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Die Wahre, Schöne, Kluge: Lund

Die Stadt braucht sich nicht zu beeilen. Sie hat es einfach nicht nötig. Im Gegenteil: Mit ruhiger Gelassenheit hat sie über die Jahrhunderte beste Erfahrungen gemacht. Das gründliche Überlegen, das Erforschen ist hier zu Hause – spätestens seit 1666 als die Universität von Lund gegründet wurde. Lund in Skåne ist heute eine der wichtigsten Studentenstädte Schwedens. In den mit Kopfstein gepflasterten Gassen mit ihren Fachwerkhäusern hallen die Gespräche der Wissenschaftler nach und man würde sich überhaupt nicht wundern, wenn gleich zwei Professoren in altertümliche Talare gehüllt und in ein Fachgespräch über Medizin vertieft, um die Ecke bögen.

Buchsommer unter schattigen Bäumen

Lund ist auf eine konzentrierte Weise gelassen. Jetzt, im Hochsommer, allerdings lässt auch die wissenschaftliche Konzentration ein wenig nach und weicht der Entspannung. Es sind Semesterferien. Mag sein, dass einige der 42.000 Studenten der renommierten Universität in ihren Studierzimmern büffeln, möglich aber auch, dass viele einfach frei machen. Auf dem Platz vor dem schneeweißen klassizistischen Hauptgebäude der Uni ist heute jedenfalls nur der Gärtner aktiv. Mit viel Hingabe versorgt er die Pflanzen des Parks mit Wasser. Würde man in Lund studieren, möchte man sich wohl am liebsten mit seinem Buch auf eine schattige Bank in einem der zahlreichen Parks der historischen Innenstadt zurückziehen. Irgendwohin in die universitäre Idylle zwischen Dom und Fakultäten. Die Studenten, die das tun, haben Laptops dabei – aber irgendwie wollen gedruckte Bücher besser zur Stimmung von Lund passen.

Wo die Uhr anders schlägt

Die Atmosphäre der Stadt wird von keinem Gebäude stärker geprägt als vom der Domkyra, dem Dom zu Lund, einem eindrucksvollen Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert. Der älteste Dom Skandinaviens verbindet zwei der großen Themen der Stadt – Baukunst und Wissenschaft; Schönheit und Erkenntnis. Mit großer Meisterschaft und Kreativität gefertigt, steht in der Nähe des Haupteingangs "Horologium mirabile Lundense", eine große, astronomische Uhr, die auch Mondphasen darstellt und Tierkreiszeichen. Ein hochkomplexes Werk von Zahnrädern und metallischen Verbindungsstücken setzt sich in Bewegung, wenn die Uhr zu spielen beginnt. Von dieser Mechanik bewegt, schlagen hölzerne Knechte zu Pferd aufeinander ein. Hornbläser spielen den Lobgesang "In dulci jubilo", während sich eine kleine Pforte öffnet und die Prozession der Heiligen Drei Könige der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind huldigt. Allein diese fantastische Uhr lohnt den Besuch in Lund.

Drinnen wie draußen – die Welt verstehen

Doch die Stadt hat nicht nur eine universitäre und kirchliche Vergangenheit , sondern auch eine bäuerliche. Dafür stehen acht große Buchstaben vor einem Gebäude mitten in der Stadt: KULTUREN. Das Kulturen ist das größte Museum der Region Skåne. Es ist ein Freilichtmuseum – das zweitälteste der Welt – und kulturhistorische Ausstellungsstätte zugleich. Vor allem kann man hier durch das Leben vergangener Epochen wandern. In Gärten und Häusern den vergangenen Alltag anschauen. Im Kulturen wird einmal mehr deutlich, was Lund seit langer, langer Zeit prägt: der Wunsch, die Dinge zu verstehen. Auch deshalb verwischen hier manchmal die Grenzen und man weiß nicht genau, ob man noch im Museum steht oder schon draußen in der historischen Innenstadt.

Pistole mit verbogenem Lauf

In einem der kleinen Parks bleibt der Blick an einer überdimensionalen, bronzenen Pistole hängen. Ihr Lauf ist verknotet. Das Original des Kunstwerks steht als Mahnmal vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York. Geschaffen hat es der schwedische Künstler Carl Fredrik Reuterswärd unter dem Eindruck der Ermordung von John Lennon. Dem Skissernas-Museum, das seinen Eingang gleich hinter dem Skulpturen-Park hat, geht es nicht um Originale. Sondern um die Wege zur Entstehung großer Kunst. Es ist ein Skizzenmuseum. "Man darf sich allerdings unter Skizzen nicht nur kleine Zeichnungen auf Papier vorstellen", erklärt Linnéa, die Besucher durch die Ausstellungsräume führt. Die Skizze, unter der sie steht, ist 3,30 Meter hoch und 6,10 Meter breit. Henri Matisse hat mit ihr 1951 eine Idee für die Gestaltung einer Kapelle in Südfrankreich festgehalten. Wenige, einfache Ornamente auf einer großen, gelb-matten Fläche, die fast wie ein großes Stück Paketpapier wirkt. In der Mitte der Skizze: die Jungfrau mit dem Kind, in fließenden Linien verbunden. Ein großes Kunstwerk – auf seine Idee reduziert. Die Kapellengestaltung , die aus dieser und weiteren Skizzen entstanden ist, hielt Matisse selbst für sein Meisterwerk. Im Skissernas-Museum lässt sich ein Stück ihrer Entstehung rekonstruieren.

Weitere Infos rund um das Skizzenmuseum gibt es unter www.skissernasmuseum.se.

Skizzen-Riesen und Tetra Pak

"Das ist jetzt aber ein grober Fehler der Ausstellungsmacher", denkt wahrscheinlich mancher Besucher, wenn er durch den Ausstellungsraum nebenan spaziert. Da steht ein großer Block aus Gips mit den Maßen 260 x 450 x 310 cm. Sieht aus wie ein ausgewachsenes, fertiges Kunstwerk – ist aber eine Skizze, ein Entwurf, aus dem Henry Moore sein Werk "Hill Arches", eine Bronzeskulptur, entwickelt hat. Manche brauchen es einfach von Anfang an groß.

Auch das Gebäude des Museums entstand wie ein Kunstwerk – über die Zeit, mit vielen Überarbeitungen. Heute hat es Teile aus sechs verschiedenen Perioden, die zu einem vielfältigen Ganzen zusammengefügt wurden. Jeder Raum verströmt seinen eigenen Charakter und lässt die Kunst, die in ihm ausgestellt wird, auf jeweils besondere Weise wirken. Es kann warm und heimelig sein im Skissernas Museum, aber auch kühl und etwas fremd – wenn man vor den modernen, vielleicht 20 Meter hohen, rohen Betonwänden des neuen Raumes steht, auf denen Graffiti-Kunst zu sehen ist.

Die Bürger von Lund für ausschließlich den schönen Künsten und den Wissenschaften zugewandte Menschen zu halten, wäre allerdings ein Fehler. Der Ideenreichtum verbindet sich hier offenbar auch mit handfesten Unternehmertum. Vor den Toren der Stadt steht ein großes Werk der Firma Tetra Pak. Die Lebensmittelverpackungen haben 1951 von hier aus ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Auch Sony mobile communications ist in der südschwedischen Stadt zuhause. Wenn man eine gute Idee hat, warum sollte man dann damit kein Geld verdienen? In Lund beherrschen Sie das Alte und das Neue – mit großer Gelassenheit.

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Ausstrahlungstermine: 25.02., 04.03., 11.03. und 18.03.2018, jeweils um 18.15 Uhr auf MARCO POLO TV.

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