© Jonas Ingman, westschweden.com

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Alingsås: Die den Kaffee lieben...

Das Zentrum des Kaffees liegt in Westschweden, in der Nähe von Göteborg. Das sehen hier alle so und es gibt auch gute Gründe, davon auszugehen, dass es stimmt. Welcher Ort verfügt auf seinem Marktplatz schon über zwei lebensgroße Denkmäler stadtgeschichtlich bedeutender Männer, die beide den Kaffeekonsum in ihrer Stadt enorm gefördert haben – und das, ohne es eigentlich zu wollen? Welche beschauliche Kleinstadt verzeichnet mehr als 30 Cafés, die ihre Bewohner mit dem versorgen, was sie zum Leben offenbar am dringendsten brauchen: heißen Kaffee und dazu ein leckeres Stück Gebäck? Und wo gibt es geführte Touren zu historischen und preisgekrönten Cafés? "Alingsås" lautet die klare Antwort von Margareta. Sie ist Stadtführerin mit Spezialisierung auf Kaffee und Kuchen. Auch als überzeugte Anhängerin von Alingsås muss sie zwar zugeben, dass das schwarze Heißgetränk praktisch in allen Gegenden Westschwedens und darüber hinaus im ganzen Land große Bedeutung hat – schließlich liegen die Schweden insgesamt beim Kaffeeverbrauch pro Kopf unter den Top 3 in Europa. Aber hier in Margaretas kleiner Stadt hat es mit dem Kaffee doch etwas Besonderes auf sich.

Weitere Infos zu Fika-Touren gibt es hier.

Denkmale des guten Geschmacks

Die zwei in Metall gegossenen Herren, die auf dem Marktplatz thronen, waren zu Lebzeiten bedeutende Unternehmer. Jonas Alströmer und Charles Hill investierten, brachten die Textilindustrie nach Alingsås. Die alte Unternehmenszentrale steht noch immer am Rande des Marktplatzes – ein schlichtes, gelbes Gebäude, das jetzt ein Museum beheimatet. So kam der Aufschwung nach Alingsås, und mit ihm Hunderte von Arbeitsplätzen. Das 3000-Seelen-Örtchen wuchs und wuchs. Nach und nach stellten die Fabriken auch immer mehr Frauen ein, um ihren Bedarf an Arbeitskräften zu decken. "Die Frauen hatten dann einfach keine Zeit mehr, ihr Brot zu backen", erklärt Margareta. So begann in Alingsås die große Zeit der öffentlichen Cafés. Café Viola, Café Göta und Café Ringen – so hießen die erste drei.

Die braune Cousine rettet Leben

Die wirtschaftliche Entwicklung brachte dem Ort nicht nur ein blühendes kulinarisches Dienstleistungsgewerbe, sondern auch eine neue Form von Suchtbekämpfung: "Früher tranken die Arbeiter schon morgens Schnaps, das war leider ganz normal. Die Cafés boten dann die Möglichkeit, ganz bequem auf ein anderes Getränk umzusteigen und so besser in den Tag zu kommen. Das haben einige genutzt und es hat wahrscheinlich manchem das Leben gerettet", erzählt Margareta. Irgendwann war Kaffee dann so beliebt, dass die Bauern, die Schnaps brannten, gegen den neuen Konkurrenten Sturm liefen. Mit Erfolg: zeitweise war Kaffee im ganzen Land verboten. Es gab ihn nur als Schmuggelware und unter seinem Decknamen. "Man konnte in den Cafés keinen Kaffee mehr bestellen, sondern fragte, ob die 'braune Cousine' noch da sei", erklärt Stadtführerin Margareta.

Ohne Fika ist alles nichts

Das alles konnte den Siegeszug des Kaffees nicht bremsen. Im Gegenteil: In Alingsås sind sie heute wohl auch wegen dieser Geschichte stolz auf ihr Lieblingsgetränk. Und im Rest von Schweden liebt man die heiß-duftenden Bohnen auch ohne die historischen Irrungen und Wirrungen. Oder mit anderen. Nachmittags gibt es jedenfalls heute in ganz Schweden wie auch in Alingsås "Fika": Kaffee mit Gebäck. Schweden ohne Fika wäre wie Meerwasser ohne Salz. Es gäbe noch fast alles, aber etwas, das alles verbindet, würde fehlen. Fika existiert nicht im Singular, denn Fika hat man immer gemeinsam. Im Büro, mit Freunden, zuhause in der Familie, im Café. Margareta erklärt das so: "Wenn ich Dir jetzt sage 'Komm, wir machen Fika' – dann meine ich damit "lehn Dich zurück, entspanne Dich, denk mal an etwas ganz anderes und plaudere ein paar Minuten mit mir!"

Liebeserklärung in Marzipan

Klar, Fika geht auch mit Sandwiches. Aber eigentlich nur mit Gebäck, am besten mit Kanelbullar, den unfassbar guten schwedischen Zimtschnecken. Oder natürlich mit der Königin der Torten, der Prinzesstorte. Direkt am Marktplatz von Alingsås steht das Café Ljungblads Konditori. Vom Hinterzimmer der Gaststube steigt man mit einem etwas in die Jahre gekommenen Aufzug hinauf in den Olymp der Prinzesstortenzubereitung. Hier ist das Reich von Pavel. Aus Vanillin-Creme, Schlagsahne, Marzipan und einigen Geheimzutaten bereitet er in einem kleinen Maschinenpark aus bewährten Backgeräten die Krone der Tortenherstellung zu. Er ist Spezialist und leidenschaftlicher Fan zugleich: "Sie schmeckt einfach so herrlich", erklärt er seine Passion, "und man kann sie zu jeder Gelegenheit verschenken. Einfach den passenden Text draufschreiben und fertig. Das funktioniert sogar als Liebeserklärung… ."

Weitere Infos zu Westschweden findet ihr auf www.westschweden.com

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