© Mickael Tannus, Visit Sweden

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Söderåsen - Erholung pur und fantastische Ausblicke

Wir biegen nach rechts ab auf einen Waldweg in Söderåsen, dem waldigen, felsigen Naturparadies im Süden Schwedens. Der Kies knirscht unter den Reifen. Baumriesen säumen den Weg, umhüllen uns mit Millionen Blättern. Meine Tochter Ellen kurbelt ihre Seitenscheibe herunter: ursprüngliche Frische strömt herein - aromatisiert mit dem Duft von Holz und Moos. Ich halte an und wir steigen aus, irgendwo, mitten unter Bäumen. Wir stehen vor dem Auto und tun nichts, außer zu atmen und zu staunen. Ein leichter Windhauch bewegt die Äste und gibt der Sonne die Chance, immer wieder durch das bewegte Blätterdach zu blinzeln. Man hört nichts. Nur hin und wieder das von der Waldluft orchestrierte Rascheln der Blätter. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis dieser Wald so geworden ist: auf natürliche Weise perfekt. Ein Urwald, nur 50 Kilometer von Malmö entfernt.

Im Bann der rauschenden Wälder

Ganz in der Nähe verläuft der Skåneleden, ein 1000 Kilometer langer Wanderweg durch das ländliche Skåne, der viele Querverbindungen hat und deshalb auch für Rundtouren ideal ist. Er führt mitten durch diese wunderbare Natur – und zwar so gut ausgeschildert, dass es praktisch unmöglich ist, sich zu verlaufen. Trotzdem bleibt man für sich, wandert stundenlang, ohne einem Menschen zu begegnen. Weitere Infos zum Wanderweg findet ihr unter de.skaneleden.se.

Wir wollen noch ein Stück weiter - wir haben eine Verabredung. Mitten im Wald steht eine Frau in roter Jacke am Straßenrand und winkt unser Auto zu sich heran. Ich stelle den Motor ab, öffne die Tür und bin erstmal wieder überwältigt von der Geräuschkulisse: tiefe Stille. Keine Menschen, kein Verkehr, nichts. Die Frau, die uns gestoppt hat, heißt Frida und ist offenbar weit und breit der einzige Mensch außer uns beiden. Frida betreibt ganz in der Nähe ein Bed& Breakfast und kennt die Wälder genau. Sie ist heute unser Guide. "Ihr wollt ja draußen am See übernachten, da habt ihr gleich noch ein gutes Stück vor euch", stimmt sie uns auf die Tour ein. Im Gänsemarsch stapfen wir durch den lichten Buchenwald. Nach ein paar Minuten bricht der ebene Waldboden, auf dem wir gemütlich gehen, abrupt ab. Wir stehen an einer Kante und blicken 100, vielleicht 150 Meter in den Abgrund. Es sieht so aus, als hätten Riesen hier gewaltige Felsstücke herausgerissen. "Das war das Eis", erklärt Frida. "In der Eiszeit sind gewaltige Felsblöcke einfach rausgebrochen und weggeschoben worden."

Wasser made in Sweden

Wir wandern weiter – mit respektvollem Abstand zur Abbruchkante und Blick auf das Tal, das das Eis geformt hat. Während es bei uns in Südschweden sonst recht flach ist, besteht Söderåsen aus bewaldeten Hügeln mit tiefen Felsschluchten. In manchen dieser Schluchten hat sich seit Jahrhunderten gar nichts getan, sie sind einfach zu abgeschieden und blieben der Natur überlassen. Wer hierher kommt, versteht sofort, warum man 2001 einen Teil des Gebiets zum Nationalpark erklärt hat.

