eine Kiste mit Blaumuscheln an Land.

Purer Genuss, großes Glück.

Das Holzhaus - Baujahr 1877 - ist die "Musselbaren", Jannes Restaurant am Meer. Die Speisekarte kennt nur einen Star: die Muschel. Frisch aus dem Meer. Ohne Schickschnack. Alle Zutaten dienen dem Geschmack der Hauptzutat und lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen: Möhren, Sellerie, Porree und Zwiebeln. Kurz mit Weißwein abgelöscht ergibt das den Sud, in dem die Blaumuscheln köcheln. Natürlich serviert die "Musselbaren" verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Beilagen. Aber immer geht es um die dampfenden, nach dem Kochen goldgelben und wunderbar nach Meer duftenden Muscheln, die der Kellner in schwarzen Emailletöpfen an die Holztische trägt. An Tagen wie diesem genießt man auf der Terrasse vor dem Haus. Sonnenverwöhnt und mit Blick auf die Bucht von Ljungskile, dem Ort, wo die Muscheln wachsen.

Das Gold des Nordens

Vom Steg wehen fröhliche Frauenstimmen herüber ins Restaurant. Eine Gruppe schleppt Muschelkisten auf das Restaurant zu. Janne hat mit dem Schiffskutter inzwischen eine Muschelbank-Exkursion unternommen. Die mehrstündigen Touren bietet er für diejenigen an, die ihre Muscheln selbst ernten wollen. Die Teilnehmer machen alles selbst – von Pflücken der Muscheln bis zum Säubern. Ganz nebenbei bekommen sie Informationen über den Anbau der Blaumuscheln und die Biologie des Meeres.

Damit bei der Zubereitung nichts schief geht, kümmert sich Janne allerdings am Schluss selbst um die richtige Zubereitung. Auf der Veranda der "Musselbaren" steht er in Kochmontur hinter einem überdimensionalen, feuerbeheizten Wok und bereitet den Sud zu. "Manche Leute kochen die Muscheln solange in Wein bis sie nur noch nach Wein schmecken. Das ist meiner Meinung nach der größte Fehler. Wenn man bei frischen Muscheln das Meerwasser nutzt, das noch in den Muscheln steckt, ist das die beste Basis für den Sud. Wein kommt nur als Abrundung dazu", erklärt der Muschelfarmer. Die Muscheln im Wok öffnen sich und nehmen langsam ihre goldene Farbe an. Bei den Exkursionsteilnehmerinnen steigt die Vorfreude. Sie feiern an diesem Tag Junggesellinnen-Abschied und der könnte im Sonnenuntergang an der Ljungskile-Bucht noch sehr, sehr lang werden…

Weitere Infos zu Westschweden findet ihr auf www.westschweden.com

-- °C--:--Mehr +
Quick Facts Reiseführer Schweden
Ortszeit:--:-- Uhr
Zeitverschiebung:-
Wetter:-- °C
Weniger -

Smaklig Måltid - Schweden kulinarisch
In vier Episoden zeigt der schwedische Starkoch Tareq Taylor, wie lecker seine Heimat ist.
Ausstrahlungstermine: 25.02., 04.03., 11.03. und 18.03.2018, jeweils um 18.15 Uhr auf MARCO POLO TV.

Nach oben