© Carolina Romare, Visit Sweden

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Der Kattegattleden: Küstenradeln am Schwedenmeer

Einige behaupten, es sei ein Arm der Ostsee. Andere sind sich sicher, dass die in der Sonne glitzernde Fläche da draußen zur Nordsee gehört. Die meisten Schweden sagen: "weder noch" und pflegen die traditionelle Auffassung von der Eigenständigkeit des Kattegat. Eine Art Schwedenmeer, das man allenfalls noch freundschaftlich mit den benachbarten Dänen teilt. Mit einem Küstenstreifen, der so ziemlich alles bietet, was man sich von einer schwedischen Landschaft wünscht: sanft geschwungene Sanddünen, Felsformationen mit gigantischem Blick, einsame Leuchttürme, pittoreske kleine Häfen. Und mit einem 370 Kilometer langen, sehr gut ausgebauten Fahrradweg, der die Städte Helsingborg im Süden und Göteborg im Norden miteinander verbindet. Entlang der Strecke kann man sich Fahrräder leihen und einfach starten.

Alles wichtige zum Kattegattleden findet ihr unter kattegattleden.se.

Erster Halt: Rhododendren-Paradies mit Schloss am Meer

Wer von Helsingborg nach Norden radelt, sollte allerdings schon bald die erste Rast einlegen. 5 Kilometer vom Zentrum entfernt erheben sich majestätisch die Mauern des Sofiero Slot. Eine frische Meeresbrise weht vom Kattegat herüber zum 1864 erbauten Sommersitz mit seinem 15 Hektar großen Garten. Kronprinz Gustav Adolf hatte sicherlich nicht im Sinn, sein Schloss noch bekannter zu machen, als er nach seinem Einzug 1905 anfing, Rhododendren aus aller Welt zu sammeln und in seinem Garten zu pflanzen. Es ist trotzdem so gekommen – der Garten wurde weltberühmt und 2010 zum schönsten Garten Europas gekürt. Wer Rhododendren mag, findet hier sein Paradies – 300 Sorten blühen im späten Frühjahr, insgesamt 10.000 Pflanzen dieser Gattung pflegen Gartenchef Johan und sein Team. Damit sich die Pflanzen in ihrer neuen Heimat so richtig wohlfühlen, hat Gustav Adolf die meisten in zwei Schluchten pflanzen lassen, die sich über das Gelände bis fast ans Meer ziehen. Hier stehen die Rhododendren windgeschützt in einem idealen Klima und gedeihen prächtig.

Frische Welt in grün, rot und blau

Weiter nach Norden wechselt die Landschaft in tiefes Grün. Dazu kleine Dörfer mit roten Holzhäusern. Diese Welt erfrischt – nicht nur beim Fahrradfahren. Das muss jetzt die schönste Gegend Schwedens sein, denkt man. Nur um ein paar Kilometer weiter die Gewissheit zu haben: Hier ist es auf andere Art mindestens genauso schön. Also besser immer weiter radeln.

Vorbei an Höganäs , der kleinen Stadt mit der wohl berühmtesten Keramikfabrik Schwedens und der schönen Markthalle, nach Mölle - auch so ein Frische-Ort. Das pittoreske Seebad an der malerischen Bucht wurde legendär wegen eines Skandals der Fortschrittlichkeit: Zum ersten Mal durften hier Mitte des 19. Jahrhunderts Frauen und Männer gemeinsam baden. Vom Hafen aus steigt die Straße Richtung Kullaberg steil an. Der Weg gehört nicht zum Kattegattleden, aber der sportliche Abstecher lohnt sich. Oben, im Naturreservat neben dem Leuchtturm, geben die schroffen Felsen den Blick über das Meer frei. Von hier aus lässt sich erahnen, welch gewaltige Kraft das Wasser entwickeln kann. Die ganze Lieblichkeit der Landschaft bleibt unten in der Bucht von Mölle zurück.