Frida führt uns bergab. Unten beginnen mit Holzbohlen gebaute Wege. "Hier brauchst du für deine Wanderung kein Wasser mitzunehmen", sagt Frida und zeigt auf einen Holzpfahl, an dem ein eiserner Schöpflöffel hängt. Ellen taucht ihn in die Quelle und nimmt einen Schluck. Ihre Vorsicht wandelt sich schlagartig in Begeisterung: "Schmeckt wirklich klasse – total frisch." Es macht einfach Spaß, aus der Natur zu leben. Wann habt ihr das letzte Mal richtig Durst gehabt und dann Wasser aus einer Quelle im Wald getrunken? Probiert es aus – am besten hier in Söderåsen an der Rårödspågens Quelle.

Die Pyramiden von Söderåsen

Ellen und ich machen uns allein auf zu unserem Ziel – einer Schlafstelle mit Feuerplatz am See. Eigentlich darf man in Schweden überall in der Natur übernachten. Wir nennen das "Jedermannsrecht". Hier im Nationalpark gilt dieses Recht etwas eingeschränkt, weil die Natur besonders schutzbedürftig ist. Als Ersatz hat die Parkverwaltung an einigen Stellen einfache Holzhütten aufgestellt, in denen man übernachten kann.

Mit geschulterten Rucksäcken durchqueren wir einen alten Waldbestand. Hinter einer riesigen Buche haben sich Waldameisen eine fast zwei Meter hohe, runde Pyramide gebaut und wuseln auf ihrer Behausung herum. "Fleißige Tiere", behaupte ich. "Die tanzen ihren Tanz und haben Spaß", meint Ellen.

Ein Dach am See

Es ist später Nachmittag. Langsam wird es Zeit, an das Abendessen zu denken. Wir haben Glück. Am bewaldeten Seeufer taucht ein Holzverschlag auf. Das muss unser Waldhotel sein. Der Schlafplatz hat drei Seitenwände und ist nach vorne offen – Seeblick mit frischem Wind. Auf dem Dach liegt eine Angelrute. Ellen und ich beschließen, unser Glück zu versuchen. Mit ihren Händen zeigt Ellen an, welche Beutegröße sie von ihrem Vater erwartet, ein Meter sollte es offenbar schon sein. Keine Ahnung, ob es hier Fische in dieser Größe gibt. Nach einer kurzen und erfolglosen Präsentation meines Könnens überlasse ich Ellen die Angel. Wenn sie alles genau so macht, wie ich es ihr gezeigt habe, werden wir heute Abend garantiert keinen Fisch essen. Auf diese Lage bereite ich mich jetzt schon mal vor und stapfe zurück zur Hütte.

Teuflische Wraps am Lagerfeuer

Holzhacken. Feuer machen. Im Rucksack habe ich bestes Fleisch von Holy Smoke mitgebracht. Ein paar teuflische Chilis aus der Chili-Garage in Bräcke. Es gibt südschwedische Wraps mit feuriger Füllung. Ellen kommt vom See zurück. Ohne Fisch, aber mit guter Laune. Immerhin steht trotz des Misserfolgs ein richtig gutes Outdoor-Abendessen in Aussicht. Wir schnippeln die restlichen Zutaten gemeinsam: Möhren, Chilis, Paprika. Unseren Sound spielt das Feuerholz ein; unregelmäßiges sattes Knacken, untermalt vom Brutzeln des inzwischen knusprigen Fleisches. Man muss gar nicht viel erzählen, wenn man so am Feuer sitzt und sich einfach freut, auf den See schaut, hinter dem sich der Himmel langsam abendlich rot färbt – und dann, nach einem Tag Unterwegssein in der Natur in diesen Wrap beißt. "Ist der gut?" frage ich. "Verdammt gut" sagt Ellen. Und das macht mich wirklich zufrieden.

Später, in unseren Schlafsäcken in der Hütte mitten im Wald, schauen wir auf den inzwischen im Abendlicht schlummernden See und riechen den Wald. Klar, es gibt viele schöne Plätze auf der Welt. Aber in diesem Moment möchte ich den hier gegen keinen anderen tauschen.

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