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Kosterhavet: paradiesischer Meeres-Nationalpark inklusive Aquarium

Der Hafen der Insel Sydkoster im Bohuslän ist schon in Sicht als das Schiff eine vielleicht 80x100 Meter kleine Felseninsel passiert. Schieres Gestein, kein Baum, kein Strauch, kaum Gras. "Karg" ist eine sehr vorsichtige Beschreibung der Vegetationsarmut. Wie ein gezackter kleiner Mond, der ins Meer gefallen ist, ragt die Insel aus dem Wasser. Hinter einem Steinbrocken bewegt sich ein grauer Kopf. Eine Ziege. "Die haben ihre eigene Insel. Niemand kümmert sich um sie und kein Mensch weiß, wovon sie eigentlich leben", erklärt Tomas. Er dreht das Steuerrad nach Backbord und hält auf die Mole von Ekenäs zu. Tomas arbeitet als Ranger im Naturreservat Kosterhavet, dem ersten Meeresnationalpark Schwedens. Er kümmert sich darum, dass hier alles funktioniert. Vor allem sorgt er dafür, dass die Regeln zum Schutz von Tieren, Pflanzen und Wasser eingehalten werden. Das ist hier an der Westküste Schwedens das oberste Gebot.

Schwedens Südsee

Aus der Vogelperspektive betrachtet ist Kosterhavet kaum von einem tropischen Inselparadies zu unterscheiden. Opalblaues Wasser, hunderte von Inseln, manche durch Fährboote verbunden, andere allein, Sandstrände, manche von Felsen begrenzt. Dahinter ab und an schattenspendende Baumgruppen. Aus der Luft verrät eigentlich nur die blau-gelbe Flagge, die träge im Wind flattert, dass diese beschützte maritime Welt ein Teil von Westschweden ist. Vom Küstenort Strömstad ist sie mit der Fähre in 45 Minuten zu erreichen.

Keine Angst vor Algenchips

Gleich neben dem Schiffsanleger hat die Nationalparkverwaltung ein neues Naturschutzzentrum gebaut. Aus der Eingangstür dringen Kinderfragen. Mitten im Raum steht ein überdimensionales Aquarium, der "Touching Pool", in den man jederzeit hineingreifen kann – und soll. Drumherum acht Kinder mit ihren Eltern und Amanda, die Nationalpark-Rangerin, die heute Vormittag einige Geheimnisse des Meeres lüftet. Sie zieht eine Alge aus dem Wasser und reicht sie den Kindern hin. Die Kleinen sollen am besten erst gar keine Scheu vor "dem Glibberzeug da unten" entwickeln, die sie sich vielleicht von ihren Eltern abgeschaut haben. Anfassen und fühlen hilft da sehr. "Man kann diese Alge auch frittieren und essen wie Chips", legt Amanda nach. Was lecker schmeckt, macht keine Angst. Mitten im Satz wechselt Amanda mühelos von Schwedisch zu Englisch und wieder zurück – der Nationalpark ist auf internationales Publikum eingestellt. Aber selbst jetzt, in der Hochsaison, bleibt die Menge der Besucher angenehm.

Fenster zum Traum

Gäbe es einen Architekturpreis für das Gebäude mit dem schönsten Fenster, das neue Naturschutzzentrum im Kosterhavet Nationalpark hätte exzellente Chancen, ihn zu gewinnen. Wer den schwedisch-modern designten Holzbau betritt, schaut auf der anderen Seite durch das Fensterglas auf einen gerahmten Ausschnitt des Meeres dahinter, der wirkt wie ein perfektes, sommerliches Trauminsel-Panorama-Gemälde, das nach festem Plan getaktete reale Fährboote durchkreuzen.

Biologie in Badehose

Hinter dem Haus genießen Familien in Badekleidung die Mittagssonne. Trotz Strandleben beherrscht das entspannte Auslaufen der Wellen am Ufer die Geräuschkulisse. Auf dem Steg liegt eine blonde Frau im knallorangen T-Shirt und Shorts auf dem Bauch und schaut ins Wasser. Neben ihr ein Mädchen und ein Junge. Erwartungsfrohes Quietschen. Maria geht hier ihrer Arbeit nach. Sie ist Meeresbiologin und macht für die beiden Kinder gerade einen Spontan-Biologie-Unterricht am lebenden Objekt. Mit einem kleinen Netz fischt sie eine Strandkrabbe vom Grund des Wassers und zeigt den beiden, wie die Scheren des Tieres funktionieren und woran man erkennt ob es ein Weibchen oder Männchen ist. Mit Maria Krabben fangen und dann nochmal kurz mit Taucherbrille ins Meer springen – das geht bei den Kindern locker als Freizeitspaß durch. "Wir wollen den Kindern und auch den Erwachsenen zeigt, wie faszinierend das Meer ist. Je mehr man darüber weiß, desto begeisternder wird es", sagt Maria.

Tief im Norden: Korallen

Maria leitet das Besucherzentrum des Nationalparks im Kosterhavets Nationalpark. Ihren Lieblingsplatz erreicht man am besten mit einem der Fahrräder, die auf Sydkoster zum Ausleihen angeboten werden. Es geht ein kleines Stück sanft bergauf, dann durch ein kleines Wäldchen. Überall duftet es nach Meer und Sommer. Dann öffnet sich die Bucht. Sandstrand mit kleinen Felsen, dahinter grün-blaues Meer. Die Küste fällt an ihrer tiefsten Stelle auf 247 Meter ab, das Wasser hat einen hohen Salzgehalt. Das ist für viele Meeresbewohner attraktiv, auch für solche, die sonst nur weiter draußen leben. Rund 6000 verschiedene Arten haben die Biologen im Kostermeer nachgewiesen – so viele gibt es nirgendwo sonst in Schweden. Auch Schwedens einziges Korallenriff liegt hier. "In dieser enormen Vielfalt hat ein jedes seine Berechtigung. Nichts ist mehr wert als das andere. Manchmal verwandelt sich sogar das Eine in das Andere. Einige Fischarten wechseln im Laufe ihres Lebens das Geschlecht. Das kann uns auch viel über Toleranz unter Menschen sagen", erklärt Maria.

Staunen mit angehaltenem Atem

Direkt vor Marias Lieblingsstrand beginnt der Unterwasser-Schnorchelpfad von Kosterhavet. Bojen markieren den Weg über die verschiedenen Bodenformationen. In 1 bis 1,5 Metern Tiefe haben die Mitarbeiter des Nationalparks Hinweistafeln mit kurzen Erklärungen angebracht – ein Lehrpfad, den man mit angehaltenem Atem anschaut. Auch bei Kajaktouren und Schiffssafaris zu den Seehunden, die vor der Küste leben, könnten Besucher die Natur der Inselwelt kennenlernen. "Wir brauchen viel mehr Verständnis für diese unglaublich schöne Welt", sagt Maria, "dann wird auch klar, warum wir sie schützen müssen – und wie das gehen kann. Daran arbeiten wir jeden Tag."

Weitere Infos zu Westschweden findet ihr auf www.westschweden.com

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