Design, Pizza und psychedelischer Kult

Auf dem Rückweg erntet der Radfahrer den Lohn des harten Anstiegs: bergab in den Ort rollen und einen Stopp in der Mölle Krukmakeri & Café einlegen. Lisa hat hier vor 20 Jahren eine Töpferei für Produkte mit modernem schwedischem Design gegründet. Das Gebäude der Krukmakeri wirkt wie eines der sehr einladenden Landhäuser, die typisch für diese Gegend sind. Drinnen darf man sich überall umsehen, alles anfassen und den Töpferinnen bei der Arbeit zuschauen. Überall duftet es nach frischem Lehm und gebrannter Erde. Echte Handarbeit, made in Mölle, und ein ganz bewußter Gegensatz zu den uniformen Produkten, die es überall auf der Welt zu kaufen gibt. Jede Tasse, jeder Teller ist etwas anders, ein individuell geformtes Einzelstück.

Von nebenan zieht ein unfassbar appetitanregender, ganz anderer Geruch herüber. Die "Krukmakeri" betreibt auch ein Restaurant. Im Steinofen backt der Koch des Hauses Pizzateig. 60 Sekunden bei 480 Grad – das ist Geheimnis, das die Pizza so lecker-cross macht. Dafür ist das Haus in der ganzen Gegend berühmt. Draußen im Garten speist man im Schatten der Bäume, entspannt-gelassen, wie unter Freunden. Heiße Pizza und eiskalte Getränke bringen die gerade beim Radfahren verbrauchten Kalorien gleich wieder zurück. Wer es ganz typisch schwedisch mag, genießt hier seine Fika: Zimtschnecken und heißer Kaffee – serviert selbstverständlich in Tassen, die die hauseigene Töpferei hergestellt hat. Zur unerwarteten Vielfalt der "Krukmakeri" trägt noch eine weiterer Gebäudeteil bei: Hinter dem Toilettenschild verbirgt sich ein psychedelisch anmutender Raum, dessen Symbolik sich auf den ersten Blick nicht entschlüsseln lässt…

Fahrrad-Pause auf dem Centre-Court

Der Kattegattleden schlängelt sich weiter am Meer entlang, vorbei an Ängelhom durch die Bucht von Skälderviken. Die Uferregion flacht angenehm ab, vor Båstad haben sich Buchen und Kiefern bis an den Strand vorgewagt. Das Fahrrad scheint fast von selbst zu laufen. Eingerahmt zwischen weißen Bootssegeln und dem roten Holz der alten Fischerhäuschen führt der Radweg ins Zentrum von Båstad. Der außergewöhnlichste Rastplatz weit und breit ist der Centre-Court der Tennisanlage mitten im Ort, einen Steinwurf vom Kattegat entfernt in der Einmündung der Laholmsbucht. Einmal im Jahr spielen die Herren der ATP-Worldtour vor dieser fast dörflichen Kulisse Weltklassetennis. Jetzt kann man sich einfach auf die große Tribüne setzen und in der Radfahrpause den Blick auf das leere Stadion mit den alten Backsteinhäusern drumherum genießen – gestört nur von ein paar Möwen, die manchmal laut dazwischenrufen.

Meisterlicher Porridge im weißen Vandrarhem

60 Radkilometer weiter nördlich, zwischen Halmstad und Falkenberg, in Steninge, steht ein weißes Verandahaus am Meer. Der märchenhafte Strand davor glänzt im letzten Abendlicht. Sommerabendfrische. Der vorgelagerte Felsen ist der optimale Punkt, um ganz für sich die Sonne im Horizont versinken zu sehen. An der Tür des weißen Hauses empfangen Catarina und Per die Gäste ihres "Vandrarhem". Schön schwedisch-geschmackvoll und ganz einfach ist es hier in der Herberge für Reisende direkt am Kattegatleden. Ein Bett, ein Schrank, ein Fenster. Und Ruhe. Mehr braucht eigentlich niemand. Genau das Richtige nach einem langen Tag im Sattel – ein durch und durch radfahrerfreundliches Haus. Morgens wird klar, dass das Vandrarhem doch ein Luxus-Extra zu bieten hat. Das Frühstück. Per ist schwedischer Porridge-Meister und er demonstriert hier seine Kunst, den leckersten Haferbreit weit und breit zuzubereiten. Am Kattegattleden scheint fast jedes Haus für eine Überraschung gut zu sein. Es lohnt, sich Zeit für die Vielfalt an Möglichkeiten zu nehmen, die rechts und links des Radwegs warten.

Und wer selbst einmal im Steninge Vandrarhem übernachten möchte, findet hier alle wichtigen Informationen.

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